Donnerstag den S. Kebruar
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Droejigl.
Kornau von Georg Freiherrn von Ompteda.
(Nachdruck verboten.) lForliesuiig.)
Einen Augenblick darauf trat die alte Gräfin hervor in einem seidenen Morgenrock, dessen oberste Hcf.el sie eben schloß. Sie z-og das junge Mädchen an sich, ließ es wieder auf dem Soja niedersitzen und begann mit dem gewissen Alters-Bedürfnis zu betrachten und zu vergleichen, Agathe von allerhand Ehen zu erzählen, die sie in ihrem langen ^eben mit angesehen. Sie sprach von Liebe auf den ersten Blick, die fünfzig Jahre hindurch mit gleicher Glut und Treue Stand gehalten hatte. Sie nannte Bekannte, die sich eine Scunde gesehen und sich verlobt hatten in der Heber» zeugung, Gott habe sie eigens zusammengeführt, während diese Ehe dann ein furchtbares Martyrium geworden war. Berrnlnftehen auf Versorgung oder Geld hacke sie erlebt, die sich über Achtung und Gewohnheit zu treuer Herzens- gemeinschaft ausgewachsen, wilde Glut, in sechs Monaten abgerühlt und nach zwei Z hren in Haß umgeschlagen. Man wußte nichts, nichts, rein gar nichts vorher.
Agathe hörte lächelnd zu, ein wenig zerstreut:
— Tante, willst du nicht so gut sein und einmal mit ihm sprechen?
— Wann?
Das junge Mädchen saun nach :
— Morgen, hat der I lstizrat gesagt, ist der Abschluß. Und morgen, hat er gesagt...
— Der J tstizrat?
Nein, er!
i Da verneigte sich die alte Dame:
— Ah so, er, er!
Agathe trat die Röte auf die Wangen. Sie berichtete lebhaft, Herr Droesigl sei dafür geroejen, morgen dem größten Teil des Personals zu kündigen, vor allem aber die vielen, unnützen Fresser im Stall zu verkaufen. Er habe gesagt, man habe die Dienstboten nicht gleich entlassen können, das würde eine Härte gewesen sein, aber jetzt sei Zeit genug verstrichen, und nun müsse gespart werden. Tann erzählte sie mehr und mehr von ihm, der hier Alleinherrscher zu sein schien, da doch die Töchter pichts von alledem verstanden und der Prinz glücklich war, wenn man ihm auch nur ein Wort zu sprechen abnahm.
Gräfin Lindenbach lächelte bei Agathens Lebhaftigkeit. Das reizte diese dazu, immer mehr zu schwärmen. Schließlich sprach sie so begeistert, daß es klang, als gäbe es nur einen einzigen Menschen, der etwas leiste und etwas tauge: Louis Droesigl.
Tie alte Gräfin zog das junge Mädchen an sich, und in der scheinbar sachlich kühlen Frau erwachte jäh das Herz:, — Kind, du hast ihn ja wirklich lieb!
Agathe kniete nieder und verbarg ihr Gesicht in der Aelteren Schoß. Plötzlich machte sich Gräfin Lindenbach los und eilte hinter die spanische Wand. Wieser sah man ihren Kopf sich bewegen, ab und zu eine Hand und einen bloßen Arm erscheinen. Kurz darauf trat die alte Dame angezogen vor, ging zur Tür und klingelte.
Agathe kniete noch immer, den Kopf versteckt. Sie, die angesichts des Todes ihres Vaters, bei all der Sorg« uni die Zukunft aufrecht geblieben, brach mit einem Mal zusammen und schluchzte immerfort. Die Gräfin hob sie auf, Güte in oen Augen, die alte Derbheit in der Stimmeck
— Na, nur kein Schauspiel vor den Leuten!
Das Mädchen trat ein.
— Sind die Herrschaften unten?
— Die Herrschaften pflegen vor elf nicht aufzubrechen.' — Dann la.se ich Herrn Droesigl bitten.
Als das Mädchen verschwunden war, rief Gräfin Lindenbach:
— Agathe, nun rapple dich! Himmeldonnerwetter, den Männern nie eine Schwachheit zeigen! Wenn man sich verloben will, erst recht nicht. Sonst denkt so'n Kerl noch, man müßte ihm Gott weiß wie dankbar fein.
Die Gräfin zog ihre Wahl-Nichte in den Alkoven und tupfte ihr mit dem Schwamm die Augen. Dann klatschte sie in die Hände:
— So, nun stolzes Gesicht machen. Von dir ist's ne Gnade! Du kennst die Herren der Schöpfung nicht.
Zu gleichen Augenblick besann sie sich, daß ihr noch Brom-e und Uhrkette fehlten, und lief jugendlich lebhaft zum Tisch, wo die lange Kette schwarzer Kugeln lag und das kleine, schiefsteheude Kreuz.
Das Mädchen meldete Herrn Droesigl.
*
_ Erstaunte, ja erschrockene Gesichter gab es auf allen Seiten, als die alte Dame die Verlobung verkündigte. Gräfin Patsch, von der Agathe gemeint, was sie täte oder nicht, würde ihr völlig gleichgültig fein, sprach mit ihrer Schwester nicht ein Wort mehr. Die Prinzessin dagegen, auf deren hochnäsigen Widerstand die Braut geschworen hätte, sagte zur Gräfin Lindenbach:
— Liebe Taute, seien ivir einmal aufrichtig. Was konnten wir wohl Großes für Agathe erwarten? Und ba Papa, wie sich herausstellt, fast alles verwirtschaftet hat, so würde sie der Familie noch auf'der Tasche gelegen haben. Nun tritt sie in andere Kreise, und mein Gott, man wird sich ja nicht viel sehen.
Sie bekam die spöttisch überlegene Antwort:
— Liebe Baly, seine Schwester würde dir schon nicht auf der Tasche gelegen haben. Dafür hättest du ruhig uns sorgen lassen können. Im übrigen aber, wenn du deinen Vater nur darnach taxierst, was er dir hinterläßt, so möchte ich dir denn doch sagen, daß er ein ganzer Mann gewesen ist, ein Mordskerl sogar, wie deren gar nicht viehe rum» laufen. Ich bin über die Droesigelei, wie er gesagt hätch,


