Ausgabe 
3.11.1910
 
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Donnerstag den 3. November

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3m Herbst.

Wie alte, welle Muttcrhände gleitet mit fahlen Sonnenstrahlen der Abend über die Buchenwände, die wie erlöschende Feuerbrände in totem Scheine vergehen.

Mit dürren Sorgenfingern nahm der Herbst das Leben, das freudenlaut im Frühling kam, und wo wir schillernde Blumen gefunden, da irren jetzt gromumflorte Stunden, und fremd und heimatlos umschweben meine glühenden Sonnenträume blätterlose Bäume.

Karl Neurath.

Friedel halb-süß.

Monran vonFedorvonZobeltitz.

Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Dora Kesselholz war am nächsten Abend in großer Aufregung. Es w-ar das erste Mal, daß der junge Chef des Hauses Friedel in seiner neuen Würde einer feier­lichen Einladung seines Prokuristen entsprach. Sie fand, 'Kotelett mit Spargel sei für ein solches Geschehnis ein Ku karges Souper; doch der Vater wünschte nichts anderes. Es genügt," befahl er,du willst immer oben hinaus. Du möchtest Schwalbennester und Froschschenkel. Nichts da. Wir sind in der Spargelzeit; zum Spargel aber zählt das Kotelett als obligatorisch. Gib Käse nach, und damit sela."

Alles in Dora empörte sich.Vater, nichts Süßes?" rief sie, und es llang, als beklage Niobe ihre Toten.Gott bist du gräßlich! Uebrigens, die Küche ist mein Departe­ment. Die Mama hat es auch so gehalten. Ich werde also Eierkuchen backen und zwar mit Füllung, sage ich dir, Und zwar mit Himbeermarmelade, weil Feßler die so gerne ißt."

Ich höre schon nichts weiter als Feßler," entgegnete Kesselholz unwirsch.Er kommt mir zu viel ins Haus. Feßler hier, Feßler da. Immer bloß Feßler. Das paßt mir nicht."

Wer hat ihn denn eingeladen? Du doch!"

Sache für sich. Er braucht aber keinen Eierkuchen tnit Füllung."

Grade. Man nimmt Rücksicht auf seine Gäste. Vater, meine Nerven beben. Ich bitte dich, geh an deine Bowle. Reinliche Scheidung: dir der Wein, mir das Essen."

Ich enterbe dich, wenn du die Himbeermarmelade auf den Tisch bringst."

Ich gieße Fleckwasser in deine Bowle, wenn du mein Herz knicken willst."

Ungeratenes Kind," sagte Kesselholz und gab Dora einen Kuß,es ist ein Glück, daß ich deinem Widerspruchs­geist gegeirüber nie meine weise Mäßigung verliere."1

Es war ein ganz köstlicher Abend. Unten lag der Rhein schon in sachtem Dämmer, und das Ufer gegenüber ver­schwamm in einem bläulichen Duft. Die Fliederlaube hing voller schwerer Blüten; es war eine seltene Pracht. Dora deckte den Tisch allein. Wer sie war kopflos bei ihrer Arbeit. Sie ärgerte sich nachträglich darüber, daß Feßler dem Vater zu oft in das Haus kam. Feßler hier, Feßler da. Nun freilich, es war so.Da sitzt er," sagte sie laut und legte Messer und Gabel klirrend neben den Teller. Dann schob sie die Vase mit blühendem Flieder <ni§ der Mitte des Tisches näher an seinen Platz. Es war weißer Flieder, im Gegensatz zu dem blauen der Laube. Den weißen liebte er mehr. Und plötzlich fiel ihr ein, daß Feßler ihr ein­mal gesagt hatte, zum Spargel gehöre von Rechts wegen frische Butter, aber keine Mousselinesauce. Da lief sie eit* fertig in die Mche, der Köchin Bescheid zu geben.

In der Nußbaumallee hatten Fritz und Feßler sich zufällig getroffen.

Ich komme eben vom Juwelier," sagte der Maler; die Flaschenhülse für unfern Taufsekt wird reizend. Ich fürchtete zuerst, die beiden Putten, die die Banderole mir der InschriftExcelsior" tragen, würden zu massig wirken. Wer sie fügen sich sehr graziös der Ornamentik ein. Har Ihnen der Herzog schon eine Einladung geschickt?"

Er schrieb neulich ein paar Worte in fliegender Hast, wie gewöhnlich. Wir wären alle willkommen, nichts weiter."

Soll ich denn nun mit?"

Ei versteht sich. Ihr erstes' Jnseratenbild für den Excelsior soll ja doch den Aufstieg Abeelens darstellen: in der Hand die Champagnerflasche mit unsrer Firma Nehmen Sie Ihren Kodak mit, damit die Photographie Ihre Erinne­rung unterstützt."

Abgemacht. Und Sie begleiten mich?"

Wir fahren zusammen. Ich habe übrigens bereits dreißig Kisten Excelsior nach Uttenhooven abgehen lassen, damit man auch bei dem Festmahle unsre Marke trinkt."

Ausgezeichnet. Hoffentlich können wir mitdinieren." Wenn wir eingelaoen werden, was ich voraussetze. Weelen selbst scheint sich um die Arrangements übrigens- wenig zu kümmern. Ich glaube, Monsieur Lesson, sein Techniker, hat die ganze Sache in der Hand. Wer ich spreche den Herzog am Tage des Aufstiegs ja jedenfalls, und dann wird sich alles finden. Hören Sie, liebster Feßler, ich habe eine drsrrete Frage an Sie. Mein Vater hat da mit irgend einer Person im Nassauer Hof angebändelt» Wissen Sie MHeres darüber?"