Ausgabe 
1.9.1910
 
Einzelbild herunterladen

544

Vermischte».

* Der Prager Magistrat und die Zahl 13. Jnr Prager Rathause herrscht noch eilte abergläubische Furcht vor der Nummer 13. Man ist dort von der versteckten Niedertracht des Teufelsdutzend" so felsenfest überzeugt, daß man diese unselige Zahl beinahe noch mehr sürchtet als deutsche Firmentaseln und Studentenmützen. So wurde bei der Bezeichnung der elektrischen Straßenbahnlinien die Nr. 13 einfach weggelassen. Man ging Wit scheuem Stillschweigen über die Unglückszahl hinweg und brachte das Manko durch die Teilung der Vierzehuerlinie in zwei Strecken herein, für die Verwaltung einer modernen Großstadt im 20. Jahrhundert immerhin eine Leistung!

Rätsel.

Wir sind ein slavisch Volk, das dicht

Am Ungar- und am Türkenlande Auf Bergen und in Wäldern lebt, Int Hirten- und im Bauernstände. Fügst du eint" in unser Wort, Bedeutet es ein schmerzlich Trennen: Und niuuust du vorn zwei Zeicbeu fort, Sind's L/ute, die wobl lachen können.

Auflösung in nächster Nummer-

Auflösung des Rösselsvrungs in voriger Nummer: Verzeih' der Jugend Uebermut, Auch wenn sie toll und. töricht war; Bedenke, nach des Sommers Glut Ist erst der Himmel rein und klar.

* Das durchgehende Karussell. Ein Pariser Fa­brikant ^erhielt vor einiger Zeit den Auftrag, für die Philippinen! ein Karussell mit Dampfbetrieb zu bauen. Das Karussell wurde gebaut und kam an seinen Bestimmungsort, behütet von einem französischen Mechaniker, der es zurüsten und einen Eingeborenen in der Bedienung der Maschine unterweisen sollte. Als er seine Aufgabe erfüllt glaubte, reiste er ab. Zur Einweihung des Ka- russels drängte sich eine große Menge um das bestaunte Wunder­werk europäischer Technik, und die' Honoratioren des Ortes wur­den von dem Besitzer feierlich eingeladen, als Erste die Holz­pferdchen zu besteigen und in den Gondeln Platz zu nehmen. Während eine Drehorgel die neuesten Pariser Tänze heriintev- leierte, setzte sich die Maschine in Bewegung, und das Karussell Hub an sich zu drehen, während die Zuschauer vor Begeisterung schrien. Nach einer Weile wollte der Mechaniker das Karussell aufhalten, um auch andere des Vergnügens teilhaftig werden zu lassen, aber vergebens fingerte er an allen Hebeln nnd Ven­tilen herum, das Karussell drehte sich nur noch schneller und die Orgel tönte immer lauter. Und die Honoratioren sausten, angst­voll die Hälse der Pferde umklammernd, acht Stunden hinterst Änander immer in die Runde, bis endlich die Maschine kein Heizmaterial mehr hatte und von selber still stand. Seit lenem Tage hat keiner mehr das Karussell bestiegen .

* Kasaken? Jnr Briefkasten der Zeit,chrtst des Allge- inleinen Deutschen Sprachpereins lesen wir: Daß rn den von August Scherl herausgegebenen Blättern statt des allgemein üb­lichenKosaken" stetsKasaken" geschrieben wird, ist eist neuer Beweis für die übergewissenhafte Hochachtung der Deutschen vor allem Fremden und die damit verbundene Geringschätzung des Heimischen, Volkstümlichen. Der Scherlsche Verlag beruft sich auf eine Abhandlung des Gcneralmawrs Graf v. Pfeil- Kleinellguth imBerliner Lokalanzeiger", in der erklärt wird, daß der Name russischen Ursprungs sei, und daß kein Mensch in Rußland anders alsKasaken" Tage. Das also, was dm Russen sagen, ist maßgebend; daß aber fern Mensch rn Deutsch­land anders alsKosaken" sagt, wird völlig beiseite gesetzt Gewiß verdanken wir das Wort den Russen; aber es heißt nun einmal bei uns nichtKasaken", sondernKosaken . Wo­her das o stammt, können wir nicht mit Sicherheit sagen: viel­leicht aus einer älteren russischen Nebenform kosak (Die wenigstens im Heyseschen Fremdwörterbuche mit angeführt wird), vielleicht aus dem polnischen kozak, das uns möglicherweise den Begriff vermittelt hat: es tut aber auch gar nichts zur Sache. Genug, daß dem deutschen Worte das o eigen ist, und zwar seit langer Zeit, wie zum Ueberflnsse auch die FamiliennamenEosack, Kossak" u. ä. bezeugen. Und nicht nur die Deutschen haben diese o-Form, sondern auch Engländer, Franzosen und^talienev sprechen von Cossacks, Cosaques und Cosachi. Welchem tzng- länder würde es einfallen, mit Rücksicht auf die russische Form! Cassacks zu schreiben? Eine solche Selbstverleiignung kennt nur der Deutsche, derselbe Deutsche, der es für seine Pflicht halt, jeden hottentottisch-en Ortsnamen möglichstrichtig ' auszusPreclM, Wann wird er anfastgen, auch in solchen Dingen etwas auf sich zu halten? ___________

si« also See Jäger beim Anbirschen überstiegest, so komme er regelmäßig zum Schuß, da sie zu ihm hinaufflüchte.

Da wir von unserer Hausziege wissen, daß sie eher ein kluges als dummes Geschöpf ist, so kann auch hier nur eine uralte Gewohnheit vorliegen, die bei ihren sonstigen Feinden ganz angebracht ist. Das ist auch tu der Tat der Fall Dm ausgewachsene Ziege hat in der Vogelwelt kaum entert Gegner, bett sie zu fürchten hätte, da der Adler nur junge Ziegen raubt. Dagegen sind die hauptsächlichsten Feinde unter den Saugetieren die großen Katzenarten, also in Nordamerika Puma und 7-u.chs, ferner der Wolf und der Bär. Vor allen diesen soeben angeführten Raubtieren flüchtet sie am besten, wenn sie sich m die unzugäng­lichen Höhen begibt, da keiner der aus Ziegenbraten lüsternen Nachsteller sich mit ihr in Kletterfertigkeit mesen kamt Ter Mensch beobachtete diese immer wiederkehrende Flucht nach oben und überkletterte sie, indem er sich im wecken Bogen iM Standpunkt näherte, worauf sie ihm dann eine ziemlich leichte

Ein dritter Fall, der deshalb von besonderem Interesse ist, weil auf Grund dieser Gewohnheit die ganze Walfifastangerei erst möglich wurde. .Die ursprüngliche Jagd beruht darauf, daß sich ein Boot dem Wale näherte, den die Schiffsbesatzung cmA- findig gemacht hatte. War das Boot dem Riesen hinlänglich nahe gekommen, so warf ihm ein Mann eine Harpune m den Leib, die mit einer sehr langen Leine verbunden war, die auf eilte« Rolle lief. Fast immer tauchte der Wal und erhielt: beim Auf-, tauchen, das durch die ihm folgende Seine ziemlich leicht .fest­zustellen war, die zweite und fernere Harpune, bis er fernen; ^^Auchghstr muß man sich fragen: Ist dieses Fettungsmittel durch Tauchen nicht eigentlich der reine Selbstmord?, Ware der Wal beim Empfange der ersten Harpune so weit sortgefchwommen, wie ihn seine Kräfte trugen, so wäre er Wohl immer gerettet ge- Wesen. Denn da schließlich die Seine ihr Ende erreichte und das stürmische Nachschleppen des Bootes auf die Dauer sehr gefahr­voll wurde,, so müßte sich in einem solchen Falle, wenn er einmal ausnahmsweise eintrat, die Mannschaft des Bootes zum Kappen der Seine entschließen. Das war aber immer eine, große Ausnahme, fast immer tauchte der Wal und wart) regelmäßig «ne Beute so winziger Gegner. m

Auch Per liegt es auf der Hand, daß der Wal eut strackes Verteidigungsniittel anwendet, das ihm gegen tierische Feinde von Vorteil ist. Mancher wird erstaunt fragen, welches Geschöpf denn diesen Riesen angreifen soll. Jedes Tier hat aber seinen Feind, stnd wie das große Pferd oder der starke Wt etnem Rudel Wölfe unterliegt, so ist das gleiche auch beim Walfisch der Fall. Sein Hauptfeind ist der gefräßige Schwertwal, der ihn nick seinem riesigen Gebiß in Rudeln überfällt und in Stucke reißt Der Schwertwal ist einer der schnellsten Schwimmer der Welt, deshalb ist es einleuchtend, daß es vergeblich wäre, wenn sich der Walfifch durch Flucht in die Ferne ihm zu entziehest hoffte Dagegen ist der Walfisch dem Schwertwal im Tauchen überlegen, deshalb flieht er in die Tiefe. Diese ihm zur zweiten Natur gewordene Flucht in die Tiefe wendet er nun auch dem Menschen gegenüber . an, wo sie ganz verfehlt ist und ihn recht eigentlich der Aus- vottung preisgegeben hat. v t, ,Y. ,

Wilde Tiere haben also Gewohnheiten, die ast,sich zur Ret­tung ganz geeignet sind, aber dem Menschen gegenüber gar nicht passen, sondern sie recht eigentlich ins Unglück stürzen. Auch Von unserem heimischen Wild fönnen wir noch weitere Falle äusühren, inan denke nur an die Benutzung von . Wechseln und Pässen, d. h. kleinen, ausgetretenen Steigen, die fast immer begangen werben lind natürlich dem Jäger das Auflauern ust- . gemein erleichtern. ,

Wir dürfen, wie wir schon bemerkten, über dieses Festhalten ton alten Gewohnheiten nicht zu. hart urteilen. Auch der Mensch trennt sich sehr ungern von ihnen. Hierfür. laßen. sich zahl­reiche Beispiele anführen. Weil wir beispielsweise auf dem Lande bei der Annäherung einer Gefahr ganz klug handeln, wenn wir fliehen, so behalten wir diese Gewohnheit auch bei, wenn wir Wasser fahren, wo sie gar nicht angebracht ist. Droht ein Kahn zu kentern, so springest trotz aller Zurufe die Insassen gewöhnlich auf und bringen es durch diese unzweckmäßige Handlungsweise .dahin, daß das Fahrzeug wirklich umkippt.

humoristisches.

* Der gemütliche Sachse. Strolch (einen emsainest Wanderer überfallend):Geld oder Leben!"-Herr:Nu, harn Se, wenn ich wählen därf, gäben Se mersch Geld!

* Poesie und Prosa.Nicht wahr, Männchen, dw Luft hier draußen ist wunderbar?" -Ja, cs muß eut Wirts­haus in der Nähe sein, es riecht nach Schweinebraten

* Er muß es wissen. Arzt (zu. einem Patienten, der einen verbundenen Kopf hat):Nun, Sie haben sich em Loch in den Kopf geschlagen, tote groß ist es betet,, tote ein Taler ck Patient:Ganz so groß nicht, vielleicht tote 2 Mark 50.

* Sparsam.Aber, Sepp, ztahg do die Blatter ab ast dei'm Abreißkalender. Da steht noch der 1. Januar, iinb mtc hab'u do'n 17. August." -Werb mi schon huatn Daßer hin is, bis 's Jahrl 'rum is, der schon Abreißkalender! Na, na! Dös gibt's stöt!" '

Redaktion: K. Neuralb. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universckäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»