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historische Aprilscherze.
Non Wilhelm Sdjiui}.
Ter 1. April! Da gilt es vorsichtig sein. Nicht nur, daß View Mütter ihren Lesen: mit unschuldig missehcnden Tatarennachrichten Wien aufzubinden suchen, auch rm Leben^suchenWch- bvlde mit mehr oder weniger gelungnen „W-nlscherzen ihre! Mitbürger zu nasführen. Im letzten Grunde :st es eigentlich nur Schadenfreude, jene „herzlichste Freude", die den Mauch, lemand in den April zu schicken, auch beute uoch^ern solch blühendes Tasem führen läßt. Man freiet sich, seinem Nächsten ungestraft einmal einen Schabernack spiel«: zu können und i« darmrs heceu^ fallen, desto besser. Tas weiß, auch jedermann, und deshalb :1t .Me Menschheit an keinen: Tage des Jahres mißtrauischer veranlagt, als am 1. April. Tiescs Mißtrauen hat sogar in oer ifranzosisch«: Geschichte einmal eine Rolle gespielt, ime folgen^ Anekiwte L«v«st^
^lii den Manen Ludwigs XII. (1498—1515) spielte die -oer- einigung des Herzogtums Lothringen ""t Frankreich ein« große Rolle. Ta aber der Lothringer widerstrebte, hielt der Franzo,« ihn, um ihn fernen Plänen gefügt gM machen, m Luneville. E ;n tz^rnias eiaener 'Ltadt, gefangen. Tas lieh 1 ich viel«, o er «nes Tages besMoß, zu eiitflteheM
IN her3 FAihe des 1. April verließen er und ferne Gemahlin als Landbewohner verkleidet, die Stadt und passierten auch unerkannt die Torwache. Außerhalb der Wälle aber wurden sie von ein«. Lnnevillerin erkannt. Diese hatte nichts Eiligeres zu tun, Äs die seltsame Tatsache einem Soldaten der französischen Wache, fti ÄÄ erzähle.: Ter lachte aus, wml ep glaubte das Mädchen wolle ihn :n bei: April schsckeu. W yats auch nichts daß sie das Gegenteil beteuerte, schließlich aber stiegen ihm doch als das WäLdchen sich unwillig über seine Unglaubigkett entfernt hatte, Zweifel auf, und er erstattete dem diensttumdeu! Leutnant Meldung.. Auch dieser «lmibte au «men Äsimlschech, beschloß aber nach einiger Ueberlegung doch, den Oberst wn her Saciie!?n unterrichten. Bei diesem kam der Leutnant mdcs noch schlechter an, wie der Soldat bei ihm. Ter Oberst nannte ihn, «neu ■Shsrnarren her sich läckierlich machte durch serne Leichtgläubigkeit mid entließ ihn höchst ungnädig. Wenige^Stunben spater würde aber auch er anderer Meinung und ließ uni schlosse ""/ragen, SÄ Paar sich iwch dort befinde Ta die Antwor« läutete, die Herifchaften schliefen noch, so gab nran slch damit inirjeden, bis erst nach mehreren stunden die Flucht bekämet würde. Ta war es aber mit der Verfolgung zus^si,^enn Jjjj? -Flüchtlinge hatten bereits die deutsche Grenze überschritten und wären so dem Machtbereich des ftaNzäsischeu ^nigs entz^en. Es hnntt dem Herzog, mit ynfc Teutschlands, Fran:re:cys PWne zu durchki-euzen (wenigstens für einige Zeit, denn spater gelang«! sie doch). Und daran war nur her AprilsckMz schuld.
Woher der Brauch stammt, weiß man Nicht. Aber mich wenn Man etnms nicht weiß, so hat man doch alsbald eine ErUarungl mm euvav / Ländern, z. B. Italien, nennt mm: iwch heute dEOpf« einesA prils cher z es, ,Apr i l fische".. Das sollenden! Ursprung der Sitte Hinweisen, als deren .Heimat Frankreich gilt. Tie ErWrung lautet: Wie auch heute noch, so besthenkte inan sich in FranKeich seit scher nicht wie bei uns zu Weihnachten, smidern zu Neujahr. Tas Neuiahrsfest würde aber sricher am 1. April gefeiert, und da dieser Tag fehr häufig m die Fastenzmt fiel, so bestanden die Neusahrsgeschenke E^st aus Fischen. 1564 wurde nun durch eine Verordnung Karls IX. das .ceujahrfest auf den 1. Januar verlegt. Ta sollen nun viele sich vom Ge- schen le machen dadurch gedrückt Haben, daß sie die zu Beschenkenden auf den 1 April vertrösteten, Weil man „Aprils,sckn doch nicht schon im Januar schenken könne'". Kam dann aber der 1. Aprik heran, so motivierte man die Zugeknöpftheit seines Beutels damit, daß Neujahr bereits ter einem Viertelfahr gewesen sei. Tie auf dirse Weise um ihr Geschenk Geprellten aber nannte man spöttisch „Aprilfische". Daraus soll sich dann die heutige Sitte en wickelt haben, seine Freunde am 1. April zuM Besten zu halten. Ob die Erklärung richtig ist, sei dahingestellt, fedenfall^hat sich de: Brauch bis heute erhalten. So wurden vor einigen Zähren Äuii- derte von Hausbesitzern her Stadt Turin twu einem' Wi^o-oldiN fcen April geschickt. Sie erhielten am 31. Marz durch bu Post ein anscheinend amtliches Schreiben mit der Aufforderung, sich «ine 1 Amil zwstch«: 10 und 12 Uhr vormittags auf dem Rat- banst eiuMfiuden, um aus hygienischen Gründen über die Abtrttts- grnb«i, die sich auf ihren Grundstücken befanden, Auskunft zu weben. Für hei: Fall des Nichterscheinens war angcdroht, die Polizei werde die Gruben auf Kosten der Besitzer und — Beiiiitzer untersuchen lassen. Ter Erfolg dieses Aprilscherzes Übertraf alle Erwartung^ seines Urhebers. Tenn zahlreich wie tu de: ~vifer.
zlMNi glühenden LavastroM PerschluNgett, der in mächtiger Brette sich immer weiter vvrschiebt. Weiter oben, auf einem hügligen Vorsprung, steh«: Bauern und starren stumm auf die geiooltigen Feuerflüsse, die sich längst in ihre Fel^r und Garten lMeui- tzeschoben haben; sie sehen, wie ihre Obstbaume in Flammen! vusgehe.i, und mit diinkler Bitterkeit warten sie auf den Aug«i- Wich da auch ihre kleinen Häuser von den: glühenden Strome verschlungen sein werden. Aus Belpasso, auS Nicolosi, aii^ dem Nm meist«! gefährdeten Bvrrello sind bereits View Einwohner gestoben; die Zurückgebliebenen stehen Tag und Nacht im Steten, len Blick auf den Aetna gerichtet, und erwarten bangend und m abergläubischer Resignation das Schtchal, das das feumfpenude Ungetüm über ihr Hab und Gut verhängen mag. Ät ihren s-eelen imsttet die gleiche schauernde Bewunderung vor her ldheiimus- tzollen Macht dieses Berges, die schän vor Jahrtausenden ine Menschen mit banger Scheu auf diesen gewaltigsten V ul lau Europas blicken ließ. Ti« Phantasie der Alten ließ bett Aetna 2 Riesenschmiede des Hephästvs werden, in der der steuergott mit feiner Schar einäugiger Zykldpei: den Tmmer lchmredÄ,nut dem! Z«ts die Welt erschüttert; in ben Sief«: des Berges Wißt die Sage den furchtbaren Ries«: Typhon lebendig b»= ffr-aben lieg«:, den Zeus nach surckMareM Kämpfe überwand und in den Tartaros unter dem Aetna schlenderte, von wo aus fcaS gefesselte Ungeheuer schreckliche Glut und 2ß:rbelniinhe zur
. Erdoberstäche ausstößt. So groß war bw 'lnstehungskiaft der geheimnisvollen Schrecken, die um diesen Berg weben, daß selbst die Alten, die sonst dem Hochgebirge auswichen, Versuche «»ter* di-chmen, den Gip-stl des Aetna zu erklimmen, und von dem Philosophen Empedocles berichtet die-Lage, daß er in dem grauenvollen Krater des Bergriesen den Tnw gefunden habe.Nach^udor Ml bereits ein halbes Jahrtausend vor Beginn des klassischen. Kampfes zwischen den Griechen und ben Trvfanern ein gewaltiger Ausbruch des Aetna Sizilien erschüttert haben. Tie ®ef$* Lerichtct von einem großen Ausbruch, der 425 v. Ehr das Küsten- gebiet in der Umgegend des heutigen Catania veiwüstete. Mehr «lS eine Stadt der Alten hat unter ben Feuermassen des Berges ein tragisches Ende gesunden, Naxos, Hhbläi und andere wurden Vernichtet 125 v. Ehr. sandte der Aetna so gewaltige glühende Lavamassen in die Tiesen, daß das jonische Meer zii kochen begaim Und MMionen von Fischen ninkamem Und fast 250 >mhre spater, Um 121, wird Catania ein Opfer des Actnas; dm Not und die Verwüstung sind so groß, daß die Römer den Bewohnmu auf sehn Jahre alle Steuern erlassen. Gewaltige unterirdische Un- Kn mch große Seebebei« gehen dem riesig«: Ausbruch von 1169 voraus. Am 4. Februar erschüttert ein mächtiges Erdbeben ganz Sizilien, Catania stürzt völlig ein, tausende von Menschen werden verschüttet, und die wenigen Ueberldbenden retten stch nur Mit Mühe vor beim dichten Aschenregen und den glühenden »teilten, hie der Berg über seine Bewohner ausschuttet. 210 Jahre später ist Catania von neuem der Schauplätz der gleichen schauerlichen Katastrophe. Tann verstreichen wiederum zwe:^zahrhunderte, in tnmeu die Bevölkerung d«: Berg wieder nut s«veluugen ubm- lieht, bis 1537 her Aetna zu gleicher Zeit ail verschiedenen Stellen lick spaltet und mit so großer Wucht gewplttge Lavamassen aus- svÄst daß ganze Ortschaften in wenigen Minuten von den Feuerströmen verschknngen sind, ohne daß die EvaW^ter Zett «efunden haben, sich durch die Flucht zu retten. Aber alle diese Katastrophen finb mir ein Vorspiel zu dem verheerenden 'Ausbruch der, wahres ?669 bei dem nwhr als 20000 Menschen iinterg ingen. Schon drei Moch«i vor dem schrecklichen Tage ist der Himmel blinkt« Wimars mit Wolken bedeckt, unaufhörlich rollt.der Donner und Si bie Blitze. Immer stärker werden die ^derschutteningen, N sich Plötzlich!, am 21. März, nahe dem Krater ein imiter Schlimo öffnet. Tas ist wie em Signal: überall am Kvgell Wnen sich Spalten, gewaltige Ranch, und Feuersäulen steigen M s. In furchtbarer Angst harrt die Bevölkerung, ein Tag nach hem anderen verstreicht, am 23, öffnen sich wiederum zwei Krater, «in glühender Sand- und Aschenregen verwüstet alle Kulturen, m'd endlich, am 25. März, erbebt, der Berg bis ,n ferne Tiefen, tznit einen« grauenvollen Getöse siuftder riesige Ascheiikegelin sich zusammen, ein mächtiger neuer Schlund litt sich auf unb nun strömt mit reißender Gewalt ein mächtiger Lava,twm aus Ca- verwüstet die Stadt und ergißt sich donnernd und zischend in das Meer Nur 3000 Menschen ans Catania vermocht«, sich •au retten. Tas Meer zog sich vor den Feuermassen zurück, dann jvrana es wieder jan, packte in wildem! töampfe das feindliche Element weithin färbten sich die Wasser blutrot und Millionen £'“Ä“ art bie ©berflü^A' Tie Sonne verfinsterte Ach, wvchenläng blieb sie unsichtbar, und H'Ed^ mußten mst?rr- stMchen, ehe.über der Stätte der Verwüstung der Himmel sich wieder in der alten, tiefblauen Klarheit wölbte. Aber nicht lange st-Ührt her neue Friede; 24 Jahre spater erMft <m neuer Au-- brnch, und diesmal sind es nicht weniger als 50 000 Mm, chen, die dem Zorn des Aetna zum Opfer fallen. Uta. öu.t Manen volle Hekatombe von Menschen genügt nicht der,Grausnin- kit des großen Feuerschlundes. Jnr 18.. JaHrhnnvert folgen drei Mvßs weitere Ausbrüche, und im 19. zählt man gar la. 1809 bAden sich eine ganze Reihe neuer Krater, zldiN von 'hnm eutsinden Mumterbrvchen unabsehbare Massen glühenden Gesteins, Fel^- Wicke von mehreren Metern Turchuresser werden luic Kmmteine Imderte von Meiern hoch in die Lust geschleudert, von ,alten!
Seiten des Kegels fcmt'mten die LavaströMe, die sich zum -vchlutz zu einem einzigen riesigen Strom vereinigen. Neben diesen Lava-- mässen sind die Ströme des Vesuvs tote kleine Bäche neben mächtigen Flüssen; 1853 bilden sich zwei neue Krater, und st'tdem hat fast jeder neue Ausbruch neue Risse in den Berg gegraben, durch die die Fenermassen hervordrängen. Tie Jährtausende haben das Toben des Berges nicht zu dämpfen vermAcht, und es bleibt, dar Schicksal her zahlreichen Bewohner der.Abhänge, stetig rn einem PaMdiese zu leben und doch zugleich eine Hölle unter und übe» sich zu wisfen.


