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Sanitätsdienst, in einer Kirche zik Castiglionerichtete er einen Verbandplatz ein und verstand es hier, dem Gedanken Geltung M verschaffen, daß ein verwundeter Feind aufhort, ein Feind zu sein Die gleichgerichtete Tätigkeit der englischen Kran^npflegerm Florence Nightingale in der Krim, die als hochbetagte Greistn ihm nur kurze Zeit im Tode vorangegangen ist, befestigte in ihm die Ueberzeugung, daß es im Kriege eines freiwilligen Sanitätspersonals bedürfe mit guter sachgemäßer Vorbildung und steter Bereitschaft, das ein Privilegium vollständiger, Neutralität erhalten müsse. Diese Gedanken legte er, spater m seinem Buche
Un Souvenir de Solferino" nieder, indem er an Hand dev Schilderlmgen seiner italienischen Eindrücke sie uberzeugmd zu begründen suchte. Zuerst hielt man ferne Ideen für utopisch, er aber lies; nicht locker. Er führte eine Besprechung rn der Genfer Gest l- schaft für öffentliche Wohlfahrt herbei, die tm Februar 1863 stattfand. Daraufhin kam es zur Gründung eines Rates .dem außer Dunant M. Moynier, fern sMterer eifrigster Mitarbeiter, und der Oberkommandierende der Schweizer Truppen, General Dufour, angehörten. Nach dem Vorschläge von, Moymer arbeitete man einen Plan aus,, nach dem das Eindringen einer nichtmilitärischen Organisation den Berufssoldaten weniger bedenchch erscheinen sollte und bemühte sich um eine Form,, d« allen zivilisierten Nationen angepaßt werden könnte. Schließlich glaubte man eine inter-nationale Konferenz einberufen zu dürfen, die lM Oktober 1863 in Genf stattfand, freilich unter geringer Beteiligung. Aber die einmal ausgesprochenen Ideen fanden wettere Verbreitung, vor allem kam ihnen zugute, daß die Königin von Preußen, Augusta, sich ihrer mit Wärme annaym und schließlich auch Napoleon III. für sie gewonnen wurde. Tie Schweizer Regierung stellte sich nun an die Spitze der Bewegung, sie eener ihrerseits eine internationale Konferenz, die un August 1864 die „Genfer Konvention" abschloß, der sofort 16 Staaten ber- traten. Damit war das „Rote Kreuz" gegründet, lvar die Neutralität für die Krankenpfleger gesichert,, Dunants Gedanke verwirklicht. Nach 'und nach sind alle zivilisierten Staaten der Genfer Konvention beigetreten. sWelche Bedeutung das Role Kreuz in der gesamten Kulturwelt erlangt hat, bedarf kaum werterer
Hmry^Dunant war ein Idealist, der eine unglückliche Hand bewies, wo es sich um Dinge des praktischen Lebens handel^. Gr schrieb noch einige Bücher, wie „La renovation de 1 Orient .— von früheren finb „L/empire romain reconstitue iltu> ,/La regence de Tunis" zu erwähnen — und gründete m Algier eine Unternehmung, bei der er sein ganzes Vermögen verlor. Von allen Mitteln entblößt und in Scheu, andere um UntersttitzungM anzugehen, zog sich Dunant von der Welt zurück. Mlmahlich aber erinnerte sich diese des Mannes, dem sie eins der größten Humanitären Werke zu danken hat. In Stuttgart, wo Dunant Ende der siebziger Jahre in einer befreundeten Familie liebevolle Aufnahme gefunden hatte, bildete sich 1896 ein Ausschuß zu seinen Gunsten -stnd 1897 erkannte ihm der Internationale Aerztekongreß, in Moskau den Ehrenpreis der Stadt Moskau zu. Der Schweizer Bundesrat zeichnete ihn durch den Binet-Fendt-Preis aus, dann erhielt er 1901 bei der ersten Verteilung der, Nobelpreise den, Friedenspreis. Hierdurch war er für den Rest seines Lebens aller wirtschaftlichen Sorgen überhoben. 1903 ernannte ihn die Universität Heidelberg zum Ehrendoktor. , ..
Die letzten Jahre verbrachte er in dem stillen Städtchen Heiden in der Nähe von Rorschach am Bodeiisee. Mit unvermindertes Interesse verfolgte er bis in die letzte Zeit hinein alle weltbewegenden Ereignisse und besonders die Entwicklung des Roten Kreuzes in allen Ländern. Ms er vor zwei Jahren seinen achtzigsten Geburtstag feierte, bot ihm die ganze Welt dankbar ihre. Grüße dar, ___________
Dar umgebaute Ztadttheater in Mainz.
Das liebe goldene Mainz mit seinen vielen Toren und Türmen ist wieder um einen neuzeitlichen, geschmackvollen Monumentalbau reicher Seit dem Sonntag steht das nach den Plänen des Baurates Gelius umgebaute Theater dem Publikum wieder offen Und Shakespeares niedlicher „Sommernachtstranm" gab dem Hause die Weihe Goethe hätte vielleicht auch einmal zu Wort kommen dürfen. Sein „Tasso" als Eröffnungsspiel oder'gar der „Faust", das wäre eine Weihe gewesen! .
Diesmal kam es aber zuerst doch aut das Theater selbst an.
In kaum sieben Monaten ist es trotz der Arbeitseinstellung des betreffenden Baugeschästs, über die der „Gieß. Auz." mehrfach berichtet hatte, vollkommen gelungen, ans dem alten, vielbemängelten Stadttheater ein neues, allen Forderungen der Heutigen Zeit entsprechendes Gebäude erstehen zu lassen, das durch seine edle Linienführung und seine einheitliche Wirkung sowohl, als auch durch die weitgehenden Sicherheits-Vorrichtungen und Verbesserungen der Bühneneinrichtung ieder Anforderung genügt. Nur ungern und notgedrungen war man an eine äußere Veränderung des Baues gegangen, der in den Jahren 1829 bis 1833 nach Plänen des Darmstädter Oberbaudirektors Moller aufgeführt worden war rntb rund 600 000 Mark gekostet hatte. Durch die jetzigen Veränderungen ist zwar der frühere, halb-
kreisförniige Vorbau verschwunden Und nur durch eilte sanft« Beugung des jetzigen Mittelbaues angedeutet; aber der mustere gültige "Mvller'sche Zuschauerraum ist gänzlich erhalten geblieben und nur den notwendigsten Veränderungen unterworfen worden. Der neue Vorbau enthält hauptsächlich die Treppenaufgange zu den einzelnen Rängen und die Garderobe. — Nach Schluß der Vorstellung werden die Verbindungstüren zwischen den Rangen geschlossen, fo daß die Besucher, die allein für ihren Rang bto ftimmte beim AM müffln, ift
drängen von den einzelnen Plätzen unmöglich gemacht.
Einen äußerst angenehmen Eindruck ruft der ^nnenraum deA Theaters hervor, der in Helle freundliche Töne „getaucht rst und and) das Vestibül wirkt durch seine leuchtenden, glanzenden Färbest
& Der herrlichste und prächtigste Raunt jedoch, Sender tonfia^ hervorbrachte, ist das Foyer, das sich hinter dem ersten Rangq erstreckt und durch Portieren von dem Wandelgang,getrennt ist. Die Wandbäkleidung ist aus grünem Damast und die Malereiast sind in mattgrauen, blauen und goldenen Tonen gehalten. Fünk hohe Bogenfenster erhellen bei Tage denzweist^hohen Ranm> der abends durch zwei hübsche Kronleuchter fern Licht erhalt VoM Wandelgange des zweiten Ranges kann man durch drei stnstevi artige Oeffnungen das Foyer überblicken.
Der Zuschauerranm selbst ist, tote schon anfangs gesagt, nur wenig verändert worden und hat trotz dieser Veränderungen den alten, gemütlichen Eindruck nicht verloren. Die Platze sind vermehrt worden, so daß das Theater jetzt fast 1500 ,')uchauer faßt, und ai/ch die Mihneneinrichtung ist bedeutend erweitert und verbessert worden. Die Bühne selbst wurde um 7 Meter erhöht uch 3 Meter nach hinten und 4 Meter nach unten vertieft. Durch dies« und andere Neuerungen sollen die Pausen aufs Mindestmaß beschränkt werden. Hoffentlich gelingt es auch. u-
vermachtes.
' Die Kartoffel als Verräterin. Ans Genua wird der „In!." geschrieben: Eine Kartoffel spielte bet einem Schift, des,en Ladung im Haien von Genua gelöscht werden sollte, dre oeiiateriir und half den Zollbehörden dazu, einen ebenso originellen wie gut ausgeklügelten S ch mu g g l erp l au zu entdecken. ~er Zollbeamte hatte die Ladung des Schiffes löschen sehen und war gerade dabei, dem Kapitän des Schiffes, dessen tmtersler Raum mit Kisten von Kartoffeln ansgesüllt war, die Paviere außzuhandigen, als eine der Kartoffelkislen zerbrach und ihres Inhaltes beraubt wuide. Soiort machten sicb die Matrosen und Arbeiter daran, das,Gut wieder in den Schiffsraum zu bringen, eine Arbeit, die ickmelt getan ivar. Nur einige der Kartoffeln biteben unbeachtet liegen und die pralle Mittagssonne schien darauf. Nun ist augenblicklich in Italien das schönste Sommerwetter, das man sich vorstetlen kann und die Sonne leuchtet so warm, wie den ganzen Sommer über es nicht der Fall gewesen war. Wer beschreibt das Erstaunen der Anwesenden, als die Oberfläche dieser Kartoffel plötzlich zu schmelzen begann nnd herabrieselte. Soiort machten sich die Zollbeamten daran, die Früchte des Feldes einer genaueren Untersuchung zu imterziehen. Da ergab es sich, daß die Kartoffeln täuschend ähnlich aus Wachs hergestellt waren, daß sie m ihrem Innern einen Hohlraum bargen, der sorgialtig ausgepotstert war, und der zur 'Aufnahme von kostbaren Spitzen bestimmt ivar. In einigen Kartoffeln befanden sich die wertvollstei; Perlen, m anderen wiederum sah man neben unbezahlbaren Spitzen Brillanten schimmern. Gegenstände, deren Wert mehrere Millionen betrug, waren in diesen „Kartoffeln" herübergeschmuggelt worden, und hätte der Zufall nicht seine Hand im Spiele gehabt, dann wäre die italienische Zollbehörde um die Zollsumme von <50 000 Lire gekommen. Natürlich mußten die Kisten ihres Inhaltes beraubt werden, und man machte sich sofort daran, die Kartoffeln aus ihren Inhalt hin zu nntersucheit. Die Ueberraschung der Zollbehörde soll nicht klein gewesen sein.
* Ein feiner Bräutigam. „Sie lassen sich die Briest Ihrer Braut immer postlagernd senden?" — „Gewiß! — Ich kamt sie mir doch nicht ins Asyl für Obdachlose adressieren lassen !
Skat-Aufgabe.
gehen, wenn noch Carreau-Aß und
Auflösuiig des Logogriphs in voriger Nummer: Laub, taub.
Kann das Spiel verloren „ König, also 15 Augen, im Skat liegt? — Auflösung in nächster Nummer;
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck nnd Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbrncterei, R. Lange, Gießen.


