Ausgabe 
3.9.1910
 
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uitb die drei Kirchspiele Rosenthal/ Iosb ä ch und Wohr q maßten von einem Geistlichen versehen werden. Pistorms, Pfarrer zu Gemünden an der Wohra, berichtet 1642, daß er dein! Lehrer, zum Kaufen von Brot nicht einen Gulden geben könne und auch für sich aus dem Kirchenkasten keinen Laib Brot bezahlen könne. In Seel heim wurden 1646 fast alle Höfe und die Pfarrhäuser niedergebrannt. Zu dem Hunger gesellte sich die Pest. Als diese einmal in Kirchhain ausbrach, meinte man, eilt Zauberer könne dieselbe vertreiben. Er bannte auch wirklich die Seuche in einem Balken und verschloß die Oeffnung im Balken durch einen Pflock. Als jedoch nach zwei Jahren ein Fremder denselben aus dem Balken zog, grassierte die Seuche von neuem in Kirchhain. In den beiden ersten schlesischen Kriegen, kämpften die Hessen mit dem Kaiser gegen Preußen; der siebenjährige, K r i e g (17561763) aber sah Hessen-Kassel im Bunde mit Preußen. Kirchhain hatte in diesem Kriege schwer zu leiden. Der französische General Gläubig schlug 1760 bei Erksdorf sein Lager auf, bis er aM 16. Juli unvermutet von dem Erb-, Prinzen von Braunschweig überfallen und vollständig geschlagen wurde. Bei Grünberg besiegten die Franzosen 1761 den Herzog Ferdinand von Braunschweig. 1759 wurde die Burg U l r i ch st e i n von demselben, 1762 von den Franzosen _ ein­genommen. Vom 25. bis 27. Juni 1760 lag ein französisches Heer von 95 000 Mann um' Amöneburg. Bei der Brücker Mühle kam es dann am 21. September; 1762 zu einem 14 stündigen, heißen Kampfe. Das Heer der Verbündeten unter Ferdinand von Braunschweig stand auf dem rechten, die französisch-sächsische Armee unter Lader am linken Ufer der Ohm, vom Hof Roden- hausen bis nach Homberg a. d. O. hinauf. Keine Partei siegte; jede verlor gegen 1000 Tote und Verwundete. Fast'zwei Monate lang standen nun beide Heere einander untätig gegenüber, bis in­zwischen (1763) der Friede zu Hubertusburg geschlossen wurde. UM noch verschiedene Verabredungen zu treffen, kamen in dem Wirtshause bei der Brücker Mühle am 15. November 1762 die beiderseitigen Heerführer zusammen und ließen später sogar die noch heute im Hose genannten Hauses vorhandene sog. Friedens­säule errichten, welche, dreißig Fuß hoch, auf zwei Seiten in lateinischer Sprache folgende Doppelinschrift, in deutscher lieber« setzuug wiedergegeben, trägt:Dieses durch des Krieges Wut beschädigte Haus hat die Heerführer zum Bündnis aufgenommen, und ist das Hans in wechselseitiger Bruderliebe wieder aufgebaut worden." Landgraf Wilhelm IX. (17851803 bezw. 1821), von Hessen-Kassel, mußte im Separatfrieden von Basel (1795) seine linksrheinischen Besitzungen an Frankreich abtreten. Vom 27. April 1797 bis 12. Oktober 1797 war ein großer Teil des Ohmgebietes .in den Händen der französischen Republik, nudj A m ö n e b u r g wurde unter dem General Hoche mit französischen Truppen belegt. Durch den sogenannten Reichsdeputationshaupt- ' schluß (25. Februar 1803) fielen Hessen-Kassel die Kurmainzischen

Aemter Amöneburg, Neustadt, Fritzlar, Naumburg uird die Reichsstadt Gelnhausen zu. Und Hessen-Kassel wurde zum . Kurfürstentum erhoben. Infolge des Krieges von 1866 fiel das nichtdarmstädtische Gebiet der Ohm an Preußen. Auch seitdem hat sich Amöneburg wenig gehoben, und das Wort.Pfisters:Auf hohem Throne eine Königin einst, eine Bäuerin jetzt" hat leider seine Wahrheit noch nicht eingebüßt.

VermischteL.

* D i e U e b e r a n st r e n g n n g o e r Flieger. Einer nach dein andern von den Heroen der neuen Fliegekunst muß nach kürzester Zeit die Ausübung seines Sports auigeben, da die N e r v e n a n s p a n it u n g bei häufigem Fliegen so groß ist, daß sie auf die Dauer ohne ernstliche Schädigungen nicht ertragen werden kann. Die ersten Pioniere der Flugmaschine erscheinen heute auf den Flugplätzen bei den großen Wettbewerben kaum noch, und man kann immer wieder beobachten, daß neue Namen an die Stelle der alten treten. Eine ganze Anzahl berühmter Flieger werden ausgezählt, die heute keine öffentlichen Flüge mehr unter­nehmen :. Paulhau, der jetzt einen Automobilunfall gehabt hat, beabsichtigt sich nur noch dem Bau von Flugmaschinen zu widmen. B l e r t o t macht nur noch Versuchsflüge mit neuen Maschinen seiner eigenen Bauart. Dasselbe gilt von Henri Farm an. R o u gier und Fournier haben sich vom Fliegen zurückgezogen, nachdem sie eine Reihe von Abstürzen erlebt hatten. Glenn H. En rt unternimmt nur noch selten Flüge und beschäftigt sich auch fast nur noch mit dem Bau von Maschinen. Auch Sommer ist Fabrikant geworden und fliegt nur noch gelegentlich zur Prüfung neuer Maschinen. Ja sogar die Brüder Wright, die rrsten erfolg­reichen Flieger überhaupt, fliegen heute nur noch sehr selten und sind ganz und gar mit dem technischen Ausbau ihrer Idee beschäftigt. Die Liste könnte noch durch eine große Reihe weniger bekannt gewordener Namen weitergeführt werden. Die außerordentliche Nerven­anspannung, die den Flieger so bald zwingt, seine Kunst anfzu- geben, schildert der englische Flieger Grahame White.Die (Spannung tritt ein durch die Befürchtung, daß irgend etwas Un­erwartetes geschehen könnte", so erklärt er,daß der Motor aus- setzen, daß eine Versteifung brechen oder ein Draht reißen könnte. Man ist sich dessen bewußt, daß, wenn etwas derart kommt, man

einen furchtbaren Absturz erleben wird. Der scharfe Luststrom und die Tatsache, daß man hoch über dem Boden schwebt, haben mit dieseui Angstgefühl wenig zu tun". Eine Aenderung in diesen Ver­hältnissen f.ann erst eintreten, wenn das Fliegen leichter geworden ist, d. h. wenn Fliigmaschinen gebaut sind, deren Bedienung nicht ein solches Maß von fortwährend angespannter Aufmerksamkeit er­fordert und die in jeder Beziehung zuverlässiger sind.

* Eiu ö C ar m eir -- A uffÜ h r u n g ini t H i nd e rni s se n. In der Arena von Bsziers sollte am letzten Sonntag Biz-ets Carmen" unter freiem Himmel anfgesührt werden. Es waren jedoch mehr Karten ausgegeben, als die Arena Personen fassen konnte, und so entstand ein großes Gedränge. Als. kurz vor Beginn der Vorstellung eine Plattform mit etwa 250 Zuschauern zusammenbrach, entstand eine unbeschreibliche Panik, obwohl nie­mand ernstlich verletzt war. Alles drängte mit einem Male den Ausgängen zu, und die Unordnung wurde immer größer, da die Hinausstürmenden am Ausgang mit den Hineindrängenden zusammenstießen. Man schloß schließlich die Türen, und als innen einigermaßen die Ruhe wieder hergestellt war, begann das Orchester zu spielen. Nun aber wollten die Ausgeschlossenen! wieder mit aller Gewalt in die Arena eindringen, und es gelang ihnen auch, die Türen einzubrechen. Ein wilder Kampf begann jetzt in der Arena selbst, da Soldaten, Gendarmen und Beamte! die 'Eindringenden verhindern wollten, die Plätze einzunehmen. Das Getünimel erreichte seinen Höhepunkt, und es' war gar nicht abzusehen, wie es enden sollte, als plötzlich ein starker Regeir- schauer einsetzte und die erhitzten Gemüter schnell abkühlte. Jeder suchte Schutz, wo er ihn nur finden konnte, und der Kampf hatte ' ein Ende. Freilich konnte man auch nicht mehr daran denken, Theater zu spielen, und die Aufführung vonCarmen" mußte unterbleiben.

* R. P. Die in Wien erscheinendeMuskete" erzählt! folgende Anekdote: Neulich wollte ich ein Telegramm mit be­zahlter Antwort aufgeben und bemerkte bei Abgabe des Blanketts zum Postbeamten:Rsponse pahse!" Worauf dieser entrüstet sagte:Wissen S' denn nicht, las hirr taitsche Amtschprachä is!? Franzefisch verstäh ich nix!" Sehr bescheiden erlaubte ich mir die Aufklärung, daßRspouse pahse" so viel heiße wieAnt­wort bezahlt". Darauf malt nun der BeamteR. P." mit dem Rotstift auf mein Telegramm. Im Gefühl meines moralischeii Sieges wage ich zu flüstern:Na also, ,,R. P." heißt dojch Rspouse pahse"!"Nein!" war die überlegene Antwort/ das heißtRickantwort pezahlt"!"

* Bestrafter Hochmut. Ein Herr ersucht in einem Restaurant einen am selben Tisch sitzenden Gast, ihm den Brot­korb zu reichen.Mein Herr,", erwidert dieser,Sie halten mich wohl für den Kellner?"Nein," war die Entgegnung, ich hielt Sie für -einen Gentleman."

* Pantoffelheld.Tiefe Gardinenpredigten habe ich meiner Fran gründlich ausgetrieben."Wie haben Sie denn das gemacht?"Zu Hanse bleibe ich immer!"

* Hi nein gefall en. Hauswirt:Nanu, Frau Schulz, Sie sagten doch, Sie seien kinderlos, und nun ziehen Sie mit vier Jungen und drei Mädeln ein?"Tie stammen aber! alle von der ersten Fran meines Mannes!"

Schachaufgabe.

Schwarz.

8

8

6

6

5

5

3

2

2

a b c d e f g h

Weiß.

Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. .Auflösung in nächster Nummer.)

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: ©erben, ft e r 6 e n, E r b e n.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießew