Ausgabe 
29.11.1909
 
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Msntag den 29. Vsvember

1909 M. M

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Rheinlandstöchter.

Romqn von Clars Kiebig.

(Fortsetzung-.) (Nachdruck verboten.)

Nun gib doch Antwort sieh' nicht so stockstumm Um dich! Ach, ach, was warst du früher für ein liebes gutes Kind und jetzt immer so verbissen! Was haben wir doch für angenehme Zeiten zu Haus in Koblenz verlebt! Wenn ich noch an die Kaffees und die Bälle denke! Aber du hast alles von dir geworfen, ohne Rücksicht, ohne Pietät! Rede doch wenigstens; immer oies verbissene Wesen ist gräßlich!"

Was soll ich sagen, Mama? Du ivürdest mich doch nicht verstehen. Ich hatte es mir anders gedacht." Neldas Stimme klang müde.Es tut mir leid, wenn dir die Pension zu viel wird ; wir könnten uns ja eine ganz kleine Wohnung nehmen, zwei Stuben und Küche, es gibt nette Gartenwohnungen. Dann könnten wir allein für uns leben. Hier von den Vorderstuben hast du ja doch nichts."

ist er etwa nicht gut? Mein ganzes Leben lang bin rch von euch unterdrückt und beiseite geschoben worden ja, du unb der Papa! muß mir das jetzt nicht wohl tun, wenn mich einer hochhält und beachtet? Ich hab's ja immer gesagt, nie hab' ich ausreden dürfen, und letzt t sie zog das Taschentuch und drückte ihr Gesicht Hinern. Ich habe ein zu schweres Leben gehabt. Du bist ein Undankbares Kind, geh' nur!" Sie schluchzte; plötzlich hob fie lauschend den Kopf. z , ,

Von der Berliner Stube her ließ srch ein Räuspern

Was was nein, was für eine Idee!" Die Rätin war geradezu außer sich, sie schnappte nach Luft.Das mutest du mir AU? Ich soll aus dem Hof sitzen, nichts sehen als Dachrinnen oder Müllkasten ja, solche Garten­wohnungen kennt man! Keine Seele haben, mit der man mal spricht, immer allein hocken! Warum bin ich denn nach Berlin gezogen? Gerade weil ich gern unter Menschen wollte! Jetzt kann ich mich doch unterhalten so viel ich will und mit den Borderstuben, das ist auch nicht wahr; wenn Schmolke weg ist, kann ich ganze Stunden drin sitzen, ich hab' sie doch! ' Gartenwohnung! Und das mutet mir die eigene Tochter Au?! Wenn ich nur schon an Schmolke denke, der sich so bei uns eingewöhnt hat dxr gute

Schmolke

Jetzt fuhr Neida auf, es ging ihr wie ein Stich durch's Herz. Das war derselbe Tonfall, mit dem die W.tter Siu sagen pflegte:Der gute Dallmer."

6 'Sag'das nicht, tch kann's nicht hören ich" - der Fuß zuckte ihr, um heftig aufzustampfen, plötzlich stutzte sre, es ging wie ein Kampf über ihr Gesicht.Liebe Mama, sag nichtder gute Schmolke"!" Ihre Stimme klang vöttrg verändert, es lag eine rührende Bitte darin.

Was, ich soll nicht sagen,der gute Schmolke"? Und ist er ettva nicht gut? Mein ganzes Leben lang bm rch

Sre

er halte verheiratet« st, die estimierten den .terbtiten war cs auch

vernehmen, ein tiefes, fettes der Mtmännerhusten am Morgen und dann die Stimtwe des guten Schmolker Marie, Marie! Bringen Sie mir doch man das Rasier- wasser, sonst hab' ich es immer schon um diese Zeit tu der Schlafstube! Was ist denn los? habe dreimal ge­klingelt! Hören Sie nicht? Marie!"

Um Gotteswillen. Schmolke Hai teilt Rasierwasser! Ach was" die Rätin schob die Tochter unsanft bei Seit« geh' mir aus dem Weg. das kommt von deinen Dum- mereien!" Mit fliegenden Bändern stürzte sie zur Küche heraus, man hörte in dem langen Gang ihr atemloses Rufen:Verzeihen Sie, Herr Schmolke! Marie bügelt hinten. Warten Sie einen Augenblick, lieber Herr Schmolke, ich bringe gleich das Rafierwasser!"

Ra, nu wird's Tag! Das fohlte noch, verehrte Ge- Heimrätin, daß Sie sich selbst bemühen! Das leid' ich mcht o bitte, nein nein, nein!"

Nelda hörte ein Scharren von Füßen jetzt machte Schmolke die bekannten Bücklinge und nun die Strmms der Ntutter:Aber, bester Herr Schmolke, so lassen Sie

mich doch, ich tu' es ja gern!" ,

Ja, ja, ich weiß, Sie sind eine e>ee!. von tyrau, viel zu gut gegen mich alten Witwer! Mer allens, wo es hin- paßt, Verehrte, was das Rasierwasser anbelangt"

Hier schloß sich die Tür, Nelda hörte nichts nkehr. Mit einem Seufzer trat sie wieder an's Fenster. Warum wav ihr das alles so widerlich? Sie dachte an ihren verstor­benen Vater, der lag weit weg aus dem Kirchhof am Rhein weit weg, Gott sei Dank! Sie dachte an sein mrldeÄ Gesicht mit den tiefen Äugen und verglich es mit den gut­mütig breiten Zügen des Herrn Schmolle. Wie konnte man ganz im selben Tonfall sprechen:guter Dallmer"guter Schmolke"?

Sie legte die geballte Faust an den Fensterrahmen und preßte die Stirn dawider, die Kiröchel der Finger drückte«

preßte die Stirn dawider, die Kiröchel der Finger druckte« ihr rote Flecken in die Haut.

So stand sie, bis die Magd angestürzt kam. ,M, iw) iS denn Herr Schmollen sein Rasierwasser? lieber de Plackerei hab' ich mir versäumt! Re, was mir das arjert, jester« hat er mich erst 'ne Mark jejeben. Ne, jnahes Fraulein- Se jlauben jar «ich, tote jut er is!"

Gut' Wer Geld geben kann und auch gibt, ist uatür- lick aut! Und Nelda dachte an die Dheaterbilleits, dre st« und die Mutter Herrn Schmolkes Güte verdankten. St« biß sich auf die Lippen. Seit zwei Fahren wohnte Herr Rentier Moritz Schmolke bei ihnen; er hatte verheiratet« Kinder am Ort, aber wie das so geht, dre eftinuerten den Bater nicht genügend. Mit Haushälter...........

nicht geglückt, so inserierte er:

Netterer Herr aus' gebildeten Ständen suM liebst volle Pension und Anschluß in feiner, stiller Familie Offerten erbeten guter

" M. <3. 896 Spedition d. Zig.