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Kitten ziemlich gleichzeitig dem Haupt ström zu führen. Als tut Jahre 1897 wieder einmal eine gewaltige Ueberschwemmung ganz Schlesien heimgesucht hatte, entschloß man sich endlich zu dem einzigen, wirklichen Schuh gewährenden Abhilssinittel, indem man mit dem Bau der 3 MÄlimwn Mark kostenden Talsperre im Queistäl bei Marklissa begann, die ungefähr 15 Millionen Kubikmeter Wasser aufzunehmen und später allmählich aHzugeben vermag. Inzwischen sind auf den Bau anderer Staubecken in SchleskM ungefähr 20 Millionen Mark verwendet worden, andere Talsperren sind zur Ausführung bestimmt und so ist die Aussicht! vorhanden, daß Schienen m einer nahen Zukunft vor den großen Ueberschwemmungen geschlitzt fein wird, von denen ost eine einzige BermögensverlUste ton solcher Höhe verursachte, daß man dafür das ganze Sckmtzshstem von Talsperren hätte bauen können.
Allerdings bergen auch die Talsperren trotz ihrer zweifellos segensreichen Wirksamkeit insofern eine gewisse Gefahr in sich, als auch ihre gemauerten Staudämmü einmal unterwaschen werden können, ivorauf sich dann unfehlbar sintflutgleiche Ueberschwemmung über das weiter abwärts gelegene Flußtal ergießen muß. In Nordamerika ist auch wirklich einnml am 31. Mai 1889 bei Jvhnstown im Staate Pennsy'lvanien der 33 Meter hohe Damm eines großen Staubeckens geborsten, wobei 5000 Menschen und 10 Millionen Dollar an Werten zugrunde gingen. Die Theorie dis Talsperrenbaues ist aber heute derartig verv-ollkommilet, daß nach menschlicher Voraussicht ein ähnliches Unglück ton gleichem Umfange sich nur dort wiederholen kann, wo sträflicher Leichtsinn und Gewissenlosigkeit das Szepter führen.
Wenn nach einer großen Ueberschwemmung die Wasser sich Verlaufen haben und menschlicher Fleiß, das .Zerstörte wieder her- zusteklen beginnt, sind die Gefahren des Hochwassers noch keineswegs am Ende angelangt. Tausende von menschlichen und tierischen Leichen beginnen der Verwesung anheimzufallen, in den Keilern tmb anderen tiefgelegenen Hausräumen fault das stagnierende Wasser und auch die ländlichen Brimnen sind allenthalben durch Krankheitsbakterien verunreinigt. Nun beginnt zu all dem! übrigen Unglück auch noch die Gefahr einer Typhusepidemie oder einer anderen ansteckenden Krankheit ihr dränend Haupt zu erheben. Da eS ganz unmöglich ist, in einem Ueberschwem nrungs- gebiet mit der notwendigen Schnelligkeit cinwandsfreies Trinkwasser zu schaffen, bleibt also nichts übrig, als alles zu Trink- zwecken bestimmtes Wässer vor hem Genuß abzukochen und sich des Essens roher Gemüse zu enthalten. W«m es bekannt ist. Wie schwer den großen Massen des Kolkes solche nützlicl-e hygienische Grundwahrheiten zum Verständnis zu bringen sind, wird nicht daran zweifeln können, daß auch in Paris, das nie ein Muster von Reinlichkeit gewesen ist, der Wassersnot sehr bald der Typhus Nachfolgen wird.
Aus Otto Julius Vierbaums Lebenseriunerungen.
Otto Julius Bierbaum, der bekannte Dichter, der nun durch des Todes unerbittliche Hand mitten aus einem reidjen Schassen herausgerissen worden ist, hat selbst des öfteren aus seinem Leben erzählt: er hat sogar in den letzten Jahren an einer ausführlichen Selbstbiographie gearbeitet, aus der er in dem Verlags- katabog von Georg Müller einen interessanten Abschnitt mitteilte. „Mittwcgs" betitelte er diesen „Orient,erungsversuch", den er von seines Lebens Höhe für die Anfänge seiner Entwicklung an- stellte, um dadurch Klarheit für ein künftiges Weilerschreiten zu erhalten. Er plaudert hier von dem frühzeitigen Bedürfnis, das er in sich fühlte, dichterisch zu schaffen. Mit zwölf Jähren machte er bereits den toten Hohenstaufen Konradin zum Helden eirto T-ramas. „Da ich mich in meinem dreizehnten Jahre (nicht zum ersten Male, aber zum ersten Mate unglücklich) grausam verliebte, erfolgte gleichzeitig eine lyrische Explosion von ungemeiner Hoftigh Beit. In dieser Zeit war ich Realist. Ich besang die Sommersprossen meiner Geliebten, die fünf Jahre älter wär als ich und mich nie eines Blickes gewürdigt hat. Hätte sie es erfahren, daß ich von ihrem Antlitz gesagt hatte: die Sonne habe es mit Zimmt bestreut, so würde sie mir die lyrischen Ohren langgezogen haben." Als ihm sein Deutschlehrer nach einem gelungenen Aufsatz auf den Kopf zusagte, er wolle wohl Dichter werden, da „schlug dieses Wort gewaltig bei mir ein, und ich glaube, daß ich seit jenem Tag! so unverschämt gewesen bin, mir einzubilden, ich könnte einmal ein Dichter werden. Daß ich es ton da ab bewußt werden wollte, ist gewiß." Fe weiter er langsam auf der Staffel der Schulklassen in die Höhe stieg, desto stärker wurde der literarische Trieb in ihm. Als Sekuudanrr macht er keine Verse mehr und las sie auch nicht: die Russen Gogoll und Turgenjesf waren fein dichterisches Ideal. Tie Eigenheiten seines Stils waren schon damals ausgeprägt: „Es ist sonderbar, wenn ich meine Schul- äussätze durchlese, die ich damals (immer in der Nacht vor der Ablieferung) geschrieben habe, so finde ich alte meine heutigen Nterartschen Unarten bereits vor, und mein damaliger einziger Kritiker, der die Majestät der roten Korrigiertinte für sich halte lwrr nannten ihn respektlos „die Funzel"), hat sie gleichfalls schon damals als solche erkannt. Wie oft, wenn ich heute gewisse Antiken über meine Arbeiten 'lese, denke ich gerlchrt: Sieh du,
die Fnitzckk . . , Einstweilen wurde ich wt ein immer schlechtere« Gymnasiast und fing an, auch in dem, was ich geistig ans eigene! Faust trieb, immer wahlloser zu werden, lind bald begann das, was ich das große Träumen nennen möchte. Groß, weil es ein unausgesetztes und erstaunlich lang anhaltendes Träumen war. Ich träumte in der Schute, bei den heimlichen Zechereien, in dey Tanzstundechei den anderen Mädchen: überall und immer. Selbst wenn ich las, träumte ich, und am meisten wenn ich schrieb. Und das mären nun wieder Verse. Gar nicht traumhafte übrigens) vielmehr von höchst sinnlicher Natur. Aber hinter ihrer Sinnliche keil vibrierte eitle wahrhaft nachtwandlerische Sehnsucht nach Idealität. War ich früher zerrissen, so war ich jetzt zerweicht." Es beginnt nun ein Herumziehen auf allerlei Gymnasien, auf denen der Gymnasiast reichen Stofs sammelte, der später in mehreren seiner Werke, in „Pankratius Graunzer", im „Stilpe", im „Prinz Kuckuck", einen dichterischen Niedensck/lag gefunden hat. Aus seiner lebensfremden Traumexistenz ward er tn einen derben! Realismus hinein gerissen. Als er endlich mit Note 3 sein Abi- turientenexamen bestanden hatte, ging er nach Zürich, um möglichst fern von den Städten feiner Gymnasiastenknechtschaft bitt Freiheit des Studentenlebens zu genießen. „Auch der demokratische Staat hockte mich, denn ich war natürlich Republikaner. Ferner riefen mich die Alpen und die rusfischeu Studenten und Studentinnen in Zürich. Ich war fest entschlossen, russisch zu lernen, denn ich hatte Dostojewskis Raskolnikow gelesen. Dieses Buch trägt die Schuld daran, daß der französische Naturalismus (Flauberts Madame Bovary ausgenommen), daß insbesondere dis Romane Zote.s wenig Wirkung bei mit gemacht! haben. Heute noch gilt mir Dostojewski als das größte dichterische Genie unserer Zeit neben Nietzsche." In Zürich kam wieder eine „Zeit des großen Träumens", die ihm ein reiches unerschöpslitos Reservoir von Eindrücken und Erinnerungen hinterließ. Während er, Ivie efl tn einer selbstbiographischen Skizze amüsant schildert, in einem Kolleg über Logik einMief und dann in einem Kolleg über protestantische Theologie wieder erwachend, fluchtartig den Schauplatz seines Träumens verließ, hörte er beim alten Johannes Schorr begeistert zu: „Erstens, weil er, der halb taub war, seine Auffassung von der deutschen Kaisergeschichte mit der Tonstärke eines verwundeten germanischen Helden verkündete, und zweitens, weil es mich seht amüsierte, seinen Grobheiten zu lauschen." Er. sah auch mit Ehrfurcht Gottfried Keller und Arnold Äocklin beisammen, wie sie „hinter Kellers staubigen Weinflaschen sich an» scl-weigend" bei der Mittagstafel saßen. „Ich, bildete mich habet zu einem guten Ausnähmeapvarat aus, der um so sicherer funktionierte, als keinerlei Wille hineinsprach Nämlich: ich „be-obach' tete" keineswegs bewußt, sondern erlebte einfach Gesichte, genau so wie es uns im Traum geschieht. Auch Gedichte erlebte ich so. Sie kamen, und ich schrieb sie — manchmal nieder. Ich habe nie so lebhaft geträumt wie damals, und yie ist die Faulenzerei eims ersten Semesters so reich beschenkt wovdm wie die meine." Aus diesem genießenden Hindämmern, das freilich schon! in Leipzig durch den Eintritt in das Korps der Thüringer und dann durch das Dienstjahr unterbrochen wurde, schreckte ihn die bittere Notwendigkeit auf. Die Eltern konnten ihn nicht mehr, wie vorher, unterstützen, und er mußte sich nach einem Bvotstudium umsehen Er kam auf Yen Gedanken, sich für den Konfulatsdienst in Persien auszubilden; er lernte Persisch. „Man verstehe: Firdusi!" Dann aber lockte ihn die Sprache des großen Lyrikers Li-tai-pe und er versuchte es mil dem Chinesisch, gab aber schließlich alles Studium auf, „weil ich mit einem Male ganz auf mich und meinen J-edeo- halter angewiesen war, der nun meine Eltern mitunterhalteni sollte." Bier bau nr wurde zunächst Journalist, trat zu den Führern der damaligen Literaturbewegung in Beziehung und entwickelte, sich nun in wechseltollen Schicksalen zum wirklichen Dichter.
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer^
Auflösung des Arithnwgriphs in voriger Nummer: Alma — Don — Olm — Lanze — Fee — Vandalen — Olak — Radel — Mandel — Gurina — Rönne — Zala — Edda — Lodz!
Adolf v o ii M e n z e l.
Redaktion! K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Umversitäls-Buch- und Skemdrnckerei, R. Lange, Gieße«.


