Ausgabe 
3.11.1910
 
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flint Moment der Schlitten im Schnee und' die Insassen' flogeus fellenweit.

Nämlich das zweite Mal stahl ich einen Kuß von Ihrer! Tochter, Herr Eberhardt einen Kuß von Ihrer Tochter!"

Schurke!" schrie der Sitte, während sein Kind mehr tot fells lebendig dasaß.

'Und zum drittenmal hallo, Brauner, flinker, flinker '!

rbrechen Sie uns allen das Genick!"

>,Nem stehl' ich Ihnen Ihre Tochter ganz."

Er ist irre," stöhnte es im Schlitten. /»Was heißt das» Ungeheuer?" - ,

Es heißt: daß ich- Sie um die Hand Ihrer Tochter bitte!" Hol' Sie der Henker!"

'Fräulein Trude!" ......, , . ....

Nahm ihm der Wind ihre Antwort? lsEr hörte mchts,. da rief er Ben Namen noch einmal.

Fahren Sie doch um Himmels willen vernünftig!

.Er erriet es mehr, als er's deutlich vernahm.

Wollen Sie mich auch nicht?" .

Er mäßigte die Geschwindigkeit seht etwas: Noch immer Ißvar slog der Schlitten in sausender Eile hin.

Niemals!" brüllte ihr Vater.Lassen Sie uns' heraus!"

'Erst wenn wir am Ziele sind!"

Wo denn da um Gottes willen?"

Bei mir zu Hause!" . c, . . ..

Peitschenknall, Windespseifen das war die Musik, in die .das Schnaufen der Pferde drang. .... '

Ihre Tochter hat mir versprochen, bei mir fünfzig HiM- Eeeleit zu essen."

Aber es gibt jetzt gar keine!"

Das war Trudes Stimme.

'Doch!" schrie er zurück.Eingemachte! In einer halben Stunde stehen sie vor Ihnen!"

Der alte Eberhardt hatte es aufgegeben, noch etwas zu sagen. Stöhnend und pustend saß er da. Manchmal flog Baum und Strauch vorüber, meistens nur kahle weiße Felder, aus betten die Krähen hockten, die erschrocken ausfuhren und krächzend die Flügel schwangen, wenn das Gespann sich nahte. .

Endlich da drüben schimmerte die Landstraße, eine Brette, sichere. Friedrich Wilhelm mußte sie hinausiahren da durfte er nicht so rasen.

Ms sie glücklich erreicht war, drehte er sich lächelnd um zum erstenmal tvährend der ganzen Fahrt. Im leichten Trabe gingen die müden Pferde.

Verzeihen Sie, meine Herrschaften, das schlimmste ist über­standen. Dort drüben" mit dem Peitschenstiel wies er hin liegt schon mein Haus'. Und jetzt frag ich Sie nochmals, Herr Eberhardt: was meinen Sie, wollen Sie mir Ihre Tochter, vorausgesetzt, daß sie selbst will, anvertrauen?"

Nach dieser Fahrt?" grollte der Alte.

O, ich bin sicher, daß unsere Fahrt durchs Leben weniger stürmisch wird. Sehen Sie, ich mußte mal zu Ende kommen. Da hieß es : der Forstassesfor würde demnächst seine Verlobung Mit Fräulein Trude proklamieren, und zwar gerade auf dem Schlittenkorso und der Deubel weiß, ob der Mann nicht heute Noch nachkommt na und weil ich gerade Ihnen gegenüber immer so im Stehlen brüt war und die. Methode bisher stets glückte, so dacht' ich kurz entschlossen: du stiehlst wieder. Und deshalb' die verrückte Fahrt vorhin, denn dabei mußten Sie stille halten Und konnten wegen des Windes nicht viel reden, während Sie mir sonst den Rücken vielleicht sofort gedreht hätten. Ja, Herr Eberhardt und das Watt ich nicht ausgehalten. Ich hab' Fräulein Trude beinah' schon als Sekundaner lieb gehabt. Sie Muß ganz einfach meine Frau werden, das geht gar nicht anders. Und wenn Sie nein sagen und Fräulein Trude auch, dann kehr' ich um und mach' noch eine viel verrücktere Fahrt> los, Brauner! Vorwärts!"

Er hieb auf die Pferde ein, daß sie aufbäumten und dann Wie vorhin dahinschofsen. »

Um Gottes willen!" schrie Trude,nur das nicht! Hören Sie doch, Herr Gruber!" i

Sie nehmen mich?"

Ja ja ja! Nur lassen Sie die Gäule langsam gehen!"

Er stieß einen Juchzer aus, der klingend über die Schnee­felder lief. Aber plötzlich ward er stjll. Ein deutlicher Schreck stand auf seinem Gesicht.

Nehmen Sie mich . . . etwa nur . . . weil ich . . . sonst schnell fahre, Fräulein Trude? Das will ich! nicht! Ich verspreche Ihnen als ehrlicher Mensch: auch wenn Sie jetzt nein sagen. Sie sollen ganz sanft und im Schritt nach Haus kommen.."

Sie hatte wieder frische Backen und sah ihren Vater halb' Weilegen an. Aber unwirsch wandte er den Kopf.

Donner und Doria! Dem Himmel sei Dank, daß ich nur feine Tochter hab'! Wenn ich wegen jeder solche Höllenfahrt mitmachen und in Lebensgefahr schweben sollte, würd' ich 'mich aufhängen. So ein rabiater Mensch! Eine merkwürdige Me­thode haben Sie ja, daß mau einen Antrag ruhig anhört alle Achtung! Und zum Dank für die Spazierfahrt soll ich jetzt ja feaen! Herr, wissen Sie, haß W halb erfroren bin?,"

>Aber in fünf Minuten sind wir zu Hause-! Sagen Sie Ja, Herr Eberhardt!"

Wen wollen Sie berat heiraten, mich ober meine Tochter? Na also! Wenn bas Göhr so buntm ist, Sie nach dieser netten Leistung noch zu nehmen meinetwegen! Den Hals bricht sie sich bei Ihnen doch mal." >

Er mußte lachen. Als er etwas scheu zu dem jungen Mäd­chen hinüberblickte, lachte,'sie auch.

Wollen Sie?"

Da neigte sie das Haupt. Der Frostwind mochte ihr Ge­sicht .so gerötet haben.

Was kann ich berat da tun? Ich mußte ja mit." Und mit halbem Lächeln:Das siebente Gebot werden Sie nie lernen. Erst die Himbeeren, dann t das im Walde und jetzt"

Dich selbst!" jauchzte er.

Da legte sie beide Hände vor ihr Antlitz, aber sie nickte.

O, ihr jetzt diese Hände sortziehen, sie auf das blutrote frische Gesicht küssen, auf jedes Fleckchen!

Aber wo sollten die Zügel so lange bleiben! Noch einmal trieb er die Pferde an, ehe sie mit kurzem Ruck vor |einem Haws hielten. Ein Knecht ergriff die Seine.

Und wie der Wind war Friedrich Wilhelm vom Bock her­unter, umfaßte die kräftige Mädcheugestalt und trug sie jubelnd ins Haus hinein, dessen Türpfosten mit Tannenguirlauben ge­schmückt waren.

Mißtrauisch unb noch etwas brummig folgte ber alte Eber­hardt. Die beiden hielten sich drinnen fest umschlungen. Dann führte Friedrich Wilhelm seine Braut ins Nebenzimmer. Eine kleine Tafel war aufgeschlagen, und vor einem umkränzten Platze stand eine Kompottschale voll Himbeeren.

Fünfzig Stück, wohlgezählt unb ausgesucht," sagte er glück­lich.Unb bie mußt du nun aufessen, da hilft nichts. Dadurch sind wir mit den Himbeeren quitt. Für den Kuß im Walde geb' ich dir einen zurück so ist auch das erledigt. Und heut'< ja das allerdings"

Sie strahlte über das ganze Gesicht.

Na, wie machst du das wett?"

Da umfaßte er sie.Durch mein ganzes, ganzes Leben nun, Trude! Ich will das sechste Gebot besser halten als das siebentes Der alte Eberhardt trat sich die Füße warm.

Hm," meinte er,wenn der Kaffee nur käme" Sofort, Herr Schwiegervater. Ist alles schon bereit." Er klingelte unb trat wieder neben seine Braut. Wie ver­loren in ihr Glück stand sie du und strich mit den Fingers leise über das linnene Tischtuch.

F. G.," sagte Friedrich Wilhelm und wies auf das 'Mono­gramm darin.Was meinst du, Trude, wenn hier erst K. G< steht?"

Sie wurde rot, während ihr Vater sich herabbeugte.

G. G. was soll das? Ach so: Gertrud Gruber. Na, Kinderchens!"

Er schmunzelte. . v. v

Es kann auch anders heißen', Trude," lachte da plötzlich Friedrich Wilhelm, und legte ihr die Hand auf die Schultert Und als sie ihn fragend ansah, flüsterte er ihr ins, Ohr: Gestohlenes Gut!"

wann werden wir alle fliegen?

Grahame-White, der junge englische Flieger, der durch seine kühne Leistungen ans ber Ftugwocbe von Belmont Park bei Newyork in bie Reihe der ersten Flngkünstler eingerückt ist und als Gewinner des Gordon-Bennett-Prelses für sein Vaterland das blaue Band der Lüste" erobern konnte, veröffentlicht in »Pearsons Magazine" einen fesselnden Aufsatz. Er beschäftigt sich darin mit der 'Frage, wann bie Flugmaschme Allgemeingut sein wird, wie heule das Automobil, unb wenn er seine Erwägungen auch mit kritischer Sorgfalt abmibt, so gipfeln seine Aussührrmgen doch in der optimistischen Antwort:In zehn Jahreii!" Freilich, der erprobte Flieger glaubt nicht, daß dieser Sieg mit dem jetzigen Typ von Flngmaschinen errungen werden wird. Heute ist die Flug- maschine für allgemeine Verwendung noch zu gefährlich, aber in spätestens 10 Jahren werden wir gewiß eine Maschine besitzen, die in ihrer Sicherheit von dem Motor viel weniger abhängig sein wird, als die Flugnlaschine von heute. Die Erlernung der Flug­kunst ist viel roemger schwer, als der Laie eS sich gemeinhin vor­zustellen pflegt, und auf keinen Fall schwieriger wie die Steiiermig eines Automobils. Doch dies Urteil darf natürlich nicht verall- gemeinert werden, im wesentlichen hängt alles von ber Geschick­lichkeit unb der Veranlagung des Schülers ab. Ter Anfänger wird den Lehrer nicht entbehren können; die Fälle, in denen ein Anfänger allein fliegen lernt, werden immer Ausnahmen bleiben.

Grahame-White war übrigens selbst eine solche Ausnahme; er erzählt, wie er nach Pau kam, uni bei Blsriot zu lernen.BErwt war sehr in Anspruch genommen unb hatte in den ersten '-iagen keine Zeit, sich mit mir zu beschäftigen. So nahm ich eines Tages fernen Apparat und flog. Es war mein erster Fing und er dauerte oleicb vierzig Minuten. Unb babei ist bas stiegen wernger eine Sache ber Nerven, mein gtaubt. (Semif-j, ^altblutififcu wirb man sich abringen müssen, jene Ralttütigfeit, die im kritischen