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Gewappnet Wit teilt RliMeug ter motemen, Wissenschaft HÄ es ter amerikanische Psychologe Dr. Max Baff, Professor an der Clark University, unternommen, eure „fürchterliche Abrechnung" mit ter modernen Frau zu halten. Im „American Magazine" veröffentlicht er seine Untersuchungen, tee in herbe Borwürfe gegen das weibliche Geschlecht von heute ausklmgen.
„Wie würden wir einen Mann nennen, ter sich mit Federn bedeckt, sein Gesicht mit Farben und Puter bemalt, langes Haar trägt, ter sich mit buirten Steinen bchanO und seinen Körp^i Mit einer Kleidung bedeckt, die in allen Regenbogenfarben schillert, was würden wir zu einem solchen Manne sagen, wkMi er heute in dm Straßen einer modernen Stadt auftauchte? Würdm wrr ihn einen modernm Kulturmenschen nennen, dessen Geisteskraft wir ter unseren gleich setzen? Oder würden wir in, ihm niM einen tiefstehendm, un-ivillsierten Barbarm sehen? Das ist die Fragestellung des amerikanischen Gelehrten, tee tee Richtung seiner Ausführungen bezeichnet, wobei allerdings n>.cht gesagt wird, daß es scheußlich wäre, wenn die Farblosigkeit der Männertracht auch auf die Frauen Übergriffe. , _
„Die arme wie die reiche Frau, sie alle lechzen danach, sich Mit Federn zu schmücken, gleichviel, welcher Rasse und welcher Zivilisation sie anqehören. Die Amerikanerin, tee, Pariserin, die deutsche Dame, die Schlvediu, alle, alle zeigen diese charakteristischen Merkniale unserer primitiven Borfahrm. Bor unserem Blicke ersteht wieder die Zeit unserer Urväter, als tee Männer noch Federn anlegten, um schön zu erscheinen, ^n Paris trägt man in diesem Jahr Nachtigallm und Lerchen auf den Damenhüten, der Chantecler-Hut der eleganten Frau von heute zeigt eine verblüffende Verwandtschaft mit dem Federschmuck des Jndianerkriegers. Fedeni und Farben, Gesichts- Malerei, das allein würde dem Historiker genügen, um tee Diagnose eu stellm: Wilde. Dies Urteil wird noch bestärkt, wenn wir tee Mengen von bunten Steinen und Metallteilm betrachten, mit denen die Frauen von heute sich zu schmücken lieben. All das tst ein Symptoni für die ununterbrochene geistige Konzentration auf die Freuden ter persönlichen Ausschmückung, eine Geistes- konzentration, die gewiß viel beigetragen hat, um den Fortschritt der Frau zu verlangsamen. Der Wilde gibt bereitwillig em Pferd, um dafür ein rotes Tuch einznhandeln, tee moternet Frau zahlt Unsummen ftir eine lustige, bunte Toilette. Was längst entschwundene Völker in abergläubischer Scheu furchtsam anbeteten, Schlangen und Reptilien, das liebt die mteerne Frau und schmückt sich mit Nachbildungen dieser abstoßenden Tiere." Doch der Gelehrte stützt seine Argumente nicht nur auf Reußer- lichkeiten. „Die psychologischen Merkniale sind noch stärker ausgeprägt. Farbenblindheit bei Frauen ist eine Seltenheit, genau wie bei den Wilden. Unzählige Forschungen und Versuche haben bewiesen, daß in der Frau die primitiven Rasseninstinkte stärker fortleben wie im Manne, und darum sträuben He sich auch hartnäckiger gegen das Aufgeben alter Denkweise. Sie träumen lebhaft, stellen das größte Kontingent der Nachtwandler, spielen die Hauptrolle bei hypnotischen Ereignisseit, in der Reihe ter Trancezustände und Ekstasen, sind für Halluzinationen empfänglicher und liefern weitaus die meisten abnormen psychologischen Phänomene. Wie die Wilden neigt auch die Frau von heute zur hysterischen Religiosität, Mr religiösen Hysterie, und ihre Suggestibilität ist größer als die des Mannes. Uich tee Suggestion ist die Schwelle zur Tat. Die Suggestibilität der Fran bei öffentlichen oder religiösen Bewegungen ist leicht zu erkennen. Sie begehren etwas, weil andere sie dazu drängen, und wie ein Kind oder ein Wilder können sie den Wert tes Ersehnten, nicht abschätzen, sonderil nur die Tatsache, daß sie es haben möchten."
' Prof. Baff schließt dabei auf dis Bewegung ter Frauen-, rechtlerinnen, die er auf eine Massensuggestion zurückführt. Diese hysterische Seuche wird nach ein paar Jahren schwinden, aber wenn man inzwischen den Frauen das Stimmrecht gewährt haben würde, so würde die Mehrheit nach einen! Jahr aufhören, das Recht auszuüben. Die. Gewährung ihres Wunsches wäre das beste Heilmittel gegen diese Epidemie. Aber der Gelehrte, der das schöne Geschlecht so wacker schmäht, tritt zugleich mit aller Energie denen entgegen, die aus seinen Feststellungen den Schluß ziehen Möchten, daß der Mann über der Frau stehe. „Es wäre absurd, darum zu denken, daß das eine Geschlecht dem anderen überlegen ist. Die Geschlechter halten sich gegenseitig das Gleichgewicht, sie ergänzen einander und können nicht miteinander verglichen werden. Auf seine Weise st ehtje des vostihne st über dem anderen,"
vorficht — Nikolaus!
In unserer übernervösen Zeit ist vielleicht die Mahnung eines Mitarbeiters tes Türmers nicht von der Hand M weisen, der schreibt:
Nervös läuft die kleine .- . . hin und her, bald sitzt sie auf dem Stuhl, bald steht sie. Ihr sonst so frisches, gesundes Ansehen hat einer auffallenden Blässe Platz gemacht, und oft entringt ich ein Seuszer ihrer Brust. Ach ja! Nikolaus will kommen.
sie war immer so brav, der Lehrer hat sie so gelobt, und
wltt heute morgen war sie ein wenig Märtkg gewesen. Und nstst mußte gerate Nikolaus kommen! Mntter, Bruder und Schwester« sie alle hatten nur ein Lächeln für ihre bangen Fragen, und an« den halben Worten konnte sie schon herausfrnden, daß NikolauH den Sack mitbringen würde! Und sie war doch immer so braps gewesen!
Da wird hastig und kurz geschellt! Alle rufen in bange-, machendem Tone: Nikolaus kommt, und ihr .geheimnisvolles Lächeln kündet nichts gutes an. Da wälzt sich's schon herein! Bebend hält sich die Kleine am Tisch und beantwortet zitternd! die Fragen des Nikolaus. Jetzt erinnert er tee Kleine an drei Ungezogenheit von heute morgen und öffnet den Sack!! Wey vermag die Szene zu schildern, die nun folgt? 'Das sich trt Todesangst windende Kind und die kaltlächelnden Eltern urch Geschwister. Welch ein Gegensatz!!! Meine Versuche, tee pernz liche Szene zu verkürzen, scheiterten an der Hartnäckigkeit M Nikolaus, der immer neue Mittel fand, die Ängst M steigern^ sei es, daß er die Geschwister in den Sack stecken wollte, oder datz er neue Gründe fand, die Kleine mitzunehmeii. Dre Angstschreis tes Kindes und das Gelächter der Erwachsenen: ich zitterte vo« Zorn und Aufregung! Fast eine halbe Stunde dauerte die Folter« dann verschwand Nikolaus, nachdem er seine Gaben ausgeteilt, uns ließ ein zitterndes Geschöpf zurück.
Mit solchen Mitteln geht man heutzutage bei den schon nervösest Und überreizten Kindern unserer Zeit noch vor, um Herne Ulfa arten auszumerzen und — um ihnen eine Freude zu machen!«
. . . Stellen wir uns vor, daß das Kmd tatsächlich meint« hier sei es der Macht eines Wesens in die Hände gegeben, das auch über Vater und Mutter stehe, und daß angesichts des Sackes allä die Vorstellungen früherer Schaudergeschichten in ihm lebendig werden: stellen wir uns dies recht lebendig vor, so muß uns dch furchtbare Angst tes Kindes verständlich werden.
Zweifelsohne werden die ansgenommenen Vorstellungen das! Seelenleben des Kindes noch lange beeinflussen. Mißtrauen gegen-. Über Eltern und Geschwistern, die keinen Trost, wohl aber eist Lächeln für die Not haben, ist die erste Folge, wenn sich auch das Kind dessen nicht bewußt wird. Wie oft klagt spater die Mutter! über Verschlossenheit des Kindes und ahnt Nicht, daß durch den, geschilderten Vorgang und ähnliche Vorkommnisse die verpöntg Eigenschaft künstlich gezüchtet wird. Als weitere Folge solcher) Affekte wird die Schreckhaftigkeit nicht fehlen. Jedes kurze, hastig« Schellen wird die Angstvorstellungen reproduzieren, ebenso rede! Gestalt, die an den Nikolaus erinnert; es wird sich furchten, m; die dunkle Kammer zu gehen, es erschrickt, wenn es angerufen« und wird überempfindlich gegen jeden Tadel. Und ist das Nerven-, system erst einmal an starke Reize gewöhnt worden, so Erlangt es später immer stärkere. Launenhaftigkeit und Unzufriedenheit dep Töchter, wenn der Alltag nichts Neues bringen will, ist auch eist Schmerzensgeld, das die Mutter früher oder später zahlen muß. Jeder Tag muß etwas Neues bringen: und sei es eine Angst, und! sei es ein Hinabsteigen in Schmutz und Verderben —- gleichviel« neue Reize muß das Nervensystem haben. Mit tausend Zungen möchte ich allen Eltern zurufen: Bewahrt eure Kinder vor solchen! Affekten! Könnt ihr auf die Nikolausfreuden nicht verzichten, so vermeidet doch solch starke Erregungen, die auf alle Falle! Schaden bringen.
Schachaufgabe.
Von y. Elson. Schwarz.
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Weib.
Weib setzt mit dem dritten Zuge Matt.
Auslösung in nächster Nummer r
Auflösung des Scherzrätsels in voriger Nuiiimer: Hering (7, E i = E); Ehering.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und ©tcinbructerci. N, Lange, Gießen.


