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denk satter; Grün und schmücken als ftattliches Gefolge die lieblichen Ufer Lis weit in die Ferne. Wahrhaftig! Keine Schilderung, kein Pinsel vermöchte den beriickerrden Zauber, den Manz und die Pracht der wechselnden Farbentö-ue wiederzrrgeben, Vie der Himmel in verschwenderischer Frille hier ausgegossen hat, wo die Gestade zweier Erdteile sich berühren, wo die Lippen zweier Welten sich küssen. „Ich sah Athens heilige Räume", so möchte man sprechen mit Lord Byron, „ich sah die Tempel von Ephesus und tvar in Delphi, ich habe Europa durchstreift von einer» Errde zum andern und Asiens schönste Lander besucht, aber nirgends erfreute mein Auge ein Anblick, dem von Konstantiiropel zu vergleichen." „Sieh Neapel und stirb!", so tönt es stolz vor; den Lipperr der Italiener, wir aber wollen begeistert aufjaitchgen und rufen: „Sieh' Konstantinopel ur;d freue dich, daß du lebst ?"
Meldung der polarvslker.
Bon Dr. A. B y h a n.*)
Demselben Triebe, der die Menschen veranlaßte, ihrckr Leib *u schmücken, verdankt die Kleidung auf einen: grasten Teil« der Erde ihr Dasein, zuweilen allerdings unter Mitwirkung eimeS sekundären Triebes, des Schamgefühls. Diese EntwickliE zeigt sich überall, wo das Klima gelind genug ist, daß der Körper des Menschen keines besonders sorgfältigen SchtcheS bedarf. Anders liegt di« Sach« int hohen Morden. Hier war die Umwelt mit ihrer langwährenden Kälte der maßgebende Faktor, der den Polare Mmrkchon zwang, seinen Leib mit dichte» „nd wärmenden Hüllen M bedeckt!, und der Schmucktrieb kam erst in zweiter Linie zur Geltung. Daß nicht das Schamgefühl die eigentliche Ursache der Entstehung der Kleidung gewesen ist, daS zeigt sich auch hier, bei den Polarvölkern, darin, daß innerhalb der Hütten Männer lvie Frauen fast nackt zu gehen pflegen: die Mäüruer tragen eine Art Badehose, die Menten hinten noch eine klein« Schürze, die TschM- schen u. a. kurze. Fellhofen; die Ostjakinnen und Tschuktschinnen Gürtel, di« Alentinnen Schürzen aus Pelz, Leder oder Gras.
Mas das Material anbelangt, aus den: die polare Kleidung! mt gefertigt wird, so besteht es im Binnenlande meist aus Renn- tierhäuten, bei den Küstenbewvhnern auch aus SechunWÄlen. Daneben verwenden die Jmnt, Tschukischeck, Korjaken, Meuten Vogelbälge zu leichteren Sommerkleidern, die Anwohner des Beringsnweres Därme von Seesäugern Mr Herstellnug von Regenröcken. Tie Felle anderer Pelztiere, wie Zobel, Eichhörnchen, verschiedener FuckMrte» it. a., und befenders von langhaarigen, weißen Hunden, deren Zucht u. a. eine Spezialität der Ostjakinnen bildet, werden zur Verzierung und Ausschnchckmrg der Kleider gebraucht.
Das Prinzip, vfelches in der polaren Kleidung zuick Ausdruck komm, ist das der Doppelfenster: zwischen dem Körper und der Außenwelt soll sich stets eine gewissermaßen anhaftende, »«lj» bewegte Luftschicht befinden, die als schlechter Wärmeleiter den Zutritt äußerer Kälte hindert und den Verlust an Etgecklvürme auf «in Minimum verringert. Diesem Grundsätze gemäß schließen die polaren Kleider nicht eng an, wodurch zugleich auch einer Störung der Mutzirkulatrou und damit einer Herabsetzung der Körperwärme vorgebeugt wird. Damit ferner die schützende Lust- hü'lle nicht durch daS Eindringen kalter Luft gestört werde, sucht man die Zahl der Oefstnnrgen möglichst einzuschränken und dichtet inan die wenigen, unbedingt erforderlichen durch'Pelzbesatz, durch das Ueber e in ander ziehe n zweier Kleidungsstücke oder durch NierneU- versDtürimg ab. Die inner« Lufthülle wird allerdings durch di« Ausdünstung des Körpers mit der Zeit feucht und damit kälte- lieitend gemacht. Da schafft sich der Polarmensch jedoch bei großer Kälto rwch eine zweite, ganz trocken« Lufthülle, indem er doppelte Meider anzieht: dabei kehrt er die Haarseite des inneren Gs- WandeS dem Körper zu und die des äußeren nach außen.
Tie polare Kleidung, deren Abarten im einzelnen zu beschreiben zu weit führen ivürde, besteht im großen und ganzen auS folgenden Stücken. Ten Oberkörper bedeckt eine sackartige Jacke, die bis zur Mitte der Oberschenkel, seltener bis über dis Knie hinabreicht, (bei den Samojeden und Ostjaken); bei Frauen ist sie vorn zuweilen geschlitzt und mit Riemen verschnürbar. Gon Vieser Regel bilden die Tung sen und manche Jakuten eine Ausnahme: sie tragen nämlich offene Jacken und daruitter einen Brustlatz. Hosen verhüllen bei beiden Geschlechtern den Unterkörper und die Beine bis zur Mitte des Oberschenkels oder bis zu den Kicken oder auch bis zu den .Knöchel», je nach beti Länge der anschließenden Stiefeln. Unter diesen werden gewöhnlich Peizstrümpfe getragen, bei einigen wenigen Völkern werdest die Be statt dessen mit Gras, Bast u. dgl. umwickelt, lieber den
f zieht man eine Kapuze, über die Hände Fausthandschuhe, beide sind zuweilen auch mit der Jacke vereinigt, und in diesem Falle befindet sich am Hairdgelenke ein Einschnitt, durch welchen Ke Hand herausgesteckt werden kann, tote z. B. bei deck Samo*
*) Aus „Die Polarvölker" von Dr. A. Btchack. Verlag Von £tew W. Meyer in Leipzig.
Oes»Mr?ebtes.
* Landgerichtsrat und Fran Müller. In deck höheren Gesellschaftskreisen schreibt man jetzt Einladungs- und Glückwunschkarten oft in folgender Form: „Oberst und Frau Schmidt geben sich die Ehre, Herrn .... einzuladen", „Land- gerichtsrat und Frau Müller seitden ihre besten Glückivünsche — Gegen solche Wortverbindungen sträubt sich aber ein gesundes deutsches Sprachgefühl. Wir sagen, „Oberst Schmidt und Frau'', „Rechtsanwalt Fischer und Frau" usw. Herr Schmidt ist „Oberst und Regimentskommandeur", aber nun und nimmer, „Oberst und Frau". Wetrn vor einem Eigennamen hinter der Berufs bczeich- nung noch eine weitere Bestimmung steht, so beziehen wir diese unwillkürlich auf dieselbe Person: Rechtsanwalt und Notar Fischer. Superintendent und Pfarrer Müller, Lentnant und Adjutant: Brückner u. ä. Die wunderliche Wortstellung „Oberst und Frau Schnckdt" ist nur eine Nachahmung englischen Gebrauches. Der Engländer schreibt so in Einladungen, z. B. Doctor and Mrs. Wilson regnest the plesure of Mr. and Mrs. F.'s eomMuy to dinner. Aber das ist eben englischer Brauch, und wir haben doch wirklich gar keinen Anlaß, von unserem deutschen abzugehen. — Hebet diese And viele, viele andere Eugländercieu kann man manches Ergötzliche urch doch so Unerbauliche in der Dungerschen Schrift! „Engländerei in der deutschen Sprache" lesen, die im Berlage des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins kürzlich in zweiter Auf-« läge (Preis 1.20 Mk.) erschienen ist.
jeden, Ostjaken, Bei diesen werden auch Strümpfe und Stiefelg zu einem Ganzen verbunden, und die Kleidungsstücke vieler Ttmgu-, sinnen, Jtälmimten, Tschuktschinnen, Alaskanerinnen sind über-, Haupt alle zu einem Gewände zusammeugeitäht. Zum Schutze des Kinns, legen Jakutinnen und Tschnktschinueit eine Binde um> bie bei letzteren aus verschiedenen Fellstücken int Schachbrett Muster zusammengesetzt ist. Die Tschuktschinnen wickeln sich außer-, dem um den Hals einen Pelzivärmer, eine Boa aits Eichhörnchen« schwärizen. Um die Hüsten schlingert beide Geschlechter einet; Gürtel, der sowohl die Jacke an den Körper anschließen soll, wie auch zum Anhängen verschiedener kleiner Geräte dient.
Irr der wärmeren Jahreszeit pflegen bei den östlichen Polar-, Völkern die Frauen barhäuptig zu gehen, bei den andern trageck sie Hauben oder Mützen von verschiedener Form, die sie oft auch unter der Winterkapuze anbehalten. Die Männer setzen im Sommer Mützen ans, die Jtälmen und Alcuteu sogar Hüte, Bon den Mimischen Hüten wissen wir nur, daß sie aus Holz, Birkenrinde oder Federkielen hergestellt werden. Die aleutischeck tverden entweder ans Gras und aus Taniimwurzeln geflochten oder ebenfalls aus Holz gefertigt. Sie sind oben offen und ragen mit einem vorspringenden Schnabel 1—l1/» Fuß über das Gesicht hinaus. Sie sind mit Erdsarben bemalt und ringsum mit Schnüren, Glasperlen, Büscheln oder Federn usw., am untern! Rande mit Federspulen besetzt, am oberen mit langen Bartborsteck von Seesäugern und mit einen: oder mehreren Atnulettstgürche» aus Knochen.
Literatur.
— „Ein Bjündvl Satiren" Von Rudolf Presbe^ (Concordia Deutsche Verlags-Anstalt, G. m. b. H. Berlin W. 30) geh. 2 Mk., geb. 3 Mk. Ein ül>crnMiges „Bündel Satire!:" von denn frischesten unserer Humoristen. Und tuen» man diese kleinen Parodie,: antb „Nachdichtmtgen" tagesberühmber Stücke kiest, diese Spottzeilen, mit denen Presber die sensationellem Prenckeven unserer großen Theater quittierte, so erstaunt man, toia gesund und richtig das heute erscheint, was ntot: damals vielleicht hier und dort als .einen Mtgriff auf die heilige Kuckst empfand. Maeterlinck, Wedekind. Shaiw werden nicht geschont, das ehemals hnodern« lyrisch-rMMsche Sezesfionsdrama noch weniger. Verstiegenheiten, Snsbismen, holde Feierlichkeiteck iverdeck lachend ad absurdum geführt, daß man oft seine Freude daran hat. In der Prosch-Skizzo „Ibsen" Muß man den Takt bewmcherck, mit dem Presber Weine Schwächen eines großen MeMchWl VM spottet. _______
Arithmogriph.
14 3 1 berauschendes Getränk,
2 18 4 Stadt in Böhmen.
3 5 2 4 Figur aus dem Kartenspiel.
4 2 5 2 eine Kulturpflanze.
1 2 3 4 1 männlicher Vorname.
2 5 2 4 ein Tret.
5 2 2 4 2 eine Frucht.
2 4 8 6 griechische Gottheit.
436 2 1124 österreichischer Dichter.
6 2 13 See in Rußland.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen den Namen eines Gelehrten und Romanschriftstellers ergeben.
Anflösuug in nächster Nummer.
Auflösung des Palindroms in voriger Nummer; Regen, Neger.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


