Ausgabe 
5.12.1910
 
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Firma Friedel angestrengte Klage zurückzuzieheu und em Inserat Eszuarbeiten, in dein wir unserenr Bedauern Aus­druck geben, durch die Schuld eines Angestellten unseres Hauses in die Lage gebracht worden zu sein, die gegen Uns gerichteten Vorwürfe der Firma Friedel als berech­tigte ' anerkennen zu inüssen. Wir verpflichten uns zu­gleich, die Marke Excelsior snperior Dry aus dem Handel zu ziehen und löschen zu lassen, und tragen die etwaige Butze, die das Haus Friedel uns auferlegt. Dem Grafen Eldringen bitte ich, unter Auszahlung seines Jahresgehalts die Kündigung znstelleu zu wolle,,."

Herr Elamard verneigte sich steif.Die Erklärung, zu der Komteß sich verstehen wollen," sagte er,ist eüt Mißtrauensvotum gegen mich. Durch eine unglückliche Ver­schiebung der Umstände ist unsere Operation verunglückt. Der Fehlschlag beweist aber noch nicht, daß ich mich gegen die Interessen des Hauses vergangen habe. Da Komteß dies anzuuehmeu scheinen, so möchte ich um meine Entlassung ans Ihren Diensten bitten."

Andröe nickte.Sie ist Ihnen gewährt. Melden Sie sich an der .Hauptkasse und übergeben Sie Ihre Bücher Herrn Mgneau. . . . Kommen Sie, Herr Friedel!"

Sie ging voran, und Fritz folgte.Ich bitte Sie herz­lichst, Komteß," sagte er, als man draußen ivar und den Weg nach dem Park einschlug,sich die Torheit Ihres Prokuristen Nicht nahe gehet» zu lassen. Mir scheint, der Mann ist keine Leuchte in Zion, und Woringens Ueberredungslunst mag das übrige getan hoben. Ich sehe jetzt ziemlich klar, tvie die Fäden laufen. Eldringen ist der Freund einer Frau, die mich haßt. Ihr Haus ist ohne Zweifel der Ausgangspunkt «ller Intrigen."

Lieber Herr Friedel," entgegnete die Komteß,ich habe unter Elamard so viel leiden müsset», daß ich froh bin, ihn losgeworden zu seit,. Seine Stellung war eine Ungemein selbständige, und er hat sie dazu ausgenützt, mir mit einem Gefühl der Freude entgegen zu arbeiten. Diese Freude entsprang einen, Rachebedürsnis; er hat sich mir gegenüber einmal respektlos benommen, und da habe ich ihn energisch in seine Schranken zurückgewiesen. Mor allem in den, Streit mit Ihrem Hause hat er gerade das getan, was ich nicht wollte. Er wußte gana genau, daß wir der Firnia K A. Friedel gegenüber gewisse moralische Verpflichtungen haben, ni,d die suchte er dt,rch einen bru­tale», Llngriff tot zu inachen."

'Komteß sprachen schon einmal von derlei Verpflich­tungen. Bezieht sich das, wenn ich fragen darf, lediglich truf die Tatsache, daß Ihr Herr Urgroßvater einmal meinem Hause ängehört hat?"'

Nein auf mehr. Ich bin bereit, Sie die Chronik meines Vaters lesen zu lassen. Sie wird Ihnen Auf- Närung geben. Vorläufig bitte ich Sie, Ihre Abreise noch ein weina aufzufchieben und sich zu überlegen, ivie Sie Unseren Streitfall in juridischem Sinne beigelegt haben wollen und welche Buße Sie wünschen."

,Mon einer Buße kann gar keine Rede sein. Ich will auch keine Erklärung so demütigender Art, wie Sie sie vorgeschlagen haben. Mr genügt die Zurücknahme der Klage ohne eine Begründung vor der Oesfentlichreit. Die Sache mag dann einschlafen."

Eine Ritterlichkeit, die Ihnen ähnlich sieht. Mer wir sprechen uns darüber noch aus. Darf ich Sie morgen Um zwölf zum Frühstück erivarten?"

Fritz perbeugte sich zusagend. In, Hotel fand er neue Briefe aus der Heimat vor, die zugleich eine weitere Be­stätigung für die Schwindeleien des Herrn Lesson brachten. Kesselholz hatte einen Ausschnitt aus derKölnischen Zei­tung" beigelegt, die das plötzliche Verschwinden des Direktors her Deutsch-niederländischen Lnftschiffer-Gescl.schast meldete. Es war eine Flucht, die ohne Zweifel in ursächlichem Zu-- sammenhang mit der unerwartet schnellen Rückkehr des Herzogs von Abeelen stand. Man vermutete, daß einer» der Aufsichtsräte Unordnungen in der Geschäftsleitung aus die Spur gekommen ivar und darüber an den Herzog tele­graphiert hatte. Mer auch Kabalen besonders niedriger Art schienen hinter der Flucht des Direktors zu stecken; der Korrespondent herKölnischen Zeitung" ließ durch- Wcken, daß die rätselhafte Zerstörung im Steuersystem des Excelsior" nur auf ruchlose Menschenhände zurückzuführen Jein konnte; man hatte Verhaftungen vorgenommen, durch iie Herr Lesfon abermals schwer belastet wurde.

Das »alles war,.für Frjtz sehr interessant, aber es kormte

seiner Sache nicht weiter dienen. Die Komteß hätte sich zu einer ehrenvollen Beilegung des Streits bereit erklärt, und er war fest gewillt, dabei von jeder harten Bedingung abzusehen. Er telegraphierte vorläufig nur nach Schratt­stein, daß die Ordnung der Angelegenheit in günstigstem Sinne in naher Aussicht stehe und daß er im Laufe der Woche Heimkehrer, werde.

Beim Frühstück in der Villa Hoche am folgenden Tage fehlte Madame Bailloud. Sie hatte wieder ihre Migräne und mußte sich im verdunkelten Zimmer halten. So waren Fritz und Anoröe allein am Tische und sprachen Deutsch miteinander, un, von den servierenden Dienern nnver- staudeu zu bleiben.

Mein lieber Herr Elamard hat bereits eine neue Stellung gefunden," erzählte die Kvmteß.Der zweite Prokurist, Herr Migneau, iveiß Bescheid: Elamard ist bet Most und Chandon eingetreten."

Etwas plötzlich," entgegnete Fritz lachend.

Auch meine Ansicht. Ich taxiere, die Chandons haben längst ein 'Auge auf ihn geworfen. Sie 1,offen noch immer auf einen Ankauf meines Hauses und werden durch Elamard den Geschäftsstand zu erfahren suchen."

Ist der Nachfolger Clamaros eine tüchtige Kraft?"

Herr Migneau? Stein. Ein guter Mensch, aber ein schlechter Musikant. Es ist für mich sehr schwer, einen! geeigneten Geschäftsführer zu finden. Ich Habe ja selbst versucht, mich einigermaßen hinein zu arbeiten; aber du lieber Gott, ich bin nicht die alte Benve Miquelon, die keine anderen Jnterefsen kannte als die ihrer Kellereien und über deren legenoären Geschäftssinn noch heute aller­hand Anekdoten kursieren."

Darf ich die Kälter eien nicht einmal besuchen, $oui.tcj3

Mer natürlich! O da fällt mir ein: ich will Siö sogar auf eine originelle Art einführen. Ich habe einen besonderen Zugang, der noch dazu den Reiz des Historischen hat. Und nun lassen Sie uns nochmals mit drei Worten auf unseren glücklich begrabenen Streit zurückkommen. Wolle,, Sie wirklich auf eine öffentliche Erklärung unserer-, seitS verzichten?"

Ja, Komteß. Nicht nur Ihre Liebenswürdigkeit hat mich bestochen; es spricht auch ein gelvisses Gerechtigkeits- Sl mit, das sich mit dem Ihren begegnet. Sie find' los an der unangenehmen Episode und haben ohne Rücksicht aus den Ruf Ihres Hauses für Aufklärung ge­sorgt. Da wäre es schlecht von mir, wollte ich Ihre Not­lage ausnützen. Ich sagte Ihnen schon, daß ich mich mit der Rücknahme der Klage begnüge."

Das ist bereits gestern geschehen. Ebenso ist der Auf­trag ergangen, die Excelsior-Marke zu löschen. Das noch vorhandene Lager wird neu etikettiert. Nun geben Sie mir noch ^einmal Ihre Hand: tausend Dank, Herr Friedel!"

(Fortsetzung folgt.)

von gorm und Karbe im Bilderbuch ffir kleine Binder-

Viele glauben, ein Bilderbuch fei schon. kiudertümkich, wenn seine Gegenstände dem Erfahrungs- unb Interessenbereiche des! Kindes entnommen sind. 'Aber n i ch t b l o ß d e r St o f f, son­dern auch die Form soll der Anschauungsweise! und der Fassungskraft des Kindes entsprechen,»

I.

Braucht das Kind überhaupt besondere Ausdrucksformen2 Braucht es in bildlichen und plastischen Darstellungen (Bilderbuch, Spielfiguren) einen Stil für sich? Die Natur nimmt doch auch Teilte Rücksicht auf den geistigen Standpunkt des Menschen und trotzdem spielen die Kinder so leidenschaftlich gern mit den! Dingen, die sie ihnen bietet. Das ist! richtig. Aber dem! Kinde ist beim Spiel int Freien die Möglichkeit geboten, auH dem unerschöpflichen Reichtume der Statut sich das zum Spiels zu wählen, was fernem Entwicklungsstandpunkte am besten ent­spricht. Außerdem kommen Sand, Steine und Wasser, HoU und Rinde, Früchte und Blumen gerade durch ihre E i n f a ch h e i i den natihlidjen Bedürfnissen des Kindes weit tnehr entgegen! als' alle künstlich hergestellten Dinge. Die Kunstfo rm en' bieten wir deut! »Kinde, meist ohne es $u». fragen. Wenn U seinem Geist und Gemüt nahegebracht werden sollen, wenn tute damit das Kind in seiner' Entwicklung wirklich fördern wollen» -so müssen wir Mese künstlichen; Dinge auch»/ feinen besonders Bedürfnissen anpassen.

Mas haben nun die, die Kleinkinderbücher Herstellen vdÄ! kMm ivollM, nach fciejex RiMM M M beMM?