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anzubringen sind, zu uns
Gliederung bei einzelueir
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Einnndzwanzig Gruppen wird die deutsche Abteilung stellen, und davon dürfte, die erste, die dem Unterrichts-, ivefen dienen soll, sich zu einer Hauptattraktion der Brüsseler! Weltausstellung hermrsbilden. Sowohl das preußische als auch das sächsische Kultusministerium, sowie die Unter- richtsverwaltung der freien Stadt Hamburg werden iw' dieser Abteilung vertreten sein, und es wird zu praktischen Vorführungen kommen, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Es iverden nicht nur Lehrmittel ausgestellt werden, sondern das ganze Unterrichtswesen unserer Reform- und Volksschulen wird erläutert werden, nicht zu vergessen unser Fortbildnugsschulwesen sowie unsere Kunst- gewerbeschuleu und unsere Akademien für soziale und Handelswissenschaften. Von besonderem Wert ist auch, daß unsere Bodenkultur in einer ganz bestimmten Gruppe vor- gesührt werden wird, und daß namentlich das Kuuftge- lverbe in außerordentlich umfangreicher Weise vorhanden sein lvird. Man muß! das mit besonderer Freude begrüßen, nachdem leider die deutsche Regierung eine offizielle Beteiligung an der mit der Weltausstellung verwundenen internationalen Kunstausstellung abgelehnt hat. Diese Kunstausstellung bildet eine Art Schmerzenskind der Aus- stellnng, denn man hat sie räumlich von der Weltausstellung getrennt und sie in den Cinguentenaire-Park verwiesen, den man von dem Msstelknngsgelnnde aus erst in einer Wegstunde erreichen kann. Nur Frankreich, Holland, Italien und Spanien werden auf der Kunstausstellung vertreten. sein. Trotzdem sich Deutschland in seiner Jndnstrichalle einen kleinen Ersatz dadurch geschaffen hat, daß es eine von Bruno Paul arrangierte, originelle und fast vollständige Ausstellung dekorativer Kunst veranstalten lvird, muß der Beschluß auf das lebhafteste bedauert iverden. Deutschland hatte das durch seine mangelhafte Beteiligung au der Lütticher Kukrstausstellung im Jahre 1905 verloren gegangene Prestiqne wiederzuerobern, ivas ihm bei einiger-, maßen gutem Willen auch hätte gelingen müssen. Dio Entschuldigung, daß die nächstjährige internationale Kunstausstellung in Rout ein Resignieren rechtfertige, kann nicht als stichhaltig anerkannt werden.
Schon jetzt stampfen die' Maschinen, in der weiten deutschen Jndnstriehalle. Man fördert schon durch eigen« Kraft 'die notwendige Elektrizität, und in wenigen Tagen wird man mit der Innendekoration beginnen. Kein an--
trefflichen Eindruck machen. Die Gliederung der einzelnen Hallen ist so gedacht, daß die größte für das Kunstgewerbs und das Jngenieurwesen, die fernliegendste dagegen fÜV Eisenbahnmaterial, für Kraft- und landwirtschaftliche Maschinen gedacht ist. Einen, wirkungsvollen Abschluß nach rechts bildet dann die deutsche Bierhalle und ein zu Repräsentationszwecken dienender Pavillon.
Die deutsche Abteilung der Brüsseler Weltausstellung wird ein in sich abgeschlossenes Ganzes bilden, und es darf zum Ruhme deutscher Gewissenhaftigkeit und deutschen Fleißes angeführt werden, daß ihre Gebäude bereits vollständig fertig sind, so daß schon heute, zwei Monate vor Eröffnung der Ausstellung, ein .Gesamtbild gewonnen werden kann. Den Gesamtentwurs der deutschen Ausstellungshallen hat der bekannte Münchener Architekt Professor Emanuel von Seidl, der Erbauer des Wiesbadener Kur- Hauses und der Frankfurter Riesenfesthalle, geliefert. Im' Gegensatz zu beit; Jndnstriehallen anderer Staaten fällt dem' Beschauer sofort die massive Konstruktion der deutschen Gebäude auf. >
Deutschland auf der VrMer WettamWung.
Brüssel, 23. Febr.
Das kleine Belgien mit seinen acht Millionen Einwohnern hat sich in dem letzten Jahrzehnt seinen Matz an der Sonne mühsam erkämpft. Dank seiner Industrie, die ihre „Ellenbogen"' immer mehr ausbreitet «nd die immer neue Initiativen schöpft. Heute schon nimmt Belgien in der Well Handelsstattsti t die fünfte Stelle ein; damit aber dürste der Siegeslauf nicht abgeschlossen fein, denn das Volk der Wallonen und Flamländer hat die starre Ausdauer und die Beharrlichkeit, die in Handelssachen noch immer förderlich waren. Kein Mittel läßt der Belgier unversucht, um die Aufmerksamkeit auf sein Land und seine Produkte zu lenken. Aks eins der besten, die ihm zur Verfügung stehen, faßt er MsstellUngen auf. Belgien ist in ver Tat ein ausstellungsfrohes Land. Seit 1885 hat .es fünfmal den Industrien der Welt ein Stelldichein gegeben. Zuletzt 1905 in Lüttich. 1 Und trotzdem erhebt sich eine fast neue Stadt schon wiederum im Rordosten der Hauptstadt Brüssel, um dem ehrlichen, friedlichen Wettbewerb der Völker untereinander die erforderliche Resonanz zu geben.
Wenn eine Stadt der Welt Berechtigung hat, zu einer Weltausstellung einzuladen, dann ist es Brüssel, das nicht ohne Grund em Klein-Paris genannt wird Und das sich unter den Augen der Zeitgenossen von Tag zu Tag immer mehr ausbreitet, das das Alte, Unzeitgemäß,e verschwinden läßt, um seinem Ruf als moderne, internationale Weltstadt zu dienen. Brüssel liegt gewissermaßen im Hdrzeu Europas, umgeben von drei mächtigen Reichen-: Deutschland, England itnbi Frankreich, die alltäglich Tausende ihrer Landeskinder hierhersenden und nicht zum geringen Teil durch ihr Beispiel dem beispiellosen Aufslreben des gesamten Landes genutzt haben. Brüssel bietet dem Fremden auch relativ so viel wie etwa Paris. Seine Bevölkerung ist auf das' Gastrecht besonders gut eingerichtet und es fehlt ihr gewiß nicht an fröhlicher Lebendigkeit, damit nach einem alten Grundsatz nach der Arbeit auch das Vergnügen zu feinem Recht kommen kann.
Es ist nötig, das zu betonen, denn es gibt viele Menschen, die glauben, daß Ausstellungen ihre Bedeutung verloren haben, daß das Zeitalter des Verkehrs keinem mehr Rätsel zu lösen auf geb en kann. Es mag fein, daß das im gewissen Sinne nicht abgestritten werden kann, aber dennoch haben Ausstellungen ihren großen wirtschaftlichen und ideellen Wert. Namentlich aber den letzteren, den man in der heutigen Zeit besonders stark hervortreten lassen muß» Ist doch eine wirtschaftliche Annäherung naturnot- wendig die Schrittmacherin des politischen Ausgleichs unter den Völkern, denn der»Verkehr von Mann zu Mann schafft die breite Basis eines nachsichtigen Sich-Berstehens und gibt ganz von selbst den Anlaß, die Schwächen, die jeder Nationalcharakter hat, kennen und verzeihen zu lernen. Ueberträgt.man diese Dinge aus die Lebensbedürfnisse der Völker, dann ergibt sich ganz von selbst, der Wert, den Ms- stellungen mit unbeschränkter Teilnahme haben müssen.
Deutschland hat dies richtig erfaßt, indem es sich offiziell von Reichs ivegen an einer Weltausstellung beteiligt. Es mag ja auch der llmstaud, daß daö deutsche Reich iw Belgien erhebliche wirtschaftliche Interessen zu vertreten hat, ein klein wenig mitgewirkt haben, als man sich zu einer besonderen Tat aufraffte; in der Hauptsache aber dürfte doch die Ueberzeugnug vom! praktischen Ergebnis einer gut organisierten Ausstellung die Triebfeder zu äußeren, deutlichen Anstrengungen gewesen sein. Das Terrain der Ausstellung, das sich in unmittelbarer Nähe des' herrlichen Bois de la Cambre, den Brüsseler Champs-Elysees, befindet, umfaßt 100 Hektar. Hiervon sind allem 40000 Quadratmeter Deutschland zugeteilt worden, während Frankreich nur 30000 Quadratmeter und England-davon nur 20 000 belegte. Belgien steht natürlich mit etwa 75000 Quadratmeter an der Spitze aller teilnehmenden Staaten, bereu Zahl sich auf über 20 belaufen soll, aber Deutschland hat doch oie sorgsamere Auswahl voraus, aus die der vortreffliche Reichskvimnissar Geh. Regierungsrat Albert, der schon in Brüssel Wohnsitz genommen hat, einen ganz besonderen Wert gelegt hat. Er wurde in diesem Bestreben ganz nachdrücklichst von dem- Vorsitzenden des Exekutivkomitees, dem Berliner Geh. Kommerzienrat. Ravend, unterstützt, der ebenfalls schon hierher übergesiedelt ist, um die letzten und hauptsächlichsten Arbeiten selbst leiten zu können.
Heute schon ist die Wirkung der drei riesigen und harmonisch gruppierten Bauten imposant, denn sie weisen teils freiliegende eiferne Konstruktionen, teils neue Holzkou- struktionen mit gebogenen Balken und Rieseuspannweiten aus. Unter diesen Umständen begreift man, daß die belgischen Baumeister mit einer gewissen Bewunderung vor den deutschen Bauten stehen, denn sie sind ihrem Prinzip, alles in streng klassischem Stil zu gestalten, treu geblieben und haben sogar den Frontban der Hauptinduftrichalle, der 250 Meter lang und 26 Meter hoch ist, in einem fast monoton wirkenden Bilde gehalten. Hätte dieses Riesenhaus nicht vorliegende Terrassen, man würde es nicht für eine moderne Gewerbehalle, sondern viel eher für einen Zentralbahn Hof oder für ein nüchternes Schulgebäude ansehen. Diesem Fehler ist Professor von Seidl glücklicherweise entgangen, so. daß man sagen kann, das deutsche Haus wirb, wenn erst die großen plastischen Kunstwerke, die noch ~ ' - , einen vor-


