Ausgabe 
6.6.1910
 
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und Ksten-Kin als Jein Operationsgebiet betrachtete. Ende des Jahres 1856 begab er sich sodann nach Jndusland, anfangs 1857 fuhr er nach Aegypten. Im Sommer (7. Juni) des gleichen Jahres betrat er mit dem inzwischen ihm nachgefolgten Bruder Hermann in Triest wieder euro­päischen Boden. Boir hier ging es zunächst nach Berlin, später ließen sie sich aus der Jägersburg bei Forchheim nieder. Hier fand auch die erste Ausstellung der bald auf König Ludwigs von Bayern Befehl größtenteils ans die Burg zu Nürnberg verbrachten Sammelergcbnisse der Reisen der drei Brüder statt, die jedoch nur von Robert und Hermann hat geordnet werden können, da der im Auslände zurückgebliebene Adolf am 26. August 1857 in 'Kaschgar auf Befehl des dortigen Gewalthabers getötet worden war. Die eingeheimsten Früchte ihres 3jährigen «Aufenthaltes in den östlichen Ländern waren für fast alle Wissenschaften von ungeheuerem Werte. So für die Kultur­geschichte, für die naturgeschichtlichen Disziplinen, insbeson­dere für die 'Anthropologie, für die eine Anzahl von Schädeln und Skeletten wie plastische Rassetypen mitgebracht worden waren, für die Ethnographie und Geographie vornehmlich. Welche Unsumme von Arbeit die Brüder geleistet haben, mag man am besten daraus erkennen, daß sie 46 Bände Beobachtungsmanuskripte, 38 Bände meteorologischer Be­obachtungen, 752.Zeichnungen und Aquarelle mit nach Hanse gebracht haben. Ein Teil des Materials wurde von Her­mann und Robert wissenschaftlich verarbeitet in denResults of a scientific Mission to Jndia and High Asia by Hermann, Adolf and Robert von Schlagmtweit" (sie waren vom König Max von Bayern in den erblichen Adelstand erhoben wor­den), welche 9 Bände umfassen sollten, aber wegen einge- tretcner Erkrankung Hermanns nur in 4 Bänden 18601866 bei Brockhaus in Leipzig erschienen sind.

Robert bekleidete jetzt eine Professur für Geographie än der Universität Gießen, wohin ihn der Großherzog Ludwig III. von Hessen-Darmstadt berufen hatte. Nun be­faßte er sich in der Folge teils mit der Abfassung popu­lärwissenschaftlicher Vorträge, welchen er die Erlebnisse und Ergebnisse seiner Reisen zu Grunde legte, teils mit der Herausgabe größerer Sonderiverke. Er sprach in ganz Deutschland, der Schweiz, Rußland, ja selbst in den Vereinigten Staaten von Amerika, welche er 1880 zum letztenmal besuchte, nicht ohne Nachteil für seine schon an und für sich angegriffene Gesundheit. Die Borträge fanden wegen ihres leichtfaßlichen und trotz ihrer Belehrung unter­haltenden Charakters überall die freundlichste Aufnahme, was den Verfasser bewog, 1878 ein Werk herauszugeben, mit dem Titel:Bericht über Robert von Schlagintweits 1000 Vorträge". Andere hervorragende Veröffentlichnngen von grundlegender Bedeutung sinh :Die Pacific-Cusenbahu in Nordamerika",Die Mormonen" (1874),Die Prärien des amerikanischen Westens",Die amerikanischen Eisenbahn- emrichtungen" (1881) undDie Santa-fe und Südpaeific-, Bahn in Nordamerika".

Sie alle tragen das Gepräge strengster Forschung, klarer und sicherer Beobachtung, peinlichster Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit; zugleich bekunden sie einen erstaunlichen Weitblick des großen Gelehrten, der als solcher ebenso un­vergessen sein wird wie als liebenswürdiger Universitäts­lehrer, dessen segensreiche Tätigkeit so vielen seiner Schüler mächtige Anregung gegeben hat für eine gedeihliche Weiter­entwicklung der von ihnen auserkorenen Wissenschaft.

vom ehemaligen Brauhaus zu Hungen.

Von A. Staubach, Hungen.

Ein Wahrzeichen aus Hungens Vergangenheit ist im vorigen Jabre mit dem alten Brauhaus verschwunden. Viele Jahrzehnte hatte der mächtige Steinbau Wind und Wetter getrotzt. Schon längst seiner ehemaligen Bestimmung ledig, diente das Bauwerk zuletzt lange Jahre dem guten alten Stadtschäser als Wohnung. Ursprünglich war das Brauhaus Eigentum der fürstlich Solms- Braunfelsischen Herrschaft, nach Einstellung des Braubetriebcs ging cs in den Besitz der Stadt Hungen über. Aus der Geschichte des Brnuhofes, die manchen bemerkenswerten kultur­geschichtlichen. Umstand berichtet, sei hier eine Vcrpachtnngs- anzeige mitgcteilt. In derWctzlarischen Zeitung" vom 26. August 1795 ist zu lesen:

A v c r t i s s c m c n t.

Die Herrschaftliche grosse Brau- und BraNndwein-Brenncrcy zu Hungen, deren bisheriger Bestand mit dem 1 len Oktober dieses Jahres zu Ende gehet, soll den 7 ten künftigen Monat Septembers dahier aus fürstlicher Rcnckammer nach einer denen Licitantcn vor­

gelegt werdenden Punktntion an den Meistbietenden öffentlich verpachtet und dabey einem zeitlichen Bestünder imter andern folgendes zu benutzen gegeben werden:

1. Sämmtliche zur Wohnung des Pächters, seiner Familie und Gesinds, so wie zum Brauen und Brennen, luic auch zu Haltung einer hinlänglichen Anzahl Viehes, eingerichtete, und in einem guten Stande sich befindende Gebäude, samt dem grossen Brau- und Brcnncrey-Geschirr mit dem dazu gehörigen Geräthe.

2. Zu Betreibung der Brau- imb Brcunerey alljährlich Ein Hundert Klafter Holz ohnentgeltlich, so wie alle zweh Jahre einen Bendcr-Stamm zu Unterhaltung des Brau- und Branndwcin-Geschirrs.

3. Wird demselben das, nach dem Jnventario vorhandene Bier- Branndwein- Malz- Schift- und Geschirr, nebst einer Anzahl Fässer, alles nach einer unpartheyischen Taxation übergeben.

4. Das in Hungen besiirdliche grosse Herrschaftliche Wirths-, haus-, welches ganz allein in Hungen das Recht hat, zu Herbergen und Wirthschaft zu treiben, hat der Brauerei-. Bcständer einzig und allein mit Bier und Branndwein zu belegen, und kann derselbe noch zwey bis drey Nebenzäpser anstellen.

5. Darf Bestünder im Brauhof den Branndwein Maas- und Schopfcnweiß verkaufen, sonsten aber keine Wirthschaft treiben; ;

Und endlich

6. kann der Pächter auch ein recht gutes Stuck Wicswachs von 10 bis 15 Morgen, zu Unterhaltung seines Viehes Leyhweis erhalten.

Es wird daher dieses zu jedermanns Nachricht bekannt ge­macht, damit die zu dieser Pachtung Lusthabende, und sich mit glaubhaften attestatis der hierzu erforderlichen Kenntniß, auch daß sie eine annehmliche Kaution von 2 bis 3000 fl. zu leisten, im Stande, legitimieren können, an erjagtem Tag des Vormittags um Neun Uhr dahier auf fürstlicher Rentkammer erscheinen, die nähere Pachtkonditionen anhören, und darnach ihr Gebott ad Protocollum thuu mögen, auch stehet einem jeden frey, vor M Verpachtung in Hungen alles in Augenschein zu nehmen, indeme der zeitliche Rentbcdiente Hofkeller Seipp daselbst einem federt auf sein Verlangen die Gebäude und sonstiges Zugehör zeigest-, und über alles den erforderlichen Ausschluß geben wird,

Braunfels den 22ten Aug. 1795.

Fürstliche Rentkammer Hierselbst.

C h r i st.

Vt. Mall et.

Webers erste Liebe.

Erinnerungen an eine dereinst um ihrer Kunst und Schön­heit willen überschwänglich gefeierte, heute längst vergessend Frau teilt Dr. Karl Strunz in derDeutschen Arbeit" auf Grund eigener Nachforschungen mit. Er hat alles gesammelt, was an Quellen und mündlichen Uebcrlieferungcir über Th erese B r u n e t t i noch erreichbar war, für die der 27 fahrige Carl Maria von Weber eine glühende Leidenschaft im Herzen trug, ehe er in Karolinc Brandt seine treue Lebensgefährtin fand. Die Brunetti, die mit ihrem Mädchennamen Frey hieß und in Wien 1782 geboren war, hatte 1798 ihre Bühnenlaufbahn in Prag zu­erst als Tänzerin begonnen und um ihrer blendenden Schönheit und Grazie willen rauschende Triumphe gefeiert. Sic heiratete! fehr früh den Prager Ballettmeister Brunetti, ging daun zum Schauspiel über und stand auf der Höhe ihres Ruhmes und ihres Könnens, als der junge Weber 1813 die Leitung der Prägest Oper als Wcnzcl Müllers Nachfolger übernahm. Obwohl sie damals schon 15 Jahre verheiratet und Mutter von fünf Kindern war, machte ihre vollerblühtc Schönheit mit dem rötlich goldenen Haar, dem zarten Teint und den leuchtenden blauen Augen auf Webers Künstlerherz einen um so stärkeren Eindruck, als Therese auch geistig eine nicht gewöhnliche und anziehende Individua-, lität besaß. Der junge Kapellmeister wurde bald täglicher Gast im Bruncttischcn Hause, rind cs ist nach der Ansicht Strunzens nicht zu bezweifeln, daß auch Therese ein tiefes Gefühl zu dem norddcutfchen Meister beseelte, ohne daß sie darüber ihre Pflichten als Gattin und Mutter jemals vergaß. Webers Tage­bücher lasfcn erkennen, daß. er damals ein wahres Werther-, Martyrium durchlebte, und zeigen, in welchem Grade ihn die hoffnungslose Leidenschaft zerwühlte. So schreibt er am 8. No­vember 1813:Fürchterliche Szene (mit Therese). Es ist wirklich ein hartes Schicksal, daß das erste Weib, das ich wahrhaft und innig liebe, mich untreu glaubt, und das ist doch bei Gott nicht wahr. Der schönste Traum ist vorüber." Am 9. November:Zu Therescn. Unendlich schmerzliche Erklärung. Ich vergost die ersten Tränen, die mir der Schmerz abpreßte. Kopfweh und Fieber." Um der Geliebten eine Freude zu machen, unterrichtete Webest selbst ihre neunjährige Tochter Rest heimlich im Klar-'......

mit die Mutter dann am Weihnachtsmorgen über In Prag sande» sich um jene Zeit eine ganze Anzahl Männer und Franc,', zusammen, in deren Kreis sthc den Mittelpunkt bildete: außer Weber sah die Pragl damals Ludwig Tieck, Clemens Brentano, Ludwig ------ Bruder der Rahcl, zeitweilig auch diese selbst, Gcntz, Zacharias