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Männer Amerikas mit der Behauptung herausgeiv'a'gt, daß der Besuch eines College für einen jungen Mann, der um den Erfolg ringt, geradezu einen Nachteil bedeute. Wohl häberi die "Männer, die die größten Erfolge hatten und die das .Höchste erreichten, Männer wie Lincoln, keine Gelegenheit gehabt, das College zu besuchen, dagegen war ihnen eine so unbändige Zähigkeit eigen, sie hatten eine außerordentliche Schätzung für den Wert der Bildung, daß sie sich an die Arbeit machten und ans eigener Kraft Dinge erlernten, die man ihnen an keiner Hochschule beigebracht hätte. Andererseits können Jünglinge mit schwachen Anlagen, die nach der Primärschule die Hochschule oder das College besuchen, statt in die Arbeit zu gehen, einen ernsten Schaden erleiden und nicht einen Nutzen. Doch wenn der junge Mann den guten Stoff in sich hat, wird es inr allgemeinen ein großer Vorteil für ihn sein, wenn er in glücklichen Verhältnissen ist, die es ihm erlauben, sich einige Jahre der Erwerbung der geistigen Kultur zu widmen. Bei den beiden Reichen, deren Anschauung erwähnt wurde, lag die Sache so, daß sie, zum großen Teil vielleicht darum, weil es ihnen an der geistigen Kultur gebrach, nicht lvußten, was der Erfolg eigentlich ist. Ihre Reden verrieten nur ihre eigenen Beschränkungen, lieferten aber keine Argumente gegen die Bildung.
Der Erfolg muß in allen Fallen als erstes Element in sich schließen, daß der Mann imstande sei, das für seinen Lebensunterhalt und für den Unterhalt der von ihm abhängigen Geschöpfe Nötige zu verdienen. In der Mehrzahl der Fälle muß er finanziell sogar etwas mehr erhalten. In keinem Falle aber ist die Erwerbung eines großen Vermögens der einzige Prüfstein des Erfolges, das ganz und gar nicht. Ist einmal ein gewisser Reichtum angesammelt worden, so ist die Ansammlung eines größeren Vermögens wirklich, vom Standpunkt des Erfolges aus beurteilt, eine ganz unwesentliche Sache — wie d'er Erfolg von der Allgemeinheit und von den Individuen selbst begriffen werden sollte. Reiche Männer, die von ihren Reichtümern guten Gebrauch machen, sind eine große, wohltätige Macht in einem Gemeinwesen, und helfend wirken sie mit am Aufbau der nationalen materiellen Prosperität, die am Grunde und unter der nationalen Größe liegen muß; doch wenn dieser Erfolg der einzige wäre, so wäre cs um die Nation wohl schlimm bestellt. Für die nationale Größe sind glückliche Staatsmänner, Soldaten, Marineure, Länderforscher, Historiker, Poeten und Männer der Wissenschaft ebenso notwendig und vielleicht noch ausschlaggebender, als es ein gewöhnlicher glücklicher Geschäftsmann je zu sein vermöchte.
Ter Durchschnittsmensch, zu dem der Turchschnitts- jungc sich entwickelt, wird freilich in gar keiner Hinsicht eine sehr große Persönlichkeit sein, doch wenn er sich nur ernstlich daran machen will, kann er in jeder Hinsicht sehr Gutes leisten, und die Gelegenheiten, gute Arbeit zu leisten, werden sich ihm unendlich reicher darbieten, wenn er seinen Geist gepflegt und gebildet hat. Allerdings, wenn er aus seinem höheren Studium und dem Universitätsleben die Anschauung mitbringt, daß es nur eine Gattung von Wissen gibt, jene nämlich, die man in den Büchern findet, so hat er sehr wenig geleistet: kann er aber sein geistiges Gleich- gv wicht bewahren — has heißt, zeigt er Charakter —, so wird er zur Erkenntnis dessen kommen, was man alles mit dem Wissen leisten kann und was nicht, und er wird ein umso wertvollerer Mensch fein, je mehr er von diesem Wissen erwirbt.
Zn einem guten Teil kann man das gleiche von der Ausbildung des Körpers sagen. Genau, wie es eine Gruppe von Leuten gibt, die die Schulbildung des Collegs verachtet, weil sie keine unmittelbaren, Geldfrüchte trägt, so gibt es einen anderen Typus, der die Sports des Kollegs verachtet, weil er nicht die unmittelbare gute Wirkung für das praktische Leben einsieht. Gewiß, wenn diese Hebungen übertrieben werden, sind sie eine ganz schlimme Sache. ES ist sehr gut für einen jungen Mann, wenn er Kapitän seiner Schulmannschaft gewesen ist, sehr schlimm aber ist es, wenn man zwanzig Jahre später von ihm nicht mehr sagen kann, als daß er sich auch weiterhin für Fußball, Baseball und das Boren interessiert hat und daß er die Erinnerung hat, einmal Kapitän gewesen zu fein. Der Kollegstndent, der sich den Kopf vollbüffelt, um der erste
in der Klasse zu bleiben, und der seine Gesundheit vernachlässigt und den guten Noten zuliebe seinen Körper verkümmern läßt, kann sich selbst großen Schaden zufügen; aber er beweist damit nur, daß das übertriebene Studium schlecht ist. Die Tatsache bleibt dennoch bestehen, daß das Studium selbst eine grundwichtige Sache ist. Und genau so verhält es sich mit den kräftigen Spielen. Wird der Ruder-, der Fußball- oder der Basebällsport von einem beträchtlichen Teil der Gesellschaft als der Zweck des Lebens angesehen, so beweist diese Gesellschaft mir, daß sie sich in einer ungesunden Lage befindet. Wird der Sport so genommen, wie er genommen, werden sollte, als ein gutes und gesundes Spiel, so ist er wohltätig in der Wirkung nicht mir ans den Körper, sondern auch ans den Charakter. Soll ein Student hart studieren, so muß er Charakter haben, und auf Charakter Weift es auch hin, wenn ein Manu hart in einem Sport arbeitet, der ihn zu strenger physischer Anstrengung und zu einem konstanten. Training nötigt.
Für die Nation Ivie für das Individuum ist die eine unumgänglich notwendige Sache der Charakter, der Charakter, der handelt und wagt wie er duldet, der Charakter, der tätig wirkt in der Hebung der Tugend wie er fest ist in der Ablehnung alles Gemeinen und Lasterhaften.
Vermischtes.
* Leinwand intb Beider w a n d. Was hat die Leinwand mit der Wand zu tun? Gar nichts? Der zweite Bestandteil dieses Wortes ist das alte Wort Wat, in dem dieselbe Wurzel wie in „weben" steckt, und die Form Leinwat kommt noch int 17. Jahrhundert im Schriftdeutsch«!!, heute noch in zahlreichen Mundarten vor; so auch wie einfache Form Wat int Sinuc von Kleidung, z. B. int Nordmährischen und int Voltsliede „Verlassen, verlassen" — Hand trage unsers Königs „Wat". Auch die Form Gewand ist erst int Mittelhochdeutschen neben die altere gewaete getreten intb hat diese später ganz verdrängt. Und derselbe Stamm steckt auch in dem nicht mehr allgemein bekannten Stoffnamen Beiderwand, der bedeutet: aus beiderlei Stoff — nämlich ans Seinen und Wolle bestehend.
* Vor d c in Schaufenster. „Du sieh mal, das Bild da hat een Toter jemacht." — „Aber Mensch, gnatsch doch nicht!" — „Na, da steht doch drunter: Nach wem Leben gezeichnet!"
* (Sin Rekord. „Weestte Willem, det macht mir so leichte keener nach! Jestern abend überfuhr ick ohne Laterne uff verbotenem Weg im 30-Kilometer-Tempo mit jestohl'nem Auto eenen Schutzmann, ohne jefaßt zu werden!" . t
* (Sin Schlauberger. Fritz: „Mama, gib nur oocq n' Stückchen Zucker, ich hab meins fallen lassen." —. Mama: „Da hast btt eins! Wo hast bns denn hinsallen lagen? — Kärtchen: „In beit Kaffee!"
-- Unter Samer ab eit. „Kamerad haben sich verlobt — gratuliere herzlichst — übrigens, wie ist denn Ihre Brant?" — Js Jeschmacksache; mir gefällt je nid)!"
* Einwand. „Da könnte man hundert Jahre alt werden/ bis man die Frau richtig kennen ieritt!" — „Ja — und dann lohnt es sich nicht mehr!"
* 9iail>. Hausfrau: „In der Wanne ist ja eine Temperatur! von 35 Grad, und hier baden Sie bas Kind?" — Kindermädchen: „Ach, was versteht denn so ein kleines Kind von der Temperatur!
Krcnzrätssl.
In die Felber itebenstehenber Figur sind die Buchstaben a a aabb ccccd eeeece h h hi i i 1 1 1 1 1 1 n u n n r r sssssss t t w derart einziitragen, daß die wage- rechten und senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes ergeben:
1. Zugvögel,
2. Italienischen Komponisten, 3. Deutsches Land.
Auslösung in nächster Nuiiimer:
Auflösung des Nrithmogriphs in voriger Nummer: Main — Anna — Sagau — (Santana — Ägan — GanS — Rain — Isis;
M a s c a g n i.
Redaktion: K. Neurath, — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen lluiversitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lange, Gießen.


