Ausgabe 
5.12.1910
 
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Nr. 190

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Friedel halb-süß.

Roman von Fedor von Zobeltitz.

lFortsetzung.) (Nachdruck verböte».)

Herr ClaniLrd zog die breiten Schultern hoch.Kom- teß Vergebung, aber es hat mir den Anschein, als liege Ihnen ungemein viel air der Einigung auch unter für uns demütigenden Bedingungen. Ist dies der Fall, so uitte ich: lassen Sie mich abtreten."

Das Auge Andrees sprühte auf.Das wäre ein feiges Zurückziehen, Herr Clamard. Allerdings liegt mir an eurer Einigung. Und wissen Sie, weshalb? Weil ich von An­beginn an bas Gefühl nicht losgeworden bin, daß wir mit nicht ganz blanken Waffen in den Kampf gezogen sind. Als der Streit begann, war ich nicht hier. Ich telegraphierte Ihnen aus Montreux, den Zwist einzustellen; mich bewegte damals lediglich ein gewisses unangenehmes Empfinden, gerade mit jenem Hause in Krieg zu geraten, dem mein Urgroßvater angehört und dem er viel zu danken hatte. Sie schrieen mir zurück, die Kugel sei nun einmal im Rollen Und nicht mehr aufzuhalten. So mußte ich mich fugen. Mer die Gerichtsentscheidung machte mich stutzig. Sie gaben aus meine Frage bereitwillig zu, daß Lessou durch den Grafen Eldringen in der Dat eine Gratifikation erhalten habe Bei Ihren umfassenden Vollmachten konnten Sie eine solche ohne weiteres gewähren, und mir erklärten Sie das Ver­fahren alskaufmännische Usance". Ich habe, erst heute durch Herrn Friedel gehört, daß das GegenleU wahr ist. Würden Sie es verantworten köinren, wenn gertchtlichersetts konstatiert würde, daß das Haus Miquelon sich durch eine Be­stechung den Taufchampagner für das Fest von Uttenhooven gesichert hat?"

Herr Clamard stand wie ein gescholtener Schuljunge vor der kleinen Komteß. Die Muskeln seiner fersten Wangen zuckten nervös, er war aschfarben tm Gesicht.>zch habe nichts mehr zu erwidern," sagte er,wenn Kom­teß dem Vertreter der gegnerischen Firma mehr Glauben und Vertrauen schenken als einem verdienten Beamten Ihres Hauses. Selbst zugegeben, daß sich über die Be­rechtigung einer Gratifikation sirr Herrn Lesson streiten, ließe: tatsächlich ist sie doch nur un Interesse der Firma Miquelon erfolgt. . . ." Er atmete rasch und stabt auf, pustete wieder aus den Mundwinkeln über seinen Schnurr­bart und fuhr fort:Komteß wissen, daß zufolge mancherlei Intrigen, über die ich mich nicht auszulassen brauche, ein Rückgang des Geschäfts zu beklagen war. Namentlich der Absatz in9Frankreich selbst hatte sich erheblich verringert Da hielt ich es für zweckmäßig, durch em kräftiges Mittel uns wieder eine erhöhte Beachtung zu sichern und akzep­tierte demzufolge den Vorschlag des Grafen Eldringen mit Freud ein"

Eldringen?" wiederholte die Koniteß fragend.So ging die Idee, Herrn Lesson auf dem Wege emerEhren­prämie" für uns zu gewinnen, also von ihm,aus?

Ich sage das nicht, um mich selbst zu saldieren, sondern nur zirr Klärung der Angelegenheit. Wir hatten unfern bisherigen Agenten für den Rhein und siir die Rw verlande, Herrn Lichtenberger, nach Rewyork geschickt. Graf Eldrmgen hatte dies erfahren und sprach persönlich bei mit vor, sich um die vakante Stellung zu bewerben. Er hatte bereits Jrroy und Soutaine vertreten, kannte also die Branche; was mich aber vor allem veranlaßte, ihn zu engagieren, war seine Bekanntschaft mit Direktor Lesson und der Vorteil, der uns daraus erwuchs." . ,

In diesem Augenblick rief Fritz, der sich bis dahin schweigsam verhalten hatte:Vergebung, Komteß, wenn ich mir einen Einwurf erlaube. Darf ich Sie bitten, Herrn Clamard auf Ehre und Gewissen zu fragen, ob er Nicht erst durch Eldringen davon in Kenntnis gesetzt worden ist, daß die Firma Friedel eine Marke mit dem Namen des Abeelen- schen Luftschiffes in Vorbereitung hatte."

Andree erhob den Kopf.Bitte um Antwort, Herr Clamard: ist es so?" Ihre Stimme zitterte em wemg; sie war in starker Erregung.

Auch Fritz schaute den großen Mann festen Blickes an. Nun war er seiner Sache sicher und spielte den letzten Trumps aus. Er schlug mit der flachen Hand auf seine Aktenmappe und rief:Leugnen Sie, wenn Sie können, Herr Elamard! Meine Beweise sind stichhaltig!" .

Da zuckte Herr Clamard wieder mit feinen breiten Schultern und entgegnete ohne weiteres:Also sei.esi H ich gebe mich gefangen. Ich bekenne auch bereitwillig, daß ich Ihnen, Komteß, absichtlich die Wahrheit vor ent­halten habe. Im kaufmännisch en Leben ist's tote in der Politik: man muß die Situation auszunutzen verstehen, ohne sich durch Seiitiments beirren zu la,sen. Gras Eb, dringen hatte durch einen Zufall erfahren, vielleicht auch durch Herrn Lesson ich weiß es nicht, daß die Flrmch Friedel ihre Marke Excelsior zur Versendung vorbereite. Er kam in Eilzügen hierher, um uns den Vorsprung zu sichern. Da griff ich zu."

Wodurch erwiesen ist," ergänzte Fritz,daß die von uns tote von dem Herzog von Abeelen ausgestellte Behaup­tung einerUnterschiebung" und eines unlauteren Wett­bewerbs auf Wahrheit beruht. Herr Clamard, wurde Ihnen eine Fortsetzung des Prozesses immer noch senchm fern .

Aber Herr Clamard antwortete nicht. Die Komteß kam ihm zuvor. Einem raschen Impulse folgend, steckte sie Fritz ihre Hand entgegen.Ich bitte Ste aufrichtig um Verzeihung, Herr Friedel," sagte sie in bewegtem Tone, dast mein Haus dem Ihren em so bitteres Unrecht zu- aefüat hat, und ich freue mich, daß ich Ihnen diese Eni- Mildigung persönlich aussprechen darf. Selbstverständlich bin ich bereit, Ihnen jede Genugtuung zu geben, die Sie wünschen. Herr Clamard, ich ersuche Ste, die gegen hie