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spannten. Nur ein Bruchteil einet Sekunde stand mir zu einem Entschlüsse zur Verfügung; ich beschloß, es mit den Telegraphendrähten zu 'toageii. Während ich sank, machte ich noch eine scharfe Wendung nach rechts und ich Mar so glücklich, dicht neben deck Telegraphendrähten hinabzukommen." Bon der Mlle Maren die Glieder des Fliegers steif und halb erstarrt, aber sofort fanden sich hilfsbereite Hände, die ihn abrieben, ihm warme Tücher gaben, Whisky einflößteu; ein Kraftwagen führte ihn dann in den Gasthof, wo seine Fran ihn bereits erwartete. „Ich genoß einige Eier, Milch und Suppe — das stärkte mich um so mehr, als ich am Tage während des Aufbaues der Maschine nur ein belegtest Brot genossen hatte. Um zehn Uhr ging ich schlafen, ftiiif Stunden schlief ich wie ein Stein, und erwachte frisch wie ein Hecht. Es ivar noch dunkel, als ich zu meiner Maschine kam. Die Mechaniker hatten sie mährend der Nacht nachgesehen, Petroleum war aufgefüllt und ich machte mich zum Ausstieg bereit. Es ivar eine) schwierige Abfahrt, denn das Feld war nnr kurz und schmal, und am Ende türmte sich eine hohe Hecke auf. Ein Zusaminenstoß mit der Hecke wäre verderblich geworben. Aber der Wind mar mir günstig, ich kam glücklich über das Hindernis hinweg und nahm nun den Kurs geradenwegs auf Manchester. Ich folgte dem Schienen: immerfort hatte ich mit kurzen, heftigen Windstößen zu kämpfen. Doch ich fühlte mich meiner Richtung so sicher: daß ich mir nicht einmal mehr die Mühe nahm, meine Karte zu befragen. Das ivar ein Fehler, denn hinter Creme verlor ich die Zeichen uicd suchte vergeblich nach dem Signal, das ick dort zu finden hoffte. Ich mußte einen großen Bogen beschreiben und ein Stück Wegs in der Richtung nach London zurückfliegen, bis ich wieder die iveißen Zeichen auf den Schwellen der Schienen sah. Noch einmal verlor ich so den Weg und mußte einen Kreis beschreiben: bann aber sah ich vor mir das Bahnhofsgebäude von New Buruage, mein Ziel. Drunten auf dem Felde bemerkte! ich die lveißen Signale, die meinen Landungsplatz bezeichneten und ich wußte, daß ich gefiegt hatte. Während des ganzen Fluges hatte ich mit bem Winde zu kämpfen, aber ich fchlug diesen Gegner."
Das vorstecksträchchen.
Es wird uns geschrieben : Bisher waren die künstlichen Blumen, soiern sie nicht ihren Platz auf dem Hut erhielten, in den Ball-, Gesellsehasts- und Konzertsaal verbannt, Heuer aber erscheinen sie, durch milde Frühlingslüfte hervorgelockt, allenthalben in den Straßen der Großstadt als Schmuck der Kleider. Das Sträußchen ist dermaßen zur Mode des Tages geworden, daß keine „elegante" Dame mehr ohne es ausgeht, natürlich nur, wenn die Sonne scheint und ein gut sitzendes Kleid ihr ein Anrecht auf das Beiwort „elegant" gewährt, denn mit dem Regenmantel verträgt es sich nicht. Am beliebtesten sind dicke Veilcheusträuße in nut einem und zwar ziemlich dunkeln Ton — die grelliia gelten nicht für fein — von nur ganz wenigen grünen Blättern umschlossen und von einem dünnen Goldfaden znsammengehalten, daneben solche atts gelben, violetten und rotbraunen Primeln und Aurikeln; hier unb da begegnet man auch gelben und weißen Maßliebchen, rosa geränderten Tausendschön und dunkelblauen Genzianen. Für ältere Damett hat matt Edelweiß und den Tausendschön uachgebtldele schwarze Blüten mit iveißen und goldenen Rändern. Indessen benutzt man nicht nur Sträußchen, sondern auch einzelne Blumen zum Borstecken. Unter diesen wird die Rose in jeder nur denkbaren Schattierung, auch in einer solchen, die die Natur nicht hervorbringt, wie blau, lila, grau, braunbraun und grün, am meisten bevorzugt. 21 Ile diese Vorsteckblumen müssen verhältnismäßig lange Stengel haben und möglichst natürlich ivirken, eine für den Zweck bestimmte Rose hat, genau, als ob man sie (angfteuglig von einem Hochstamm ab- ; geschnitten hätte, Domen und ein paar gut entwickelte Blätter. Häufig sitzt auch hie und da ein Gold- oder Marieukäferchen darauf uitb wer sich's leisten kann, ziert sie noch obeneiit mit einem Tautropfen in Gestalt eines ungefaßten Diamanlett. Er braucht nicht echt zu fein, Simili tut es auch. Die Borsteckblumen befestigt man in der Regel am obersten Knops der Jacke oder, wenn die letztere offen getragen wird, im Gürtel oder an der Bluse. Eine feine „Nttattce" (!) fügt man dieser Mode hinzu, wenn man ein oder 2 Blnmenblättcheit etwas unterhalb der Blumen leicht auf das Kleid heftet, gleich, als wären sie von den Blüten (jerabgefaden. (!) (Menschen, die einen guten Geschmack haben, werden diese neue Mode wohl als geschmacklos empfinden und die „feine Nuance" als geradezu unsinnig. Es gibt aber auch andere Leute. Die Schriftleitung.)
Vermiete».
* Z 0 o Und Geo. Früher sprach man kurz und bündig vom „Zoologischen" ebenso wie vom „Rüdesheimer", wohl wissend, daß man bei jenem nicht Wein und bei diesem nicht Garten zu ergänzen hat. Gegen solche ganz vernünstige Kürzungen sosi also durchaus nichts gesagt werden. Aber ist eS nicht höchst läppisch, daß man in Berlin und anderen deutschen Städten fast nur noch vom „Zoo" spricht unb - sogar schreibt? Weshalb kürzt man denn nicht auch flugs andere Wörter ab unb geht z. B. in den Bot statt in den Botanischen Garten, aufs Ra statt aufs Rathaus, ins
The ober in die Schn statt ins Theater unb in bie Schule, ins Ak statt ins Akademische Kunstmuseum, ins Prov statt ins Provinzial- mufeum ? Wie viel unnütze Zeit verplempern wir doch überhaupt! Weshalb nennen wir den Oberbürgermeister nicht Ob, den Beigeordneten Bei, den Regierungsrat Re, den Sanitätsrat San usw. ? Ist es nicht höchste Zeit, daß wir wieder zur Einfachheit zurückkehren und wie die Kinder stammeln? — Ja, aber der Londoner spricht doch auch vom „Zoo" l Ah so, da haben wir wieder die Bescherung! In Deutschland heißt eS ja allerdings auch nicht mehr „Deutschland, Deutschland über alles", sondern „Old England for ever“, und wo es Engländereien auizugreifen und nachzuahmen gibt, da ist unser deutscher Michel immer mit der Nase voran! — Auch noch anderswo begegnen wir solch knauseriger Buchslabensparerei : Leute, die Georg heißen, nennen sich jetzt oft Geo; andere, die Adolf ober Theodor getauft sind, lassen sich Ado und Theo rufen und schreiben. Ist e§ die Möglichkeit — statt Georg Geo? Ei, so sage man doch auch statt Richard nur Nicha, statt Kurt nut Ki>, statt Albert nur Alb, und statt Borg nur Bo, statt Morgen Dio, statt Sorgen So. Erinnern diese Geo und Theo nicht an bie bekannte Beo-Sprache bierseliger Studenten? 2115 Koseformen läßt man sich diese Kürzungen ja allenfalls gefallen; aber daß man sie heute auch allenthalben — nicht nur in Artistenkreisen — in der Oeffenllichkeit anwendet, kann man nicht gerade als geschmackvoll bezeichnen.
* W i e Mark T m a i u fein erstes Gelb verdient e< Bekanntlich hat der unlängst verstorbene amerikanische Humorist verschiedene Berufe.ergriffen, bevor er sich durch die Schriftstellerei Namen unb Vermögen schuf.. Ans welche Weise aber Mark Twain als Schulknabe fein erstes Geld verdiente, erzählt er selbst in seinem Buch „The Suuny Side of the Street" folgendermaßen: „Ich erinnere mich an die folgende Begebenheit noch sehr genau, obwohl es schon sehr lange her ist, denn ich ivlar damals nolch ganz klein. In unserer Schule ivar es strengstens verboten, mit bem Taschenmesser an den Bänken herumzuschnitzen. Zur Strafe mußte man entweder fünf Dollars zahlen oder sich vor versammelten Schülern ausprügeln lassen. Eines Tages überraschte mich mein Lehrer, als ich mitten in der schönsten Schnitzarbeit ivar, und stellte mir anheim, entweder zn zahlen j>ber öffentlich Prügel zu empfangen. Als ich meinem Baker meine- Schuld gestanden hatte, sagte er: Samuel, ich kann nicht znlasfen, daß die Ehre unseres! Namens dadurch befleckt ivird, daß du öffentlich deine Straft! erhältst. Ich werde die fünf Dollars bezahlen, aber die Prügel sollen dir nicht geschenkt werden. Damit nahm er mich in fein Zimmer und verabfolgte mir eine sehr reichliche Portion Prügel. Als ich die Treppe hinuuterstieg, mit der einen Hand den schmerzenden Körperteil-haltend und in der anderen Hand die fünf Dollars,- überlegte ich, daß der Lehrer es gewiß nicht wagen würde, ft), heftig zu schlagen, wie mein Vater es eben getan hatte. Als ich in der Schule ankam, sagte ich.also bem Lehrer, daß ich mich für die Prügel entschieden habe und lieferte mich seiner Justiz aus. Mit der Seele eines Stoikers hielt ich der Prozedur Stand und behielt die fünf Dollars. Auf diese Weife habe ich mein erstes Geld verdient."
'Ideale Mieter. Bon idealen Mietern und einem mindestens ebenso idealen H an s h e r t n weiß das Wiener „Fremdenblatt" in folgendem Gescksichtchen ans Ofenpest zu berichten: Mehrere der bekannten Osenpesker Zigeunerprimas (soll ivochl Primaten heißen? D. R. besitzen ein großes Vermögen und sind auch Hausbesitzer, unter anderem auch der Zigeuner Karl Balogh, der auf dem Großen Platz der Hauptstadt ein vierstöckiges Hans sein Eigen nennt. Er erfreute sich im Kreist seiner Mieter des besten Rufes, weil er niemals © te ige ruugen vorgenommen hat. Vor einiger Zeit wollte Balogh sein Haus an einen Offizier verkaustn. AIS er mit ihm als zukünftigem Hausbesitzer durch die Gänge schritt, erfaßte die Bewohner großer Schrecken, beim sie fürchteten, sie würden nun einen weniger angenehmen Hausherrn erhalten. Sie traten deshalb zu einer Besprechung zusammen und beschlossen, gemeinfam bei ihrem Hausherrn zu erscheinen. Dort hielt einer der Mieter eine Ansprache an Balogh, in der er ihn bat, das Haus nicht zn verkaufen. Gleichzeitig teilte er ihm mit, daß die Mieter beschlossen hätten, um ihrem Wunsche größeren Nachdruck zu verleihen, eine S e (b ft ft e i g e r u it g ihres Mietzinses vorzuschlagen und zwar im Betrage von 1000 Kronen. Balogh beschloß infolge diese? rührenden Entschlusses feiner Parteien, da? Haus n i ch t zu verkaufen, sondern auch weiterhin der Hausherr dieser idealen Mieter zu bleibeit.
Ergänzungs-Rätsel.
21.. d.. .e.g.n ,f. ..ei.ei.! D.. H..ch ..r .. ü . t • S. ei.. .. ch. h.. au . . n . i. r.. n. n .ü.t.;
D .. W.l. ..t v..I.o .m. n ü.e.a.l,
W. . e. 3)1... cf) n. ch. h.. k., in. m.. s.. n. r ..all Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Bilderrätsels in vor. Nummer: Dame n z w c i r a b.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- unb Steindruckerei, R. Lange, Gieße»


