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der besten Wachstümer hergestellt ist. Eine kleinere französische Marke, zumal eine süße, würde sich so lange gar nicht halten können. Da sind wir ungleich besser daran. Ich habe noch ein paar hundert Flaschen von Friedel halbsüß aus dem Begründungsjahr der Marke zurückbehalten; es ist erstaunlich, wie fehr der Wein in dieser Zeit gewonnen hat. Sie wissen, daß wir eine neue herbe Marke auf Lager haben?"
„Ja natürlich."
„Ich glaube, daß das etwas Exquisites wird. Wir haben seinerzeit durch Ringers Vermittlung das ganze Wachstum eines erlesen guten Jahres von Helldorf gekauft. Er war damals arg in der Bredouille, und wir bekamen es verhältnismäßig billig. Faß- und Flafchen- gärung sind ausgezeichnet gelungen; wir hatten auch wenig Bruch. Für die Dosierung nahmen wir einen neuen Likör, an dem Ihr Herr Vater mit Westermann lange herumgeprobt hat, und schließlich haben uns Martinez und Villar in Barcelona Korken geliefert, die einfach ideal sind."
>,Wieviel Likörzusatz hat die Marke bekommen?"
„Nur drei Prozent, wenn ich nicht irre."
„Ist noch zu viel. Warum nicht ein Prozent wie beim französischen brüt?"
„Dann trinkt man ihn bei uns nicht. Es wiirde auch dem Etikett nicht entsprechen. „Rheinschaum" kann unmöglich ganz „trocken" sein."
„Rheinschaum ist die schauderhafteste Bezeichnung, die sich denken läßt. Dqs habe ich schon dem Papa gesagt."
„Ich applaudiere," rief Feßler. „Ich sollte ein Etikett zeichnen. Im ersten Entwurf ließ ich den Vater Rhein don den Rheintöchtern barbieren; der Schaum umstrotzte seine Wangen. Das diinkte mich fein und sinnig. Im Zweiten ließ ich den Fluß gegen die Ufer toben; da spritzte der Schaum hoch auf. Im dritten ließ ich den Schaum beiseite und begnügte mich mit einem Ornament."
„Kassieren Sie auch diesen Entwurf, lieber Herr von Feßler, und erfinden Sie einen neuen auf die Marke Ex- celsior. Nämlich — nun bin ich so weit, loslegen zu können. Fräulein Dora — bester Feßler, das, was ich jetzt erzählen werde, ist Geschäftsgeheimnis."
„Ich betrachte mich selbst als ein solches," sagte Feßler.
Kesselholz hatte genug von der Languste; er war sehr [neugierig. „Marke Excelsior" — er rümpfte die Nase: ;,kein Name für einen deutschen Schaumwein!" —
Fritz wartete, bis der Kellner abgeräumt, und 6 eg mm dann mit gedämpfter Stimme zu erzählen, was er mit dem Herzog von Abeelen verabredet hatte. Aber er war Überrascht, daß Kesselholz nicht in Begeisterung geriet. ?,Jst bte Idee nicht wundervoll?!" rief er.
Der Prokurist stopfte den Serviettenzipfel fester zwischen hie Westenknöpfe. „Ich muß Ihnen offen gestehen," er- sviderte er, „daß ich kein Freund starker Reklamen bin. Ich war schon dagegen, daß wir unsere goldenen Medaillen hon Paris, Sidney, Wien und Porte Alegre auf den Etiketten abbilden ließen. Ich war auch gegen den bulgari- scheu Hoslieferantentitel. Vergessen Sie nicht, daß die Firma Friedel sozusagen ihre historische Bedeutung hat. Sie hat 1837 die erste deutsche Schaumweinfabrik am Rhein errichtet, und Mfer war damals ein Herr Hoch, der später Nach Frankreich ging, dort ein e an das Ende seines Namens hing und der Stammvater der heutigen Grafen Hoche ist, per Besitzer von Miquelon fils in Epernay. K. A. Friedel hat eigentlich gar nicht nötig, in die Reklamepäuke zu schlagen."
„Genau so spricht mein Großvater. Ich respektiere Ihre Ansicht, lieber Kesselholz, teile sie aber nicht. Oder nicht mehr, denn auch ich habe mich einmal gegen das Herumgezerre unseres Namens durch die Jnseratenspalten der Leitungen energisch gewehrt. Es ist mir auch heute noch unlieb — da regt sich wieder der Offiziersgeist. Aber der kaufmännische hält ihm die Wage. Der Kampf ist zu heiß geworden. Die Konkurrenz überflügelt uns — nicht durch die Ware selbst, sondern durch die Art, wie man sie auf den Markt bringt. Ob diese Art vornehm ist oder nicht, darüber wird sich immer streiten lassen; jedenfalls ist sie wirksam. Natürlich dürfen Sie mich nicht mißverstehen, Kesselholz. [Eine Reklame, die mit Fäusten schlägt, will ich heute so wenig wie ehemals. Ich will weder Aschbecher mit unsrer Firma aus den Restaurationstischen noch unsre Marken auf jedem leeren Mauerwerk und jeder Felswand gemalt sehen Wie
den Rauten des seligen Kieselack. Aber ich meine, eins Reklame, die sich an ein für die Entwicklungsgeschichte der Menschheit hochbedeutsames Ereignis heftet, brauchen wir nicht zu verschmähen. . . ."
Kesselholz schüttelte sein Glas, hielt es gegen das Licht, betrachtete aufmerksam die tanzenden Perlen und leerte es dann langsam. Es schielt, als wolle er Zeit für seine Entgegnung getotiutett. Er schob seine Brille grade, eine Brille mit merkwürdig großen runden Gläsern, durch die sein Blick prüfend auf Fritz fiel, und sagte statt einer direkten Antwort: „Jetzt käme also der Avala! brüt an die Reihe. Ich schlage vor, ihn umgießen zu lassen, Herr Friedel, damit wir uns nicht so viel nutzlose Kohlensäure in den! Magen pumpen. Wir haben dann auch einen reineren Geschmack."
Fritz winkte zustimmend dem Kellner, der bett Sekt vorsichtig in ein Kristallflakon füllte, in dessen Schliff sich sein matter Goldglanz brach. Dann setzte er die Schüssel mit dem Entrecote auf beit Rechaud des Nebentisches und entfernte sich auf Fritzens Geheiß. „Das dünkt mich Praktischer," sagte dieser; „auch ein Kellnerohr kann überflüssig werden. Fräulein Dora, haben Sie die Güte und ersetzen Sie uns die Hausfrau —"
„Wobei ich," — und Feßler erhob sich, die Serviette über den Arm schlagend — „mir gehorsamst erlauben werde, den Garyon zu spielen. Hebe und Ganymed, indeß der junge Merkur und der allweise Zeus die mythologische Szene vervollständigen."
„Gott, was schwatzen Sie!" rief Dora am Nebentisch. „Halten Sie den Teller grade, Herr von Feßler, sonst läuft die Sauce herunter."
„Bitte, bitte, gleich," antwortete Feßler. „Fräulein Dora, bleiben Sie einen Augenblick in dieser Pose. Das Bratenstück auf die Gabel gespießt, den Kopf leicht geneigt, im Auge ein brennendes Interesse für die zartrosa Sauce. So möchte ich Sie einmal malen: als Typus der tätigen Hausfrau."
. . . Kesselholz hatte sein Glas neu gefüllt und stieß mit Fritz an. „Von Herzen auf Ihr Wohl, Herr Friedel," sagte er. „Das war mir Bedürfnis. Nicht in halbsüß; bte Wahrheit hat immer eine herbere Tendenz. Weiß Gott, ich freue mich. Ich freue mich, daß Ihr Interesse für das Geschäftliche erwacht ist."
„Ich hatte es immer, Liebster, nur wehrte man es mir."
„Weiß ich. Es war — nun also, mich däncht, es wär nicht klug. Für das Gedeihen der Firma ist es zweckmäßig, auf einen tatkräftigen Nachfolger bauen M können. Es sollte nicht sein; man will es anders haben. Schade. Aber trotzdem: ich freue mich über Ihr Interesse — und doppelt, weil ich selbst keinen Sohn habe. Hätte ich einen — ich würde dafür gesorgt haben, daß auch er dem Geschäfte diente. Die Friedel und die Kesselholz sind nicht gut zu trennen. Da war mein Großvater, mit dem Hub die Reihe an. Er hatte bei Josua Engetke in Köln angefangen und war dann mit dent jungen Hoch zusammen tn Frankreich, gewesen: Küfer bei Miquelon fils. lind man sagt, von denen hätte er ein heute allgemein bekanntes Geheimnis mitgebracht; man sagte auch, er hätte es selbst erfunden, obwohl die Geschichte des Champagners es der Veuve Miquelon zuschreibt, der Begründerin der berühmten Firma in Epernay. Nämlich die Technik der „Römuage". Sie wissen, was das ist —"
„Aber natürlich!"
„Ich bekenne meine Unwissenheit," sagte Feßler.
„Ohne innere Scham," fügte Dora hinzu. „Remuer" steht im Vocabulaire, heißt umdrehen, rühren, schütteln; „Remuage" heißt also Schüttelung oder Rüttelung."
(Fortsetzung folgt.)
Kapitän Croker.
Ein Detektivabenteuer von Conan Doyle, (Fortsetzung.)
Nach einer längeren Pause fuhr die Baronin fortz >,Baron Edward. zog sich gegen halb elf zurück. Das Personal war schon zu Bett gegangen. Nur meine Dienerin Theresa war noch auf. Sie hatte in ihrem Zimmer gewartet, bis ich ihre Dienste in Anspruch nehmen würde. Ich saß bis nach! elf Uhr in diesem Zimmer, in die Lektüre eines Buches vertieft.! Dang inäMe W bis MM, um zu sehen, ob alles tjj OrdnW'H


