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der Alte (in.
nur mit dem Finger Eine Minute vergeht, auf seinen Sohn und
Blick, stählern blitzen Feinde steht er ihn«
seinen Sohn. Max Wurm ist ein hübscher, hochaufgeschossener Junge, seine .Glieder sind gerade, seine Gelenke federn iricht, etwas blaß und mit einem merkwürdigen "" '' ""
seine Augen den Vater an. Wie einem
gegenüber.
„Was machst du hier?" herrschte ihn 'Der Junge antwortete nicht, er weist auf das kleine Modell. Alles ist stumm, bis der Alte begriffen hat, dann stürzt er ..... ... packt ihn an der Brust: „Du, du!" stöhnt er auf. .
Aber schon sind viele Hände da und entziehen dem Alten sein eigenes Kind. Die Tür wird wieder geschlossen und der Werk- meister sieht sich mit dem Direktor und cineni freniden Herrn, allein. Gleich! aber erkennt er auch den: seines Sohnes Ordinariu-.
„Hören Sie mich, Herr Wurm," redet er ihn an und druckt ihn wieder auf den Sessel nieder. „Wir haben alle ^hrcin Sohne unrecht getan. Warum er in der Schule und für die schule faul war, das sehen wir nun. Wir hätten ihn wieder Nicht versetzen können und auch nicht auf der Schule behalten, so em großen Junge unter Reinen, das geht nicht und dann das i.ugen und Betrügen. Es ist weit gekommen mit ihm link» es wird Zeit, daß er auf andere Wege kommt. Mich hat der ssrhhsikiehrer auf ihn aufmerksam gemacht. Ich habe ihn selbst ausgelacht, er mir sagte, auf meiner letzten Bank litze der begabteste ^unge.. Dann kam ich mal in die Stunde und hörte zu. Ta wußte ich gleich Bescheid. Ich nahm mir den Jungen vor und er brachte mir das Modell. Da hat er mir alles gebeichtet, und das; er Sm ost und -oft und himmelhoch gebeten habe, ihn vom Gymnasium zu nehmen und in die praktische Arbeit zu lassen. Natürlich konnten Sie das nicht. Man läßt nicht Kinder ime Arbeiter arbeite. Aber es gab doch einen anderen Weg. Wozu braucht er Katern und Griechisch, wenn er so was kann!" er wies auf das Maschinen^ modelt — der Vater wandte grimmig das Gesicht davon ab —j i „Tun Sie ihn auf eine Fachschule, ein Technikum, oort wird ey lernen, das kann ich Ihnen versprechen, weil ihn dort alles interessieren wird." lind weiter spricht der Hehrer,, auch der Direktor wirft einzelne Bemerkungen dazwischen, aber sie sprechen.
Der Heine wurm. >
Von E m m y von Egidy.
Int Hofe der. Maschinenfabrik von „Blatt und Söhne" stecken I Jn der Morgenpause die Arbeiter die Köpfe zusammen. , I „Dem kleinen Wurm sein Modell steht beim Direktor im I Bureau," raunt einer dem andern zu. „Wer hat denn den ver- I raten?" kommt die Gegensrage. „Wemi mir der Alte Nichts I merkt." „Der schlägt den Jungen ja tot." „So n altes Ekel. I Ein jüngerer Arbeiter kommt über den Hof: „Du Karle, wird I er angerufen, und als er näher kommt, fragen sie ihn: „tias is i denn mit Euch los? Hast Du den kleenen Wurnl an.iegeben. I .Er antivortet nur mit Achselzucken und geht nut wichtiger Miene I weiter. , . „
Bald müssen die Leute zur Arbeit zurück und des alten Wurm, des Werkmeisters Aufsicht, ruht hart auf ihnen. Der schwere bärtige Mann sieht alles, und er ist ohne Erbarmen. Ermahmmg, I Tadel und Drohung ist alles, was er sagt — niemals ist er zufrieden, zu Dank hat ihni noch keiner gearbeitet. Manche Faust I hebt sich hinter seinem Rücken und manche Verwünschung wird 1 laut, wenn er mit Abzügen droht. Alle hassen ihn. De^alb haben I sie auch alle seinem Sohn geholfen gegen den Alten. Da ist auch I nicht einer, der ihn nicht versteckt gehalten, während der Alte > wutschnaubend nach ihm suchte,,, wenn die, schlechten Zeugnisse I kamen oder wenn er in der Klasse sitzen blieb. Sie gönnten es I dem Tyrannen. Der Alte konnte ihn aufs Gymnasium tun, aber I durchsetzen, daß er was lernte, das konnte er nicht! Und sie freuten I sich darüber. Alle standen ihm bei im Kampf gegen den Vater. I Wenn der ihn einsperrte zum Lernen — sie legten ihm eine Leiter I ans Fenster oder schlossen die Tür auf ■— ein Schlüssel sand sich I immer. Wenn der Vater ihn mit Hunger zwingen wollte, sie I gaben ihni zu essen von ihrem Wenigen. Alle wußten, daß en I seine ganze Zeit bei „Karle" steckte in dessen Bude nebenan und dort bastelte und feilte, rechnete, eiiiritz und von neuem anfmg. Drei Jahre nun schon. Und vorher hätte er immer bei ihnen gesteckt in den Sälen und hatte gelernt und geholfen. Wenn er auf die Bücher schimpfte, das tat ihnen wohl, und wenn er sagte, er beneide sie, dann lachten sie ihn wohl aus, aber es freute sm j doch. Sic hätten seinen Grimnl gegen den Alten genährt; wenn er die Lügen erzählte, mit denen er sich durchhalf, dann lachten sie ihm Beifall zu. Sie halfen ihm, toenn er in die Fabrik kam, schwierige Stücke zu schleifen, und versteckten seine Arbeit hei ihren Werkzeugen — aber über seine Bastelei lachten sie heimlich. Wohl hatte einer ober der andere sich mal das Modell bei Karle angesehen, es war ganz hübsch gearbeitet, der Junge hatte schon was von ihnen gelernt, gewiß — aber sonst! sie zuckten bte Achseln.
Und heute, wie des Alten strenges Auge über ihnen wachte, dachte mancher mit Schadenfreude an den Acrger, der ihn erwartete. Aber aufpassen hieß cs, daß, man den „kleenen Wurm" warnte und versteckte, sonst schlug ihn der Alte wahrhaftig tot in der Wut.
Kurz vor der Mittagspause wird der Werkineistcr zum Direktor ins Bureau gerufen. Mit Spallnung sehen die Arbeiter ihm nach. Sie haben es heute gar nicht eilig fortzukommen, zögernd nuL ziehen sie in kleinen Truppen am Direktionsgebäude vorbei.
Dem Werkmeister Wurm wird drinnen ein kleines Maschinenmodell gezeigt: eine Erfindung. Er soll cs begutachten. Es ist der Direktion angeboten, man ist bereit, es anzukaufeu, die Ingenieure haben sich dafür erklärt, man will nur seine Meinung tzinholen. Mißtrauisch wie immer gegen neue Erfindung, in Opposition gegen alles, was die Ingenieure sagen, prüft Wurm das Modell sehr genau. Manche Frage stellt er an sie. Keiner! ärgert sich heute über ihn, alle sind ganz' besonders höflich. Schließlich muß er bekennen, daß die Erfindung gut sei und aussichtsreich. Er fragt, was das Modell kosten solle. Der Direktor nennt eine
Mäßige Summe.
■ „Das ist nicht viel," sagte Wurm erstaunt. „Wir haben! | teuerere Modelle augekanst."
„Es ist aber eine große Bedingung dabei, gewissermaßen eine moralische und auch darüber wollte ich Ihre Meinung einholen,, Wurm — aber bitte nehmen Sie Platz." Der Werkmeister setzte sich verwundert auf einen Sessel, der unter ihm krachte. Und nun satzt ihm der Direktor einen Fall auseinander: „Der Erfinder sei noch ein ganz junger Mensch: er habe dies Modell heimlich angefertigt und unter Vernachlässigung seiner übrigen Schülerpflichten ; so konnte es kommen, daß er auf dem Gymnasium um 2 Jahre zurück sei unb auch jetzt wieder nicht versetzt werden könne. Er habe die Bedingung gestellt, daß man bei seinem Vater, der ein harter Mann sei, ihm Straflosigkeit erwirke und die Erlaubnis, das Gymnasium zu verlassen, um praktisch zu arbeiten." Der Werkmeister lacht dröhnend in. seinen mächtigen Bart: „Das is'n Witz, Herr Direktor! einer, der das macht, sitzt nicht mehr aus, der Schulbank, -das is ein ausstudierter und einer, der schon praktische Jahre hinter sich hat."
„Nein, nein, er ist ein Schüler. — Mit 15 Jahren sitzt er «och in Untertertia!" sagt der Direktor. . ,
Wurm greift nach feiner Mütze: „Zu solchen Kindereien hm ich zu alt, Herr Direktor — ich bin wohl entlassen."
„Wollen Sie sich bitte überzeugen!" auf einen Wink des Direktors wird die Tür geöffnet und der Werkmeister sicht auf
Sobald^eine Panse entsteht, erhebt sich Wurm und geht ohnes ein weiteres Wort mit gesenktem Kops hinaus.
Der Direktor schickt ihm einen der -Ingenieure nach. Der folgt ihm langsam an allen Gebäuden, vorbei bis hinter die letzte Mauer, wo ein schmaler Streifen Wiele bis zu dem kleinen Fluß läuft, der die Grenze des Fabrikgeländcs ist. Dort setzt sich Wurm gegen die Mauer unb weint. Der ^Ingenieur zieht sich zurück, er beobachtet von weitem. Heftige Stoße erschüttern dm hünenhafte Gestalt. Es hat etwas Entsetzliches, diesen Mann meinen zu sehen wie ein Kind. Der Ingenieur ruft ihn an. Der Alte bleibt ruhig sitzen und die dicken Krauen laufen netter: über sein Gesicht. Dem Ingenieur wird bange.. ,,^ch gratuliere Ihnen auch, Wurm, zu dem Jungen!" lagt er mit heller «timine
Mir ist alles gleich, der Lümmel hat mich lächerlich gemacht für mein ganzes Leben." Der Ingenieur versteht nicht, »^vt mich sagen, das sei die Arbeit eines Ausstndierten unb nachher, i§ es mein eigenes Früchtchen von Sohn, noch m-ch trocken hinter den Ohren — nun bin ich blamiert für immer.'
Na, hören Sie mal, Wurm! Sie sind ivohl verrückt! So ’ne Blamage, die möchte sich jeder wünschen. Das ist M gerade Ihr Triumph, den Sie in Ihrem eigenen Fleisch unb Blut feiern, daß Sie es selbst N'r die Arbeit eines Erwachsenen gehalten. Denken Sie bloß, Mensch, wenn es dann heißen wird, das ist die Maschine vom „kleinen Wurm Ihr Früchtchen von Sohn wird Ihnen noch nicht über den Kopf wachsen.
„Das is nid; mein Fleisch und Blut" — sagte Wurm kopfschüttelnd, „der hat ja keinen Ehrgeiz im Leche. Seit mir der Junge in der Wiege liegt, hab' ich geschworen, wenn ich das Leben behalte und er auch, dann soll der mir mal „Herr^ ^.oktor angeredet werden, und nun geht der Lümmel hin und.macht hinter meinem Rücken 'ne Maschine, anftatt bte Nase m die!
I Bücher zu stecken. Das toer’n Sm nur nicht sagen, Herr Doktor, daß der nicht den Grips zum Lernen hatte, den hat er, von mir hat er’n. Bon seiner Mutter nid). Das is mc alte Uhl, Er schüttelte die Faust in die teere Lust — „aber das Weib soll nur was besehen — die steckt natürlich mit im Komplott, alle gegen mich, die Lehrer, der Direktor, der Junge und das Weib Und nu sollen die recht behalten gegen nuch! Dm -schände überlebe ich nich. Ich will Herr in meinem Hanse fern, oder gar mch.
„Herr in Ihrem Hause fein, ja, mit Stock und Prügel und Hunger. Nun sehen Sie, wohin das führt So einen netten I frischen Jungen — verdienen Sie ja gar nicht. Sm Grimmbold. Und Ihre Frau! Das ist schon ’ne Schande, wm sm dm anfahren, I eine Schande für die ganze Fabrik, -ua, das will ich ^hneu nun I wieder mal sagen, schämen sollten Sm sich, -so ein Wüter uh I wie Sie sind."
„Das ist mir alles gleichgültig. Itn Sie verstehen das mch. Sie haben keinen Sohn, un Sie wissen „mch, rote nur alten I Kerl ui Mute is, wenn so die jungen Grünschnabel ankommen, I und bloß weil sic Herr Doktor sind, bilden sic sich ein, mehr zu I verstehen, als ’n alter Praktikus un toer’n über einen gesetzt un I stehn sich besser. Nee, das sollte eben mein Junge «ich erleben. | Um Mich hat sich keiner gekümmert. Ich mußte früh auf dm -ehre,


