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Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brtthl'schen UniversitätS°Buch. und Steindrnckerei, R. Lange, Gießet
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Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Kelch, Elch.
* Italienische Erinnerungen an Robert Koch. Einem Mitarbeiter der Tribuna erzählte der italienische Bak-
VSamanttätse!.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben abcddeeeh h i 1 1 minmnnnnn n o ü ü derart einzutragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:
1. Einen Konsonanten.
2. Gebirgszug in Thüringen.
3. Weiblichen Vornamen.
4. Stadt in Bayern.
5. Einen Bogel.
3. Ungarischen Geschichtsschreiber.
7. Einen Konsonanten.
Die senkrechte und magerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche.
Auflösung in nächster Nummer.
teriologe Prof. Gofio einige Erfahrungen von seinem Z> sammennrbeiten mit Robert Koch, die auf den Charakter bi Heimgegangenen großen Forschers ein Helles Licht loerfen. Gofio war Kochs Gefährte, als dieser znr Erforschung der Malaria nach Italien kam und sich in Grosseto festsetzte. Beim Morgengrauen erhob sich der unermüdliche Gelehrte bereits, und nm Mitternachts ivar er noch auf den Beinen: während des Tages ließ er sich kaum die Zeit, mit aller Hast eine Mahlzeit einzunehmen. War er nicht int Versuchsraum, so war er unterwegs, um die Kranken zu besuchen und gemrue Daten zu sammeln. War es für einen Versuch etwa nötig, zehn Fälle zu prüfen, und er hatte derben hundert in seinem Bereich, so war es sicher, daß er alle hundert gründlich studierte. Gofio überraschte ihn noch nach Mitternacht am Bett der Krankeil, wo er ihren letzten Fieber- Unfall studierte. Dabei war er frenndlich und liebenswürdig zu jedermann. „Ich erinnere mich," so erzählt Gofio, „daß er in Grosseto, als er von meiner Leidenschaft für die Pinienkerne gehört hatte, sie überall mitnahm, wo er sie nur anftreiben tonnte, Um sie mir abends vorzusetzen. Als wir zur Maremme unterwegs waren, sprang er häufig vom Pferde imb bot es einem Begleiter tzn, damit dieser sich ausruhe. Aber natürlich geizte er mit seiner Zeit, und es gab Augenblicke, in denen er nicht gestört werden durfte. Eines Tages war er hier in Rom im Hospital von Santo Spirito und war gerade in die Untersuchung einer Bak- icrtenhtttur vertieft, als ein berühmter Mediziner bei ihm eintrat: Koch wandte sich nicht einmal um, sondern murmelte nur 'ein Paar Worte vor sich hin, die dem Besucher so wenig höflich schienen, daß er sich alsbald empfahl. Er kannte, wie man weiß, durch seine Studienreisen die ganze Welt und er Pflegte scherzend zu sagen, es toäre nur noch ein kleines Stück Erde übrig geblieben, das er nicht besucht hätte: Patagonien . . ."
Werner u. a. Nahezu ein Jahr stand Weber int Banne der seltenen Frau, bis er endlich überwand und in der zur selben Zeit am' Prager Nationaltheater wirkenden Sängerin Karoline Brand den wahren Stern seines Lebens entdeckte. Am 30. September 1816 schied er aus seiner Prager Stellung, aber er und Therese haben einander nie vergessen. Therese, die ein Alter von 82 Jahren erreichte und erst 1864 in Prag gestorben ist, bekannte in späteren Jahren einer nahen Freundin: „'Dieser Mann hat mich unaus'- sprechlich, hat mich wahrhaftig geliebt. Er verließ mich nur, weil feine kerndeutsche Natur, feine natürliche sittliche Anlage die Beziehung zu einer verheirateten Frau nicht ertragen konnte." Voic ihr selbst, die sich in ihrem späteren Alter noch philosophischen Studien zuwandte, entwirft ihr Biograph ein sehr gewinnendes Bild. Ihre einzige Tochter Resi wurde die Gattin des Komponisten Johann Wenzel Kalliwoda, des späteren Karlsruher Hofkapellmeisters und Komponisten des vielgesungenen Mänuerchvres „Das deutsche Lied".
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licheit Bewegung nicht standhielt: dckr Hosenboden vergaß seins Pflicht unb zerriß. Als gute Kollegin sah sie voraus, daß ihr Partner wegen dieses Unglücks vom Publikum verlacht iverdest könnte. Sie wollte ihn warnen, und in der Annahme, daß ja doch wohl niemand italienisch verstehe, sang sie mit traaisckM Gebärden und bestrickender Leidenschastlichkeit: „Drehen Sie sich nicht um, ihre Hose ist hinten anfgeplatzt." Aber die Primadonna hatte sich verrechnet. Der Aufführung wohnten eine Anzahl Italiener bei, die mit begreiflichem Staunen diese immerhin merkwürdige Aeußerlmg der in höchsten Seelennöten sich windeudest Tosca hörten und schließlich ihrer Heiterkeit nicht Herr werdest tonnten. Das amerikanische Publikum, das von der Improvisation nichts gemerkt hatte, war empört, die Störenfriede wurden MÄ dem. Saal gewiesen und mau führte sie zur Polizeiwache. Dort erklärten sie den Zusammenhang ihres Lachens mit der Oper von Puecini.
* ,/O welche Lust, Soldat zu f ei u!" In den Zeiten', in denen noch keine allgemeine Heerespflicht die Jugend zu den Fahnen führte, hatten die Regimentsinhaber oft ihre liebe Not, um die nötigen Rekruten herbeizuschaffen. Das Journal des Ddbats berichtet einige lustige Beispiele von der Art und Weise, wie in der guten alten Zeit der Nachwuchs zu den Kasernen an-, gelockt ivurde. Als die Tätigkeit der Werbesergeanteu nicht mehr ausreichte, da ließ ein Artilleriekommandant der französischen Armee — vor der großen Revolution — in allen Gemeinden und Dörfern folgendes Plakat anschlagen: „Wisst für die schöne Jugend! Alle, die in das königliche Artilleriekorps, Regiment de La Färe, eintreten wollen, tverden benachrichtigt, daß btefejä Regiment das Regiment der Picardie ist. Man tanzt dort dreimal in der Woche, zweimal wird Ball gespielt, die übrige Zeit bient zum Kegelschieben, zum Ticruspiel und zur Waffenübung. Dick Unterhaltung und das Amüsement herrschen überall. Alle Soldaten bekommen eine hohe Löhnung, gute Posten und spütep Offiziersstellungen. Man wende sich au M. de Richousftz in seinem Schlosse von Bonchelles bei Noyon in der Picardie. Hohe Belohnung für alle, die ihm schöne Leute znsühreu." Aber nicht nup die alte Königsarmee Frankreichs, astch das republikanische Heer geriet bisweilen in Rekrnienuot. Mlit welchen Mitteln die Republikaner arbeiteten, zeigt ein anderes. Werbeplakat: „Kavallerieregimeast i — Stets bereit! Stets .... auf dem Sattel! Avantgarden^ regiment auf Ehrenposten, 15 Kilometer von der Grenze, besondere Vergünstigungen. Uniform: hiinmelblauer Rock, rote! Hose usw. Zu Beginn des 3. Dienstjahres Unteroffiziernniformf aus feinem Tuch. — Quartier: die Quartiere haben ausgezeichnete frische Luft und bieten die herrlichste Aussicht. Sie sind freundlich, hübsch und idyllisch, mit schattigen Bäumen, Gärleic und Blumen. Große Speisesäle. Jeden Tag Tee und Kaffee: Weißbrot, abwechslungsreiche Ernährung. Schöne Gesellschaftsräume mit Gasbeleuchtung, geheizt, wirkliches Soldateukasuio mit Bibliothek/ Briefpapier und allerlei Spielen. Unterhaltsame Borstellungen, Taschenspielerkunststücke, Zaubereien, Borträge über Landwirtschaft, Industrie und Militärgeschichte mit Lichtbildern. Im Sommer werden in frischer Lust Spiele veranstaltet, Geräte vorhanden/ Fußballausrüstung, Ballspiele. Schivimmexknrsionen, Ausslügü in die Vogesen nsw. Elegante, gut dressierte Pferde, dabei lammfromm. — Garnison: Industrie- und Ackerbanstadt mit breiten, schönerr Straßen und hübschen, ansehnlichen Gebäuden. 20 000 Einwohner, alle sehr freundlich und entgegenkommend, sehr Patriotisch, man liebt das Militär. Herrliche Promenade mit schattigen Spaziergängen, Blumenbeete, Museen, Theater, Wanderzirms, Kirchweihe, öffentliche Bälle unb. Volksbelustigungen." Diese verheißungsvollen Aufforderungen zum Militärdienst unterscheidest sich sehr von dem lakonischen Gestellungsbefehl, mit dem heutzutage der angehende Rekrut in die Kaserne berufen wird.
* Militärisches. Feldwebel: „Was versteht man unter Heuchelei?" — Rekrut: „Heuchelei? — Heuchelei ist — ist —: wenn jemand sagen mochte, er hat seine Vorgesetzten gern!" —. —>
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* Das Meer als — Litfaßsäule. Aus Neivhvrk wir berichtet: In Newyork hat sich mit einem Kapital von zwei Millionen Mark eine große Gesellschaft gebildet, die eine neue Art von Reklame einführen will: gegenüber allen großen Seebäder» sollen int Meere mächtige Leuchtbojen angelegt werden, die zur Reklame dienen. Der Plan hat in Amerika lebhaftes Aufsehen und leidenschaftlichen Widerspruch erregt. Die Bewohner von Atlantic City, des „amerikanischen Ostende", haben eine Bersanrmluüg abgehalten unb Einspruch erhoben gegen diesen Plan, der die Schönheit der Natur zerstöreu würde. Der Bürgermeister von Atlantic City hat sofort Schritte eingeleitet, ‘bte daraus abzielen, die Ausführung dieser Reklamen zu verhindern, aber es bleibt zweifelhaft, ob er mit seinem Widerspruch auch juristisch durchdringt, da die Reklauregesellschaft mit ihren Leucht- bvielt über die Dreimeilengrenze der Küstengewässer hiitausgehen WM, für die gesetzliche Beschränkungen nicht mehr bestehen. Zu gleicher Zeit mit dem neuen Reklarneplan taucht überall in Amerika zorniger.Widerspruch auf gegen die Naturschändungen, die bisher stattgetunden haben. In der Tat sind länas der amerikanischen Eisenbahnlinie gerade au den landschaftlich reizvollsten Stelleit überall ntächtige Reklameschilder ttnd Plakak- 'anhäufimgen angebracht, die das Bild der Natur vollkommen 'entstellen, den Unternehmern aber Riesengewinnste eintragen.
. *5?1 Fc lustige Geschicht e. Das Opernhaus in Boston, !o erzählt der Gaulois, war kürzlich der Schauplatz eines vergilng- lichen Theaterskandals. Man gab die „Tosca" und zivar auf italienisch. Die beiden Vertreter der Hauptrollen sangen gerade em leidenschaftliches Duett, Mario Cavaradossi unb bie Tosca entluden ihre Gefühle in den höchsten Tonen, als plötzlich im ersten Rang em krampfhaftes Lachen ertönte unb die Weihe des Augenblickes völlig zerstörte. Was ivar geschehen? Aus ivelchem Anlässe konnten rücksichtslose Kunstbanausen die ausgezeichnete Darstellung verhöhnen und die ganze Aufführung stören? In der Tat, es war etwas Ungewöhnliches geschehen, wenngleich nicht gerade etwas Unrcchbares^ Die Tosca hatte gemerkt, daß das Beinkleid ihres gebebten Mario Caravadosti irgend einer besonders leidenschaft-


