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Friedel halb-süß.
Kloman von Fedor von Zobeltitz.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Feßler stand auf und verneigte sich gegen Dora. „Ich danke für gütige Belehrung," entgegnete er. Darauf setzte er sich wieder und fuhr fort: „Nichtsdestoweniger bin ich so klug wie zuvor. Ich behaupte mit Energie, daß Rütte- lung und Schüttelung unmöglich ein großes Geheimnis sein kann."
j,,Nicht an sich," sagte Fritz lachend, „aber in Verbindung mit der Technik der Fabrikation. Nämlich, Teuerster: nach der Tirage, der Füllung des Weins in die Flaschen, die nun verkorkt und verdrahtet werden, erfolgt die sogenannte Flaschengärung unter bestimmten Temperaturen. Ist der Wein reif, so kommen die Flaschen auf dreieckige Gestelle und zwar in schrägem Winkel, mit dem Pfropfen nach unten, damit sich die ausgeschiedene Hefe allmählich im Halse ansammle. Das geschieht aber nicht von selbst; die Romuage muß der faulen Materie zu Hilfe kommen. Die Arbeiter, die für das Geschäft des Rüttelns angestellt sind, drehen etwa zwei Monate hindurch täglich jede einzelne Flasche mit einer kurzen eigentümlichen Bewegung einmal herum — sie schütteln sie. Dadurch zieht sich der Satz, das „dspot" — die technischen Ausdrücke sind Immer noch französisch — völlig nach dein Korken hin und heftet sich hier fest, während der Wein an Klarheit zuninnnt. Ist seine Klärung eine vollkommene geworden, so kommt der „Dogorgeur" an die Reihe, der die Flaschen entkorkt, Und bei dieser Prozedur fliegt mit dem Schaum auch die Hefe heraus, so daß die „Dosage" beginnen kann: der Likörzusatz."
„Es ist gradezu fabelhaft," erwiderte Feßler. „Ich -Verde kein Glas Sekt mehr trinken können, ohne der „Rä- tnuage" zu gedenken. Und sie ist wirklich eine Erfindung Ihres Großvaters, Herr Kesselholz?"
„In seinen hinterlassenen Papieren hat sich diese Behauptung gefunden. Jedenfalls hat er die Technik nach Deutschland gebrächt."
„Er verdiente ein Standbild!" rief Feßler.
„Er hat schon eins. Die Büste des Alten mit dem' sgimmermannsbart, die Sie in unserm Probiersalon sehen, stellt meinen Großvater dar. Mein Väter avancierte aus den Kellern in die Bureaus, und ich bin der erste Prokurist der Firma geworden. Habe ich unrecht, wenn ich behaupte, die Friedel und die Kesselholz wären nicht mehr so recht zu trennen?" —
Der Kellner erschien wieder, um den letzten Gang zu servieren. Dann kam Fritz ans sein Thema zurück: er konnte einen leichten Aerger nicht unterdrücken, daß Kesselholz der Idee mit dem Excelsiorsekt so geringe Meinung entgegenbrachte.
„Es spricht auch sonst noch mancherlei dawider, Herr Friedel," meinte der Prokurist. „Wenn die Ballongeschichte verunglückt, sind wir mit blamiert. Der Name unserer! Marke heftet sich an die Blamage. Wenn man „Excelsior" auf der Weinkarte liest, wird man sich sagen: „Ach herrieh — das ist der Taufsekt von dem lenkbaren Luftballon'/ 1 der sich nicht lenken ließ". Der Fluch der Lächerlichkeit wird auf der Marke liegen."
Fritz schüttelte den Kopf. „Sie sind unausstehlich, Kesselholz, wenn Sie sich in eine Ansicht verrannt haben, Fräulein Dora, helfen Sie mir!"
„Ach Gott, Herr Leutnant Friedel, ich tät's ja so gern! Aber ich kenne Vatern. Gegen seinen Dickkopf ist nichts zu machen. Ich könnte höchstens wie ein Frosch quaken. Da ärgert er sich jedenfalls." I
„Wir wollen ihn ärgern. Quaken Sie los."
Dora verstand es ausgezeichnet, die Tierstimmen näch- zuahmen. Sie konnte wie die Nachtigall flöten und schlagen wce oie Drossel und wie der Fink rufen. Jetzt steckte sie die Spitze ihres kleinen Fingers in den Mund und begann ungeniert zu guaken.
Kesselholz war kirschrot geworden. „Schweig, Dora!^ befahl er. Dora hörte auf. „Soll ich lieber einmal wie der Totenwurm sägen?" fragte sie bescheiden.
„Nein," rief ihr Vater, „auch nicht wie das Käuzst chen krächzen. Es ist närrisch, Herr Friedel, aber ich kann mir nicht helfen: gegen scheues Nachtgetier habe ich eine arge Aversion, i— „Um meine Nerven zu schonen, bin ich auch mit der Excelfiorreklame einverstanden!"
„Ich will nicht nur Ihr Einverständnis, ich will Ihr Interesse. Ich will Ihr Interesse, zumal bereits ander« Firmen wie wild dahinter her sind, uns den Daufsekt M- spenstig zu machen."
„Was?!" rief Kesselholz, „andere Firmen? Oho!" Er rückte sich auf seinem Stuhl zurecht. „Das geht nicht. Welche Firmen?"
„Alle möglichen. Auch französische. Miquelon et fiU bombardieren den Herzog mit Bittschriften."
„Donnerwetter!" Und Kesselholz schlug auf den Tisch.
„Sollen wir Miquelon fils -freiwillig das Vorrecht lassen?" ।
„Um keinen Preis. Um keinen Preis, Herr Friedel! Wenn die Sache s o steht — ah, das ist ganz etwas anderes! Ich kenne sonst keinen Konkurrenzneid, aber Miquelon frls gönne ich nichts — nichts!" Er fuhr mit der Hand durch die Luft. „Diese Bande hat meinem Großvater das Erfindungsrecht der Remuage streitig gemacht — ich weiß es aus seinen Papieren; man hat ihn ohne jeden Grund entlassen, und als er klagbar wurde, haben die französischen Gerichte ihn mit zwölfhundert Franken für abgefunden erklärt. Was sind zwölfhundert Franken?! Unsre Fanntte wäre auch ohne die Lappalie nicht verhungert. Aber Die


