DsWMtag den 8. Mürz
IO
KW
W
U 8Ä*|^
irinnS
'WW
•■ ... #
MUWZ^ML
WMEZÄ
-eAK-WW
Droesigl.
Vornan von Georg Freiherrn von Ompteda.
(Nachdruck verboten.)
(SortfcBuitfl.)
Als am Hubertustaae zur letzten Jagd des Jahres alle Ulanen, die ganze Artillerie, die meisten der Nachbarn und alles, was Gras Regnier in Berlin geworben, versammelt war, meinte man doch, das Gesetz des Hauses würoe einmal aufgehobelt werden. In der lustigen Stimmung nach Tisch rief Graf Sezögony, der schon immerfort an seine Brust- tascho gefaßt, sich zu vergewissern, daß er die Tausendmark- schcine auch wirklich eingesteckt hatte:
— Gibt's denn gar lerne Karten mehr hier?
Man blickte unwillkürlich Ludwig an. Er sagte sehr artig zu den Herren gewendet:
— Ich danke Ihnen, daß Sie mir die Ehre geben, hei mir zu sein, mir die Möglichkeit verschaffen, durch Ihre Anwesenheit hinter den Hunden reiten zu können. Ich bin also in Ihrer Schuld und möchte das nicht mißbrauchen. Ich stehe hier an Stelle eines in ganz Deutschland bekannten, vornehmen, alten Herrn. Er durfte kraft seines Namens sich erlauben, was mir, seinen! bescheidenen Nachfolger, nicht zusieht. Das hieße das Kapital an Wohlwollen überschätzen. Ich muß hoffen, daß die Herren mit einem scharfen Run und Hallali, und nrit dem, tvas unser Haus zu bietest vermag, vorlieb nehmen.
Alle Herren sahen den ruhigen, korrekten Mann, dem dieses Schloß gehörte, nicht unfreundlich, ja die älteren mit einer gewissen' Billigung an. Auch die Damen empfingen ihn mit freundlichen Blicken. Die Mütter für ihre Söhne, die Frauen für ihre Männer.
Und die schöne Gräfin Sczügony, heute zum ersten Mal wieder hier, ging gerade auf Ludwig Droesigl zu, gab ihm die Hand und sagte:
— Es ist so nett hier, und man kann so ruhig bei Ihnen sein.
Die Hifthorntöne, das Geläut der Hunde, das Hallali waren verklungen. Still lag wieder die Heide, still der Park. Das Ehepaar befand sich in Kölln allein. Ludwig hatte die nur für die Jagden gemietete Dienerschaft ent-- lassen. In einer Kammer, wie beim Militär, lagen eingemottet und geordnet die Livreen aller Garnituren für Haus und Stall. Kein Strohhalm konnte umsonst angeschafft loerden oder umsonst auf den Düngerhaufen geraten. Sogar die Abfälle aus der Küche wurden verkauft.
Dagegen übte Ludwig eine jetzt ganz programmäßige Wohltätiakeit, nickst des Herzens, die nnbesehen gibt, sondern des Kontobuches. Und bet all dem, was er tat, blieb em Rest, der die Beschenkten nicht zu ganzer Freude kommen ließ, Wenn er etwas gab. wurde es angekündigt, und auf
Dank ward sorgsam gehalten. Doch wo bei Ludwig das Herz nicht redete, floß es bei Agathe über. Sie Ivar die Wintermonate, hindurch der gute Engel aller Bedürftigen. Sie klopfte an die Hütten, obwohl, da sie erwartete, ihr der Gang oft. nicht leicht wurde. Sie trat in die Stuben, sah nach' den Kindern, redete mit den Leuten über ihre Verhältnisse, und alle schütteten diesem weichen, so gar nicht stolzen Wesen gern ihr Herz aus. ,
Man hatte bald herausbekourmen, daß man bei Ludwig den „gnädigen Herrn" nicht vergessen durfte. Wer „Herr Droesigl" sagte, war drunter durch. Die Mütter (ernten ihre Kinder an, wenn Ludwig vorbeifuhr, die Mütze zu ziehen, und die Hemdenmatze und Rotzjungen machten sich ein Vergnügen daraus, zu winken und Hurra zu schreien. War er dann vorüber, wollten sie platzen vor Lachen und tobten umher, bis der Lehrer es ihnen verbot.
Wenn der alte Graf Kölln durch die Dörfer ritt und ein Bengel nicht Platz machte, bekam er einen Jagd'hieb. Das nahm keine Mutter übel und kein Kind machte sich etwas daraus, denn dafür erhielten ein andermal die Mädel von dem alten Sausewind einen Kuß mit obligatem Taler, „zum Abwischen" wie er sagte, und die Burschen einen Preis beim Kegeln oder Scheibenschießen.
Wie oft hatte der alte Herr mitgetan! Wenn er dann besser schoß als alle zusammen, mit seinen mehr als siebzig Jahren, dann strahlte er über das ganze Gesicht, dann schwamm das Dorf int Bier.
Ludwig zeigte sich nie bei den Unterhaltungeii der Leute. Aber er hätte auch dem schönsten Mädchen die Wange nicht berührt. Dafür steckte er mehr und mehr mit dem Herrn Pastor zusammen. Der war den Winter zeitweise der einzige, der ab und zu mit seiner Frau im Schlosse ast. Agathe ließ sich von der Frau Pastorin gute Ratschläge über Kindererziehung geben und besprach mit der viel erfahrenen Frau endlos ihren Zustand, der sich bald der Erlösung näberte. Währenddessen saß Ludwig mit dem Pastor rauchend in seinem Zimmer, oder sie gingen zusammen durch den Park, der Schloßherr immer rechts, und immer war ein kleiner Abstand zwischen ihm und dem Seelsorger, den er bezahlte.
Als nun das zweite Kind erwartet wurde, kam ein Brief der Prinzessin. Droesigls sollten mit ihr au die Riviera gehen; sie hätte wieder einmal große Sehnsucht nach Nizza. Agathe erklärte, warum sie nicht fort könne. Valy schrieb nur, daran hätte sie wirklich nicht gedacht.
Als es Agathe ihrem Mann vorlas, sagte sie:
— Und ich habe es doch mehrmals erwähnt l
Ludwig lachte:
— Vielleicht liest sie deine Briefe gar nicht.
Da bekam die junge Mutter, die jetzt bisweilen ein wenig reizbar war, plötzlich rote Wangen und begann erregt ihre Schwester zu verteidigen. Ludwig schwieg.
Als die Bäume im KMner Park wieder das erste Grün zeigten, ivar eines Morgens der zweite Sohn da Sechs


