Zamtag den 2. Juli
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Das schlafende Heer.
Roman von Clara Vie big.
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Qcber Tänzer schlägt den langschößigen Rock über den Ärnr^nnd packt seine Tänzerin mit beiden Händen fest unt bie Tackle - dicht Brust an Brust —, und er schiebt sein Bein zwischen die Beine in den flatternden Röcken.
Josef Grykasch hebt an:
„Püppchen kommt gesprungen, Unt den Wachs köpf Löckchen, Mit dem Holzpupp-Jungen Im Krakauer Röckchen/"
_ Rechtsum, linksum, immer in der Runde herum, in den Kineen gewippt, fest zugetrampelt, daß der Boden dröhnt. Tre Paare sind wie miteinander verwachsen. Rascher wird der langsam begonnene Tanz, enger noch die Umschlingung, starker das Knieewivpen, röter die Köpfe, feuriger der eintönige Rhythmus. Es trampelt rind stampft, es dudelt und keucht: rascher, rascher! Die Zuschaüenden brüllen den Refratil und klatschen in die Hände.
, Der Ciotka war die Mütze ins Genick gerutscht, unbedeckt hlngen ihr die grauen Strähnen bis auf die verdächtig erglühende Nase. Ruda, der Lehrer, war totenblaß geworden, äuf den Backenknochen brannten ihm hektische Flecken, aber es lohnte sich die Anstrengung schon — wann hätte erste so viel verdient?! Krzywousth schlenkerte sein Horn hastig aus, allen Speichel aus deut Schiefmanl hatte er da hinein getutet. Der Mann ohne Nase blies die Backen auf, daß man die Nase nicht gesehen, auch wenn er noch eine gehabt hätte.
Am Himmel blinkte der Abendstern. .Heißa! Krakowiak, Geld in der Tasche! Jetzt fehlte nur noch Schnaps! Aber o Weh! — nur Bier in den Krügen!
Wie sie auch gossen und gossen, kein Schnaps floß heraus. Uird auch keiner war zu kriegen/
Es machten sich ihrer ein paar Verwegene auf und stolperten nach der Küche im Seitenbau. Dort hantierte die Mamsell, und auf dem Tisch stand die Satte mit der dicken Milch für die Herrschaft, Zucker und Zimt und geriebenes Brot dabei. Aber das reizte sie heute nicht — aitct). nicht der Schinken und die Bratkartoffeln in der Pfanne — sie hatten heute selber gut gegessen, nur trinken wollten sie, trinken!
Loch trauten sie sich nicht recht; die Mamsell mußte erst dreimal fragen, was ihr Begehr sei. Sie grinsten ver- stießen sich an, traten von einem Bein aufs aiidre und wichen doch nicht. Endlich stotterte es der eine heraus: „Wodki!“
Wudki! Keinen Schnaps!. Der gnädige Herr saust,- verboten. Und als sie nicht gingen, hob die Entschlossene drohend die Schöpfkelle: „Paschall!"
Gehorsam machtest sie sich fort, die Köpfe duckend: aber draußen murrte!', sie. Was, keinen Schnaps?! Nirgendwo ein Erntefest ohne den! Tas war auch den Nüchternsten! gegen den Spaß. Wenn denn der Pan durchaus keinen Schnaps gab zur Arbeitszeit, wollte .mau sich am Ende, wenn auch schwer, darein schicken; aber heute, heute, au dem Tag, wo man nicht Knecht ioar, wo man feierte, frei wie ein Herr, heute ivollte man Schnaps haben!
Bier mochte man gar nicht mehr. Wenn man Krakowiak getanzt hat, gehört sich ein Schnaps drauf, sonst verkühlt man das Blut.
„He, Tantchen, was meint Ihr zu einem Schnäpschen?" „Streicht auf! Ignaz Ruda, gebt nur den Takt an zuutz Trinklied! He, aufgepaßt:
Kuba trinkt dem Jakob zu, Jakob trinkt dem Michal zu —
stJiU Krug von Pociecha gib ist Schnaps genug bei Eljakim Eiweih — Brüder, auf, laßt uns hinqehen und einen trinken!"
„Mein Seelchen, mein Täubchen, komme du auch mit uns!"
„Aber sacht — sacht — ganz sacht!" — — — —
„Ich weiß gar nicht," sagte Helene von Doleschal, dis anr offenen Fenster lehnte und auf den dunkelnden Park hinaussah, dem die Nebel des Sees weiße Schleier überzogen, „die Leute sind diesmal lange sticht so vergnügt!"
„Das kommt dir nur so vor!" Ihr Mann trat zu ihr und legte den Arm um ihre Schultern. Sie waren beide fast gleich groß; Hochgeivachfen standen Mann und Frau in der Dämmerung und schauten Hinüber zum Lysa Gora, auf dessen hochstämmiger Kiefer eben noch ein letzter Tagesstrahl rot geglüht, aber jetzt jäh erloschen war. Bon bett Farben der Fahne, die den ganzen Tag lustig gewinkt hatte, war auch nichts mehr zu sehen; die Dunkelheit, die herbstlich herangekrochen war, hätte alles verschluckt.
. „Ein dunkler Abend Heut," sagte er, „'s kann leicht sein, daß es morgen wieder trieb ist. Aber der heutige Tag ivav wie ausgesucht. Wie mich das freut!"
„Nein, ich höre doch gar kein fröhliches Lachen," sagte sie und hielt den Kopf lauschend vorgeneigt.
„Du kannist es nicht bis hierher hören. Geh an ein Fenster, das nach deut Hof hinaus sieht, da wirst du scholl was zu hören kriegen. Bor einer Stunde etwa war ich draußen, die Tanzerei und die Fröhlichkeit waren in vollem Gange!"
„Nein, nein," — sie blieb hartnäckig dabei — „andre Male habe ich den Jubel gehört, säst bis zur Qual. Aber es war mir doch lieber. Weißt du, Hanns, die Leute sind wie die Kinder; wenn die so still sind, ist's immer nicht recht geheuer!"
Er lachte laut auf. „Da merkt matt die Mutter von Fünfen! Nein, nein, du kannst dich beruhigen, die Lents sind kreuzfidel, harmlos vergnügt. Und seit ich dem Schnaps^' trinken Einhalt getan habe, auch viel gesitteter!"


