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tMtä Exerziern on der gaanze Lärme gemoacht woarn, da meinte jener gleichmütig:
„Ei, in der Noachbarschoft moachte se all aut, do wollte mer doch mch ant mache!" —
Das war für einen Gemütsmenschen wie Jörg zu tiiet; also darum hatte er sich auf dem Exerzierplatz schinden lassen, darum auf einsamer Wache sich seinen alten Rheumatismus wieder geholt; ernüchtert und ganz zerknirscht ging er heim und sprach zu seinem Kckthrinliesche: „Aich saa fern Wort mieh, awer doas sag «ich dir, on wann des Nest verlorn is, da duhn aich kann Schreit; mieh drimm, so wahr aich Jörg Witz XIV. hääße."
WieGktzen vor M Jahren zu seiner ersten Zeitung kam
Unter diesem Titel brachten wir in Nr. 110 unserer; „Familienblätter" einen Aufsatz von D. Dr. Diehl in Darmstadt, dem wir eine Vorbemerkung beigaben, die sich auf die Unterschiede der Arbeiten von Dr. Diehl und Dr. Ebel bezog, so Weit sie aus dem uns vorliegenden Material ersichtlich waren. So sprachen wir auch von einer „teilweise n" Beröffent- lichung älterer Akten, da Dr. Ebel den sog. Entwurf nur teilweise veröffentlicht hatte, der in dem folgenden Aufsatz ganz abgedruckt wurde. Hierzu schreibt uns Dr. Ebe l:
Zunächst habe ich weder ganz noch „teilweise" die Re- gierungsakten benutzt, aus denen Dr. Diehl seine Mitteilungen schöpft; sie blieben mir bis heute unbekannt. Dagegen habe ich die Akten unserer Universität über die der Familie Krieger angehörenden Universitäls - Buchhändler durchgesehen.
Sodann ist und bleibt das Jahr 1749 das Jahr der ersten Ankündigung. Wenn Krieger die Verhandlungen mit der Regierung bereits 1748 begonnen hat, so ändert das nichts an dieser von mir festgestellten Tatsache. Denn der den Regierungsakten beiliegende „Entwurf", der von dem „Anfang des nächstkünftigen 1749ren Jahres" spricht, ist sicher nie öffentlich verbreitet worden, da ja die Verwirklichung des Krieger'schen Planes von der landesherr- lichen Erlaubnis abhing, diese aber erst im Juni 1749 erteilt wurde. Er war wohl vorerst nur in wenigen Exemplaren gedruckt worden, um der Eingabe an die Regierung deigelegt zu werden.
Ferner habe ich aus dem von Diehl wörtlich abgedruckten Entwurf, der Ende 1749 mit anderer Jahreszahl wirklich ausgegeben wurde, das wesentliche schon in meinem Aufsatz (S. 10 des erweiterten Sonderabdruckes) mitgeteilt.
Eitdlich ist auch die von der Schriftleitung als die interessanteste des Diehl'schen Artikels bezeichnete Feststellung, daß der Professor Andreas Böhm der erste Schrift- leiter des „Wochenblattes" gewesen ist, keineswegs eine neue Entdeckung des Verfassers. Bereits im Jahre 1903 habe ich im „Gießener Anzeiger" Nr. 87 vom 15. April Unter der Ueberschrift: „Der Begründer des Gießer Wochenblattes" diese Tatsache veröffentlicht. Dort wies ich auch auf die Quellen hin, aus denen meine Kenntnis floß, nämlich Gießer Anzeigungs-Blättchen 1802 S. 134 und Strieders hessische Gelehrtengeschichte, Artikel Böhm.
Ebenso habe ich in dem zum Universitäts-Jubiläum 1907 erschienenen „Wegweiser durch die Universitätsstadt Gießen" auf S. 59 die Gründung des Wochenblattes durch Böhm erwähnt.
Gießen. Dr. Ebel.
Vermischtes.
* Kriegsbilder aus dem marokkanischen Riff. Die spärlichen Nachrichten, die aus dem schwer zugänglichen, un» wirklichen Riffgebiete nach Europa dringen, lassen erkennen, daß die Gefechte zwischen den Spaniern und den Riffkabhleu sich zic einem blutigen schweren Kriege entwickelt haben, der auf beiden Seiten mit zäher Erbitterung und furchtbaren Opfern geführt wird. Am 23. entspann sich ein Kampf, der bis zum 24. dreißig Stunden ohne Unterbrechung fortgesetzt wurde. Die Hauptstämme im Riff haben ihre kämpfenden Genossen verstärkt; die Massen fanatischer Kämpfer, die am 23. einen wilden Sturm gegen die spanischen Stellungen eröffneten, werden auf 16 000 geschätzt. Nach dem dreißigstündigeu Kampfe zogen sich die Angreifer in die Eurugu-Berge zurück. Kriegsberichterstatter entwerfen Nun erschütternde Bilder von der Wildheit des Kampfes. Unter den spanischen Toten — die Spanier verloren in der Schlacht 21 Offiziere und mehr als 350 tote und verwundete Soldaten — be
findet sich auch der Hauptmann Cueuas, Ser fast mit seiner ganzen Kompagnie fiel. Zwei Stunden lang mußte die Truppe neuen eine zehnfach überlegene Feindeszahl kämpfen. Verstärkungen konw ten erst nach einiger Zeit eintreffen, alles hing davon ab, die Position zu halten. Und sie wurde gehalten. Einer nach dem anderen sanken die spanischen Kämpfer nieder, immer mehr f »miete das Häuflern zusammen. In den letzten Augenblicken waren 'von der ganzen Kompagnie nur noch einige zwanzig Mann kampffähig, die mit dem Heldenmut der Verzweiflung und mit dem Baionett gegen die unübersehbare Menge der Feinde weiterkümpsteU Im letzten Augenblick trafen die Verstärkungen ein. Es' war ein furchtbares Bild, das sich den Reuanruckeudeil bot. Der Boden auf dem der Heldenkainpf der untergehenden Kompagnie statt- gefunden hatte, war buchstäblich in Blut gebadet; in die wilden Rufe der kämpfenden Kabylen, in das Knattern der Gewehre mischte sich das Stöhnen der Verwundeten und die schrill-m Todesschreie der Sterbenden. Schreckliche Episoden spielten sich ab. Ein spanischer Artillerist wurde in der Schlacht wahu- finnig. Die ganze Geschützmauuschaft war unter den Kugeln der Feinde medergesunken. Als letzter stand er bei seinem Geschütze und feuerte ohne Unterlaß auf die Gegner. Als Ersatz- mannschafteu heranstürmten, war der Unglückliche bereits ein Opfer des Wahnsinns. Er zog sein Seitengewehr und wutschnaubend trat er den Kameraden entgegen: „Das Geschütz gehört mir • kein Mensch darf es anrühren. Wer es aiirührt, den erdrossele ich!" Mit Gewalt mußte der brave Kanonier von seinem Geschütz entfernt werden. Er Ivar über und über mit Blut besudelt; mehr als dreißig Wunden entstellten seinen Körper. Noch während man ihn zum Lazarett schaffte, schrie er verzweifelt: „Das ist mein Geschütz, niemand darf es anrühren." Zu furchtbaren Szeueir kam es bei einem überraschenden Angriff der Rifweiterei Sie alle trugen Gewänder, die mit der Farbe des Bodens .übereiu- stimmten, und hatten den weithin sichtbaren weißen ober buntem Turban abgelegt. In bemerkenswerter Ordnung näherten sie sich den spanischen Positionen; sie wurden erst gesehen, als sie nahe herangekommen waren. Dann erfolgte unter furchtbarem Geheul und in rasendem Galopp der Anprall. In der Rechten das Schwert, in der Linken die Pistole, so brausten sie über die Spanier herein. Erst nach einem furchtbaren Gemetzel konnten die heldenmütigen Angreifer abgewiesen iyerben.
* Was ist angenehm, unangenehm, schmeichelhaft? Auf diese Fragen gibt ein amüsantes kleines Büchlein Antwort, das Emile Berr unter dem Titel „Die kleinen Dinge" soeben in Paris veröffentlicht hat. Angenehm z. B. ist: „Vörden Augen reizender spöttstcher Frauen mit Geschick eine schwer zu össtlende Flasche zu entkorken"; oder „Komplimente über einen neuen Hut zu empfangen." Angenehm ist es auch „sich von einer entzückenden jungen Fran beobachtet zu wissen, in dem Augenblicke, da man in der Straßenbahn einer ehrwürdigen alten Dame seinen Platz anbietet." Als unangenehme kleine Dinge des Lebens bezeichnet Berr: „In einem Speisewagen einem unbekannten Herrn gegenüber zu sitzen, und zu merken, daß er ein Gespräch beginnen möchte." Oder: „In einem Zuge zu sitzen, der noch nicht abfährt, nachdem man sich von feinen Freunden bereits feierlich verabschiedet hat und nun den auf dem Bahnsteig Stehenden nichts mehr zu sagen weiß." Schmeichelhaft ist es, „von jemand abznstainmen, der bei einem Unglücksfall ums Leben gekommen ist", „einen Namen mit einer eigenartigen orthographischen Schreibweise zu haben", „in einem Hanse zu wohnen, in dessen Nachbarschaft ein großer Mord verübt wurde," ober „früher einmal sein ganzes Ber- nrögen verloren zu haben."
* Befördert. Chef (zum Lehrling): „Sie haben mit dem heutigen Tage Ihre Lehrzeit glücklich beendet. Von morgen an sind Sie Kommis — aber nicht bei mir."
* Mißtrauis ch. Kriminalbeamter (im Cafe zu seiner Frau): „3n der hübschen jungen Dame, die gerade hinausgeht, erkenn' ich eine langgesuchte Hochstaplerin! Der muß, ich imch- gehen!" Gattin: „Nein, du bleibst, du Schwindler!"
* D i e Verliebten. Mutter (der Tochter leuchtend, die ihren Bräutigam die Treppe hinabbegleitet): „Könnt Ihr sehen, Kinder?" — „Jawohl, Mama, geh' nur wieder hinein!"
* Verzeihlicher Irrtum. „Ich sage dir, Guste, das ist großartig, wenn mein Emil so angefpreugt kommt!" — „Er ist wohl Kavallerist?" — „Nee, Sprengwagenkutscher!"
Kapsclrätsel.
Heinzelmännchen — Macdouald — Milchwirtschaft — Steinkohlen — Ente — Brunhild — Butter — Eberjagd — Leder — Remscheid — Dattel — Lachtaube.
Aus dem ersten der vorstehenden Wörter sind drei, aus jedem der übrigen Wörter zwei zusammenhängende Buchstaben zu entnehmen, so baß sieb daraus ein Sprichwort ergibt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Eier, Bier.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Stcinbrufferci, R. Lauge, Gießen.


