Ausgabe 
30.9.1909
 
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sie nicht hypothetisch würde durch die Unsumme von Zufälligkeiten, ohne deren Zusammenwirken ein gewünschter Erfolg ausgeschlossen ift. W K vnch hier gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Dr. van Troy.

Vermisehtes.

* Was Polarexpeditionen k o st en. Für die Süd- polarcxpedition, die gegenwärtig in England organisiert wird, sind 800 000 Mark als mindestens erforderlich bezeichnet worden. Das ist eine verhältnismäßig geringe Summe, wenn'man bedenkt, daß sie aus etiva 50 Mitgliedern bestehen soll. Als.Sir John Roß vo>r der Regierung nicht die Mittel zu seiner zweiten ark­tischen Reise erhalten konnte, schenkte ihm der Whiskybrenner! Felix Booth 400 000 Mark, und zum Danke nannte Roß ein nenentdecktes Land Boothia Felix. Die deutschen Koldewey-Ex- peditionen kosteten zusammen rund 101000 Taler, der Bremer Rheder Rosenthal rüstete 18691871 drei Expeditionen aus, die ihm, die Hergabe der Dampfer abgerechnet, 31000 Taler Kosten verrirsachten. Payers Polarfahrten (1870/71) kosteten dagegen nur 8000 Taler, es handelte sich aber nur um kurze Expeditionen. Spätere Reisende machten es nicht so billig, für die v. Dollfche Expedition 1900 gab die russische Regierung 240 000 Rubel her. Die deutsche Tiefsee-Expedition der Baldivia war vom Reichstage mit 300 000 Mark ermöglicht worden. Biel teuerer im Ver­hältnis als Polarexpeditionen sind Entdeckungsreisen in Afrika.

* Wildenbruch-Reliquien. Wildenbruchs warm­herzige Anteilnahme an allem Lebendigen und Gegenwärtigen Machte ihn auch früh zu einem begeisterten Verehrer der beiden großen Schweizer Dichter Keller nnt> Meyer. Aus des Dichters Nachlaß werden im neuesten Hefte der Deutschen Rundschau einige Briefe der beiden Meister an ihn veröffentlicht, die auf sein Ver­hältnis zu beiden helles Licht werfen. Wildeubruch hatte seine beiden frühesten Dichtungen, die SchlachtepenBionville" und Sedan", mit einem schönen Gedicht an Gottfried Keller geschickt, in dem er dieLeute von Seldwyla" feierte und be­sonders den kriegerisch stolzen Ton der NovelleDietegen". Keller antwortete auf diese Huldigung des unbekannten Berliner Poeten mit einem freundlichen Schreiben, in dem es hieß :Sie haben Mich mit Ihrer gütigen Sendung in doppelter Weise überrascht, erstens durch Ihre zwei volltönigen und wirklich stahlkliugendeN Waffenlicder, die ich, zu meiner Schande, noch nicht gekannt! habe, und zweitens durch die Strophen, mit welchen Sie mein schnurriges Buch so schön und so sehr haben ehren wollen. Wenn ich mich auch gegen solche Bezeugung bescheideutlich sträuben soll, so sagt hier die Eigenliebe, wer jene Gesänge machen kann, von! dem darf man ein Lob in Züchten annehmen. Jedenfalls hat Mich gefreut, daß der Dietegen sich Ihrem kriegerischen Geiste so günstig dargestellt hat." Es dauerte noch einige Jahre, bis Wildenbruch dem Dichter desGrünen Heinrich" von Angesicht zu Angesicht gegenübertrat; er verlebte 1883 mehrere Tage mit Kelley und nahm an den trinkfröhlichen Sitzungen in derMeise" teil, denen der Züricher Altstaatsschreiber präsidierte. An Wilden­bruchs aufblühendem und immer mehr Erfolg findendem drama­tischen Schaffen nahm Keller regen Anteil und dankte ihm am 26. September 1883 für die glückliche Ankunft von fünf statt- Mchen Bänden,die gleich ebensoviel bewimpelten Schiffen sieg­reich bei mir einliefen".Es gibt Gemeinplätze," fährt er dann! fort,welche man so wenig entbehren kann, als die Bemerkungen über Sonnenschein und Regen. So haben Sie die geistreiche Vergleichung mit Ihrem Mitbürger Heinrich von Kleist gewiß schon ost hören müssen; Nnd trotzdem muß ich mich Noch kommen Und Ihnen sagen, daß ich nach der ersten Lektüre den Eindruck empfand, als ob jener Mann aus dem Grabe erstanden, diel- Meho nie gestorben wäre und mit gesundetem Herzen und geklärter Seele in seinen letzten Jahren unter uns lebte." Bon der neuen Sammlung seiner Gedichte, die damals erschien, schreibt Keller in seiner charakteristischen Art:Meinerseits Habe ich einen dicken Band von Gedichten zusammengerafft, wie sie ein 64 jähriges Leben mit sich gebracht. Wenn Ihnen der Verleger demnächst ein Exemplar zustellt, so haben Sie die Güte, die Widersprüche des Buches, Wahrheit und Irrtum, Form und Unform mit der­jenigen Nachsicht zu betrachten, welche Sie allen menschlichen Gebrechen angedeihen lassen. Wenn Sie mich fragen, warum ich denn ein solches Buch noch herausgebe, so ist die Antwort: um den bekannten Rachlaßmardern zuvorzukommen, die mit noch weniger Kritik den Handel besorgen würden!" Als man zum 70. Geburtstag Kellers in Berlin eine Ehrung vorbereitete, war Wildenbruch die treibende Kraft und von ihm ging der schöne Gedanke aus, zwei Gemälde nach Zürich zu senden, die den alten Bauhof, Kellers letzte Wohnung in Berlin, Und den von Ihm besungenennord'schen Geistersee", den Tegeler See, darstellten. Der kranke Mann, der bereits den Keim des Todes in sich trug, freute sich über diese Gaben und hörte es besonders gern, daß her Generalfeldmarschall Mo ltke selber gekommen war, um hie Bilder zu sehen und als erster seinen Namen unter die Wid­mungsadresse zu schreiben. Ein besonderer Gruß und Dank galt Wildenbruch. Dessen Erwiderung konnte nur noch in einem Kranz auf den Sarg des Dichters bestehen, der von den Versen be­

gleitet war:Eine Leuchte stand auf den Bergen, Ihre Flamme strahlte fern Die Leuchte ward umgestoßen, Die Flamme flog auf ein Stern." Nicht minder herzlich gestaltete sich Wildenbruchs Verhältnis zu Conrad Ferdinand Meyer. Auch ihn besuchte Wildenbruch während seines Schweizer Auf­enthaltes 1883 und der Dichter desJürg Jenatsch" stellte ihn seiner Gattin mit den Worten vor:Der.wird wachsen." Be­sonders entzückt war der Meister der historischen Dichtung voU des jüngeren Poeten Balladen, in denen er herrliche Sachen fand.Schon in den Metren ist ein merkwürdiger Sturm. Ich habe mir in dem Büchlein einen leichten Rausch geholt. . Jeder ZUg in jedem Gedicht ist rasch, 'keck, kurzweilig', toatttiM blutig. O Jugend!" Von Wildenbruchs Dramen schreibt er: Ihre enorme dramatische Begabung beweisen: Leidenschaft, Vor­stoß, eben so besonnener als kühner Aufbau nun noch un- erg reifbare, streng komponierte Fabeln und haarscharf vertieft^ Charakteristik, dann ist alles beisammen!"

* Einer davon. Von Sophie Schröder, die durch ihre zahlreichen Liebesverhältnisse beinahe so bekamtt geworden ist, wie durch ihre Schauspielkunst, existiert eine sehr hübsche Anek- dote, die in den toon, Tony Kellen gesankmelten Schauspieler-! Anekdoten enthalten ist. Als die Schröder eines Abends ins Theater fahren und eben in den Wagen steigen wollte, stürzte ein junger Mann auf sie zu, küßte und umarmte sie unter Tränen. Sie stutzte.Mutter, erkennst du mich nicht? Ich bin ja dein Sohn?" Sie besah ihn näher und sagte daun:Ach ja, du bist einer davon!"

* Die Tragkraft des Haares. Die Elastizität und Widerstandsfähigkeit des menschlichen Haares war den Völkern der Antike gut bekannt und wurde von ihnen auch praktisch, ver­wertet. So wurden aus langen und dicken Geflechten weiblicher Haare die Stränge zn den Katapulten, jenen großen Schlcuder- uud Belagerungsmaschinen, fabriziert, die in der ganzen Kriegs­geschichte des Altertums eine große Rolle spielen; natürlich gaben nicht vornehme Damen ihren Haarschmuck zu diesem Zwecke her, sondern er^ wurde den weiblichen Sklaven abgeNpmMen. Nur WeNN die Not am größten war, hörte hier der Staudesunterschied auf; so schnitten sich bei der Belagerung Carthagvs die Patrizie­rinnen dieser Stadt ihre Haare ab. Um dadurch 'heu Staat zu retten. Wie weit die Trag- und .Widerstandskraft des mensch­lichen Haares überhaupt geht, haben ueuerdings UntersuchnNgeN französischer Gelehrter ergeben. Demnach vermag ein einzelnes Frauenhaar von mittlerer Stärke eine Last von nicht wenigen als 178 Gramm zu tragen, ohne zu reißen. Nimmt man mut an, daß der menschliche Kopf durchschnittlich 30 000 Haare be­sitzt (was übrigens eher zu niedrig gegriffen sein dürste als zu hoch), so ergibt sich äls Resultat, daß die weibliche Frisur eine Tragkraft von fünf Tonnen hat. Dieses Resultat wird aber dadurch noch um ein Drittel erhöht, daß das Haar gewöhnlich gedreht und gewunden ist.

* Der Pfau der Urzeit. Tie große Fundgrube prä-. historischer Tierreste, die Asphaltablagerungen auf dem Rauche la Lrea bei Los Angeles', die von den Archäologen der kali­fornischen Universität systematisch durchsucht wird, hat jetzt der Forschung eine neue Entdeckung beschert: man hat einen großen versteinerten Pfauhahn aufgefunden, oen ersten Pfau der Urzeit, den man auf dem amerikanischen Kontinent entdeckte. Der Fund erregt nicht geringeres Interesse, als jener versteinerte säbel- zähnige Tiger, den Professor I. C. Marriam in dem Asphaltbett entdeckte und der als der Vorläufer unserer Katzenarten gelten muß. Der, versteinerte Pfauhahn wurde von Loye H. Miller ent-5 deckt, der ihn Pava californicus taufte. Der Pfau von La Lrea unterscheidet sich auffällig von den fossilen Pfauen, die man in Indien und in Europa 'gefunden hat; er bildet eine Sonde rarr für sich, die bisher uiibekannt war. Besonders auffällig sind die großen, sehr stark entwickelten Sporen, die dem Urpfau als. Verteidigungsmittel dienten.

Arithmogriph.

12 9 14 ein Halbedelstein.

2 3 6 6 3 Stadt in Hannover.

3 8 2 9 3 ein Waldbaum.

4 1 9 8 4 8 Insel im Stillen Ozean.

5 3 2 6 1 spanische Stadt.

6 3 1 biblischer Frauenname.

3 6 6 3 näheres Maß.

7 8 6 Strom in Afrika.

6 8 6 6 3 französische Stadt.

8 8 8 Land in Jnnerasieu.

2 9 8 7 8 7 wichtiges Arzneimittel.

9 3 6 3 7 3 weiblicher Vorname.

4 8 7 4 3 eine Flüssigkeit.

Die Anfangsbuchstaben der gefunbenen Wörter bezeichnen eine wertvolle Erfindung neuerer Zeit.

Auflösung in nächster Nummer.f

Auflösung des Homonyms in voriger Nummer:

Wenden.

Redaktion: I. V>: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universttäts-Buch° und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.