Ausgabe 
1.8.1910
 
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P- Milch dem! Niem'czycer! Mochte die heilige Mutter- tzottes es bent heiMzählen, was er leiden nnlßte!

In 'ohnmächtiger Wut ballte der Armselige die zittern- deir Müde, und dann streckte er sich weh, jetzt kam der Tod! Daß er au dem Niemiec gerochen werde!

Wer nur wilde Fieberphäntasien kamen, in denen des Lehrerchens schwache Gestalt gegen den hohen Niemczycer äm'ämpfte. '--

Als Ruda wieder zu klarem Bewußtsein kam, saß der' Vikar an seinem Bett, und im Ofen knisterte ein Feuers Eben war Doktor Wolinski dagewesen; jetzt würde er bald eine Medizin schicken aus der Miastecz-koer Apotheke. Die Jezierska, die eine Stippe aus der Propstei geholt hatte, von Zuzanna, der Köchin, aus lauter purem Fleisch ge­kocht, weinte vor Rührung: so gut wie eine Mutter hatte der Herr Vikar für den Herrn Lehrer gesorgt!

Sie waren alle sehr freundlich zu Lehrer Ruda. Er konnte sich nicht mehr beklagen; er hatte Suppe aus der Propstei und Hühnchen imb Wein, wie der Herr Vikar es verordnet hatte. Die Mütter der Schulkinder brachten, ob­gleich Eier jetzt rar waren, deren genug, da der Herr Vikar es geheißen hatte. Die Buben und Mädchen bezeigten Mr keine Freudigkeit -über die unverhofften Ferien, be­scheiden klopften sie an die Tür und fragten nach des Herrn Lehrers Befinden und- stammelten gute Wünsche, die der Herr Vikar sie gelehrt hatte.

Aber es waren der Wochen doch viele, die hingingen über des Lehrers Krankheit. Er hatte weder beim Podko- Kiolek aufspielen, noch beit Karneval durchgeigen können bis ^Aschermittwoch. Nun ging's schon auf die zweite .Hälfte der Fastenzeit.

Sankt Mattheis hatte viel Schnee heruntergeschüttet, Noch lag der auf den Meckern, aber er hatte nicht mehr die starre -Eiskruste des Winters; es gelang der Sonne, die HUweilen um die Mittagszeit scharfe Strahlen sandte, hier und da schon das schmutzige Weiß-grau abzulecken. Noch dampfte in allen Hütten der Zur, die gewohnte Fasten- suppe aus Sauerteig, aber die Herzen freuten sich schon in der Hoffnung der Osterspeisen.

Der Niemczycer ließ fleißig Mist fahren und pflügen. Alle «Gespanne waren draußen auf bett Feldern. Man stand schon wieder früher auf als in der dunkelsten Winterzeit.

Es war am Tage nach Mitfasten, daß der neue Jn- svektor von Deutschau, der alte Hoppe, in aller Frühe Über den Hof stapfte. Da sah et vor der Scheune Nr. 1, von den Leuten die Katarynka, der Leierkästen, geheißen, iweil drinnen die alte Häckselmaschine zum Drehen stand, Knechte und Mägde in hellem Haufen versammelt. Was gafften sie da? Eben stieg das Sonnenrot aus der östlichen Ebene und schaute über die Hofmauer und warf Licht auf das, was mit vier großen rostigen Nägeln am Scheunen­tor ängenagelt war.

Was gab's da zu buchstabieren?!

He!" Der Inspektor stieß die Gaffenden zur Seite Und sah und las selber und rieb sich die Augen und las wieder, was auf grobem weißen Papier, wie auf einem Plakat geschrieben stand.

Wenn der §err Inspektor doch einmal laut vorlesen wollte, bitte!Lesen, lesen!" Die Weiber reckten sich auf den Zehen; auch die Mänuer trauten ihren eignen Augen Nicht recht.

Wie kam das hierher?! lieber nacht mußte es an- genagelt worden sein, denn gestern abend spät hatte der Inspektor selber noch einmal die Runde gemacht und mit Demi Nachtwächter geprüft, ob auch alle Scheunen ver­schlossen seien; der Nachtwächter hatte mit der Laterne geleuchtet, und sie hatten nichts, gar nichts bemerkt am Torflügel der Katarynka. Es mußte einer genau die Stunde des Morgengrauens abgepaßt haben, in der der Nacht­wächter und sein Hund heimzugehen pflegten, und mußte dann über die Hofmauer gekrochen sein, gewandt wie eine Katze, trotz der Höhe und der spitzigen Glasscherben und des Stacheldrahtes. - Unübersteigstch war hier eben nichts!

HiN hm!" Noch stand der Inspektor kopfschüttelnd, Und die Leute ^standen um ihn her und gafften bald ihn kitt, bald das Scheunentor. Da hörte man einen raschen Schritt die Freitreppe heruntcrkommen.

Der gnädige Herr! Dumm lachend stießen sich die Kn echte und Mägde an. Was würde der für ein Gesicht Machen?! J

Inspektor Hoppe Mächte eine Bewegung, als wolle er das Plakat herunterreißen, aber es war zu spät, schon hatte Doleschal es ins Auge gefaßt.

Und er las. Hastig überflog sein Blick die polnischen Buchstaben, die so hingemalt waren, wie ein Kind sie müh­sam auf die Tafel schreibt, und die doch eine geübtere Hand nicht verleugnen konnten.

Teufel, Schwein, Schächer erster Klasse! Gauner, der du dich ein Christ nennst, du bist schlimmer als ein Heide,. denn du willst Gottes Werk zerstören, du willst, daß eine Nation, von Gott erschaffen, nntergeh'e, und die Deutschen allein sich breit machen. Ihr Hakatisten, wir sprengen, euch die Köpfe mit Dynamit wie Hunden, denn mehr seid ihr nicht toert! Und ich schwöre dir, daß ich an dir Meine Rache nehmen werde! Ich speie dich än!j Du Ketzer, wir werden dich ans Kreuz schlagen wie den Schächer,, aber du wirst nicht am dritten Tage mit Jesus' Christus im Paradiese sein. Meinen KNiPPek werde ick) dir zwischen die, Rippen stoßen, daß du zur Hölle fahrest^ denn durch dich bin ich elender geworden wie ein kriechen­der Wurm!"

Doleschals Gesicht war tief verfinstert. Er hätte leise für sich gelesen, aber unbewußt hatten feilte Lippen die Worte mitgeformt.

Die bummeit Mägde hatten das Lachen aufgegeben/ auch' die Knechte blickten betroffen. Der Inspektor scheuchte sie alle au die Arbeit; und als nun niemand mehr auf dem Hof war, der Herr aber immer noch stand und auf das Plakat starrte, ging er zurück zu ihm und stellte sich neben- ihn hin. Der Herr sah! ihn nicht, da räusperte er sich stark; und als der andere jmmer noch nicht ausmerkte^ wagte er cs, ganz sacht seine harte Hand auf den Aermeh der sammetnen Haüsjoppe zu legen.

Herr Baron, die Frau Baronin werden mit dem Früh­stück warten!"

Ach so- ja!, ja, ich danke Ihnen!" Doleschal war aufgefahren. Schon im Weggehen drehte er noch einmal um und sagte hastig und leise:Lassen Sie das Dings da abreißen hören Sie, abreißen und verbrennen! Meine Frau darf nichts davon erfahren!"

Sehr wohl, Herr Baron!" Mit raschem Griff löste Hoppe die haltenden Mgel und warf sie fort, das Papier aber faltete er zusammen und steckte es in die Tasch-e. Man weiß nicht, wozu es gut ist, so was aufzuhcbcn!"

Und als der andere ihn daraus wie fragend, aber ganz verstört ansah, Hielt er nicht mehr au sich in seiner Em­pörung :Herr Baron, das ist 'ne Gemeinheit,ne ganz miserable Hundsgemeiuheit, so ein echt polnisches Bnben- stück! Ich werde aber schon den Schreiber 'rauskriegeih da können sich der Herr Baron draus verlassen!"

O bitte, bitte" Doleschal hob abwehrend die Hand!

lassen Sie die Sache aus sich beruhen!" Und dann, sich gewaltsam zwingend, sagte er in gleichgültigem Ton:Sie lassen heute die große Brache hinterm Lysa Gora in Angriff nehmen, nicht wahr? Damit wir bei guter Witterung dann bald mit dem Sommerroggen ins Land können!"

Kopfschüttelnd sch Hoppe ihm nach: immer so hastig', viel zu hastig trotz der anscheinenden äußeren Ruhe! Jetzt schon an Sommerroggen denken Torheit, Schnee lag ja noch zehnmal noch würde die Saat ausfrieren! Da war Kestner doch ein vorsichtigerer Mann gewesen, ein besserer Wirt! Und eine gewisse Sehnsucht stieg in dem alten In­spektor aus nach den so lange bebauten, gesegneten Feldern von Przhborowo. .

(Fortsetzung folgt.)

vsr vierzig Jahren.

Won Pfarrer Werner in Nidda.

5. Siegesjubel.

Die Siegesnachrichten von Weißenburg', Wörth Und Spichern riefen einen unbeschreiblichen Jubel hervor, der nur etwas gemildert wurde durch die Nachricht von den schweren Verlusten unserer heldenmütigen Truppen. Es! war kern Wunder, daß Freude bei uns war, lag doch bei aller Zuversicht auf die Tapferkeit unserer Truppen von Anfang an eine gewisse Bangigkeit auf den Gemütern. Am 31. JUli hatte ich außer den schon erwähnten Soldaten noch den Oberprediger der 15. Division int Quartier, Ober- Pfarrer Groß. .Er kam und fragte an:Können Sie mich