Ausgabe 
4.6.1910
 
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Bebattion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbrnckerei, R. Lange, Gieße»».

Logogriph.

Oft steh ich bei dem Freudenmahl Bereit, Erquickung dir zu spenden; Vergessen ist des Lebens Qual, Doch Täuschung hast du nur in Hände»;. Dem; ich bin es, der Schmerz und Weh Dir reichlich bringt in schweren Tage»;. Wenn ich an dir vorüber geh, So kannst du wohl von Glücke sagen.

Nimm nur das Haupt und alsobald Hast du ein mächtig Wild aeümbeu; Es hauste einst inr 'tieisten Wald, Nun ist's vom Erdkreis längst verschivtlnden.

Auflösung in nächster Nummer:

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nununerr Gelsenkirchen Elfe« Robbia Harmonium Ararat

Rapp Diu Hora: Gerhard H a u p t >n a n n.

ve»m!?chtss.

* Kälteindustrie und Volkswirtschaft. Mair kann häufig der Annahme begegnen, daß die Kälteindustrie in Knstralcen und Neuseeland entwickelter sei als in andere,; Teilen dtzr Welt, »veil von dort aus riesige Menge»; name»;tlich von Hammelfleisch in Kühlschiffe,; nach London und anderen eng­lischen Häfen versandt werden. Indessen ist tatsächlich die Ent­wickelung der Kälteindustrie auch in den Vereinigten Staaten in der letzten Zeit eine ganz hervorragende geworden. Die Gründe dafür sind genau dieselben, wie sie für Australien und Neu- seeland vorlregen. Eine große Zahl wichtiger Lebens,nittel wird in Yen Bereinigten Staaten an Stellen erzeugt, an denen die Be­völkerung nur schwach ist, während andererseits, namentlich in der Umgebung der ausgedehntesten Großstädte, die Lebensmittel- Erzeugung mit Ausnahme des Gemüsebaues und der Molkerei- betriebe keine ausreichende ist. Lebt doch bei weiten; der grösste Teil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten in dem östlichen Drittel, -wahrend namentlich Obst und Früchte aller Art viel- fach mr äußersten Westen erzeugt werden, wo sie ganz besonders» «prächtig in Kalifornien und an der Küste des Stillen Ozeans ÜLdecheu. Man hat daher in Nordamerika, sobald die landwirt- schaftuche Erzeugung der westlichen Laudesteile einen größeren, »Auf,chwung nahm, Tausende von Kühlwagen bauen lassen, um dm Möglichkeit zu gewahren, daß. z. B. kalifornische Apfelsine»; d-e d-xh mindestens eme Woche in Anspruch nehmende Fahrt uack den oltlichen Landesteilen, wo sie auf die Märkte der Groß- städte Newport, Philadelphia, Boston usw. geworfen werden, gut überstehen. So gibt es heute in den Bereinigten Staaten viele» Tausende von Kühlwagen, die zusammen die riesige Fassungskraft von etwa 1 200 000 Tons besitzen (1 Ton = 1016 Kilogramm) «Auf diesen Kühlwagen werden landwirtschaftliche Produkte be­fördert, die lahrüch einen Wert von fast 10 Milliarden Mark darstellcii Außerdem gibt es in der Union 187 Kühlschiffe, die .wtitanbe sind, gegen 12 Millionen Schafe zu befördern. Die »eisgekühlte»! Lagerräume, die an verschiedenen Punkt«», der Ber- Ninigten Staaten hergestellt sind, vermögen 4 800 000 Zentner

«iw Milliarde Gier und nrehr als 2»/2 Millionen Tonnest (125000 Zentner) Früchte aufzunehmcn. Auch in anderen Teilen» der Welt hat sich die Kälteindustrie kolossal entwickelt. In Argentinien z. B., das 1893 erst für etwa eine Million Mar« eisgekühlter Fleischprodukte ausführte, hat sich diese Zahl bis znm Jahr« 1903 fast verzehnfacht. Dec beste ausländische Ab­nehmer von eisgekühlten! Fleisch ist bekanntlich England, dass la für feine Bevölkerungsernährung auf diese Einfuhr von Süd- und Nordamerika, insbesondere aber von Australien und Neu- seeland» angewiesen ist. Großbritannien empfängt jährlich etwa für 72»/. Milliarden Mark eisgekühlten oder gefrorenen Fleisches. Auch von Neuseeland, das als Beispiel für die Südseegegestds (Australien eingeschlossen) dienen ,nag, hat sich die Verschickung» gefrorenen oder eisgekühlten Fleisches, nachden; die» Erfindung 1879 gemacht worden war, schnell entwickelt. Die erste Ladung gefrorene» Fleisches ging 1882 von der neuseeländischen Hafen­stadt Dunedin ab. In jenem Jahre verschiffte man 1707 000 Pfund Fleisch. Dann ging die Ausfuhr mit Riesenschritte,! Vvr- svarts» 1893 z. B. betrug sie 1839 000 Schafkörper, die durch 366 dazu eingerichtete Schiffe verfrachtet wurden. Und tvenn anch den Viehzüchtern in den Kaninchen, die man trotz aller» Anstrengungen und riesiger Ausgaben noch nicht hat loswerden können, eine arge Landplage erwachs, so hat doch der Betrag des verschifften Fleisches so große Mengen erreicht, daß er durch­schnittlich nicht weniger als 200 Millionen Pfund jährlich be­tragt. 1903 Ivar er sogar auf 266 408 800 Pfund gewachsen, dl« einen Wert von etwa 60 Millionen Mark verkörperten. Es sei bei dieser Gelegenheit envähnt, daß die Kältetemperaturen/ unter bi« man die verschiedenen Lebensmittel stellen muß, ver­schieden sind: Aepfel gefrieren bereits bei0,5 Grad Celsius/ während Weintranben eine Temperatur bis zu3 Grad aus- halten. Fleisch hält sich bei einer Temperatur von2 Grads vis4 Grad mehrere Wochen lang. Wird es aber tüchtig durchgefroren, d. h. wird es unter ein« Kälte von9 bis 12 Grad gestellt, so hält es sich zivei Jahre lang. E. S.

* Die Hyg iene der Briefmarke. Metall- nnd' Papiergeld Haden sich schon oft den Bvriburf gefallen lassest müssen, wegen der Möglichkeit, Krankheitskeime zu übertragen, sehr gefährlich zn sein. Ein englischer Arzt weist nun darauf hm, daß dieser Vorwurf für die Briefmarke in viel höherem Grade zutrifft. Im Auftrage desDailtz Mirror" hat er hier­über eingehende Untersuchungen ausgeführt. Er hat auf einem! Postamt« eineu Bogen Briefmarken gekauft. Hiervon wurden einige sofort in Glasröhrchen gesteckt, die verschlossen auf eist paar Tage beut bakteriologischen Brutofen anvertraut wurden,' der Rest wurde vier Stunden lang an einem feuchten Tage in einem Zimmer bei offenen Fenstern ans einem Tische ausgebceitet und darauf ebenso behandelt, wie die ersten Briefmarken. Dann wurden beide Proben unter dem Mikroskop sorgfältig auf Keimes hui untersucht. Alle Briefmarken enthielten nachher große Mengen mikroskopischer Lebewesen, jedoch enthielten die int Zimmer der feuchten Luft ausgesetzten fünfmal so viel als die anderen. Allerdings waren die meisten der gefundenen Bakterien harmloser Natur, jedoch fanden sich massenhaft Staphylokokkest (Eiterbakterien), und daß in einen; Zimn;er, in den; Menschen verkehren, auch Tuberkeln und Erreger anderer Krankheiten auf di« Briefmarken gelangen, versteht stch vor; selbst. Der englische» Arzt gibt daher den wohlverständlichen Rat, nie Briefmarke^ durch Lecken mit der Zunge aiizufeuchten, nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern anch aus Hhgienischeu. In Geschäften, die» große Postsendungen zu erledige» habeu, geschieht das Anfeuchten der Briefmarken gewöhnlich mit Anfenchtern, wassergetränktäst Schwämmchen oder feuchten Filzplatten. Auch in diesen finden, sich allerhand Keime, die beim Anfeuchten einer Briefmarke danst auf die Hand, und anf diesen; Wege später in den Mund gelangest können. Es ist daher zu empfehlen, solche Briefrnarkenanfeuchtev nicht mit reinem Wasser zu tränken, sondern irgend ßiritz a.nti,; septische Flüssigkeit zu wählen.

gegeit Feuersgefahr das Regenwasser in sechs großen Behälter»; gesammelt. Außer einer großen Zahl voi; Felsenbrunnen, die tu, der heißen Jahreszeit oft austrockneten, fand sich in der Stadt kein Quelkbrunnen, weshalb bis zu»; Jahre 1903, in welchen» «eine Wasserleitung angelegt wurde, das Wasser aus dem Tale heraufgeholt »verden mußte. Eine Stunde »vestlich von Amöne­burg liegt der Hof R a d e n h a u s e», ursprünglich zwei Witec bildend, tiou welche»; das eine dem hessische»; Landgrafen, das a»;dece dem Erzstift Mainz unb danach dem ausgestorbenen Ge­schlechtvon Rüdenhausen" gehörte, während der Hof gegenwärtig im Besitze der Fainilie von Milchling sich befindet, die denfelbeu . verpachtet hat. Molkereien, deren Zahl in unserem Regierungs-

Bezirk 60 betrügt, fi»;den »vir in Kirchhain, Schweinsberg und Rauisch-Holzhausen, letzterer Ort mit dem 1000 Kasseler ®Mer nmfasseuden Gut und den ausgedehnte»; Waldungei; des Freiherrn vo»; Stumm. Etiva die Hälfte jener 60 Molkereic»; sind i»t Privat-, die andere Hälfte in Genossenschafts-Besitz. Eine bessere Verwertung der Milch ermöglichend, verarbeiten sie zu­sammen jährlich etwa 52 Millionen Liter. Nach den; Statut der hessischen Ritterschaft vom Jahre 1835 gab es i»; Hessen 347 geschlossene Rittergüter, und unter diese»; 153 ritterliche Familie!»! »als Besitzer. Die Rittergüter sind größere oder kleinere Güter nnd berechtigten de» zur hessischen Ritterschaft gehörige» Besitzer, an de» Vorteile» der ritterschaftlichen Stiftungen Oberkaufungen Ni!d Wetter Anteil zu haben. Ein Hof zu Schön stad t ist das Rittergut des Herrn von Lucius. Dem Obstbau, der längere Zeit vernachlässigt »oorden war, hat man sich wieder mit größere»» Eifer zugewandt. Bekannt »vegen ihres Obstreichtums sind u. a. Reddehausen, dasHotzeldorf" genannt, und Bauerbach, ton Ostabhang des Lahnberges gelegen. Neben Ackerbau und Viehzucht sind die Gewerbe, anßer in den Städten, auch in den Meisten Dörfern vertreten. I»; S ch w e i n s b e r g , wo die Be­wohner besonders Viehzucht treiben, blüht noch ein verdrängtes Gewerbe, die Drechslerei, durch deren Erzeugnisse eine dortige Familie an in- und ausländischen Fürstenhöfen Anerkenunstg! gefunden hat. Die Bewohner Amöneburgs finden teiliveise Beschäftigung in den Basaltsteinbrüchen des Städtchens. Auf­fallend viele Handwerker hat Schönstadt aufzuweisen, denn dort sind ansässig 10 Schuhmacher, 8 Schneider, 6 Schreiner/ 3 Küfer, 2 Sattler, 2 Schmiede und däzn eine Musikkapelle. Ziegeleien findet man in Niederklein, Mardorf, Klein- f e e l h e i in, Schönstadt, eine Bierbrauerei in Erfurtshansen, «tue Seifensiederei in Niederklein. Die Fischerei in dec -Ohm »uns deren Nebeirbächest gehört großenteils de»! Freiherren Schenck zu Schweinsberg, so in dem Sembach (Mück e) bis zu dessen Mündung in die Ohm bei Merlan, sowie in der Ohm zwischen Nieder-Ohmen und Burg-Gemünden, wo Hechte gefangen »verden; auch an Forellen sind die Wasserläufe reich. Noch immer sammeln sich im Ohmgrund viele Wasservögel. Kraniche und Störche Jwtttnen hier beim Beginn der Reise zusamme»!: auch Wildschweine, wüttfe u, -Enten, sowie Trappen u. Fregatten sind keine Seltenheit.