Ausgabe 
6.4.1910
 
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Eine Verordnung Landgraf Ernst Ludwigs von Hessen aus dem Jahre

Landgras Ernst Ludwig dal eine Anzahl Verordnungen aus- flehen lassen, aus denen man seine landesväterliche Fürsorge für ein Land und Volk ersehen kann. Eine derselben, aus dem Jahre 1710, lautet folgendermaßen:

Von Gottes Gnaden u. s. w. Fügen allen und jeden Unseren Unterkhancn hiermit in Gnaden zu wissen, was gestalten Wir gnä-

«ur wtttng'cri toerben, wenn diese pst-ihologischen Zusammcfn- Wngc erkannt und in Rechnung gesetzt werden. Auf den modernen Bahnen sind die Einrichtungen so vervollkommnet, das; die aller- wenigstem Unfälle auf technisckie Mängel_ zurückgeführt werden können. Tie kleinen Verbesserungen, di« sich mit der Zeit viel­leicht noch heransbilden werden, sind so gut wie ibedentungsloÄ angesichts der Statistik, die die meisten Unfall« aufFahrlässig- feit" einzelner Individuen zurückführt. T-ieseFahrlässigkeit" ist fast hniiKT eine ^momentane Schwäche der Gehiriitätigkeit, wie sie das Leben täglich mit sich bringt. Es genügt nicht, festzusfelfen, daß «in Mensch diese aber jene Vorschrift nicht erfüllt hat, alles bommt darauf an, weiter zu forschen und zu erkennen, woraus dieses momentane Versagen der menschlichen Intelligenz entsteht. Man kann im EtsenbaWdienst dieseUnsicherheiten des Menschen­geistes" fast völlig in zwei Kategorien, teilen. IN der einen« Gruppe von Fällen ist es ein Versagen des Gedächtnisses, in der anderen das Erwachen eines rätselhaften, unkontrollierbaren Dranges, der Ordnung bar Dinge entgegen zu handeln. Ties« geistigen Schwankung«» sind an sich unheilbar; alles Streben muh darauf gerichtet sein, durch technische Mittel ihre Folgen unmöglich zu machen. Ein vollkommenes Gedächtnis gibt es nicht, der Alltag lehrt uns das täglich, ohne >daß schlimme Folgen em treten, aber in einem großen Bahnbetriebe entstehen dadurch die schiwersten Unglücke. Kdyes führt ein Beispiel an, das als typisch gelten kann. Bei der Station Jefferson in Amerika ist ein doppeltes Seitengeleisc, auf dem die Güterwagen abgefertigt werden. Jeden Morgen nimmt ein Lokcklzug einige Wagen mit. Tas geschieht in folgender Weise: Die Lokomotive des eingelau­fenen Zuges wird abgekoppelt, fahrt über die eingestellte Weiche auf das Nebengeleise, setzt sich vor bi« Guterwagen und schiebt sie auf den am Bahnhof wartenden Persanenzug, um dann die Fahrt fortzusctzen. An der Weich« steht ein Beamter, der das Weichemverk handhabt. Eines Morgens ist die Zahl der Güter- )vagen besonders groß. Ter Maschinist vergißt im ersten Augen­blick, die größere Länge der Wagenkette in Rechnung zu setzen, «er gibt etwas zu viel Kraft, so daß. ein etwas zu harter Anprall auf den stehenden Zug droht. T-er Weichensteller steht die Ge­fahr, er springt auf die vorüberrollendeir Wagen und bremst. Tie Notwendigkeit des raschen Entschlusses lenkt sein Gehirn ans der gewöhnlichen Gedaukeukette: in der Eite vergißt er, daß er hinter sich die Weiche offen gelassen hat. Kurz darauf braust ein Schnellzug heran: die 'offene Weiche führt ihn aufs Neben- aeteis, er überrennt den Prellblock, stürzt in die Tiefe und Dutzende von Menschen sterben eines furchtbaren Todes. Dieses Beispiel kömite man nach Belieben vervielfachen, aber es' genügt, Um zu zeigen, wodurch solche kleinen Vergeßlichkeiten entstehen, die wir im Leben an uns selbst täglich erfahren. Es ist eilte Un­sicherheit des Geistes, die uns abhält, das zu tun, was wir schon Sündertmal getan haben. Fast in alten Fällen gehen die Eisen- ahnkabastwphen auf solche Ursachen zurück; irgend etwas durch­bricht den gewohnten Gang, der Geist wird in eine neue Richtung gedrängt und das Altgewohnt« auf Augenblicke verschoben. Sv bange die Dinge gewohnheitsmäßig ablanfen, ist die Gefahr ge­ring. Aber sie wächst mit dem Augenblick, im> irgend etwas Be­sonderes den gewohnten Lauf hemmt; ob dies nun ein in den täglichen Fahrplan besonders eingesckwbener Sonderzug ist oder ein unerwartet anders stehendes Signal, eine Reaktion tritt ein Und stört auf Augenblicke den gewohnten Gedankenablauf. Und Mit diesen psychologischen Vorgängen, denen jeder Mensch unter­worfen ist, muß gerechnet werden. Tie Entlassung desSchul­digen" beseitigt nicht die Gefahr, ja sie erhöht «sie, steil nun andere, genau f» unvollkommene Menschen an seine Stelle treten, die dazu noch über geringere Erfahrung verfügen. Wenn die 'Technik helfen soll, so kann das nur in der Richtung geschehen, daß Mittel gefunden werden, die automatisch die Irrtümer des MensckMgeistes berichtigen. Es muß so unmöglich gemacht werden, daß durch ein menschliches Versehen eine Katastrophe entsteht. Sodann aber wird es für die Eisenbahntechniker darauf «ankommm, sich von der Suggestion des Althergebrachten freizumachen. Wenn wirklich«« Verbesserungen kommen sollen, so können sie nicht mehr aus einem Ausbau des' jetzigen Betriebssystems hervorgehen; eine völlig neue Art der Betriebs führung müßte geschaffen werden, «die nicht von den Dogmen der alten gefährdet wird. «Die aber müßte jv gestaltet sein, daß der menschliche Fehler durch «die einfache Tatsache seines Auftretens den Zug automatisch zum Halten «bringt. Ter Betrieb müßte dann einfach stillstehen. Es müßte einfach Unmöglich! gemacht werden, baß zwei Züge hintereinander die gleiche Weiche passieren oder daß. ein Zug' nach einem« Halte­signal überhaupt noch weiterfahren kann.

digst entschlossen, Unsere Land-Miliz denmechsten durch eine be­sondere abschickende Commission genau muftern, auf einen sicheren Fuß setzen, bieientge, so eine geraume Zeit darunter gestanden, gäittzltch dimitlieren, andere bargegen an der abgehenden Siede eniziehen, auch alle bißhero dabey entstandene Unordnung und Beschwerden abstellen zu lassen. Nachdem aber bereits emige Jahre her von vielen Unseren Unterthanen, auch gantzen Gemeinden, allerband Beschiverungen geführet, auch vor einiger Zeit schon die allgemeinen Klcigde» von Unfern Beambte» eingeschicket worden, solche aber umb allen hiemechst et wann annoch vorfommenbett Beschwerden abzuhelffeil, nicht hinlänglich erachiet worden, sondern vielmehr nöthig finden, durchgehends damit der intendirende Zweck desto ehender und vollkommener erreichet, auch alle Htndernüsse aus dem Wege geräumt werden, eines jeden Unterthanen insonder­heit habende Gravenina zu wissen: So verordnen und mallen Wir hiermit gnädig«!, daß ein jeder Unterthan, welcher seit der letztem Land-Miliz-Musterung sowohl seine Erlassung erhalten, als auch diejeingen, so noch würklich darunter stehen, dero Eltern oder iver sonsten etwas zu klagen, jeder insonderheit seine habende Beschwerden, sie mögen gegen Unsere Ober- und Uuter-'Seambien, oder die Land-Miliz-Offiziere lauffeit, ohne die geringste Absicht zu Papier bringen, und solche berqcftalten parat halten sollen, damit bei) Unserer emlangetiben Commission jed Gemeuid solcher übet« geben kann, mithin keine Bersaumnus und Auffenthalt hierunter verursacht werde, mit der Verwarnung, da einer ober der andere etwas verschweigen ober geflissentlich verheelen, so sich hernach zu Tage legen würde, alsdann ein jeder Uebertrelter dieser Unterer Verordnung, bet) der Land-Miliz zur Straffe stehen bleiben, auch nach Befinden härter gestrafft iverben solle. Und damit dieses zu jedermanns Nachricht gelange, auch sich niemanb mit bet Uit« wissenhelt hiemechst entschuldigen möge, So befehlen Wir hiermit gnäbigft, daß diese Unsere gnädigste Meinung und Verordnung jivei) Somuage nach einander von allen Eantzeln nach der Predigt össentlich abgelesen und vertunbet werde. Daran beschützet Unser ernstlicher Wille und Meinung. Ernst Ludwig.

DermifdiUi.

'Ein neuer Walzer, ein Walzer zu dreien, ist ivie demTag" geschrieben wird die neueste Ersindung eines englischen Komikers, der offenbar keine anderen Sorgen hat, als all die ungezählten Balleiter, die sich den Kops zerbrechen müssen, wo sie für ihre Tanten Tänzer herzaubern sollen, noch mehr zur Verzweiflung zu bringen. Für jede Dame z iv e t Herren I Wenn es noch umgetebrt wäre, bann gäbe es wenigstens keine Mcmer- blümchen mehr und der Komiker oerbtente für seine grandiose Idee ein Denkmal, dauernder als Erz. Seine Popularität bliebe kaum hinter der des Walzerkönigs Strauß zurück. Weil es aber für jede Dame kaum einen Herrn gibt, geschweige beim zwei, so glauben wir nicht, baß die Erfindung sich burchtanzen wirb. Erfindet doch, ihr Tanzbeingewaltigen, Tänzeo schön und so orginetl wie ihr wollt, bringt neue Tänze, bei denen man sich noch mehr strecken und recken muß als beim Maichicbe ober Paraguay, aber beim Walzer. . . o rühret, rühret nicht daran. Bei dem muß man saust dahiiischivebeii, so richtig ins Herz und in beit Himmel hinein» Das geht aber nur zu zweit. Unb ivenn da ein Dritter dazwischen kommt, bann ist'S ans mit dem Tanz, mit dem Herzen und dem Himmel. . . .

* Wid « rsprnch. Gast (zur Kellnerin, die ihm die Speisew- karte iwrfegt):Essen tu ich nicht, ich hab' mir selber waA mitgebracht."

* Ach wie aufmerksam. Bliemcheu besteigt mit seinem Freunde Knebbcheu und einem Führer den Vesuv. Plötzlich fängt der Berg zu speien an. Blümchen, über dieses unerwartete, aber doch erwünschte Schauspiel ganz entzückt, meint darauf:Ach, wir aufmerksam!"

Diamauträtsel.

Auflösung

In die Felder itebenstehender Figur sind die Buchstabe» a a a a, d, e e e, f f, h h, i, k k, n n n, p p, r r r r r derart einztttragen, daß die wagerechte« Rethen folgendes bedeuten t

1. Einen Buchstaben.

2. Teil eines Wagens.

3. Sächsische Stadt.

4. Einen Edelfisch.

5. ©etreibeart.

8. Flinkes Tier.

7. Einen Buchstaben.

Die senkrechte und wagerechte Mittel­reihe ergeben das Gleiche.

in nächster Nummer.

Auflösung des Tauschrätsels in voriger Nummer: Fabel Rest Angel Rase Ziege Sonne Bebet Haus Uhr Bund Eber Regen Tanne;

Franz Schube r t.

Redaktion: R. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.