Ausgabe 
1.9.1910
 
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Donnerstag den \. September

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Dem Sieger von Sedan!

Moltke.

Von Max Bewer, Laubeaast.

Groher Schweizer, stiller Denker, Moltke, Hort des Vaterlands, Schlachtenwager, Schlachtenlenker, Dennitreich im Sieaeskranz.

Unbesiegt im Völkerstreiten, Unbeiiegt vom Glanz des Ruhms, Bist ein Bild Dn allen Zeiten Wahren deutschen Heldentums!

Deinem Blick, dem adlerklaren, Deinen Planen kühl und klug, Folgten Deutschlands Sturmesscharen, Die Dein Stern zum Siege trug;

Stiegst Du beute auS dein Grabe, Schweigend deutend mit der Hand, Jeder Alaun und jeder Knabe Folgte Dir fürs Vaterland!

Wie ein Adler unerreichbar, Das Gefieder weitgespannt. Einem Strafgericht vergleichbar, Flogst Du kreisend durch das Land, lieber Flüsse, über Hügel, Bis int ungeheuren Schlag Deiner dunklen Riesenflügel Stumm der Feind zusammenbrach.

Tiefer grub in Dritte Züge Sich des Alters Runenzahl, Ob Dein Herz auch flammend schlüge Ans dem Schlachtfeld noch einmal, Schmerzlich schriebst Du Deinem Kaiser: Skimmer trägt mich mehr ein Pferd", Und gehüllt in Lorbeerreiser, Gabst Du ihm zurück Dein Schwert!

Aber schlummre ohne Sorgen, Denn Dein Werk steht hoch und fest, Niemals naht uns mehr ein Morgen, Der in Furcht uns zittern lägt. Donnern ivieder die Kanonen, Funkelt wieder Schtvert an Schivert, Geist von Dir wird in uns wohnen. Und er macht uns Deiner wert!

Denn ein Volk, das Arndt und Blücher, Bismarck nennt und Moltke sein, Das muh für die Zukunft sicher Weitgeplant vom Schöpfer sein.

Mögen andre Völker lärmen, Ob die ganze Welt uns habt, Ohne Prahlen, ohne Schwärmen Stehn wir still wie Du gefaht!

Reinster aller Heldendegen, Klar wie Stahl lind fein >vie Gold, Der bedachtsain und verwegen Stand von Schlachtenzorn umgrollt, Krieg war Deines Lebens Bürde, Sieg war Deines Schwertes Wuchh Deutsche Ehre, deutsche Würde, Deutscher Friede seine Frucht!

Das schlafende Heer.

Roman von Clara Viebig.

Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Die Sehnsucht, die bis jetzt zurückgedrängt gewesen war, scheinbar geschlafen hatte, regte sich. Hätte er ihr doch depeschiert! Aber nun war's zu spät; auch wenn er voll Posen aus noch ein Telegramm schickte, konnte sie doch auf beit schlechten Wegen nicht mehr zur rechten Zeit mit deut! Wagen an der Bahn sein. Allein mußte er ankommen/ wieder allein sein, lvie immer! In einem Gefühl der Verbitterung, so lveggesetzt zu leben, so fernab der Kultur, schloß er die Augen und drückte die von einem dumpfew Schmerz befallene Stirn gegen das Polster.

So fuhr er in der Kreisstadt ein; den Paletot zui- geknöpft, den Kragen hochgeschlagen, schritt er voM Bahnsteig.

Bekannte Laute grüßten ihn wieder. Alles polnische Was befiehlt der gnädige Herr? Dem gnädigen Herrn zu dienen! Falle zu Füßen, gnädiger Herr!"

Neber den bespuckten Flur schritt er durchs Bahngebäude nach der Straße.

Dort saß eine Hökerin mit einem Fäßchen auf der untersten Treppenstufe des Portals, ein triefäugiges, schmutziges Weib, und eine Frau in polnischer Haube stand bei ihr und feilschte um einen Hering. Das alte Weib fuhr mit den schwarzen Fingern in die Tonne die Salz­lake troff und die andere nahm den Hering auch in die Hand und fraß ihn auf, stehenden Fußes, mit Kopf und Schwanz, ntit Schuppen und Salzlake; nur die Gräte des Rückgrates spuckte sie vor sich hin.

Ihn ekelte. Tief verstimmt schritt er in die Stadt hinein!

Kein einziges deutsches Firmenschild. Alles polnische; Namen und jüdische. Polnisch-jüdisch wer konnte das trennen?! Ebenso unlöslich diese beiden Eletnente mit­einander verbunden, schier unzertrennlich verwachsen, wie die ganze Provinz mit dem PolentuM! Es schien Doleschal auf einmal, als seien all seine Bestrebungen, lang Be­stehendes auszumerzen, fruchtlos-kindisches Bemühen.

Er sah nicht mehr rechts und links. Ihn ärgerten die Schilder der Läden, ihn ärgerte der Dom, der so uralt mit seinen wie von Zyklopen gebauten Mauern auf den Markt heruntersah. Hier an den eisernen Buckeln der Domtür zeigte nian die Spuren der Axthiebe, mit denen einst heid­nische Feinde die Kirche des weißen Adlers zu erstürmen gedacht t die Beile waren zersplittert, die Tür hatte jedem Anprall getrotzt.

Den Besuch beim Landrat gab Doleschäl auf, ihm wär plötzlich die Lust vergangen.

Was er dem Freund eigentlich so Freudiges mitzUtetlen gehabt hatte, wußte er nicht mehr. Leere Versprechungen