Ausgabe 
3.12.1910
 
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ötomatb', einem großen Mann mit feisten Wangen, spitz gedrehtem Henriquatre und scharfen grauen Augen.

Herr Clamard eröffnete ohne Umschweife die Berhand- krmgen.Ich bin vollständig orientiert, Herr Friedel," sagte er.Der letzte Brief Ihres Herrn Vaters ist kassiert, seine Vorschläge gelten nicht. Wollen Sie die Güte haben, uns Hielte zu unterbreiten."

Ich bitte im Gegenteil um Ihre Vorschläge," er­widerte Fritz.

Das ist nach Lage der Sache nicht angängig, mern Herr". Die Bittenden sind nicht wir."

Ich taxiere doch. Wir sind allenfalls die Ge­währenden." _ ,

Olala, mein Herr wenn Sie sich auf diesen 'Stand­punkt stellen, wird, fürchte ich, eine Einigung unmöglich sein."

Er sagte das in so scharfem Tone, daß sich die Kom­teß ins Mittel legte. Sie saß auf einen Rohrstuhl unter einer Wanduhr und wippte nervös mit den Füßen.Keine Aufregung, meine Herren," bat sie;beide Teile haben den besten Willen. Wir wollen nicht in neuen Streit ge­raten."

Herr Clamard schlug die Akten auf, die vor ihm auf dem Tische lagen.Ich halte mich an die Gerichtsent­scheidung," erklärte er.Abgelehnt wurde eine Beweis­führung darüber, auf welche Art unser Haus zu der .Be­zeichnung der Marke Excelsior gekommen sei"

Was auch in der Tat unerheblich ist," warf die Kom­teß ein.Ein Zufall hat uns auf die gleich gute Idee ge­bracht, die Sie hatten, Herr Friedel. Aehnliches ereignet sich zuweilen; ich könnte Ihnen entsprechende Fälle ans dem literarischen Leben nennen."

Wgelehnt wurde ferner eilte Untersuchung der Frage, tob Direktor Lesson gewisse Vergünstigungen für seinen Ver­trag mit dem Grafen Eldringen zu gestanden worden seien

Was unsrerseits nicht bestritten wird," fügte die Komteß abermals ein.Es ist kaufmännische Usance."

Vergebung, wenn ich dem widerspreche," entgegnete Fritz.Es mag dies die Ansicht des Herrn Clamard sein, die eines ehrenhaften Geschäftsmannes ist es zweifellos N i ch t."

Nun fuhr Herr Clamard auf.Mein Herr, ich muß mir auf das dringendste diesen beleidigenden Ton ver­bitten," sagte er.Komteß, ich erkläre mit aller Bestimmt­heit, von jeder weiteren Verhandlung zurückzutreten, wenn ich mich nicht gegen Insulten schützen kann."

Andrse warf Fritz einen bittenden Blick zu.Können wir nicht in Ruhe miteinander sprechen, Herr Friedel?" fragte sie.

Pardon, Komteß, ich bin nicht heftig. Ich wehre mich nur gegen eine Auffassung, die kaufmännischer Ehre nicht entspricht. Jede Vergünstigung in dem erwähnten Sinne ist eine Bestechung. ' Eine Bestechung kann straflos fein, bleibt aber immer ein unlauteres Mittel zum Zweck."

Was streiten wir!?" rief Herr Clamard erbost. Ich berufe mich auf bett Beschluß, des Wiesbadener Landgerichts- Die gewünschte Beweisführung ist abg.l.hut worden."

Kann bei der nächsten Verhandlung aber trotzdem gestattet werden. Und wenn dann nicht, so doch bei der Revision. Wer ich will die Sache nicht aufhalten. Mollen Sie bitte fortfahren, Herr Clamard."

Der Geschäftsführer sah wieder in die Akten.Es wurde Beweiserhebung gestellt," fuhr er fort,über die Fragen: ob Beklagter mit dem Herzoge von Abeelen das behauptete Abkommen wirklich getroffen hat; ob der Herr Herzog geschäftskompetent war, ein solches Abkommen zu vereinbaren; ob der Herr Herzog dem Direktor Lesson die bestimmte Weisung erteilt hat, bei dem Taufakt Excelsior Friedel zu verwenden. Bis heute ist diese Beweisführung nicht erbracht worden. Und von diesem Standpunkte aus beurteile ich die Angelegenheit. Ich habe nichts gegen eine Einigung, aber nur unter für uns günstigen Be­dingungen. Ich proponiere: wir ziehen die Klage zurück und verzichten auf eine Buße. Dafür zahlt die Firma Frie­del die Inseraten- und Prozeßkosteti und verpflichtet sich, ihre Marke Excelsior löschen zu lassen."

Die Kmnteß hatte sich erhoben und legte ihre Hand «us den Arm des Herrn Clamard.Ich wünschte, daß die Zahlung der Jnseratcnkosten gestrichen werde," sagte

sie.Wir haben da- doch nur ans eigener Initiative unser Konto belastet."

Aber in der Abwehr, Komteß. Und es ist nur recht und billig, daß der Unterliegende die Kriegskosten bezahlt. Ich muß darauf bestehen, daß mein Vorschlag akzeptiert wird ober die Klage ihren Verlauf nimmt."

Nun batte auch Fritz seine Aktenmappe geöffnet. ^Zu­nächst, mein Herr Clamard, setzt eine Einigung weder Sieger noch Besiegte voraus. Wer wenn Sie auf Fortsetzung des Prozesses drängen, soll es mir recht fein. Wir stehen näm­lich nicht mehr auf dem Standpunkt, den Sie eintiehmeu: das Protokoll der Aussagen des Herzogs von Abeelen ist inzwischen eingetroffen. Ich habe mir die Mühe gemacht, es in das Französische zu übertragen Gestatten Sie mir, es Ihnen vorzulesen, indes gnädigste Ktomteß die Güte haben, die notarielle Kvpie mit meiner Uebersetzung zu vergleichen. ..."

Er begann. Während Herr Clamard zuhörte, kaute er an seinen zwischen die Zähne gezogenen Schnurrbart- spitzen. Sein Gesicht verfärbte sich; auch das der Komteß, Heißes Rot stieg ihr in Die Wangen, indes Herr Clamard fahl wurde. 1 ,

Fritz endigte. Kaltblütig faltete er das Papier wieder zusammen.Glauben Sie, baß nach» Wieder­holung dieser Aussagen vor dem Wiesbadener Gerichtshof Ihr Sieg noch immer feststehen würde, Herr Clamard?"- fragte er.

Clamard blies aus den Mundwinkeln auf seine Schnurr- bartenden.Es sind einseitige Aussagen," rief er.Man müßte Herrn Lesson dagegen hören."

Wird man Herrn Lesson mehr glauben als dem Herzog von Abeelen?" fragte Andree. Sie war sehr ernst geworden. Der Herzog spricht von einerUnterschiebung^. Genau dieselbe beleidigende Wendung hat die Firma Friedel in ihrem ersten gegen uns gerichteten Inserat gebraucht. In der ganzen Angelegenheit fungierte Graf Eldriuguen als unser Mittelsmann. Er tonnte Aufklärungen geben. Aus der Prozeßverhandlung geht aber hervor, daß er sich be­ständig hinter der Austastung versteckt hack, Geschästsgehemt- itisse gehörten nicht vor die £)ef|entliehteit. Wenn unfere Ehre angegriffen wird, gibt es keine Geheimnisse. Er soll sprechen und auch ich, Herr Clamard, auch i ch will ihn hören. Telegraphieren Sie ihm, er möchte unverweilt hier­her kommen. Herrn Lesson können wir nicht vor unser Privatgericht zitieren; aber der Herr Graf steht ja noch in unfern Diensten und wirb uns bei den Ekmguugsverhcmd- lungen von Nutzen sein. . . ."

Der Heuri-quatre zerfaserte und zerzwirbelte unter den Fingern des Geschäftsführers. Sein Blick bohrte sich in die Augen Andrees; man sah: eine grimmige Wut verzehrte bett Mann.

Was wünschen Komteß von ihm zu hören? Er kann doch nur wiederholen, was er als Zeuge zu Protokoll ge­geben hat."

Er soll uns sagen, was er verschwiegen hat. Uns faun er ja dieGeschäftsgeheimnisse des Hauses Miquelon'* getrost cmvertrcyten!"

(Fortsetzung folgt,)

Gespräche mit Tolstoi.

Gerade in diesen Tagen, da der Dichter von Jasnaja Poljana zur ewigen Ruhe gebettet ist, werden die nach­folgenden Zeilen besonderes Interesse finden, die uns 1' aus einem neuen BuchGespräche mit Tolstoi" mit dem Klang des unmittelbaren Erlebens entgegen« '* tönen. Dies Werk, das im Verlage von Erich, Reiß deinnächst erscheint, ist aus Unterhaltungen entstanden- die Teneromo in den Jahren 18851908 mit dem Grasen! über die wichtigsten Fragen seiner Weltanschauung nnb| seiner Kunst geführt hat. Wir sind schon heute in der Lage, einige der bedeutsamsten dieser Gespräche unfern, Lesern vorzulegen. Die Schriftl.

WieDie Macht der Finsternis" enkstand.

Eines Tages kommt zu mir nach Jasnaja Poljana ein altes Bäuerlein, bleibt im Türrahmen stehen, stützt sich aus seine Krücke nud sucht in den Augen.

Also, scheint es, am richtigen Platz . . . Nimm dich feiner an, lieber Mensch. Ich war beim Grasen. Er schickt mich dir. Um den Sohn handelt es sich. Es ist darüber viel zu sagens aber wenig zu hören. Ja, ja!" . . . Und er verstummte,

Worum handelt es sich eigentlich?"