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lodert/" So findet sich spät wieder, was früh sich sand: Charlotte verehrt wieder das liebe Bild des Seelenfreundes, das sie einst im Herzen trug, ja sie laßt sogar schliesslich der „lieben Hausfrau" für die übersandten Rübchen danken. „Tausend Gluck und Segen" wünscht sie dem „geliebten Freunde" zu Jentem letzten Geburtstag, den sie noch miterlebte, zum 28. August 1826.
„wir ich die Kerben der Uora-Vöste untersuchte?'
Unter diesem Titel veröffentlicht der Wirkt. Staatsrat Prof. Raehlmann in der Umschau chte genaue Schilderung seines mikroskopische!! Verfahrens, durch das er die Farben der vielgenannten Flora-Büste im Berliner Kaiser-Friedrich-Musenm nnt-'-sncht hat Es waren ihm von der Generalverwaltung der Königlichen Museeit verschiedene kleine Proben von allen Teilen der Büste zngesaudt mordens sie wurden in ähnlicher Weise aui ihre chemische Zusammensetzung hin untersucht, wie kleine Stückchen von der Oberfläche von Gemälden, aus denen sich eine genaue Farbenanalhse des Kunstwerks gewinnen läßt. An solchen Teilchen erkennt man nämlich bei einer 200 fachen Vergrößerung jede vom Maler gesondert aufgetragene Lage, da die verschiedenen Schichten sich durch ihre Farbe, durch die Dichtigkeit ihrer Substanz oder durch verschiedene. Brechbarkeit voneinander unterscheiden lassen. Da nun in der Malerei jeder Farbstoff mit einem im allgemeinen ungefärbten Bindemittel, dem Medium, zufammengebracht wird, damit das Bindemittel die Farbenkörnchen untereinander und mit den: zu bemalenden Stoff verschmelze, so muß auch die Beschaffenheit dieses Mediums und die der eingehüllten Farben untersucht werden. Diese Bestandteile lassen sich aus ein und derselben Malschicht erkennen und geben wertvolle Anhaltspunkte für die Zeit, in der das Bild entstanden ist. .Da die Bilder der früheren Zeiten in jeder Epoche eine bestimmt charakteristische Technik aufwiesen, die in den Werkstätten, Gilden und Schulen als sorgsam gehütetes Geheimnis weitergegeben wurde, so läßt sich auch in bestimmten Perioden und Schulen eine durchgehende Gleichheit des Malmediums feststellen. Dieses Medium, das zur Zeit der Renaissance in der italienischen, niederländischen und deutschen Kunst in seinem Hauptbestandteil übereinstimmend angewandt tvurde und dem die alten Bilder die Haltbarkeit und Schönheit ihrer Farben verdanken, ging erst mit dem allmählichen Verfall der alten Kunsttradition verloren. An seine Stelle traten dann verschiedene Stoffe und schließlich die Substanzen der jetzigen Oelmalerei. Betrachtet man die frische Bruchfläche eines Fragments von einem alten Bilde der Renaissance im Querschnitt unter dem Mikroskop bei 50 facher Vergrößerung, so ergibt sich ein gänzlich anderer Eindruck, als bei dem unter gleichen Bedingungen untersuchten Querschnitt eines modernen oder aus dem letzten Jahrhundert stammenden Oel- bildes. Besonders an Stellen mit blauer und roter Farbe erscheint das alte Mal-Bindemittel glänzend grauweiß in dünnen Schichten durchscheinend, während darin, überall vom Medium umgeben, dir Farbstoffteile verteilt sitzen. Bei 200 facher Vergrößerung präsentiert cs sich feinkörnig granuliert. Nun ist der Unterschied der alten und der modernen Maltcchnik ganz augenfällig. Die Farbenteilchen von Bildern aus dem 18. oder 19. Jahrhundert sind ini Sleich dicken Schichten wie die alten Farben viel weniger durch- heinend, oft ganz undurchsichtig und die beigemischten. Farbstoffteile bringen nur ganz an der Oberfläche ihre Farbe voll zur Geltung, werden sonst von dem Medium getrübt und fast vollkommen zu- gedeckt. Dementsprechend wird die Malerei der modernen Zeit immer dünner, so daß die Malschichten auf der ebenfalls sehr dünn gehaltenen Grundierung immer feinere Lagen darstellen. In der alten Knnst aber hatten auch sehr starke Malschichten! vermöge des sehr transparenten Mediums noch genügende Durch- sichtigkeit, so daß die tiefen Farben durch sie hindurch wirksam werden konnten. Neben der Farbschicht kommt dann bei all den Bildern noch die sogenannte Grundierung in Betracht, d. h. das Material, durch das die den Farbstoff enthaltende Schicht mit dem eigentlichen Träger des Bildes, der Leinwand, der Holztafel oder mit einem anderen Material, verbunden war. Diese Grundierung wurde nun, dem Material entsprechend, besonders zusammengesetzt. Bei der Flora-Büste war sie also der Wachsunterlage angepaßt worden. Es handelt sich jedoch bei ihr nicht um eigentliche Wachsinalerei, d. h. um ein Aufträgen des Farbstoffes in das Wachs hinein, sondern es zeigte sich eine selbständige Malschicht, bei der die Farbe in ein besonderes Medinin eingebettet >var und auf dem Wachs auflag. Die Farbe ließ sich ohne Schwierigkeit von dem Wachs trennen und es ergab sich auch an den blauen Gewandtcilen der Flora-Büste das Vorhandensein eines Mediums, welches sich dem in der alten Kunst verwendeten durchscheinenden Bindemittel überaus ähnlich erwies. Auch die Technik, Ivie die Farben übereinandergelegt find, entspricht dem Malverfahren der Renaissancczeit. Bei'der Untersuchung des Brauns im Haar der Flora wurde schon bei Anwendung schwacher Vergrößerung ein organischer Farbstoff entdeckt, der der Gattung der Flechten (Roccella) angehört. Diesem braunen Farbstoff der Roccella-Flechte war ein toter, durchsichtiger Farbstoff, wahrscheinlich Krapp, beigemischt. Sowohl das Braun
der Ron -.la, die an den Küsten des Mittelmeers in Korsika und i auf den Kanarischen Inseln wuchs, als auch der in größeren! ] groben Brocken verwendete Krapp wurden in dieser Form nur > in der alten Malerei in Anwendung gebracht. Tas Roccella- Braun benutzte man später fast, nur zur Zeugfärberei, der Krapp i wird in der späteren Kunst sein gemahlen oder int Medium gelöst gebraucht. Die von den verschiedensten Stellen der Büstcn- öberfläche stamnieudcn Teilchen zeigten vielfach die Spuren einer gewaltsamen Entfernung der Farbe durch Abkratzen, Waschen usw.; au anderen Stellen waren nur noch Reste der alten Farbschichtcn vorhanden, oder das Wachs lag ganz frei; wieder andere Stellen zeigten die nnzwcifelhaften Zeichen einer späteren Ucbermalung. Die Bemalung der Flora-Büste weist also, besonders im Blau des Gewandes, eine Technik auf, die der altitalietnschen Temperalmalcrei im 15. und 16. Jahundert und der gleichzcittgen deutschcil und niederländischen Kunst eigen ist: in ihr sind Materialien und ein Medium verwendet, wie sie in den letzten V/a Jahrhunderten kaum noch benutzt luorben sind, ________
IK’rinätehfcs.
* Die Riesenkraft eines Tobsüchtigen führte kürz- lich in dem Gefängnis Trenton-Gaol, New Jersey, zu einem aufregenden Auftritt. Der zum Tode verurteilte Mörder Giovanni Mayoni wurde plötzlich tobsüchtig und gab ein fast wunderbares Beispiel riesiger Kraft. Er zerschmetterte zunächst in seiner .belle alle Gegenstände, auch die eiserne Bettstelle, und riß dann die mächtigen schweren Eisenbarren der Türvergitterung aus den Angeln. Aus der Wand zerrte er ein langes, fast ent Zoll dickes Bleistück, das er mit den Händen so leicht uinbog, als handelt« es sich um eine Weidenrute, und mit dieser Waffe in der Hand bahnte er sich den Weg auf den Flur. Während dieses Ausbruches blinder Wut schrie Mayoni, der eilt sehr kräftiger Mann ist, wie eilt vom Teufel Besessener; die Wärter waren so überrascht! und verblüft, daß sie sich in respektvoller Entfernung von dem Wahnsinnigen hielten und ziemlich fassungslos berieten, was mail tun könne. Der Gesängnisgeistliche, der herbeieilte, tun den Wütenden zu beruhigen, wurde von Mayoni so heftig angefahren und bedroht, daß der Pater entsetzt und laut um Hilfe rufend davonlief. Inzwischen hatte der Tobsüchtige die Gitterbarren teile ausgerifsen, teils so weit verbogen, daß er seine Zelle verlassen tonnte. Er schien gesonnen, alle Mörder, die in beit Nachbarzellen eingesperrt waren, zu befreien. Aber inzwischen hatten die verblüfften Wärter endlich ihre Fassung wtedergs- wonnen. Sie alle taten sich zu einem Angriff auf den tobenbeit Riesen zusammen. Während von der oberen Galerie des Ganges aus einer der Beamten einen mächtigen Strahl eiskalten Wagers in das Gesicht Mayonis richtete, griffen ihn je la Wärter von vorne und im Rücken an, warfen den Widerstrebenden zu Boden und fesselten ihn trotz aller Gegenlvehr utid der fürchterlichsten^ Drohungen. Tie Gefängnisdirektion kennt teilten ähnlichen Fall von beispielloser Körperkraft; die dicken Eiseitbarren, die sonst gewöhnlich für schwere Verbrecher angewandt werden, sind Halo so dick, wie die Vergitterung der Zelle Mayonis. Man nimmt an, daß der Wahnsimisanfall eine anormale Steigerung der Muskelkraft bewirkt haben müsse.
* Zeitgemäße Vorbereitung. Jugendlicher Taugenichts : „So, ehe ich an den Einbruch gehe, stecke ich mir noch einen Schundroman in die Tasche; werde ich ertappt, so ist der an allem schuld!"
* Die poetische Rosina: „Wie der wette Ozcan sich in seinem Schlummer wälzt und stöhnt!" — Der prosaisch« Peter: „Ich glaube, Sic würden es nicht anders machen, wenn Ihr Bett voller Kiesel wäre."
Rätsel.
Maas .... Zu jede>>t der nebenftebenben
Loire .... Flüsse ist anstelle der Pnnkle der
Main .... Name einer Stadt zu setzen, die
an dem betreffenden Flusse liegt. Eaale .... $te Ansangsbnchstaben der ge- Weichfel .... funbeiten Städicnameit sollen, der
Oder .... Reihe nach gelesen, den Titel
Donau .... einer Oper ergeben.
Rhein ....
Auflösung in ttächster Nummer,
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: SSE a t d r c i
Sardinien Stei n b o c k Edinburgh i o r e c g h k h
Redaktion: K, Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universttäts-Buch- und Steindruckerci, R. Lange, Gießen.


