Ausgabe 
2.3.1910
 
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Droesigl.

Bioman von Georg Freiherrn von Ompteda.

(Nachdruck verboten.)

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Die Ulanen in Liebstatt hatten einen neuen Komman­deur bekommen. Lange Jahre Reitlehrer in .Hannover, war er.ein leidenschaftlicher Reiter hinter den Hunden. Der machte schon am dritten Tage nach seiner Ankunft Besuch in Kölln. Oberstleutnant von Herrnwerth redete Ludwig sofort zu, wieder eilte Mente anzuschaffen. Auch er sprach etwas vonTradition", vor allem aber sagte er, seine jungen Herren würden sonst nicht reiten lernen, und Herr Droefigl-Kölln erwürbe sich damit ein Verdienst um die Armee.

Nun kamen die Ulanen öfters. Ja, sie überfielen manch­mal das Schloß in Haufen. Ludwig Droesigl strahlte. Agathe aber meinte ängstlich, wie eine kleine Hausfrau:

Ludwig, da wird einem ja himmelangst um das Essen.

Die Herren sprachen von der Jagd, immer wieder von der Jagd- so faßte Ludwig den Entschluß, zu dem er sich scheinbar drängen ließ: in England zwanzig oder dreißig Koppeln Hunde zu erwerben.

Der Oberstleutnant, ein rastlos tätiger Junggeselle, der sich, wenn er nicht Dienst hatte, Beschäftigung schuf, machte Ludwig den Vorschlag, ihn nach England zu begleiten. Seinen Herren hatte er die kommenden Jagden mitgeteilt, und als sie nun, ihre Freude auszudrücken, sich in großer Zahl in Kölln ansagten, gab es bei Tisch eine Art Huldi­gung durch Gläserheben und Hipp-Hipp-Hurra für Ludwig Droesigl, der fast verlegen aufstand, sein Glas zu präsen­tieren, während es ihm vor Stolz abwechselnd warm und heiß ward.

Als die Herren nach .Hause fuhren, sagte ein blutjunger Leutnant, ein blondes, näselndes Kerlchen, das schon manches Rennen hinter sich gebracht hatte, aber dessen loses Maul ihm vielleicht noch einmal dienstlich das Genick brechen konnte, wenn es nicht vorher der Pardubitzer Wassergraben oder der Karlshorster Sprung getan haben würden:

Herrschaften, den haben wir gut dressiert!

Der Oberstleutnant drehte sich um er fuhr selbst den Krümper und drohte ihm mit der Peitsche:

'Hören Sie mal, Sie haben hier keinen von den Nennonkels vor sich, Fleischermeister außer Dienst und Remistallbesitzer.

Während sich Ludwig mit Oberstleutnant von .Herrn­werth in England befand, blieb Agathe ganz allein.

Er schrieb seiner Frau täglich; wenn ihm die Zeit knapp ward, nur einSleep well". Alle Briefe ordnete sie mit 'Seidenfäden umwickelt in ihrem Schreibtisch. Ihr wurde die Zeit nicht lang. Sie fuhr mit dem kleinen Erich spa­

zieren, und bei Tisch ließ sie die Kinderfrau mit Platz nehmen, damit ihr Sohn sozusagen mitäße. Der Kleine trank und schlief und schlief und trank.

Als der Oberstleutnant wegen der Herbst-Übungen zurück- kehrte, blieb Ludwig noch in England, um Jagdpferde zu kaufen.

Endlich kam er zurück wie ein Pferdehändler mit einem ganzen Transport. War das ein Wiehern und Her um­bocke n beim Ausladen am Bahnhof. Agathe, die nichts von Pferden verstand, sagte, als Ludwig ihr die einzelnen Tiere zeigte, bei jedem:

Oh. der schöne Schweif, ah, der hübsche Kopf.

Ludwig meinte, so dürfe sie sich vor den Menschen nicht äußern. Er wollte ihr ein paar reiterliche Redensarten beibringen, eilte Mühe, die ihr Vater sich nie genommen, Agathe war nachdenklich geworden. Sie fragte Ludwig, warum sie denn den Leuten Eindruck machen solle durch eingelernte Worte?

Er brummte etwas und schien ein wenig verlegen.

Nun ritt er täglich mit dem Huntsman, den er gleich­falls in England verpflichtet hatte, in die Heide.

Agathe'mochte das Geläut der großen weißen, schwarz und gelb gefleckten Hunde gern! wie sie einen mit ihren seltsam trüben Augen anblickten, das gehörte ja gleichsam zum alten Kölln.

Von den Nachbarn kamen diese und jene herüber, um die Hunde, die Pferde zu sehen; als der ersten eine die Freifrau von Mengen geborene Honig, denn sie war die Neugierigste. Gegen Agathe von öligster Liebenswürdig­keit, fand sie für Ludwig nur die süßesten Worte. Dann! erschienen Frau von Liegen und Marka von Ehsz zu Pferde mit ihren Männern, und als noch Tiefenaus dazu ge­kommen, ließ Ludwig einige seiner neuen englischen .Hunter vorführen, 'und die ganze'Gesellschaft ritt zu einer Probe­jagd in die.Heide.

Gräfin Tiefenau blieb bei Agathe. Die beiden setzten sich in die Kinderstube, und als der Kleine eingeschlafen war, schieden sie noch immer nicht aus dem ihnen, lieben Dunstkreise des Kindes, sondern flüsterten und tuschelten über Waschen und Verdauung, Schlasdauer und Ernährung, Kinderfrauen, Sorgen des Wochenbetts, Handarbeiten und Dienstbotenlöhne. Die Gräfin bat sich das Rezept aus von einer Fleischspeise, die sie äinmal in Kölln bekommen, und war erstaunt, als Agathe sagte, sie müsse erst warten, bis Ludwig zurückkäme, denn sie selbst verkehre nie mit dem Küchenchef.

Herr Droesigl lief sofort in die Küche. Das Rezept ward ihm französisch ausgeschrieben, er übersetzte es in Eile, ließ es auf der Schreibmaschine tippen und gab es zum Mfchied der Gräfin.

Gedruckt? fragte sie, und Ludwig antwortete in einem Ton, der Agathe nicht gefallen haben würde:

Wir haben drei Maschinen in der Registratur.

Nun begannen die Jagden. Und immer hinterher war