Ausgabe 
5.11.1910
 
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niere» die Aufgabe zu', diese kreisenden.Giftstoffe aufKunchmen, unschädlich zu machen und schließlich in einer für den Organismus wichtigen unb nützlichen Form abzugeben.

Man sieht, daß zwischen de» drei hier besprochene» Blut- gefäßdrüsen, der Schilddrüse, dem Hirnanhang und den Neben­nieren, gewisse verwandtschaftliche Beziehungen und Aehnlichkeite» bestehen. Es sind Sicherheitsorgane, die über den Gift­schutz wachen, unt> weiter feinste Regulatoren für die komplizierten Mechanismen des Stoffwechsels, der Blutverteilung und des Wachstums. Wenn auch noch nicht in allen Einzelzügen ge­nügend bekannt, sind sie doch des Rätselhaften völlig entkleidet. An Stelle des Bestaunens eines Rätsels ist das Staunen über die technische Vollendung dxs lebenden Körpers getreten,.

Adam Struth.

18101910. .

Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß eine große Zahl her Leser des Gießener Anzeiger sich fragen wird:Wer ist Adam Struth?" Und doch gibt es so manchen im Hessen- lande und viele weit darüber hinaus in ganz Deutschland zerstreut, die sich seiner Klavierwerke zuni Unterricht mid zur Unterhaltung unfreiwillig, aber mich ohne Zwang bedienten, seine Kinder- und Jugendlieder sangen; nicht zu vergessen seine Flötenschule, die viele Orchestermusiker als erste Stufe für ihre Laufbahn benutzten und nach) der noch heute der junge Nachwuchs mit Vorliebe greift, Struth war in den sechziger Jahren ein beliebter Komponist, die ersten Verlagsfirmen in Mainz, Offenbach, Wien und namentlich Leipzig edierte seine Werke, einige Tonkünstler-Lexikas nahmen von ihm Notiz. Als aber die Wiederkehr seines 100. Geburts­tages sich nahte, da stellte sich heraus, daß von allen diese» Seiten verabsäumt war, den Lebensgang dieses nicht unbedeutende» Mannes, vor allen Dingen das Todesjahr zu registrieren. Der Versuch einen Lebenslauf zu bringen, den am 100. Geburtstag eine Tageszeitung seiner VaterstadtLauterbach" veröffent­lichte, konnte daher nut mißglücken, denn das fast gänzliche Fehlen von Zahlen wies auf. Gedächtnisüberlieferunge» aus Freundes­kreisen hi». Mit vielen anderen Verehrern von Struth hatte auch ich die verflossenen 100 Jahre verpaßt, denn ein sonst zu­verlässiges, sorgfältig ergänztes Lexikon versagte hierbei nicht nur vollständig, sondern gab auch als Geburtsjahr 1830 an. Da wurden mir, von drei verschiedenen Seiten, die unter sich kein« Beziehungen habe», fast gleichzeitig der Auftrag zu teil, nach Struth zu forschen. Aber gleich auf den ersten Fühler, de» ich ausstreckte, der sich selbstredend nach Leipzig richtete, erhielt ich die WeisungLaß alle Hoffnung schwinde»". Das tat ich nicht, ich holte mir Mair hier und da noch leere Körbe, in, manchem lag dann aber doch ein brauchbarer Brocken, diese benutzte ich und so kam ich langsam aber sicher zum Ziele. Mit Ausnahme einer Zahl, die ich kenntlich machte, such alle übrigen authentisch, da aus amtlichen Berichten stammend. Daß irgend Noch eine Lücke zu füllen wäre, stelle ich nicht in Abrede, es ist aber ebenso unmöglich, wie zwecklos jedes Nest eines solchen Wandervogels, wie Struth es war, auszuspionieren. Uud nun das Resultat:

Struth, Adam, geboren 2. Juni 1810 Lauterbach in Hessen, gestorben zu Darmstadt 5. März 1895, Flötist und Komponist. Nack) Unterricht im Flötenspiel durch Rauschenbach in Lauterbach ging St. 1824 nach Gießen zu Dr. Gasfuer und H. Hofmann und wirkte auch als 1. Flötist in der Kapelle bei Konzerten der damaligenMusikalischen Gesellschaft", des heutigen Konzert- Vereins, der jetzt im 120. Jahre sich befindet, mit. 1829 fiedelte St. nach Koburg über, genoß unter Gaspar Kummer im Flötenspiel und in der Harmonielehre weiter Unterricht, reiste dann mehrere Jahre als Virtuos in Deutschland umher; 1830 war er vorüber­gehend zur Musterung, die ihn als unbrauchbar für den Militär- dieust bezeichnet, in Lauterbach und kehrte zirka 1834 nach kurzem Aufenthalt in Gießen nach Lauterbach zurück. Hier wendete er sich, da durch Entbehrung seine Gesundheit gelitten, der Kompo­sition zu, das Flötenspiel gab er ganz auf. 1838 traf er zu dauerndem Aufenthalt in Darmstadt ein, erhielt dort als Nach­folger Ehr. Riucks die Stelle als Musik- und Gesangslehrer. 1854 begab er sich nach Wien, Mai bis Juli 1855 lebte er in Leipzig, kehrte bann wieder nach SBicn zurück, ist aber bereits! im Juni 1859 abermals in Darmstadt. September 1859 verzog er nach Lauterbach, im Januar 1866 nach Plauen i. V., ist im Juni 1869 wieder in Darmstadt, wo er bis zu feinem Tode verblieb.

Struth war, trotzdem' er Junggeselle blieb, ein großer Kinder- freuud, unter feinen zahlreichen Liedern befinden sich 186 Jugend- limb Kinderlieber. Hierzu kommen über 100 Klavierstücke, die zum größten Teil für Ungeübtere bestimmt finb und seine bereits erwähnte Flötenschule, die bereits 25 Auflagen erlebte. Sei» erstes Werk war eine Sammlung Jugendlieder, erschienen vor 1844 in einem längst verschollenen Frankfurter Verlage. Die Hauptschafftingszeit lag in den Jahren 1852 bis 1859, nach 1867 sind, als gedruckt, keine Arbeiten mehr nachweisbar. Zwei un­gedruckte Opern, die aber, wie mau erzählt, durch Intrige» nicht

gilt Aufführung kamen, soll Struth ebenfalls geschrieben hab'eiL, Daß meine heutigen Ausführungen dazu beitragen werden die Werke Struths der Vergessenheit zu entreißen, halte ich für aus­geschlossen, für einen gemütvollen Tondichter verflossener Zeiten ist kein Platz in dem trommelnden zwanzigsten Jahrhundert. Aber ein Unrecht, was die Mitwelt einem hochbegabten, strebsamen Künstler zugefügt hat, das können meine Nachforschungen vielleicht doch wettmachen, Ernst Challier fen,

verin»?cbtes.

* Wat der Mann verdehnt, versöfft dat Wlef. Das ungalante Sprichwort, das auf rheinischem und zwar speziell kölnischem Boden Wurzel geschlagen hat und ans Johann Fischart zurückzuführen ist, der an den Frauen so mancherlei auszusetzenf hatte, erweist sich im Lichte der Statistik zwar für die Gegeir- wart als arge Uebertreibung, hat aber in vergangenen Jahvi Hunderten auch in den privilegierten Ständen viel Berechtigung gehabt. Zum Beweise dafür möge an jene Stelle der Chronik von Schwäbisch-Hall erinnert sein, wo berichtet wird, daß nach Johanm 1532 drei Damen adligen Geblüts nach Untermncken- heim gekommen seien und dort 32MaßerlesenstenWeineK getrunken und auch richtig bezahlt hätten, worauf sie vor Anbruch der Nacht, als ob nichts besonderes geschehen, wieder nach Hall zurückgewandert seien. Herzog Ernst von Sachsen-Gotha befahl in einer aus dem Jahre 1648 stammende» Hoftrinkordnung, baßvors gräfliche und adelige Frauenzimmer vier Matz Wei» unb Abends zum Schlaftrunk zwei Ma tz" ausgesetzt seien. Auch von ber Ahnfrau des früheren österreichischen Landes­verteidigungsministers Welser von Welsersheimb, ber schöne» Augsburgerin Philippine Welser, die Kaiser Ferdinand I. 1557 in heimlicher Ehe heiratete, iutrb übereinstimmend berichtet, daß sie in vorgeschrittenen Jahre» an argem Weindurst gelitten hab« und auf Schloß Ambras unb in Innsbruck einen Willekumb von; drei Maß Wein ohne böse Folgen sehr häufig geleert hab«. Daß es auch in neuester Zeit a» hochgeborenen Danien mit er­staunlichem Durst reicht gemangelt hat, beweist unter anberem das Beispiel ber Trägerin eines in Deutschland und Oesterreich an­sässigen fürstlichen Geschlechts, die vor 25 Jahren in Graz die Anstalt eines sich mit Mädchenerziehung beschäftigenden Frauen- ordens leitete unb unter 4 Liter Wein im Tage reicht 'auszukommen pflegte. Die aus »ergangenen Jahrhunderten über­lieferte» Zahlenangaben erregen nm so mehr Erstaunen, als ei» Maß in de» meisten deutschen Landesteileir etwa 1,8 bis 2 Liter» entsprach.

* Ein Praktikus. Bürgermeister:Das Schloß an bet Arresttüre sperrt schlecht. Was sollen wir nun machen, daß »ns der Arrestant nicht über Nacht ausbricht?" Gemeinbediener L O, der geht uns nicht durch! Ich hab' das Arrestlokal seht schön warm angeheizt!"

vüchertlsch.

Felix Salten: Olga Frohgemstth. Rom'a», gisckers Bibliothek zeitgenössischer Romane, Bd. 9. (S. Fischer, erlag, Berlin.) Olga Frohgemuth ist ein echtes Wiener! Kind, heiter, wonnig, liebevoll unb Schauspielerin. Das Schick­sal gab ihr einen pedantischen Gymnasialprofessor zum Batet, der sie mißverstehen funb verstoßen muß. Dasselbe maliziöse Schicksal gab ihr einen Prinzen zum Geliebten, den sie echt und! unbeugsam liebt, unb der sie verläßt, da er gegen sie anfgehetzL wird. Olga gibt sich einem schlimmen Wetter preis nach einem Souper, dessen Sekt der Galgenhumor ist, unb stirbt. Ganz Wie» feiert sie. Der Vater beginnt sie zu begreifen, wie er eine Griechin auf ber Schule begriffen hätte. Die Erzählung ist flott unbj empfindrmgsvoll unb fesselt bis zum Schluß.

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Auflösung in nächster 'Nummer.

Auflösung der altägyptifchen Hieroglyphen in voriger Nummer: Wer gar zu viel bedenkt, ivird wenig leisten.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch, und Steindruckerei, R. Lange, Gießet