Ausgabe 
2.7.1910
 
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nichts mehr zu leben habe, man sich nicht schlagen könne. Unsinn sei also die Bewegung gewisser Advokaten in Metz, auf die er sehr übel zu sprechen war wie er mich auch wiederholentlrch vor der Mopulade dornt warnte, die noch hätten fechten wollen.Was wollten wohl diese Leute, wenn die Armee nicht mehr fechten konnte?" Es sei sehr übel in Metz gewesen, das eine schlechte Festung, Werl rrn Tal gelegen,' wo früher die Richtung der Invasionen war. Von den/Bergen habe man Einsicht in dieses Tal. ^Aller­dings lägen einige Forts auf den Höhen, aber das Defilieren neben ihnen sei zu schwer. Auf meine Frage, warum er nie die Nacht zum Defilieren von einem Ufer auf das andre zu X)ilfe genommen, -erwiderte er, die Armee habe viele Reserven in sich, eine Panik sei möglich gewesen, diesd häbe er vermeiden wollen, und er sei kein Freund vonl Märschen des Nachts >- eine barocke Anschauung dieses überhaupt abgelebten Mannes. Er sagte noch, durch eilte vierzigjährige'Dienstzeit habe er nie Mißgeschick gehabt, weil er stets vorsichtig gewesen sei. Auf meine Frage, welche Stellen meiner Umfassung ihm besonders stark er­schienen seien, sagte er, Sie. Barbe sei sehr stark, aber die Wege nach Amanvillers und über Rozörieulles seien es Wohl noch mehr. Hier sei die Schwierigkeit des Aufmarsches groß. Einen Durchbruch würde er nie auf zwei Ufern, immer nur auf einem gemacht haben. Wenn man ein- . geschlossen sei und durch einen Kreis durchstieße, so sei es eine üble Lage, daß stets beide Flanken bedroht seien. Je­doch gab er mir zu, daß er während Stunden überall die Uebermacht hätte haben können. Ein übler Moment aber hätte es für ihn sein müssen, aus der Gefechts-, in die- Marschformation überzugehen. Mit zwei bis drei Korps würde er in besserer Lage gewesen sein als mit dieser großen Masse, die er wirklich hatte. Ich meinte, der Eindruck in Europa würde immens sein, den der Fall von Metz hervor­brächte, von dem in Frankreich verspräche ich mir wenig, denn auf den Marschall und dessen Armee, die das republi­kanische Frankreich als gut kaiserlich kenne, habe dieses schon längst nicht mehr gerechnet.Ja, leider", jagte er,man hat nichts für milch getan"; aber in bezug auf den Fall von Metz meinte er doch, er würde seines Eindrucks in Frank­reich nicht verfehlen. Für seine Person schien er insoweit besorgt, als er kein Vermögen habe. Er würde gern zin der Nähe der Garde bleiben, die er befehligt habe, und für sie sorgen. Auf Wunsch Napoleons wird er mit allen Marschällen nach Kassel gehen. Er hatte viele Officiers d'ordonnauce um sich, seinen Generalstab aber nicht (vier Magen usw.). Heute reitet er nach Pont ä Mousson und schlug meinen Magen aus. Ec will gegen Ausfälle des Pöbels geschützt werden und bittet um eilt Planton (Ordonnanz) und so bald als möglich nach Deutschland fahren zu können. 53 Adler verhieß er mir im Arsenal zu finden. Es seien das beinahe alle, wenige seien zerbrochen worden bei Viouville und Amanvillers, als sie im Begriff gewesen, in unsere Hände zu fallen. Heute war ein interessanter und bedeutungsvoller Tag. Ein S ck W elt g es ch ich t e rollte sich ab vor meinen A uge n.

VsNM^chtes.

* Einer, b e r Bilder in Museen schmuggelt. Ein lustiges Gegensttick zu den Mnseumsdiebstähleu, die sich fort­während in F r a n k r e i ch ereignen, ereignete sich, tote derInf." aus Paris geschrieben wird, vor kurzer Zeit in dem Museum von St. Cloud. Bekanntlich werden in Frankreich ganz besonders viel Museumsdiebstähle ausgeführt, da von den 266 Museen nur 100 eine reguläre Verwaltung haben, 68 über einen Katalog verfügen und die meisten ohne Aufsicht sind. Es wurden also jetzt überall die Museumswärter darauf hingewiesen, ganz besonders scharf auf Museumsdiebe zu achten. Während bisher nur in 148 Museen je ein Wärter angestellt war, erhielten jetzt sämtliche 266 In­stitute je zwei Wärter. Das Museum von St. Cloud, in dem von Napoleon III. eine Sammlung von ungefähr 200 Gemälden, die im Louvre keinen Platz hatten, untergebracht war, hat sogar einen besonderen Wärter für die Nachtzeit erhalten. Vor einigen Tagen bezw. Nächten wurde der Wächter dieses Museums durch ein ziemlich heftiges Klopfen geweckt, das ganz so klang, als wollte jemand einen Nagel in die Wand schlagen. Neugierig, was der Eindringling wohl tun würde, ließ ihn der Wächter gewähren und noch größer wurde sein Erstaunen, als er gewahrte, daß ein Manu, noch recht jung an Jahren und dem Aussehen und der Tracht nach anscheinend ein Maler, auf das Eifrigste damit be­

schäftigt war, einen Nagel in die Wand einzuschlagen. Er tofte so leidenschaftlich bei seiner Arbeit, daß er weder etwas sah noch hörte, was um ihn vorging. Der Wächter ließ sich nicht blicken^ da er neugierig war, was der Eindringling wohl tun würde, wenn der Nagel eingeschlagen war. Noch größer wurde das Er-. staunen des Wächters, als er gewahrte, daß der junge Maler aus einem großen Tuch, das er mitgebracht hatte, ein Bild heraushvlte. Dieses Bild hängte er bann an dem Nagel auf, trat mehrerlö Schritte zurück und betrachtete es wohlgefällig von allen Seiten. Wohl eine Viertelstunde war der junge Mann in den Anblick des Bildes versunken. Endlich riß er sich mit einem letzten Abschieds- blick von ihm los und wollte sich entfernen. Da sprang deö Wächter auf ihn zu und verhaftete ihn, was der junge Malep ruhig über sich ergehen ließ. Auf der Polizei, wohin er am Morgen gebracht wurde, sträubte sich der junge Mann lange, seinen Namen zu nennen. Auch wollte er nicht angeben, was er in dem Museum wollte. Irgend welche Diebstähle hatte er nicht ausgeführt, wie eine sofortige Leibesuntersuchung bewies. Auch der Wächter sagte aus, daß der junge Manu offenbar keinerheil Absicht hatte, zu stehlen. Man wußte nicht, was man mit ihn» anfangen sollte. Da matt ihn nicht frei ließ, bequemte sich der seltsame Herr schließlich zu einem Geständnis, bei dem er bis an die Haarspitzen rot würde. Er heißt Charles Fournier und ist von Beruf Kiinftmäler. Sein höchster Ehrgeiz war bisher, eines seiner Bilder in einem öffentlichen Museum hängen zu sehen. Er hatte schon mehrfach der Museumsverwaltung eins seiner Bilder unentgeltlich angeboten, wurde aber stets ohne Bescheid gelassen, Nun wollte er eins seiner Bilder selbst itt dem Museum am bringen, in der Hoffnung, daß man den Zuwachs nicht bemerken; würde. Ein eigenartiger Ehrgeiz!

* Das neue Goldla n d. Die Entdeckung einer Gold­ader von ganz unermeßlichem Reichtum, die bei der Stadt.Stewart in Britisch-Kolumbien gemacht worden ist, versetzt nicht nur ganz Amerika in wildeste. Erregung, sondern hat die Fluten des Gold- fiebers auch schon nach Europa getragen. In Loudon ist bereits ein Ausbruch zahlreicher glückshungriger Abenteurer nach dem neuen Eldorado zu konstatieren, und alle neuen Nachrichten von dieser tounberbat'en Goldmine werden gierig verschlungen. Das Goldfeld, auf das zuerst zwei Goldsucher, C. M. Delgrove und Louis Anderson, stießen, ist eins der größten, vielleicht das größte, das die Welt kennt. Es ist bereits aus zwanzig englische Meilen nach Osten und Westen hin untersucht worden, aber seine eigent- liche Ausdehnuitg ist noch unbekannt: es liegt direkt vor beit Toren von Stewart und ist sehr leicht zu erreichen. Tausende von Menschen streben daher bereits dorthin. Sensationelle Mit­teilungen über Goldfuude werden auch nördlich von Stewart aus Alaska gemeldet. Im ganzen sind bereits 10 000 Goldgräber« in den so ungeheuere Schätze bergenden Gebieten angelangt; 5000 andere sind unterwegs. Die Entdecker glauben bei Stewart die Goldader gefunden zu haben, von der alle goldhaltigen Ströme ihren kostbaren Inhalt empfangen und daß auch die berühmtes Distrikte des Unakriver und der Alaskan creeks aus dieser Gold­quelle gespeist werden. Nach den Schilderungen von Delgrove ist die neue Ader das wundervollste Goldfeld, von dem er je gehört hat. Es könne hier wohl au hundert Jahre geschürft werden, ohne daß die Ader erschöpft würde. Durch solche Mitteilungen, wird die ungeheure Aufregung, die schon so viele ergriffen hat, begreiflich. Ein Strom von Goldgräbern wird sich nach Britisch- Kolmnbien und Alaska ergießen.

* Be sch e i de n. Fräulein leine Schulfreundin nach Jahren wieder treffend) :Ach, wie geht's, Liebe, was macht dein Mann, hast du Kinder?" Freundin:Ach nein, weißt du, wir haben eine so kleine Wohnung!"

* lieble Erfahrung. Sie:Warum findest du es von einem verheirateten Manne töricht, daß er spielt?" Er:Nun, wenn er gewinnt, läßt ihm feine Frau keine Ruh', bis er ihh den Gewinn gegeben hat, und wenn er verliert, macht sie ihm noch tagelang Vorwürfe darüber, daß er gespielt hat."

Tauschrätse!.

Esche Hand Rad Sichel Puder Zopf Dachs Uhr Segen Prunk Hahn Alm Rest Fabel Die Awangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebensoviele neue Wörter erhalt, deren Aiüangsbuchstaben den Namen eines Komponisten ergeben.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer Wohl geht der Jugend Sehnen Nach manchem schönen Traum; Mit Ungestüm und Tränen Stürmt sie den Sternenraum. Der Himmel hört ihr Flehen lind lächelt gnädig: nein l Und läßt vorübergehen Den Wunsch zusamt der Pein. Uhland.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch« und Steindruckerei, N. Lange, Gießen-