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Vüchertisch.
, — „Der E v a n ge lt m ann", Kienzls volkstümliche Oper, bringt das soeben im Berlage van Ullstein 'n. (So., Berlin, er> Menens neueste Heft der „Musik für Alle". Wie in den bis- herrgen Opernheften, ist auch diesmal, in chronologischer Weist d?r Inhalt der Oper wiedergegeben. Ml« die entzückenden hum-o-i «sttschen ebenen sind zum Abdruck gelangt; ein Gegensatz hierzu! smd die «tleaiscken Stücke, wie das große Liedes-Tnett zwischen Martha Md Matthias, die rührend« Kinder-Szene, das Lied Magdalenas „O schöne Ju-Mdtage". Ten Schluß des Lleftes bildet die choralartige Melodie des Adatthias „Selig sind, die Verfolgung leiden", mit der er tvieder als Evangelimann in dig vermat einzieht und die denk reumütigen Bruder in der Sterbe stunde tröstend -erklingt.
Brieftasche voll Banknoten war darin." Das Opfer war niemand anders wie der Rechtsanwalt. Fruchtlose Klagen! Der Dieb war nicht anfzufinden. Als in der nächsten Station der Zug drrrchisncht wird, bleibt alle Mühe fruchtlos. Verzweifelt kommt der Advokat nach Hause. Der Diener empfängt ihn mit den Worten: „Ein Herr hat ihre Handtasche abgegeben." Tie Tasche war_ intakt, die Banknoten vollzählig in der Brieftasche. Aber dabei lag ein Zettel: „Wir ivollten .Fhneu eine Lehre geben. Reden Sie nicht über die Diebe. Sie verstehen nichts davon, seien Sie lieber das nächste Mal klüger, vorsichtiger und ytMfa merksamer. Ein großmütiger Taschendieb."
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts'-Buch. und Stemdruckereß N. Lang-, Gießew
Vsr»mr?ehtes.
Die, Orgie vor dem „Weltuntergang". In Nagy-St. Mikkos, einem ungarischen Dorfe in der unteren Theist- gvg-end, schwebte die Beivvhnerschast schon seit einigen Wochen in Erwartung des Haltet) 'scheu Kometen in beständiger Furcht vor dem Weltuntergänge. Als nun in einer Stacht der vergangenen Woche infolge eines mehrere Kilometer entfernten Brandes ein gewaltiger Feuerschein am Himmel erschien, glaubte der Nacht- iruchter, der schreckliche Komet fahre am- Himurel daher, und er stieß in das Horn mit btirt Schreckens rufe: „Der jüngste Tag ist angebrochen!" Alles stürzte halbnackt und fassungslos alis den Häusern, um wenigstens unter freiem Himmel dieses armselige Erdendasein zu beschließen. Auch der alte Pfarrer hielt den Feuerschein für den Kometen und «Märte, nach seiner Schätzung Müsse es ungefähr noch einen halben Tag dauern, bis der Zu- saMmeupWll erfolge. Tie Leute sahen also noch einige Stunden vor sich, intb einmütig beschlossen sie, diese Galgenfrist so gut als möglich auszuuutzen. Man schstppte eiligst aus Küche und Köller herbei, was irgend darin vorhanden war, und alsbald begann, auf, dem Kirchplatze vor schnell entzündeten Feuern eine wahre Orgie des Genusses. Man ast itnb traust in aller Mle, was das Zeug hielt, betet« auch mitunter ein Stücklein, dast die «rote Seele nicht zu kurz komme. All-h. Rücksichten und M-e Borsicht waren gewichen, jeder gab sich so, wie er war. Heimliche Liebesleute hielten mit ihren Beziehungen nicht mehr langer hinter dem Berge, und- die verschiedenen Elternpaare waren zahlreich-en Ueberraschungen ausgesetzt, da manches junge Mädchen, dessen Tugend bisher für eine ilneinnehmbare Festung geaalten , hatte, plötzlich! vor allen Sötten in den Armen irgend «rnes jungen Burschet: gesehen wnrde. Je kürzer die vermeint- kch-e Taseinsfrist wurde, umso größer wurde die Lebenslust. Der reichliche Wein tat fein« Wirkung, und bald war niemand mehr im ganzen Dorfe nüchtern. Man fohlte und tanzte, bis die meiste!: entkräftet zu Boden sanken und einschliefen. Als das Dorf endlich bei Hellem Sonnenschein« wieder erwachte, konnten sich die Leute vor Verwunderung nicht fassen, daß die Welt nicht pflichtgemäß uickergegangen sei. Adan war darüber geradezu entrüstet n:L umso nnangenchNter berührt, als die Vorgänge der letzten Nacht nicht auf ein weiteres Fortleben berechnet getoäfeit waren. Aber schließlich hat man sich auch in Nagy-St. Miklos mit ben: Fortbestände des Erdballes «bfinden müssen.
* Verband der Landstreicher. Die ameri- kanrschen Soziologen, di« erst vor kurzem begonnen haben, sich Mit dem Landstreichertum und der stetig wachsenden Zahl der Eigenttmtsverbrochen zu beschäftigen, haben bei ihven Forschungen dre überraschende Entdeckung machen müssen, daß die Vagabunden Amerikas dem Beispiel der großen Geschäftsleute gefolgt sind: seit Jahren besteht in Amerika ein Mächtiger Verband, dem fast alle Gauner Amerikas angehören. Prof. Wallace E r n ste r von der Michigan-Universität hat vor kurzem die Organisation und die gehemten Verständigungsmittel dieses Landstreicherbnndes zum Gegenstand genauer Forschungen gemacht und gemeinsam mit dem Poltzetcheg McCabe von New^Jersey die Geheimsprache dieser Herren «ntzckfert. n.as Ergebnis dieser Stndien wird nun im Antenean Magazine veröffentlicht und gibt ein überraschendes Brld von der Große dieser Berbrechergesellschaft, deren Mitglieder iMh Hnnderttauscnden zählen. Im ganzen Land« verstreut hat der Verband «er Vagabunden seine geheimen Versammlungsorte Und ferne -Schlupfwinkel, w-o die „Offiziere" dieser Verbrecher- armre rochieren. Mittel werden stets bereit gehalten, um gefährdeten Genossen durch rasche Bertleidungsmöglichkeit in Angen- Krcken der Gefahr zur Flucht zu verhelfen: die bei.den einzelne» Rauo- oder Bettelzügen gesammelten Erfahrungen werden zusain- Mengestellt und überall im Lande verraten besondere Zeichen den Mcherziehenden Bagabnnden die Stätten, die für ihre Tätigkeit gefährlich -oder geeignet sind. Jeder Angehörige des Verbandes fft verpflichtet, an ;edem Orte, wo er seine Bettler- oder Diebes- nmst versucht hat, durch ein kurzes Symbol die gelvounenen Erfahrungen sichtbar anzudenten. T-er ehrsame Bürger, der an feiner Haustür -oder an seinem Gartenzaun z. B. einen Minen Kve:s anfgezelchnet findet, den ein gerader Strich durchkreuzt Umn daraus «riehen, daß sein Hab und Gut den Geifall der Land- ilfWicher gefunden hat, denn der Kreis mjit deut Strich bedeutet, »Dirbstah: lohnend", und der glücklich-e Eigentümer kann mit -Dnherhett m,s häufigen Landstreichcrbesuch rechnen. Wer dagegen
-ain seinem Besitztstm- «ine Mit gvober Hand hingiemälte Spiral«! findet, mag bernhigt schlafen, denn dies Zeichen gibt den Wink „vvrübxrgehen"; es wird bei den Häusern aller Polizei- und Jnsttzbeamten und bei jenen Privatleuten angebracht, die mit der Polizei gute Fühlung haben und deren Beranbung daher cinjä besonders rührige Verfolgung befürchten läßt. Wo Alarmglocken int Hause angebracht sind, wird der Einbrecher durch einen grob hingezeichneten Hahn gewarnt, wo di« Besitzer Schießwaffen habet: und damit uMzugehen wissen, mahnt -ein Dreieck mit zwei daran- gesetzten Händen zur Vorsicht. Wo- dagegen an irgend einech Gartenzann vder vielleicht an der Türschw-elle die unbeholfen lflw gezeichnete Karikatur einer Katze zn sehen ist, da weiß der Landstreicher: „Hier wohnen nur Frauen, leichte Arbeit". Zwei übereinander gesetzte Zickzacklinien warnen den Vagabunden vor wachsamen und bissigen Hunden. Bei abgelegenen G-ehöften findet Man gewöhnlich verschiedene Zeichen, die genau Aufschluß geben über die Zahl der Bewohner. Ein senkrechter Strich z. B. bedeutet ein Kind, ein Strich auf einer Kurve eine Frau, ein X einen Mann. Sind der Mann oder die Frmr alte Leute, so wird der senkrechte Strich o-d-er das X mit zittriger Hand-gemalt, so daß der Einbrecher schon vorher genau Weitz, -ob er es mit gefährliches Gegnern zu tun hat -oder nicht. Ein Hanrmer verrät dem Landstreicher, dast er hier zwar leicht ein Mittagsmahl bekommt, dafür aber arbeiten muß. Der Verband, der den Namen „Vaga- bmrdra" führt^ hat seins „Kvt-etten", seine „Rekruten", seine „Offiziere^. Di« einzelnen Offiziere, die „Begnmeu", arbeit-'ü Hand rn H-and und nnterstlitzen einander; es sind meist kühn« gefährkrche Einbrvcher, die in der Welt des Verbrechens sich einen! Namen gemacht haben.
° Brasrlier und Verwandtes. Au! eine Frage ans Rio Grande do Sul wird im Brieikasien der Zeitschrift des Sprachver- etu® .roit ^lgt geantwortet: Gewiß soll man neben „brasilisch" statt „brasilianisch auch "B rasilicr" statt „Brasilianer" sagen. Nichts verpfttchtet tmS, die freinden Endungen aiizuweudeii; im Gegenteil, wir sollen auch hier möglichst deutsch sein, ganz abgesehen von dem Gewinne größerer Kürze. „Javaner" und „javanisch" sind ja auch tm ganzen durchgedrungen, während man srüher mir „Japanese" und „mpanesich" sagte. Sehr erireulich ist es, daß sich jetzt der „Rtograndenser Bauernverein" in einen „Riogrander B." um» wandeln will; und hoffentlich finden die brasilischen Deutfchen auch noch eine angemessene Form iür „Paulistaner", wie sie bisher die Bewohner von Sao Paulo nennen, das Vorbild des portugisischei: Paulista noch übertreffend. Sollte ihnen nicht „Pauler" oder „Sankt-Pauler" genügen, zumal ivenn sie sich den Namen der Stadt selbst in der Form „Sankt Paul" aneignen? Und sollten sie dazu nicht das Recht haben bei einer Stadt und Provinz, wo die Deutschen eine so wichtige Roste spielen? Wir neunen auch die portugiesische Guinea-Insel nicht SaoThome, sondern „Sankt Thomas", und die englische Insel,, Sankt Helena", nicht Saint Helen. Uebrigen^ g»bt es in dieser Beziehung im lieben deutschen Vcnerlande selbst noch genug zu tun. Die„Weimaraner" und „Kasselaner", die „Bremenser", „Jenenser", „Hallenser" und „Seesenser" (!) u. v. a. wollen noch immer nicht verschwinden. —
Tauschrütfcs.
Gabel — Nest - Engel — Vase — Wiege — Tonne — Leder — Maus — Ohr — Hund — Ober — Segen — Kanne.
Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu verta>tsche», daß inan ebensoviele neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Namen eines Komponisten ergeben.
Auflösung in nächster Nummer>
Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer:
Nicht mit dem Mund ist's abgetan, Willst du dich deinem Goite imb’n, Brauchst auch die Hände nicht zn ringen, Woll' nur dein Herze mit dir bringen.
Und legtest du au? den Altar Der Gaben reichste Opser dar, Sie werden nicht von Gott gemessen, Hast di: dein Herz dabei vergessen. F. Stolle.


