UN zu meiner Zeit fragte keiner danach, ob die Lehrjungen noch Unterricht hätten, wir mußten viel schuften und lernten wenig. Und der Bengel, der es besser haben kann, der will itidj und bringt seinen Vater mit seinem Undank unter die Erde."
„Ja, jetzt stürben Sie ganz gern, um rechten Schrecken zu verbreiten" — lachte der Ingenieur — „wenn Ihnen übrigens daran gerade so viel liegt, daß Ihr Sohn „Doktor" geschimpft wird, dazu kann Rat tverden! Tun Sie ihn aufs Technikum, rund er wird den Doktor auch da bekommen." Der Werkmeister hob den Kopf. Und der Ingenieur setzte ihm den Bildungsgang auseinander, der den kleinen Wurm auch da noch zu diesem Ziel bringen könnte.
„Na, denn sagen Sie man dem Direktor, er soll die Maschine kaufen, billig ist sie un toir können was Neues brauchen — die von Blank u. Co. sind uns schon fast über, aber der Junge, der Bengel, der soll mir man lieber nich unter die Augen kommen," Damit erhebt sich der alte Wurm schwerfällig und trottet ab.
„Haste schon gehört, der kleene Wurm soll 'n Scheni sein," traunt am Nachmittag ein Arbeiter dem anderen zu, und sie lachen, denn sie kennen diesen Ausdruck nur als Spottname,
wie grauen Gel- verdienen.
Die Zahl der Frauen, die dem Erwerbsleben zuströmen, wächst von Jahr zu Jahr, aber meist sind es junge Mädchen, die nach Absolvierung der Schule in ein Geschäft oder ein Kontor eintreten und sich durch eigene Arbeit einen wesentlichen Zuschuß zu ihrem Lebensunterhalte verdienen, bis die Ehe sie dieser Notwendigkeit enthebt. Für sie, die in jungen Jahren in irgend einem Berufe sich Fertigkeiten erworben haben, ist es nicht schwer, im Notfälle wieder an den Erwerb zu denken und durch eigene Kraft sich zu erhalten. Die Frau in reiferen Jahren aber, die durch den Verlust ihres Mannes oder ihres Vermögens plötzlich vor die Notwendigkeit gestellt wird, sich selbst zu ernähren, ohne je in ihrer Jugend oder ihrer Erziehung auf diese Möglichkeit vorbereitet worden zu sein, steht dann vor Schwierigkeiten, die nur ein starker, unternehmender Geist überwinden kann. Im Geschäftsbetriebe werden überall die jüngeren Kräfte bevorzugt, dieser Weg ist ihr verschlossen, und wenn nicht Verbindungen ihr helfen, steht sie der bitteren Not Auge in Auge gegenüber., Wie solche Frauen in kluger Abschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten es verstanden haben, sich ihre eigene Existenz selbständig auf- ■ zubauen, davon erzählt ein englisches Blatt einige interessante und lehrreiche Beispiele. Durch schwere Verluste war eine junge Frau genötigt, an Verdienst zu denken. Sie besaß einen stark entwickelten feinen Geschmack für Blumenarrangements, und sofort beschloß sie, dies Talent auszumünzen. Mit den Sekretären einer Anzahl großer Klubs knüpfte sie Verbindungen an, sie wollte die Blumenarrangements bei Festtafeln übernehmen. Einige originelle Entwürfe hatte sie ersonnen, man trat ihr zwar skeptisch gegenüber, aber schließlich wagte man doch einen Versuch, die Entwürfe wurden genehmigt, und sie erhielt den Auftrag, bei der nächsten Gelegenheit den Tisch zu schmücken. Am Morgen um 5 Uhr sah man die tapfere Frau in dep Blumenhalle, in den reichen Schätzen des Londoner Blumenmarktes traf sie mit sicherem Instinkt ihre Auswahl, die Blumen wurden in den Klub geschickt, am Vormittag kam die Dame und arrangierte die Tafel, und die Dekoration- war so entzückend, daß die Gäste sich nach dem Schöpfer des Werkes erkundigten. Damit war der Bann gebrochen, heute zählt sie eine Reihe der größten Londoner Häuser zu ihren Kunden, und wenn immer ein besonderes Diner gegeben wird, versäumt man nicht, beizeiten die geschmackvolle Frau davon zu verständigen. Ihr Beruf bringt manche Unbequemlichkeiten mit sich, zweimal in der Woche niuß sie vor Morgengrauen ausstehen, um auf dem Blumenmarkt ihre Einkäufe zu machen und ihre Dispositionen treffen, aber nach zweijährigem Ringen verfügt sie heute über ein Einkommen, um das mancher Mann sie beneiden kann und das sie allein sich selbst und ihren Fähigkeiten verdankt. Eine originelle Idee, die aus einer ähnlichen Notlage heraus entstanden rst, hat einer anderen Londoner Dame ein zwar mühseliges, aber sorgenfreies Dasein verschafft. Die betreffende Frau hatte einen fementwickelten künstlerischen Geschmack, den sie in früheren Tagen des Reichtums beim Ankauf von Möbeln, Vorhängen, Tapeten, Tafellinnen und Wäsche glücklich betätigt hatte. In den Tagen den Not beschloß sie, Einkäuferin zu werden, und den weit abseits der Hauptstadt auf dem Lande lebenden Leuten ihre besonderes Gabe zugute kommen zu lassen. Als Entschädigung beanspruchte sie einen kleinen Prozentsatz vom Werte der gekauften Waren. Sie begann in allen größeren Provinzblättern zu annoncieren, nahm mit den Geschäften, mit denen sie früher zu tun gehabt hatte, Fühlung und erhielt das Versprechen, daß man allen größeren auswärtigen Kunden bei passender Gelegenheit ihre Dienste empfehlen^ werde. Der Anfang war nicht gerade vielversprechend, im ersten-Jahre mußte sie mit Not und Sorgen kämpfen, aber mit der Zeit setzte sich die Idee durch. Die wenigen Kunden, die ihr Aufträge erteilt hatten, waren über alle Maßen zufrieden, man empfahl die tüchtige Einkäuferin weiter, und heute verfügt sie über einen großen Kreis von Gutsbesitzern und Landedelleuten, die
thr regelmäßig ihre Londoner Einkäufe anvertranen. Sie verdienk genug, um gut leben zu können, ist zufrieden, hat Freude an ihrem Beruf,, wenn die Tätigkeit bisweilen auch aufreibend und anstrengend ist. Eine andere junge Frau verdient sich in London heute als Hundewärterin ihren Lebensunterhalt. Von Kindheit an hatte sie eine besondere Vorliebe für Hunde. Als die Not herein- brach, ging sie in die Hundeausstellung, notierte sich die Namen der Aussteller und bot allen ihre Dienste an. An gewissen Tagen wollte sie die Hunde besuchen, sich davon überzeugen, daß sie richtig behandelt und sorgsam gepflegt werden, ihre Fütterung überwachen usw. Am Anfang erhielt sie überall Ablehnungen, man schüttelte erstaunt den Kopf und dankte. Aber die Ausdauer siegte: als sie einem besonders wertvollen Hunde durch ihre sachgemäße Pslege das Leben rettete, verbreitete sich ihr Ruf. Heute hat sie von vormittags 9 bis in die Nachmittagsstuuden zu tun, um alle die Hunde zu besuchen, die ihrer Aufsicht anvertranti sind, und mit Stolz erklärt sie, daß sie durch ihren eigenen Gedanken heute eilt Einkommen besitzt, das sie früher zu erhoffen nie gewagt haben würde.
vermisstes.
Z"r Geschichte der Druckerschwärze. Der zum Decken ersorderliche schwarze Farbstoff war schon längst vor der Erfindung Gutenbergs vorhanden. Blau brauchke ihn bereits zu den sogenannten Blockbüchern und Einzeischnitten. Durch Gutenberg wurde er aber wesentlich verbessert und den Zwecken der Presse angepaßt, und noch feilte bewundern wir daS später verloren gegangene prachtvolle Tieischwarz der ersten Drucke. Gute Druckfarbe zu erhalten, war eine Hauptsorge jeder gntgeleiteten Druckerei, und noch vor 70 Jahren wurde (nach der Zeitschrist Der „Zwiebelnsch") der Bedarf au Farbe von der Druckerei selbst hergestellt. Zum „hiarbekochen" mürbe etwa zweimalffim Jahre die Farbenblase vors Stadttor gebracht und mit dieser Arbeit ein Gesellensest verbunden. xSn der Farbenblase wurde das in Firnis zu verwandelnde Del gekocht, das von einem „Oe(-9)iü()ler" bezogen wurde. Den noch warmen Firnis stillte man in das sogenannte Farbefaß und vermischte ihn mit gutem, reinem KienrUß. Als an die Stelle der Handpresse die Schnellpresse trat, genügte das Einrühren des Rußes mit der Hand nicht mehr. Die aus diese Art zubereitete Farbe gab stets Anlaß zu Klagen. Sie war körnig, Rußllümpcheu gelangten aus die Walzen und machten sich als graue Flecken ans beit' gedruckten Bogen unliebsam bemerkbar. Geschäfte, die sich.ausschließlich mit der Herstellung von Buchdruckfarbeu beiaßten, entstanden zuerst in England am Ende des 18. Jahrhunderts, mit der Erfindung der Schnellpresse aber erschien ein besonderer Industriezweig für die Beschaffung der Farbe. Die alte Farbenblase verschwand gänzlich zu Anfang der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Das erste größere mit Fabrikiarbe gedruckte Werk war eine englische Aibel vom Jahre 1795. In Deutschland enlstanden die etilen Truck,arbeu-Fabrikeu um 1830. Heutzutage ist ein derartiges Unternehmen ein sehr umfangreicher und komplizierter Betrieb, bet eine eigne Gasbereitungsanstalt, eine Delrußbrenuerei mit Kalzinier- Hausern, Lampenrußbrennereien, Rühr-und Reibwerken und chemische Laboratorien erforbert
* Ein Renom m i st. Fritzchen (zü seinem Freund!: „Weist du, wenn mein Papa auch keinen Krieg mitgemacht hat, deswegen hat er doch Mut, er ist sogar schon einmal wegen nächtlicher Ruhestörung eingesperrt worden!"
Silbenrätsel.
au, ab, chri, de, de, der, e, e, fle, gr, li, lö, in, nie, mi, neu, pH, rns, s, sto, sun, tau, ter, Nr, nie, will.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach innen und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ein geflügeltes Wort ergeben. Es bedeulen aber die einzelnen Wörter der Reihe nach solgendes:
1. Griechische Göttin.
2. Einen Mädchennamen.
3. Gebirge in Asien.
4. Titel einer Operette.
5. Ein Raubtier.
6. Ruhestätte für irdische Ueberrefie.
7. Eine Halbinsel.
8. Männlichen Vornamen.
Auflösung in nächster Nummer-
Auflösung des Leiterräisels in voriger Nummer: H 0
EISEN I 8
NACH T R E
I L G A P C H
HEKLA V N
Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitüts-Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Gießens


