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tot ümbrandet. Furcht und Grauen, gingen in den I erklimmbaren Kühen des und Todesangst bildete das Grundgesühl des Lebens, I Baucrnhnnden aufgesührt o bie Hoffnung. Da fanden sie ein Mittel, um wenig- «standencr ritterlicher Bei
Charakter und Erfolg.
Von Theodor R o o s e v e l t*)
wie anderswo die Hoffnung. ._______ ... ____________,...........„
stens einen geringe!! Schuh gegen die Barbarei der das Land
Vor nicht langer Zeit hasten sich zwei der reichsten
■*) Unter dem Titel „Die Moral der Individuen und der Nationen" erscheint nächstens im Verlaae „Sunten", Wien, eine! Sammlung von Essays des früheren amerikanischen Präsidenten. Wir geben ans den Aushängebogen hier einen der interessantes Aussätze mit einigen Kürzungen wieder.
alle Büchergelehrsamkeit wie überhaupt jede höhere Bildung verachten und die unter dem Eindruck stehen, daß der Besitz einer solchen außerordentlichen Geisteskultur zum! wenigsten nutzlos und int praktischen Leben gewöhnlich nur schädlich sei.
von Schicksalen ümbrandet. Furcht und Grauen gingen in den Rächten um r '
des Gebirges: teils von Grund aus von «uiBt-fJyrt, teils gewaltige Ausbauten früher be» Mudener ritterlicher Verteidignngswerke, bildeten manche von rhnen im Ringe der Mauern eine ganze, auf den geringsten Raum zusammengedrängte Stadt mit Kirche, Schule, Pfarrhaus, Stbm» berturm, Stuhlrichterturm, Königsrichterturm (Königsrichter hießen die obersten richterlichen Beamten der sächsischen Nation.) Aus einer der mächtigsten Bauernbnrgen des Sachsenlandes, der teilweise noch gut erhaltenen R o s e n a u e r B u r g, standen auf dem unebenen, felsigen, mit Bttsehelgras bewachsenen inneren Hose ungefähr 30 Häuschen zur Unterbringung der flüchtigen Familien, ein ganzes Burgdorf. Der Schulturm steht noch, wenn auch int Verfalle. Bon der Kirche sind nur mehr zerbröckelte Mauerreste da. Der anderthalbhuuderft Meter tiefe, zum großen Teile gemauerte Brunnen, jetzt im untersten Dritteil verschüttet, durch- qnerte fast die ganze Tiefe des Felsenbserges, aus dem die Burg errichtet ist. Diese mächtige, einzigartige Anlage ist eine von jenen, die aus einer früheren Ritterburg entstanden sind. Ihre Gründung geht ins 12. Jahrhundert auf eben jene deutschen Ritter zurück, die später von der Marienburg aus das preußische Christentum begründen halfen: sie brachten die ersten Ansiedlungen in diese int tiefsten Südosten Siebenbürgens liegende Hochebene, das Burzenlnnd, und bauten daselbst fünf Burgen, von denen nur noch die Rosenauer halbwegs erhalten ist. Nach ihrer Vertreibung durch die ungarischen Könige im 13. Jahrhundert blieben die mitgebrachten deutschen Ansiedler zurück und biloeten so den Grundstock des Deutschtums in diesen weit an das unzugängliche Hochgebirge vorgeschobenen, voir wilden Völkern bewohnten Gegenden.
verheerenden Horden zu besitzen: sie umgaben ihre Kirchen Wit Mauern, Schanzen und Wassergräben und entwichen mit Weib Und Kindern, Knechten und Mägden, Habseligkeiten und Kleinodien in. das Kirchenkasteil, sobald sie von neuen Wirren Kunde bekamen, indem sie ihre Häuser und Höfe ohne Schwertstreich Preisgaben. Ost wochenlang waren so die Dörfer gänzlich menschenleer Und verödet: zuweilen mehr als 400 Familien hausten im engen Räume des Kastellhofes 'und versuchten, sich dort häuslich ein« zurichten. Das Leben in diesen Zeiten der Flucht und Bedrängnis scheint sich jedoch äußerlich "von dem gewöhnlichen nicht allzu sehr unterschieden zu haben. Insbesondere die Uebungen des Gottesdienstes und der Schulunterricht wurden in feiner Weise Unterbrochen: Pfarrer, Prediger und Rektor, die geistigen Führer der Gemeinde, waren auch in solchen unseligen Tagen unter dem dicht um sie versammelten Volke tätig. Welch eine Vorstellung: Predigt, Orgelspiel und Gesang, während draußen der Feind schon die Felder, den göttlichen Segen vernichtet! Oder der Schulmeister lehrt die im Mauerring an der Kirchenpforte hockenden Kinder das Ginmaleins, indes voit der Burgzinne die bis an die Zählte bewaffneten Wächter die Kunde .herabrufen, -daß das Rachbardorf in Flammen steht! Welch ein Triumph des Geistes über die wilden Kräfte des Zufalls! Welch eine heroische Anmut in dem Kinderidyll unter tragischem Gewölk! In solchen Zügen offenbart sich die feinste Größe des'sieben-, bürgrschen Sachsenvvlkes, das zuerst die Kirchenkastelle baute, während die anderen Nationen ihm nur hier und da nachahmten: mrt Zähigkeit hängt es an Beschlossenem, kein Feind der Welt zerstört bte Ordnung, nach der es sein Leben geregelt hat. Und oer Rektor lutrb keine Schulstunde ausfallen lassen, es wäre denn, daß Gott und eine feindliche Kugel es anders beschließt.
Es ist heute nicht mehr genau nachweisbar, ob die Ver- teidigungswerke der Kirchen schon bei Begründung der einzelnen Ansiedlungen oder erst später unter dem Drucke der unsicheren Verhältnisse entstanden sind. Da aber die Sachsen in ihrer nu-bcr« rheinischen Urheimat dergleichen befestigte Gotteshäuser nicht kannten, so ist sicher, daß es sieh dabei nicht u,in eine bei gswßssejst deutschen Stämmen übliche Gepflogenheit, die auch hier beibehalten wurde, handelt, sondern daß einzig und allein die ungeheure Steigerung, bie bie in jenen Zeiten allgemeine Verworrenheit der politischen Zustande gerade -in Siebenbürgen erfuhr, zu diesem «ußergewvhnlichen Mittel geführt hat. Heute sind in den meisten sächsischen ©enrnnbcn noch stattliche, zuweilen mächtige Reste der Mauern und Basteien erhalten, doch zum großen Teil durch Ein- bau moderner Gebäude ihrer einheitlichen, symbolisch gewaltigen I Wirkung wenigstens in einzelnen Teilen beraubt. Die Wasser- I prnbeit sind meistenteils aufgesüllt und der Boden mit Bäumen bepflanzt. Die Dorfpromenade, die keine sächsische Gemeinde sich nehmen läßt, führt so ost über den verschütteten Berteidigungs- graben an den verwitternden, mit Epheu oder Wein übersponnenen ■ Kastellmanern entlang. Im Innern fallen heute noeh gewöhnlich in zwei Stockwerken übereinander angebrachte, meist hölzerne, nnt Riegelwerk versehene Mauertüren ans, die ziemlich dicht neben- emander ,n dem ganzen Langrund der inneren Umfassungsmauer Men: sie fuhren zu beit Kammern, die die stachligen Familien zur Aufbewahrung ihrer Habseligkeiten, aber auch als Schlaf- I raume benutzten wenn sie ihre Zeit in den Kastellen verbringen ^'.Oiten, und werden heute als Korn- und Speckkammern verwendet I E. RmZmauer der Kastelle war gewöhnlich doppelt, so daß I zwischen der inneren niedrigeren und der äußeren höheren llm- fassungsmauer eine Art Hof oder Zwinger entstand, in bcnt man das mitgenommene Vieh unterzubringen pflegte
Vor einem oder zwei Jahren war es, da sprach ich mit einem berühmten Dale-Professor, einem der hervorragendsten Gelehrten des Landes, der mehr ist als ein Ge- leQrter, da er im vollen Sinne des Wortes ein Mann ist. sBir hatten über die Fußballmannschaften Dale-Harvard gesprochen, und als das Gespräch aus einen gewissen Spieler! wm, machte er die Bemerkung: ,Jch hatte ihnen abgeraten, ihn mttznnehmen, beuit er ist schlapp in seinen Studien', und aus meiner Erfahrung weiß ich, daß im allgemeinen' der Mann, der in seinen Studien schlapp ist, auch in seiner Fußballarbeit schlapp sein wird; worauf es in beiden Dingen ankommt, das ist der Charakter."
Natürlich ist zuzuaeben, daß ein Genie auf gewissen Ltmen mehr leisten kann als ein braver und männlicher Genosse, der kein Genie ist; ebenso kann int Sport die große physische Kraft über die Schwäche siegen, obschon auch in einem unscheinbaren Körper das Herz eines Löwen wohnen kann. Auf die Dauer aber werden im großen Lebenskampf fein. Geistesglanz zählen und keine körperliche Vollkommenheit, wenn sie gegen jene umfassende Gruppe von aktiven und passiven Tugenden und moralischen Eigenschaften ab- gewogen werden, die wir unter dem Namen des' Charakters zusammenfassen; und Wenn zwischen zwei Kämpfern, werde der Kampf auch nur im Schulsport oder in der Schularbeit ausgespielt, der Unterschied an Charakter auf der einen Seite ebenso^ groß ist tote der Unterschied an Kraft und Intelligenz auf der anderen Seite, so wird jener gewinnen, der den Charakter besitzt.
Damit soll gewiß nicht gesagt sein, daß man die Intelligenz oder die Kraft des Körpers ungestraft Vernach- lafsigen darf. Es soll damit vielmehr gesagt sein, daß man beide Kräfte pflegen muß und daß nicht die geringste Wohltat dieser doppelten Ausbildung in der indirekten Wirkung liegt, die sie auf den Charakter nimmt. In sehr groben und unwissenden Gemeinwesen wivd aller Schulunterricht mehr oder weniger verachtet; in Amerika gibt es aber heute
. Obwohl bie Geschichte von vielen Fällen zu melden weiß, in ocncit sich Die Verteidigungskirchen als uneinnehmbar erwiesen, fo daß sich bet Feind mit Zerstörung der Häuser und Verbrennung der Aecker begnügen mußte, so boten sie immerhin dock nur eine Art provisorischen Schutzes, ber die Unsicherheit zu vermindern, aber, auch nur für das Gefühl, nicht aufzuheüen vermachte Es war daher nur natürlich, daß man an Orten, die die Möglichkeit
erhöhten Schutzes infolge besonders günstiger Terrainver- , w«.* ,vvlllOv«. ut «uuemu «toi es twer »eure
Berteid^ Hand hatten, nicht das lvohl nur sehr wenige Orte, in denen der Schulunterricht
ninsassiuwercs w ä bl t e vä be&CIeS eine Notwendigkeit betrachtet wird. Allerdings!
nahe war, verschmisie sieh das bedrä gte Bolk2muemU^tick es zahlreiche Männer, die sich rühmen, „einen harten «» Tale, wo die Kirche stand, sondern oben, wo Ulfen imd I ?^^el^zu h«b«l und „prakt^che" Männer äu Jein, bie schon eine Schutzwehr errichtet hatten, ehe menschliche
Tätigkeit bauend ctngrtff, oand man überdies auf solch einem Verteidigungsgipfel noch aus früherer Zeit eine Ritterburg vor, aie ihre primitiven Schutzwerke über das Land leuchten ließ, o war die Richtung, m der btc Mittel zur Verteidigung zu finden waren, doppelt kräftig gegeben: man floh wohl bei der ersten Gelegenheit, die sich' ergab, hinauf, erfuhr dabei von selbst alle Mangel, die dem alten Ban mit Hinsicht auf die neuen Zwecke anhafteten, und beeilte sich, in einer dazwischen liegenden Fric- vensperiode durch Verstärkungen, Erweiterungen und sonstige 38ei=
n. \‘!r, Wiimt «0f3ubengcn. So entstanden jene Prachtvollen sicbenburgischen Bauernburgen auf den sch'er un-


