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Ihres Vaters Tochter.
Roman von Lu lu von Strauß, und Torney.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
An meiner Not bin ich zu Professor Bernhardt gegangen. An seinem Atelier hatte das Unheil sich angesponnen, er hatte Lotte auf den Bauernball hingehütet, wo der hübsche Pole ihr nicht Von der Seite gegangen ist, wie sie mir Jetzt beichtete,- so mag er auch sehen, wie er es wieder znrechtbringt,
Es stieg ihm braunrot in die Stirn, und er brauste auf wie ein Hitzkopf von zwanzig.
„Die soll doch der Geier holen! Denkt die tolle Bande denn, sie kann mir ans der Nase hernmtauzeu? Also deshalb war das Mädel, die Gelsa, so verkehrt in der letzten Zeit! Eine Sünde und Schande! Die hat mehr int kleinen Finger stecken als die ganze andere Gesellschaft im Schädel! Der Windhund, der Pole! Recht einer, um Mädeln den Kopf zu verdrehen! Ich will ihn lehren, der Lotte Allotria in den Kopf setzen! Warte mir!"
Er kam dann mit langen Schritten zu mir und klopfte mich auf die Schulter.
„Brav, das; Sie zu mir gekommen sind, wir zwei toollen's schon deichseln. Wo ich zu grob dreinfahre, da helfen Sie mit Ihrem feinen Frauenziuimerverstand wieder zurecht, gelt? Nur kein Pharisäer sein! Sünde ist die Liebe nicht, und der Kunst tut sie not wie die Sonne dem grünen Kraut. Aber ein bißchen die Hand drüberhalten, das; das Flämmchen Tein Schadenfeuer wird!"
Er blieb vor mir stehen und lachte auf einmal sein gutes, kräftiges Baßlachen.
„Was schauen Sie mich denn so an, als ob Sie dächten: „Gott behüte, ist das so einer?" Kind, wer das Leben kennt, der iveiß, daß alle ehrliche Liebe ein gutes Gewächs Gottes ist, auch weuu sie wild wächst und nicht in unsern Krantbeeten! lind daß selten viel dabei herauskommt, wenn wir die Hände in anderer Leute Leben mengen. Höchstens unmertlich ein bißchen Richtung geben! Aber festhalten läßt sich nicht, was weiter will. Jeder soll seine Erfahrungen selbst machen, auch wenn sie weh tun. Das ist besser als Glashauskultur. Aber seien Sie ganz ruhig, ich werbe mir den Windhund morgen doch vornehmen!" —
Also kam der „Windhund" am übernächsten Tag ins Stuhl und ließ sozusagen Schweif und Ohren hängen, lind schaute erst mich unwiderstehlich reuig au und dann Lotte mit einem Blick, unter dem es ihr rosenrot ins Gesicht schlug, lind brachte uns nachher bis an Damiauis Haustür.
Es ist nämlich im Rat der Weisen beschlossen, daß. er das darf. Keine heimlichen Zusammenkünfte; darauf hat der Professor seiir Ehrenwort. Mer vom Melier darf er sie nach Haus bringen, und alle Woche einmal sehen sie sich
in Bernhardts Haus. Ich sitze dann bei Seppl, singe ihm vor oder erzähle, und der Professor nimmt die Elefantenrolle auch nicht schwer.
„Die Lotte kenn ich," sagte er, „die ist ein ehrlicher Kerl. Weitn man die Zügel zu straff anzieht, reißen sie. Mer so geht die Sache. Das Mädel kommt setzt weiter, daß ich meine Helle Freude daran hab. Wenn sie's eilt Jahr so durchhalten, hab ich ihr versprochen, der Frau Mama die Sache beizubringen und ein Wort dafür einzulegen. Und ist'S bis dahin bei ihm ober ihr verflogen —j gut, daun beißt sie die Zähne zusammen und hat etwas gelernt durch die Geschichte."
Ich fange an, ihn zu verstehen. Lotte ist seitdem ruhig und stetig und still-glückselig. Wie wir gestern von Bernhardt kommen, lassen die beiden mich brav in der Mitte gehen; nur unter der Haustür schiebt mich Lotte vorwärts: „Nun sei gut und geh diskret voran, Aga," bettelt sie. Wir duzen Uns nämlich, seit ich ihr Geheimnis weiß. Aus der Treppe holt sie mich daun ein und zieht meinen Arm in ihren. >'
„Armes Hascherl! Steht da hinter dem Zaum Vorn' Paradies und darf nicht einmal hinü'berschaueu! Mach's tote ich und steig über! Weiß ich denn keinen für dich? Der Doktor? Brrr, viel zu vernünftig! Der Professor? Das wär so einet! Jung ist er ja nicht mehr, aber alt wird der auch nie. Sowas von Genie! Oder weißt du ei nett andern? Sag!"
Manchmal fahre ich sie au, wenn mir ihre Neckereien zu toll werden. —
Wie ich wieder durchlese, was ich Ihnen da geschrieben habe, kommen mir auf einmal Gewissensbisse. Durfte ich Ihnen das alles sagend
Aber ich kann nicht anders, ich muß mich aussprechen. Uitb nicht wahr, es ist in einen Brunnen geworfen? Lottes Geheimnis ist bei Ihnen aufgehoben wie 6'ei mit selbst? Ja, ja, ick> weiß es!
Leben Sie wohl, lieber Georg!
Ihre Agnes W,
München, 7. März 1901. Liebster, bester Freund!
Helfen Sie, raten Sie mir! Sagen Sie mir, was ich tun soll! _ ,, ''
Es scheint, daß meine arme Seele hier nicht zur Ruhe kommen soll! Oder ist dieses die Ruhe, die auf sie wartet?
Doktor Dörrmann hat mich gefragt, ob ich seine Frau 'werden will. ' Ganz sachlich und ergsthaft war er. Er hat mir auseinaudergesetzt. daß et eine Frau erhalten kann mit seinem Einkommen. Daß er nicht anspruchsvoll ist und zufrieden, wenn ich nur sein guter Kamerad sein will. Daß er weiß, er fei nicht gut genug für mich, aber daß — daß ich doch wohl gemerkt haben müßte, wie — was er für mich —:


