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Wanderung Situierten die Herren HattMgrarier mit iHrüt .Amtlichen Aufsiordenmgen" wni Rathans — und die Amtsdiener, denen die Aufgabe zuteil tu'urbe, die Leute darüber aufzuklären, daß sie das Opfer eines Aprilscherzes geworden feien, sollen diesen Tag für den schwersten ihres Lebens ausgegebsn haben. Unter den Opfern befand sich sogar ein besoldeter Stadtrat.
Mach größer war die Zahl der Tüpierten bei einem Aprilscherz, den sich der robust vevantzlgte Zar Peter der,Grobe, mit Mit Bswohueru Petersburgs gestattete. In aller Stille hatte er in nächster Nähe der Stadt einen mächtigen Holz-Haufen aufschichten lassen. Mit Anbruch des 1. April wurde dieser in Braud gesetzt und verbreitete einen solchen Feuerschein, daß die Stadt in größte Bestürzung geriet und bald Taufende nur notdürftig gelle idet, zum Löschen des ungeheuren Brandes dem' Feuerschein zu- Icitten. Als die Wenge jedoch an der Brandstätte anlangte, stand plötzlich, wie «aus der Erde gewachsen, eine Kette versteckt gehaltener Soldaten da, die den aus dem Schlafe geweckten die wenig erfreuliche Aufklärung gaben: „Ihr Narren, heute ist der 1. April."
Erwähnt sei noch die seltsame Wette, die Philipp der Gütige ton Burgund int Jahre 1466 mit seinem Hofnarren.Kölling abschloß und der ebenfalls der Brauch des Ju-den-April-schickens zu Grunde lag. Am 31. Mürz prvponierbe bei der Mittagstafel, als einer der Herren daran erinnerte, daß am folgenden Tage der jCrfte April sei, der jHssrzog dem! Marren folgende Wette: „Wenn es Kölling gelänge, dem Herzog einen Streich zu spielen, so solle seine Narrenkappe bis zunt Rande mit Dukaten gefüllt werden; wenn nicht, so solle es den Kopf des Narren kosten." Kölling stimmte zu. Kaum aber war dies' geschehen, so wußte der Herzog bereits seine Tischgenossen zu veranlassen, dem Narren fkeißig zuzutrinken, so daß dieser bald sinnlos betrunken tvar, tont Stuhl fiel und nach. Hattsa geschafft werden Mutzte. Mittest in der Nacht aber wurde er von Bewaffneten des Herzogs aus denk Bette geholt und auf ein ZiMmIer des. Schlosses gebracht.' Tort saß an schwarzver hang euer Tafel der Herzog mit seinen Räten, und in einer Elke des SaaÄes toter ein Blutgerüst aus-, geschlagen, an dem der Henker mit blitzendem Beil des Telmguenten harrte. Mit kläglicher Miene ließ, sich Kölling vor den Herzog führen, der ihn mit den Worten empfing: „Tu hast Dein Leben verwirkt, armer Narr, denn Tu hast den 1. April verschlafen." Ernst, aber ohne zu zagen, ergab sich der Hofnarr in sein Schicksal und willig legte er selbst das Haupt auf den Block. Der Henker aber holte unter seinem Mantel eine —■ Blutwurst hervor und schlug damit Kölling leicht auf den Nacken. Ein lautes Gelächter beS Herzogs und seiner Begleiter, das alber bald verstummte. Tenn der Narr war nach dem Schlage umgesunken und lag leblos da. Offenbar war er ein Opfer des Schreckes geworden. Tas hatte der Herzog mcht beabsichtigt, und mit Tränen der Reue im Auge und von Gewissensbissen gepeinigt warf pr sich über die Leiche KAlings. Ta wurde diese plötzlich wieder lebendig, der Narr sprang mit lautem Lachen auf und seine Kappe dem! Herzog hinhaltend, sagte er nur: „Zahle, Herzog." Rausch, Schlaf Und tödlicher Schreck war alles .nur simuliert gewesen, da er wohl wußte, daß der 1. April jetzt erst angebrochen war. Und Herzog Philipp zahlte. . .
weiß heute nicht, warum sie stiehlt, sie wird das Opfer einer Manie, sie stiehlt und schleppt fort, wie das Weib der prähistorischen Wälder. Es gibt viele Formen der Stehlsucht, aber allen ist das eine gemeinsam: das Fehlen der Selbstkontrolle. Daß in dem heutigen Geschäftstreibeu, im Warenhanstcbcn und insbesondere in den Zeiten der großen Ausverkäufe die Kleptomanie häufiger auftritt, ist nicht erstaunlich, die Aufregungen des Kaufens sind wohl geeignet, die latente Manie zu erwecken und die Gelegenheiten find häufiger und drängen sich von selbst auf. Die Privatdetektivs der großen Warenhäuser können davon Interessantes' erzählen. Auffällig vor allem ist die völlig sinn- und zwecklose ?trt, in der gestohlen wird. Die meisten der Frauen, die dabei beobachtet werden, sind vollauf im Staude, das zu bezahlen, was sie stehlen, und sie stehlen Gegenstände, die sie gar nicht gebrauchen können. Später, wenn ihr Geist wieder sein Gleichgewicht erlangt, hindert sie dann Scham und Furcht vor den Folgen ihrer Tat, das Ge- stohkene zurückzugeben. „Ich habe selbst eine Dame gekannt, die versuchte, eine Rechnung zweimal zu' bezahlen, um nur unauffällig den Schaden zu ersetzen, den sie in einem Anfall von Stehlsucht! dem Geschäfte zugefügt hatte, ohne daß es bemerkt worden war."
* Frau SchÄkpod: „Hiram, da sind wieder Vagabunden gewesen und haben die Wäsche von der Seine gestohlen!" — Farmer Schellpod: „Woher weißt du, daß es Vagabunden gewesen sind?" — Frau Schellpod: „Weil sie alles außer den Handtüchern mitgenommen haben."
Alte Sehnsucht.
Die alte Sehnsucht, die nicht ruhen kann. Noch itmrocr übt sie ihren Zauberbann — An gvldne Dore in der stillen Macht Hat sie den Knaben einstmals hingebracht Durch grün Gehege luftige Strecken weit Trieb sie den Jüngling in der Frühlingszeit, Und nun der Sommer heiß den Mann umtobt, Lenkt sie in Glanz und Glühen stark sein Book.
Es klingt ein altes Sieb daheim am Rhein, Es ist so weh und so voll Soimenschein, Es ist ein Leid darin, das nie zur Ruhe kommt, Und -ein Begehren drin, dem nie Erfüllung fvomMt, Und ist doch süß und ist doch lieb und hold Wie unserer Berge klares Morgengold Und wie Ms Rheines heitrer Wellentanz Und unserer Wälder hoher Kronenkranz.
Tie. alte Sehnsucht, die int Blut uns quillt, Tie nie Erfüllung, nie das Leid uns stillt, Fern in der Ferne wird- sie plötzlich stark. Heiß in der Heimat glüht sie uns durchs Mark.—, In Traum und Wachen, viele, die erliegen, In Werk und Wunden hehr — und Einen lehrt sie fliegen.
Aus dem Nachlaß von Wilhelm Holzamer, der demnächst bei Egon Fl-eischel u. Co. in Berlin erscheinen fall.
Vermifdftes.
* Der Urgrund der Stehlsucht. Mit den Ursachen der Stehlsucht, der so viele reiche wie arme Frauen zum Opfer fallen, hat sich ein englischer Gelehrter, Prof. B. D. Walker von der Oxford-Universität, eingehend beschäftigt, und er ist dabei zu mertoürbigen Ergebnissen gekommen. Tie Chronik der Gerichts- fäfe zeigt, wie viele Frauen von dieser geheimnisvollen Sucht ergriffen sind; wenn es sich um reiche Damen handelt, die die gestohlenen Gegenstände leicht hätten bezahlen können, dann pflegen die Richter auch auf die Veranlagung Rücksicht zu nehmen, aber wie viele arme Frauen mögen wegen Diebstahls verurteilt werden, wo die äußeren Verhältnisse die krankhafte Veranlagung nicht so klar hervortreteu lassen. Prof. Walker nennt die Stehlsucht einen unkontrollierbaren Impuls und sieht in ihr nichts anderes als einen psychologischen Atavismus aus vorgeschichtlichen Zeiten, als die Reste eines Instinktes, der in den Tagen der Höhlenbewohner Lebensuotwendigkeit war. „Sie ist hauptsächlich für Frauen charakteristisch," so führt der Gelehrte aus, „und entspricht völlig dem Triebe des vorgeschichtlichen Weibes-, das allein für den Unterhalt des eigenen Kindes sorgen muß und daher der Rot des Hungerns torbeugen will. In jenen fernen Tagen./ da die Menschen fast wie Tiere lebten, hatte die Mutter für ihr Kind zu kämpfen wie die Tigerin für ihr Junges. Daher las sie überall alles auf, was im Notfall als Nahrungsmittel dienen konnte und verbarg es in ihrer Höhle. Es ist leicht verständlich, daß diese Notwendigkeit in der Frau allmählich zum alles überwältigenden Impuls wurde." In der Stehlsucht sieht Prof. Walker das unbewußte Walten des gleichen Triebes unter völlig ver- änberten Umständen. Der alte Trieb wird bet einzelnen Individuen so mächtig, daß er den Sinn für Ehrenhaftigkeit überwältigt und trotz aller Erfahrung der Jahrhunderte wieder stehlen läßt, wie die Mütter vor vielen Jahrtausenden das tun mußten. Sie
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Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Horn, K o r n.
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universiläts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


