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noch ein gutes Wort: sich in das Unabänderliche mit Würde schicken."
„Wie kam's nur, Feßler?" stöhnte Fritz. „Wie war's Nur möglich?"
Feßler zog die Schultern hoch. „Liebster, sind wir nicht tausendfach ein Spiel des blöden Zufalls?"
„Ja . . . lieber Gott, ein Zufall war's —! ein verfluchter Zufall. . . . Aber — sehen Sie, das wurmt tot Mir: ich hätte ihn vermeiden können. Ich war meiner Hand sicher — ich wollte nichts, als ihm eine Lektion geben t- die Kugel sollte an seinem rechten Ohr vorüberflitzen Fi sausen sollte er sie hören,. . , Nichts weiter. Aber ich traf die Stirn. . . ."
Wieder ein Stöhnen. „Sahen Sie, wie er fiel?"
»Ich sprang sofort hinzu," sagte Feßler, „er war auf der Stelle tot."
Fritz schwieg. Er wußte das. Er war ja an seiner Seite niedergekniet und hatte seine Hand ergriffen. Gr wußte es: er hatte ja gesehen, wie des Doktors Gesicht verblichen war beim Anblick der Schußwunde. Man hätte ihm nicht erst zu sagen brauchen: „Er ist tot." Er wußte es in dem Augenblick, da Spannuth zusaMMenbrach,
(Fortsetzung folgt.)
Kapitän Croker.
Ein Detektivaventeuer von Conan D o h l e.: (Fortsetzung.)
Holmes' Wesen hatte sich verändert. Sein gleichgültiger Gesichtsausdruck war verschwunden und seine glänzenden, tiefliegenden Augen zeigten mir, daß sein Interesse wieder lebendig geworden war. Er nahm den Kork in die Hand und untersuchte
ihn genau.
„Womit haben sie den 'rausgezogen?" fragte et.
Hopkins deutete auf eine halbofsene Schublade. Tarin lag einiges Tischzeug und ein großer Korkzieher.
^Hat Frau Brackenstall gesagt, daß sie diesen Korkzieher benutzt hätten?"
„Nein; Sie werden sich erinnern, daß sie in deut Augen-- blick, als die Flasche aufgemacht wurde, gerade besinnungslos
'„Ganz recht. In der Tat ist dieser Korkzieher nicht benützt worden. Tiefe' Flasche ist mit einem Taschenpfropfenzieher geöffnet worden, wie man sie an Taschenmessern hat, und er ist höchstens eineinhalb Zoll lang gewesen. Wenn Sie den Pfropfen genauer betrachten, so werden Sie am oberen Ende sehen, daß der Korkzieher dreimal angesetzt worden ist. Der Kork ist nicht ganz durchbohrt worden. Mit den: langen Pfropfenzieher würde er vollständig durchbohrt und' auf einen einzigen Zug herausgekommen sein. Wenn Sie den Kunden fangen, werden Sie finden, daß er ein solches Messer bei sich hat,"
„Ausgezeichnet!" sagte Hopkins.
„Auf jeden Fall, diese Gläser bringen' mich in Verlegenheit, machen mich irre; ich kstnn mir nicht helfen. Tie Baronin hat doch die drei Männer wirklich trinken sehen, nicht wahr?"
„Jawohl; darüber war sie sich vollkommen klar,"
„Tann begreif' ich's nicht. Was soll ich weiter sagen? Und trotzdem müssen Sie doch selbst zugeb'en, Hopkins, daß es mit den drei Gläsern eine auffallende Sache ist. Wie, Sie bemerken nichts Auffallendes! Gut, dann wollen wir's lassen. Es ist möglich, daß ein Mann mit besonderen Kenntnissen und einer besonderen Beobachtungs- und Kombiuationsgabe, ivie ick sie besitze, eine verwickeltere Erklärung sucht, wo eine einfachere auf der Hand liegt. Es nmß dann eben ein merkwürdiger Zufall feilt mit den Gläsern. Also, guten Morgen, Herr Hopkins'. Ich sehe nicht ein, wozu ich Ihnen hier Noch nützen sollte. Sie scheinen sich ja! über b'en Fall ganz klar zu sein. Lassen Siq mich wissen, wann Sie den Randal! festgenommen haben, und benachrichtigen Sie Mich! auch von! eventuellen sonstigen Ent- wickelungen. Ich hoffe, Sie bald zu einem erfolgreichen Ab- schluh beglückwünschen zu können. Komm', Watson, ich glaube. Wir können uns zu Hause nützlicher beschäftigen."
Auf der Rückfahrt konnte ich meinem Freunde anmerkeN/ daß ihm Noch irgend etwas, was er beobachtet hatte, Kopfschmerzen machte. Hie und da suchte er gewaltsam diesen Eindruck los zu werden und so über die Angelegenheit zu sprechen, als vb sie ihm klar .wäre, dann kamen ihm aber wieder feiste! Zweifel, und die Falten aus seiner Stirne und sein Blick verrieten, daß seine Gedanken wieder in dem großen Speisezimmer von Abbey Grange waren, in dem sich die mitternächtige Tragödie abgespielt hatte. Endlich, als unser Zug sich an einer Bor- vrtstation gerade wieder in Bewegung setzen wollte, sprang er Mit einem Male hinaus auf den Bahnsteig und zog mich hinter fidj| fyCT.
„Entschuldige, Mein Lieber," begann W, als! wir die letztÄl Wagest unseres Zuges ast einet Biegung verschwinden sahen;
„es tut mir leid, dir mit einer Sache kommen zu müssen, die! dir als ein bloßes Hirngespinst von mir erscheinen mag, abech so wahr ich lebe, Watson, ich kann einfach den Fall nicht ist diesem Stadium ausgeben. Mein innerstes Empfinden empört sich dagegen. Es ist falsch — 's ist alles falsch — ich will d'rauf schwören, daß alles falsch ist. Uni doch, die Erzählung der Tawö war erschöpfend, die Bestätigung und Ergänzung durch die Dienerin ausreichend', es stimmte ganz genau. Was habe ich dem entgegenzusetzen? Weiter nichts als drei Weingläser. Aber, wenn ich die Tinge nicht von vornherein als wahr hingenommen, wenst ich alles mit der Sorgfalt untersucht hätte, die ich an den Tag gelegt haben würde, wenn wir vorurteilslos und ohne die schöst zurecht gelegte Erzählung vorher gehört zu haben, an die Sache! herangegangen wären, würde ich dann nicht eine festere Grundlage gefunden haben, worauf ich hätte weiter bauen können? Sicher! würde ich das getan haben. Setz' dich auf diese Bank, Watson- bis der Zug nach Chislehurst kommt. Ich will dir 'mal die! Sache klar legen. Vorher muß ich dich aber bitten, den Glaubest aufzugeben, daß das, was das Mädchen und die Herrin ausgesagt haben, unbedingt wahr sein muß. Tas reizende ,Aeußer!ei der Frau darf nicht unsere Urteilskraft beeinträchtigen. .
„Ihre Erzählung enthält entschieden einzelne Punkte', die uns bei einer kühlen Betrachtung verdächtig Vorkommen würdest., Tie Einbrecher haben vor 14 Tagen in Sydenham einen gütest Fang gemacht. Die Zeitungen brachten eingehende Beschreibungest von ihnen, die natürlich von jemandem benutzt werden konnten^ der eine Geschichte erfinden wollte, worin Einbrecher eine Rolle! spielen sollten. Tatsächlich pflegen Diebe, denen eine reichliche! Beute in die Hände gefallen ist, das Gestohlene regelmäßig ist Ruhe und Frieden zu verzehren, bevor sie auf ein gefährliches Neues Unternehmen ausgehen. Auch ist es ungewöhnlich, daß Einbrecher so früh an die Arbeit gehen. Ferner ist es nicht ihre Art, eine Frau zu schlagen, um sie vom Schreien abtzuhaltest- denn Man sollte meinen, das sei das beste Mittel, sie zum Schreiest zu veranlassen. Sie ermorden auch kaum jemanden, wenn sie ist der Ueberzahl sind und einen einzelnen Mann so überwältigest können. Sie geben sich auch! nicht mit einer bescheidenen Beute! zufrieden, wenn sie eine viel größere haben können, und ends- lich möchte ich auch' noch sagen, haß solche Leute nicht die wohnheit haben, eiste Flasche halb leer zu lassen. Was für) einen Eindruck machen alle diese Unwahrscheinlichkeiten aus dicht' Watson?"
„Zusammen üben sie eine beträchtliche Wirkung aus; doch ist jeder einzelne Punkt, für sich allein, durchaus nicht unmöglich,. Mir erscheint es am sonderbarsten, daß die Baronin an dest Stuhl gebunden war."
„Tas iöS(t ich Nicht gerade sagen, Watson; sie mußten dis Frau entweder töten oder sie sonst derartig fest machen, daß sie nicht gleich die Verfolgung veranlassen konnte. Aber auf jedest Fall habe ich doch bewiesen, daß die Geschichte der Frau in mehr! als einer Hinsicht unwahrscheinlich klingt; ist das nicht_ wahr- Watson? Und den Gipfelpunkt bildet der Umstand mit dest Weingläsern."
„Was ist denn mit den Weingläsern los?"
„Kannst du sie dir noch richtig vorstellen?,"
„Ganz deutlich." „
„Man hat uns gesagt, es hätten drei Männer d'aräus tz'eü trunken. Hältst du das für wahrscheinlich?"
„Warum nicht? Es war doch in jedem Wein gewesen."
„Allerdings; aber nur in einem befand sich ein Rückstands, Tiefe Tatfache ist zu berücksichtigen. Was sagst du däzn?"
„Daß in dem Glase, das zuletzt gefüllt wurde, ein Bodenst sah ist, ist doch sehr wahrscheinlich."
„Durchaus nicht. IN der ganzen Flasche schwammen feste! Teilchen umher, und es ist unbegreiflich, daß die beiden erstest Gläser ziemlich rein sind, während! das dritte einen ganz dickest Niederschlag enthält. Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungcst- aber auch nur zwei. Tie eine ist die, daß, Nachdem das zweite Glas eingeschenkt war, die Flasche stark geschüttelt worden ist und dadurch das dritte Glas sehr viel mehr abbekommen hak., Das ist nicht gut anzunehmen. Nein, nein; meine Vermutung! ist sicher richtig."
„Was vermutest du denn?"
„Daß nur zwei Gläser benutzt worden sind, und daß dev Satz .aus diesen beiden in ein drittes gegossen worden ist, um dest Anschein zu erwecken, daß drei Menschen dagewesen wären. Auf diese Weise würde das Ganze in das letzte Glas gekommen sein, nickt wahr? Ja, ich bin überzeugt, so ist's. Wenn sich! abeu dieser nebensächliche Umstand so verhält, wie ich bestimmt glaub'e'- dann wird der Fall augenblicklich, von einem gewöhnlichen zst einem außerordentlich merkwürdigen, denn dann haben Fräst Vrackenstall und ihre Zofe absichtlich die Unwahrheit gesagt, und! wir können ihnen ihre ganze Erzählung nicht mehr glauben; He! müssen dann sehr gewichtige Gründe haben, den wirklichen Verbrecher zu verheimlichen, und wir müssen dann ohne ihre Hilfs den Fall von vorne und für uns allein zu ergründen suchen- Diese Aufgabe haben wir jetzt vor uns, Watson, und hier kommt der Chislehurster Zug." > • • • v < “ ' ' ' '
(Fortsetzung folgt.) . t ■


