Freitag den 5(. Dezember
Nr. 205
1909
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Tote Zeiten.
fiomm, geh heiin . . . und laß den Tag Vorüber sein!
Es wird nichts mehrt
Und wirf ihn klaglos zu den vielen, Die ebenso verfehlt und leer!
Und ninnns dir nicht zu Herzen weitert . . . Sieh, es gibt in jedem Leben Solche Tage, solche Zeiten ...
Ach, und wenn's das reichste wärt
Tage, Zeiten . . .
Dumpf und freind . . .
Da sich alles staut und stemmt, Verhält und hemmt . . .
Ta man wie von grauen Wänden Eingeschlossen steht und zagt, Und in Hirn und Herz und Händen Wurf und Griff und Kraft veriagt , . » Da's wie Blei dir in den Gliedern Liegt und dich erdrückt und zwingt Und von allen deinen Liedern Keins dir in die Höhe klingt . . ♦
Tage, Zeiten . . .
Bis es langsam
Hell und heller wird und wieder Ausflammt dann in goldener Lohe Und der alte siegesfrohe Glaube dir das Herz befreit Und zu neuem Aufstieg wieder Flug und Flügel dir verleiht!
Cäsar Flaischlen.
In zwölfter Stunde.
... 1.; efterskizze von E. Fah ro w (Berlins (Nachdruck verboten.)
ja in der Regel anderer Meinung.) Jedenfalls besaß er ein ruhiges Temperament von Natur, und
fanden, daß Tine nur ruhtg durch absichtliche Instrett eine offene Frage, welche von beiden Ruhen
die 'wertvollere war.
raschung
pflegte:
„Wie
Am Silvesterabend aber zankt sich natürlich auch der aufgeregteste Mensch nicht gern. Denn es steckt doch ein Stückchen Aberglauben in jedem, und es ist immerhin beängstigend, wenn einige Leute meinen, was am Neujahrstage geschieht, das sei sozusagen vvrbedeutend für das ganze Jahr.
Bei Büttners waren einige Freunde zur Silvesterfeiey geladen, und Tine eilte mit hochroten Wangen von der Küche nach dem Speisezimmer, von da in den Salon, dann tu die Badestube, wo sie nicht das geringste zu hin hatte, und schließlich fing der Turnus von vorne an.
Fran Trude B-latt war mit eingeladen, ebenso der Doktor Freising. Er war Junggeselle, sie war Witwe, und ^ine war nicht frei von der allgemein weiblichen Schwache des Kuppeln«. Zn nett hätte sie es gefllnden, wenn sich um Mitternacht Fran Matt und der Doktor verlobt hätten!
Natürlich, ihr lieber Fritz behauptete, sie sähe Gespenster: die beiden dächten gar nicht ans Heiraten. "-Warum auch?" setzte er hinzu. „Es geht ihnen beiden so gut! Und durch eine Heirat würden sie sich doch nicht verbessern.
„Das ist auch nicht der Zweck der Ehe!" fuhr 'hm Tme in die Parade. „Und ich finde es sehr anzüglich von dir, daß du sagst, ich sehe „Gespenster", wenn ich eilte neue Ehe voraus sehe! Der Doktor wird heiraten!"
„Hm, ja. Rege dich nur nicht auf, Tmchen, du hast ja b°d)Suarf ihm einen hoheitsvollen Seitenblick zu, mäßigte auf der Stelle das Tempo, in dem sie bisher durch die. häuslichen Räume gefegt war, und sagte nut jenem Tonfall, den Fritz heimlich „die Sanftmut der Wut zu nennen
steht es denn eigentlich mit deiner Neujahrsüber- tujujuuy, lieber Fritz? - Soll ich mich immer noch darauf freuen? Oder gibst du endlich zu, daß es nur eine Ausrede von dir war? "
Nun hatte diese Bemerkung einen berechtigten bitteren Beigeschmack für Fritz, denn am Weihnachtsabend hatte eck sich herausgestellt, daß er das wichtigste Geschenk fueseme Eheliebste vergessen hatte. Das heißt, er behauptete natürlich, es sei nur noch nicht ganz fertig, und es gäbe eine Ueberraschung. Aber Tine hatte sofort ihre Hiniergedanken dabei aehabt — Fritz hatte doch nun einmal einen Wclirnf in Vergeßlichkeit — und sie glaubte einfach nicht an diese Ueberraschung.
Jetzt blickte sie mit wahrhaften Staatsanwaltsaugen ihren Gatten an. Und siehe da, er errötete nicht! „Liebes Herz," sagte er, „sei doch nicht so neugierig!
Neugierig!" Und „liebes Herz!" - Fritz wußte ganz genau, daß fic diese Anrede nicht ausstehen konnte, weil sie chr stets so herablassend klang -
-Doch es war Silvester, um keinen Preis wollte rius beute Zank haben: sie wußte, der würde dann bis nach Mitternacht andauern und sich ins neue ^ahr hinüber- ziehen -- schrecklicher Gedanke! Im Grunde ivar sie ja


