Samstag den Oktober
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Friedel halb-süß.
Roman von Fedor von Zobeltitz.
[ (Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Der Platz war rasch gesunden, in einer Nische, in der knan ziemlich ungestört und abseits vom übrigen Publikum saß, was Fritz aus mancherlei Gründen nicht unlieb war. Feßler forderte Bier und die Speisekarte, aber Fritz wehrte ab. „Ich bin auf einen andern Gedanken gekommen," sagte er, „und da dieser Gedanke wiederum einem andern Gedanken entspringt, den ich für gut halte, so möchte ich! bitten, die ganze Gedankensülle feiern zu dürfen. Aus dem Mystischen in die Klarheit übersetzt: ich, bitte die geehrten Herrschaften, meine Gäste sein zu wollen."
„Es kommt doch, noch ein Pump dabei heraus," sprach die innere Stimme bei Kesselholz, und Feßler rief: „Ich sage nicht Nein. Ich darf es gar nicht. Ich bin ein Beamten der Firma und achte die Disziplin. Wenn ich mir zum Menü eine Bemerkung gestatten darf, Herr Friedel: Austern ißt Fräulein Dora nicht, dagegen gibt sie für ein Eisomelette den schönsten Teil ihrer Seligkeit her."
Dora setzt sich ganz erschreckt. „Herr von Feßler h Vh — meine Seligkeit für einen Eierkuchen!"
„Es ist Languste da," sagte Fritz, der mit dem Kellner Verhandelte; „ist das etwas für Sie, Fräulein DoraW«
Dora erklärte, ein solches Getier habe sie noch niemals gegessen. Nun beendete Fritz die kulinarische Schlachtordnung : Languste, ein garniertes Entrecote, Omelette surprise H — „ehrlichen Käse oder Welsh rarebit, Fräulein Dora?" fragte er.
Das Fräulein geriet wieder mit ihrer Küchenkenninis in Gefahr. „Oder was?" fragte sie schüchtern zurück.
Feßler erläuterte den Ausdruck nach seiner Weise. „Welsh rarebit“ sagte er, „zu deutsch: ein seltener Bissen aus dem Lande Wales. Da wohnten die alten Kymren, die hatten dies Nationalgericht und liebten es sehr, und wenn sie des Abends mit ihren Familien Kaffeekochen gingen, genossen sie es unter ihren heiligen Eichen. Aber dann kamen die Angelsachsen und nahmen es ihnen fort Und das Geheimnis der Zubereitung ging verloren; nur ein gewisser Barde bewahrte es noch, und durch ihn ist es auf die Gegenwart gekommen. Daher seine Seltenheit. Wenn es serviert wird, werden wir das berühmte alte Bardenlied anstimMen: „Wir können einander nicht missen Und essen die seltensten Bissen, die Zeiten der Sagen und Mythen, wir wollen sie kauend behüten," Es sind achtzehn Strophen."
„Mein Gott,"- rief Dora, „ist das ein verrückter Singsang!"
„Das wahrhaft Schöns ist immer ein bißchen verrückt," antwortete Feßler. „Daher auch! der Ausdruck vom holden Wahnsinn/«
„So," sagte Fritz, und nahm Platz, „das wäre abgemacht. Kesselholz, ich bin für eine hübsche Probe. Wir sind in liebenswürdiger Stimmung, nicht wahr? Nun werden wir hintereinander eine Cliauot Goüt amöricain, eins Ayala brüt und eine Mumm Cordon rouge. trinken und beobachten, ob unsre Stimmung anhält. Bleibt sie, so ist damit der Beweis erbracht, daß die Meinung des großen Publikums, ein herber Sekt habe „unliebenswürdige" Eigene schäften, falsch ist."
„Kolossal interessant!" rief Feßler.
Kesselholz rieb sich schmunzelnd die Hände. „Ich habe nichts gegen die Probe," meinte er, „doch viel gegen den angeblichen Beweis. Die Meinung des Publikums! hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich gewendetr man hat einsehen gelernt, daß der herbe Sekt erfrischender wirkt .und bekömmlicher ist als der gesüßte. Aber wenn es uns auch gelänge, einen herben Champagner genau M der Qualität der entsprechenden französischen Marken her-, zustellen: man würde letzteren doch vorziehen. Der Kampf gegen die Vorurteile, die man dem deutschen Schaumwein entgegenbringt, ist noch nicht zu Ende." ,
„Erlauben Sie," sagte Feßler, „Vorurteile r— gut. Gewiß spielen sie mit. Die Auslandssucht liegt uns iM Blute. Aber der Wahrheit die Ehre: kann unsere Fabrikation es denn wirklich schon mit der der Champagne aufnehmen? wobei ich natürlich nur von den guten Marken spreche."
Kesselholz nickte. „Sie könnte es. Ich behaupte sogar, daß sich die rheinische Rieslingrebe zur Champagnerfabri- kätion besser eignet als die der Marne, weil unsre Traubs eine ungleich feinere Würze besitzt, die bei der Flaschens lagerung noch wächst. Aber das ist sä das Unglück: wir haben keine Geduld und nicht die Ausdauer, einen etwaigen Zinsverlust infolge längerer Lagerung kaltblütig zu ern tragen. Und tun wir es, so müssen wir naturgemäß bett Preis erhöhen. Es fällt dem Deutschen aber gar nicht eilt, für den heimischen Schaumwein ähnliche Preise zu bezahlen wie für den französischen."
„Das ist es," stimmte Fritz bei, während der Kellner die Languste präsentierte und Feßler seiner hübschen Nachbarin das verwandtschaftliche Verhältnis des Schaltiers! zum Hummer zu erläutern begann. „Unser Publikum zahlt sogar für den Luxemburger oder den Lothringer Grenzsekt! mehr als für den deutschen, weil das französische Etikett gar zu verlockend klingt. Kosten Sie mal diesen Cliquot, Kesselholz! Nach der Jahreszahl auf dem Etikett ist er zwölf Jahr alt. Ich müßte lügen, wenn ich sagen wollte, daß er mir nicht vortrefflich schmeckte.. Wer der Alkohol tritt doch schon recht stark hervor; er ist viel zu schwer für einen Schaumwein."
Der Prokurist ließ einen Schluck des Champagners lang-, sam über die Zunge rinnen und „rollte" ihn fachgemäß/ ehe er ihn seiner Kehle anvertraute. „Richtig," sagte er. „Und .nun bedenken Sie, daß diese Marke Ms den Cuvses


