Ausgabe 
4.6.1910
 
Einzelbild herunterladen

Samstag den q. Juni

B eM

\C: <

Ct 7

W

jiiSffliiiiili

Ihres Vaters Tochter.

Roman Don Lulu von Strauß und Torney,, (Nachdruck verboten.)

Fortsetzung.)

13. September.

Der Professor ist da. Und es ist alles so gekommen, tvre ich gefürchtet hatte. Nein, schlimmer noch!

v-r. '®.clttt mein Seppl wüßte, toas er in seiner Ahnungs- wslglelr üngerrchtet hat! '

... ksanzel! Morgen schon wie im Fieber, wollte

AAch sruy seril Sonntagszeug anhaben, mochte kaum seine Milch trinken und wartete ruhelos.

6alb"^gelt?"^°mmt ^eV ^"^r, Aga? Konnnt er jetzt? Aber

Mir war unbehaglich zumute, ich scheue jede Aufregung für den nervösen Jungen. Aber mein Zureden half nichts.

Er hat in den letzten Wochen wirklich gelernt, ein paar re bbii gestern das Telegramm kam,

, feuten Baler anmeldete, hat er nichts anderes gedacht, ?ß er ihm entgegengchen will, wirklich gehen, zwei Schritte oder drei, so weit er kann, Zenz und ich an fernen Verden satten. Zwei Stunden stand ich schon am Fenster und wartete, immer den ungeduldigen kleinen Frager Himer mir, als ich endlich, endlich beit Professor kommen sah. v "

Es mußte alles im Flug gehen, in ein paar Sekunden, der Junge zitterte und fieberte vor Ungeduld. Wie die Gartentür klang, hatten wir ihn kaum aus dem Fahrstuhl

°en Fußen, er drängte aufgeregt vorwärts, daß das rranke Bern nicht nut konnte und einknickte. Aber er achtete gar nrcht auf den Schmerz.

, Weich darauf war der Professor in der Haustür, groß und brerr die Türöffnung füllend. Er blieb wie angenagelt stehen. a a

Seppl! Bub! Was soll das?"

3* weiß nicht, ob die Aufregung der letzten Minuten

. $ wite,^ oder ob die laute, derbe Stimme ihn er-

ZEppl starrte einen Augenblick mit zitterndem den Peofessor groß und fremd an, dann warf er

Aufschrei den Kopf herum, versteckte ihn in meinem Kleid und klammerte sich an mich.

Nem, nern, weg! Er soll weg! Aga, nein!"

, krankes Bein glitt, er wäre gefallen. Ehe ich ihn ^st^b^n komrce, hatte der Professor ihn in den Armen. Mter? W ' toaä denn? Komm, ich bin's ja, der

?ber das erregte Kind schlug schluchzend wie sinnlos Mir den Armen um sich und stemmte sich gegen ihn. i W' Äch will KU Aga! Laß los, weg!"

Hiev Men Sie den Jüngen," u

Er sagte das kurz Und hart. Ueber das Kind weg trafen sich unsere Augen. Und ich wußte auf einmal, was er dachte: du hast schuld. Du hast mir mein Kind entfremdet

Ich hatte Seppl auf dem Arm, er duckte seinen Kopf an meine Schulter wie ein gejagtes kleines Tier. Ich fühlte, wie das Schluchzen noch den kleinen Körper stieß, als ich ihn die Treppe hinauftrug.

Ein paar Minuten blieb ich bei ihm, bis er ruhiger wurde, .dann ließ ich ihn bei der Zenz. Ich wußte, jetzt? half.alles Gutzureden noch nichts. Aber ich hatte förmlich Furcht vor dem Professor.

Ich traf ihn noch unten in der Borhalle, wo er mit starken Schritten auf- und ablief. Er blieb! erst stehen, als ich dicht vor ihm war.

Es tut mir so leid, Herr Professor! Seppl wird den unartigen Empfang später nachholen. Er hatte es sich so hübsch ags gedacht, Sie mit dem Gehen zu überraschen, Dre Aufregung ist ihm wohl zu viel geworden, Sie wissens ja, wie zart und reizbar er ist. Vs wird bald besser."

Mag sein." Er nickte, aber seine Augen behielten den gleichen Ausdruck.Jedenfalls ganz gut, baß er mich nicht zu viel zu sehen bekommt, dann kann er sich ja langsam an den schwarzen Mann gewöhnen."

Ich kannte diesen harten Ton gar nicht an ihm. Ich blreb noch vor ihm stehen.

Ich glaube im Gegenteil, er wird sich gleich gewöhnen, sowie er länger mit Ihnen zusammen ist. Herr Professor, das wollen Sie mir doch nicht antun, daß Sie im Gasthof blechen? Ich hübe mich darauf gefreut, daß Sie mein Gast sein würden."

Nein. Es ist besser so. Ich bleibe ja auch Nur eins paar Tage Ich will nur gleich mit dem Zweck heraus!-? rucken. Ich will mir den Seppl holen."

Also wirklich! Ich sagte kein Wort. Mer auf einmal tiefen nur die Tränen übers Gesicht.

har'^^ Professor sah es, sein Ton wurde etwas weniger!

Aber Kind, was soll denn das? Seien Sie nur ruhig, ein bißchen muß ich Ihnen den Störenfried schon noch da lassen. Ich wollte jetzt nur nach ihm schauen rmd fahre dann erst vierzehn Tage ins Gebirge. Will nrir die Steife hert aus den Gliedern und die Stadtluft aus dem KVpf kraxeln. Nachher komme ich und hole ihn mir."

Ich nahm mich zusanimen.

Mir müssen über Seppl noch näher sprechen, Herr Professor. Der Herr Medizinalrat will auch"

Ich brachte es doch nicht weiter. Bielleicht war es für den Augenblick auch besser.

Hat denn Seppls schlimmer Empfang die Stimmung so ganz und gar verdorben? Früher hätte ich den Pro-, fes,or doch offen um alles gefragt. Aber ich kenne ihn gqr nicht so, wie er heute ist! i

Mein weißes Kleid, das ich Unserm Gast zu Ehren trug, und mein festlicher Tifchschmuck vM rotem WeinUuK