Vorüber gehend besuchte « Sxäte und Berlin. Hier wohnte Ne den Turnübungen im Eiselenjchen Saale bei und imißte neue Gefchivünge am Reck W Keigen, bei denen Kraft ,md Feinheit zu gleichem Rechte kamen, Eri lernte damals als Turnlehrer Feddern kennen, auch den berühmten. Grits Muchs besuchte er auf dem Wege Nach Halle. Nach Gießen zurückgebchrt, gründete er eine 'Knaben-. turn gem ei n de, mit d er er die erst,m Versuche mit . der von ihn. ausgebildeten Methode des GeMeinturuens machte. Sobald die Sache. -Aussehen, erregte, wurde .ein Verbot von der Polizei er» lassen; aus den freien Waldräuirieu mußte man die Hebungen1 in einen Privatgarten hineinzwängen. Ta brach 1830 die franzö­sische Julirevvlution aus. Was Spieß dachte, sprach er laut aus: seine Liebe zum, BaterLmd« und zur Freiheit, seine Sehnsucht nach einen« mächtigen, freien Vaterbande. Für seine Ideen hatte man/ an der Umversität nicht das richtige Verständnis. Ohne Examen verlieh er dieselbe 1831, um bald darauf eine Stelle als Lehrer in der Stadt Burgdorf (KUnton Bern) zu übernehmen. Hier tofcfte er hauptsächlich -als Turnlehrer elf Jahre lang, eine Stätte reichen Wirkens, als dessen Frucht eine .4 bändige Turnlehr« erschien, die das Gebiet der Frei-, und Ordnungsübungen systematisch ' erschloß, sowie die Betriebssvrm der Gemeinübungen im Turnbetrieb ausführlich behandelte. Auch dem Mädchenturnen wurde darin ausgiebige Betrachtung gewidmet. Im Jahre 1840 nahm er sich eine Lebensgefährtin; feine frühere Schülerin-,- Marie Bari, wurde seine Gattin, die ihm bis zu seinem Ende beisland. Es war ihm seht darum zu tun, einen weiteren und lohnenderen« Wirkungskreis sich, zu erschließen. Er fand ihn 1844 in Basel, wo er 4 Jahvö lang das Turnen leitete, 1848 erfolgte seine Berufung als Leiter des hessischen TurnwesenS nach Darmstadt mit einem Jahresgehalt von 2000 Gulden. Ein Urteil über ihn ans der Feder eineÄ badischen Hosrats lautet:

.Er hat den Turnunterricht neu geschaffen und begründet. Eine edele Persönlichkeit, eine große Behendigkeit und Energie, eine Tätigfeit, die sich nie genug hat, haben ihn recht eigenisich zum JügendleHrer 'geschaffen.' Eine nie gekannte Siebe' für seinen Gegenstand, eine große Gewandtheit, vor allem die Schaffung einer strengen Zucht unter der Jirgend zeichnen ihn aus. Er hat bei Knaben, wie unter den Mädchen, ein neues Jngend-leben ent­zündet. Indem er einer krankhaften Ausbildung des Geistes auf Kosten des Leibes entgegenwirkt, stellt er jenes schön« Gleichgewicht zwischen Seele und Leib wieder her, begründet die zeitige Gesund­heit und erinnert durch beständige Wechselwirkiutg geistiger und leiblicher Funktionen an die harmonische Bildung, wie wir sie an den Hellenen beimutbern. Ein solcher Manu, wie Adolf Spieß, ist ein wahrer Schatz für eine Schute, als solcher will er auch geehrt sein usw." Spieß hatte der Regierung einen Entwurf der Grundzüge der staatlichen Gestaltung des Turnens im Grvß?- h-erzogtum Hessen" borgelegt. Ter Erfolg blieb nicht aus. Nach wenigen Jahren wurde das Turnen zu einem verbindlichen Gegen­stand in den höheren Schulen. Weit verbreitete sich fein Ruhm als Turnlehrer. 1852.1854 kanten Gäste ans allen deutschen Staaten, ans Belgien, Schweden und der Schweiz nach Darmstadt, unt seine Methode kennen zu lernen und feinen Turnbetrieb zn sehen. Bereichert an Kenntnissen kehrten sie wieder in ihre Heimat zurück, um für die Verbreitung seiner Unterrichtsweise und seiner Anschauungen, zu wirten.

Er war ein tüchtiger Turner und ein begabter Schulmann, der auch die nötige Energie besaß, nm reaktionären Bestrebungen eines Ministers v. Talwigk sich entgegenzustellen. Nach feiner Meinung mußte die Schule das leibliche wie geistige Wohl der Jugend umfassen, .darum sollte das Turnen Schulsache werden, für jeden verbindlich, Knabey wie Mädchen. Von den Lehrern, nicht besonderen Tnrnlehrern, sollte der Unterricht innerhalb der Schul­zeit erteilt werden. Für den kl'assenweis-m Betrieb ist ein Turnl­und .Spielplatz, aber auch ein Turnsaal nötig; in den Lehrev- bildungsansta-ten müssen die nötigen Lehrkräfte die erforderliche Anweisung erteilen. Stemmen, Hangen und Liegen bilden in seiner Lehre von der Turnftinst, die über 1000 Seiten umfaßt, die Grundpfeiler, auf die das ganze Gebäude gestellt ist. Für reiche Abwechselung in den Turnstunden sorgt die große Anzahl der aus systematischen Aufbau beruhenden Ordnuugs-, Frei- und Gcrätc- übungen, nicht minder änch die Spiele. Tie vvu ihm anAgesprochenen Gedanken bilden die Grundlage unseres heutigen deutschen Schul­turnens. Sein System' ist heute in Tentschland am weiteste« verbreitet

Schriftstellerisch wär er in verschiedenster Weise tätig, so ver­faßte er noch einTurnbuch für Schinken",Gedanken über die Emordmmg des Tmmwssens in das Ganze der Vvkkserziehung", sowie verschiedeneMeine Schriften über Turnen". Er wollt« vor allem ein lebendiges, deutsches Nationalgefühl und gemein­same^ Anschauungen in Sachen des Vaterlaiches wecken. Zn einem Vereine, den er in dieser Beziehung schon in der Schweiz gründete, .gehört auch der Dichter, der Wacht am Rhein, Max Schmcken!- tnrger.

Spieß, der zwar fein Komponist, aber ein treffsicher Sänger war und auch auf dein Klavier leidlichen Bescheid wußte, setzte sich an das Instrument und intonierte mit seiner mächtigen Konzert- strmure nach irgend einer von ihm improvisierten Melodie, das Lreu des Freundes; so hat erDie WaM am Rhein" zum ersten- toot gesungen. ' -

spiest begann in DäiKnWdt seinen Unterricht mit Schülern

des GhmnasimnK, sowie mit Schüfe riimen der höheren Mädchen- schule in einer zur Turnanstalt eingerichteten Gartenlmrtschast; aber schon 1852 konnte er die nach seinen Angaben erbaute Turn­halle am sogenannten Käpellplatz beziehen. Hier fanden die JnstruktioNslurse für die Turnlehrer statt. Darüber urteilt eilt Teilnehmer:3hz Wochen brachten wir in Spießens tebensfrischer, Harmonie- und melodiereicher Turnhalle zu; jedem/ dem es ver­gönnt war, mitzutun, wird ein freudiges Erinnern ränge nach-, klingen. Zum Schlüsse vereinigte uns ein heiteres AbschiedSsest/ in dem unsere 30 steifen Teilnehmer den tatsächlichen Beweis ablegten, daß-sie die. Jugendsrische der Glieder und .Herzen nicht verloren, sondern rasch wieder gewonnen hatten. Dem. Vaterlande, unserem Freund und Meister Spieß und. der deutschen Jugend gelten die ersten Gläser. In glänzenden Prüfungen vor der ganzen Groß,herzoglichen Familie gab er, einmal mit 14 Turn- klassen, Rechenschaft von feiner Sache. Das dabei aufgerollte Gesamtbild der turnerischen Leistungen wurde äußerst beifällig beurteilt. Seit Sommer 1855 war er der Pflege der Turnkunst 'durch ein hartnäckiges Lnng-enleiden entzogen. Tie Mühen und Aufregungen eines Turnunterrichts, wie er ihn mit rücksicht'K- fofem Ausbieten aller, in seine energische Natur gelegten Kraft über das gewöhnlich« Maß der Leistung hinausgehend erteilte, ließen ihn frühe altern. Vergeblich suchte er durch einen längeren! Aufenthalt in Genf und in dem sonnigen Vevey Linderung. Er näherte sich dem Ziele seiner irdischen Laufbahn; am 9. Mai 1858 vollendete er." '

Als die 6. detttsche Turnlehrerversammlung in Darmstadt 1872 tagte, wurde.das Spießdenkmal, zu dem Turnlehrer, Turner und' Türnfteunde aus ganz Deutschland beigesteuert hatten, ent­hüllt. Tie. Festrede, hielt Schulrat Dr._ Enter aus Berlin. Als Gruß aus' den deutschen Alpen legten die vberösterreichischen und steirischen Turner einen Kranz von Edelweiß an seinem Grabe aus dem Darmstädter Friedhöfe nieder. Was er geschaffen, ist nicht vergeblich gewesen. Tie von ihm! ausgesprochenen Gedanken bilden dis Grundlage unseres heutigen Schulturnens. Sein Systeml ist heute in Deutschland am weitesten verbreitet. A. B.

Lm französischer Ossizier im Heere der Mikado.

Nach zweijähriger Abwesenheit in Japan ist der fran­zösische Hauptmann Duval wieder in seinem Heimatland eingetroffen; im Auftrag der französischen Regierung hat er zwei Jahre lang im japanischen Heere Offiziersoiensh verrichtet. Hauptmann Duval, der ein Jahr lang in Kioto und eilt Jahr in Nagoya in Garnison stand, hat dem Chef­redakteur desMalin", Stephane Lauzanne, seine Ein­drücke und Erfahrungen geschildert.Wenn der Rekrut in die Kaserne kommt, so umgibt ihn der Offizier mit einer Fürsorge, wie sie ein Erzieher für ein kleines Kind auf­bringt und auf dem Exerzierplatz zeigt er für alle Ver­sehen und Ungeschicklichkeiten eine Geduld und eine Liebens­würdigkeit, die kaum noch glaublich sind. Aber er ist un­erbittlich gegen das, was er einen Fehler der Gesinnung trennt. Und was er vom Soldaten verlangt, das erfüllt er selbst in noch höherem Maße. Jeder japanische Offizier betritt morgens um 8 Uhr die Kaserne und er verläßt sie erst nachmittags um 4 Uhr wenn der Dienst ihn nicht früher verlangt und später entläßt. Den ganzen Tag über steht er in unmittelbarer Fühlung mit den Soldaten, teilt rhr Leben, ihre Zimmer und jede Arbeit. Im Manöver wird man Fern en Oberst finden, der auch nur auf Augen­blicke das Biwak verläßt; nachts, wenn alle schlafen, "sitzt er noch beim Wi nd lichte und schreibt seinen Bericht."

In Nagoya war Hauptmann Duval einer Infanterie- Brigade zugeteilt, die int mandschurischen Kriege sich be­sonders ausgezeichnet und furchtbare Verluste erlitten hatte. Das, eine Regiment hatte 53 Offiziere verloren, nur ein einziger war in der Schlacht unverwundet geblieben. In einer einzigen Nacht verlor das eine Regiment 700 Mann. Dem französischen Kameraden gab ein japanischer Offizier eine packende Schilderung des modernen Krieges.Auf dem modernen Schlachtfeld gibt es ein furchtbares Ge­fühl, das Gefühl völliger Einsamkeit. Der Tod überfällt einen, ohne daß man ihn sieht. Ein einziges Mal im ganzen Kriege haben wir die Kanonen des Gegners gesehen: das war in der ersten Schlacht. Bon da ab töteten wir, ohne zu wissen, ob und wen iuir trafen, und wir fielen, ohne zu. wissen, von wo die Kugel kam. Wehe dem, der sich in der Schlacht auf einer anscheinend leeren Ebene sehen läßt: auf der Stelle rafft ihn ein Feuerregen hinweg. Alles, was man heute im Kriege sehen kann, ist des Todes. Wer man kämpft mit dem Unsichtbaren, man kämpft mit Schatten. So furchtbar ist die Nervenspannung in diesem Zweikampf,- daß man sich nie daran gewöhnt; in der letzten Schlacht' ist man weniger kriegsgewohnt als in der ersten." Auf drk Frage, welchen militärischen Eigenschaften in erster Linie