608
der Zeit nicht mehr in Anwendung MoiNnlE Wenn heute jeb't! Kicchenversänmnis und jeder .Fluch mit Strafe belegt würdech hätten die Kirchenkassen gewiß gute Einnahmen. —e—.
Vermachtes.
* Kindertheater zu Shakespeares Zeit. Im I zweiten Akt des „Hamlet" fragt der Prinz die Edelleute Rosen- I kranz und Güldenstern, warum wohl die aus der Stadt gs- I kommenen Schauspieler genötigt seien, im Lande umherzuziehen. I Darauf erwidert Rosenkranz, daß ihr Theater über schlechten | Zuspruch zu klagen hätte und begründet dies mit der Bemerkung: j „Da ist eine Brut von Kindern, Prinz, Nestlinge, kaum aus dem | Ei gekrochen, die bis zum Ueberschnappen der Stimme schreien I und ganz grausam dafür beklatscht werden, die sind jetzt in de« | Mode und kreischen so laut über die gemeinen Theater, wie sie I sie nennen, daß viele Herren, die Degen tragen, sich vor Gänse- I kielen fürchten und kaum mehr hinzugehen wagen." In diesen I Worten und einigen weiteren Gegenreden hat Shakespeare seinem | eigenen Aerger über die unerfreuliche Konkurrenz-, Luft gemacht, | die damals seiner, im Globetheater spielenden Truppe durch ein | unter dem Protektorat der Königin stehendes Knabentheater er« | wuchs. Die Tatsache war schon bekannt, aber über Art, Ent- I stehung und Geschichte dieses theatergeschichtlich merkwürdigen Ju- I stitiits, das von 1597 bis 1608 bestand und für die Dekadenz! I Seit charakteristisch ist, hat erst ein vor kurzem erschienenes I Werk des amerikanischen Forschers Prof. Charles W. Wallace I („The Children vf the Chap-el at Black friars") Licht verbreitet. I Schüleraufführungen .kannte man natürlich in England so gut I wie in Deutschland schon im Zeitalter des Humanismus; daß I aber eine stehende Schauspielertruppe aus Knaben gebildet wurde, | die in einem richtigen Theater spielte, war eine Neuerung, deren I sich zuerst das Blackfriarstheater zu rühmen hatte. Dieses trug | seinen Namen von dem ehemaligen Kloster der Blackfriars, d. h der schwarzen Brüder, weit es auf dessen Grund und Boden stand (auf dem sich heute das Zeitungsgebäude der „Times" erhebt), und gehörte dem Schauspieler Richard Burüage, Shakespeares Zeit- und Berufsgeirosfen. Bon Burbage ließ, sich ein gewisser Henry Evans das Theater verpachten, der hier in Verbindung mit dem Chorregenten Ghles, dein Leiter der königlichen Chorknabenkapelle, ein nur mit Knaben spielendes festes Theater einrichtete. Die Unternehmer wußten sich 'nicht nur königliche!
I Privilegien, sondern auch die besondere Gunst der vornehmest | Kreise zu sichern, die sich in dieser Kinder-Komödie ein Rcudez- i kous zu geben pflegten. Dazu war das Blackfriarstheater nm!
so eher geeignet, als es das erste unseren modernen Schauspielhäusern ähnliche Theater war, mit Parterre, Logen und Galerien. Der kleine Fassungsraum (500—600 Personen) gab ihm überdies eine gewisse Intimität, Und da es im vornehmsten Viertel Londons gelegen war, nahm man auch dem aristokratischen Publikum entsprechend höhere Preise. Die jugendlichen Darsteller, deren Zahl zwischen 20 'und 30 schwankte, waren zwischen 9 und 13 Jahren alt, die Kosten ihrer oft sehr luxuriösen Garderobe bestritt die königliche Schatulle. Ihre Wohnung chatten sie im Theater selbst, wo sie auch 'in allen zu ihrem Beruf gehörigest Fertigkeiten unterrichtet wurden. Die bekanntesten Dichter der Zeit, darunter Ben Jonson, schrieben Stücke für das Kinder- theater, die aber keineswegs auf kindliche Darsteller zugeschnitteni und reich an Zweideutigkeiten waren. Elisabeths Nachfolger Jakob I. entzog dem Knabentheater seine Gunst und Unterstützung so daß es 1608 einging; dasselbe Schicksal teilten in den nächsten Jahren einige ähnliche, nach seinem Muster entstandene Institute.
* Pariert. Sie: „Wenn du behauptest, du hättest in derncm Leben nie eine Dum'mheit geinacht, so erklärst du etwas, was nicht wahr ist." — Er: „Na, weißt du, du brauchst mir auch nicht so oft vorzuwerfen, daß. ich dich geheiratet habe."
* Fromme Seelen. Skatbruder (der von einem ansprechenden Handwerks'bnrschen im Spiel gestört wird, wütend): „Schämen Sie sich nicht, während der Kirchzeit im Wirtshause zu betteln?" — Handwerksbursche: „Verzeihen Sie, meine Herren) wenn ich Sie in Ihrer Andacht gestört habe!"
SchwarzbN'rg „vom Rein". Dauernde Ausgabeposten sind in den' Rechnungen eingestellt für Beschaffung des Abendmahlweins und der Hostien. Es wurde verausgabt 1623: „vor ein maß wein, 'astf Pfingsten zu Gießen geholt 1 ft. 18 Psg. Der „Schiffeu- berger"' war billiger. 1622: „auf Ostern vom Closter ein maß. wein geholt 12 alb." Die Hostien, wurden von „Marpurgk" bezogen und kosteten 5 alb. Für ein Taufbecken (Messing) würden 1638: 1 ff. 3 alb. verausgabt. Ein Pfund Lichter (Kerzen) für die Kirche kostete 5 alb. Die Anschaffung einer „Sanduhr", jedenfalls für den Kanzelredner, erforderte 1630: 4 alb., gewiß ein billiger Zeitmesser.
Alljährlich mußte der Steinbacher Pfarrer, in der Regel nach Ostern und im Herbst, auf bem Convent zu Gießen erscheinen, wobei ihm ständig 1 ft. 3 alb. als Tagegelder aus der Kirchen- kasse bewilligt wurden. Den gleichen Betrag erhielt er, „als er zu Großen-Linden wegen eröffnung etlicher fürstlicher Büfelch gewesen", nnd falls er bei einer Kirchenvisitation anwesend sein Wußte. Bei einer einfachen Beorderung nach Gießen würden' 16 alb. „Zehrgeld" vergütet. Das Schreiben der „Castenrechnung" brachte dem Pfarrer jährlich durchschnittlich i/2 fl. ein. Bei Ab- hörung der Kirchenrechnung wurden für Bier Und Wein 1 ff. gut getan. Zu gleichem Zwecke wurde bei Einführung eines Pfarrers oder Lehrers 15 alb. bis 1 fl. bewilligt. Die Vcr- gebuilg der Kirchbauarbeiten wurde auch bei Bier und Wein gefeiert. So Würbest 1650: „mit dem Steindecker Verthan 22 alb., j als ihm das Kirchendach verdinget worden". Bei derselben Gelegenheit erhielt der Schreiner 2 fl. „wein Kaufs".
Bücher wurden selten für die Bibliothek der Pfarrei angeschafft. Sie waren auch damals zu teuer. So kostete 1653 cinj Andachtsbuch: gründliche .Verteidigung der göttlichen Wahrheit H.D. Petri Haberkonis (Gießener Superintendent) 3 fl. 29 alb. j Für Einbinden eines Saalbuches erhielt der Buchbinder 20 alb' (1,60 Mk.), nach dem damaligen Geldwerte ein hoher Betrag. I „1 fl. 8 alb. würden dem G. Süperintendente vor eine Neu i Kirchen Ordnung gegeben."
Die Unterhaltung des Kirchengebäudes nahm die Kirchenkasse I sehr «ft in Anspruch. Die Kirchen waren in den damaligen Kriegs- I Seiten sehr oft der Verwüstung ausgesetzt. Sie dienten häufig Äs Sagerftelten, Magazine und Lazarette. So erhielt bei einer I Kirchenreparatur im Jahre 1650 der Schreiner aus Sich allein I 17 fl. 18 alb., für Leim 18 alb., 1664 wurden verausgabt für I 800 „Gepacksteine" zum Pflastern der Kirche 8 fl. 24 alb Der Fuhrmann, der sie aus Gießen holte, erhielt 1 fl. 13 alb, während dem Maurer für das Legen der Steine 2 fl. 17 alb ge- Seben wurden. „Vor Knick, fa die Maurer zum Pflaster gebraucht 1 fl. 15 alb." Tie Kirchdachunterhaltungskosten bilden ständig j vorkommende Ausgabeposten. Für kleinere Ausbesserungen wurden I durchschnittlich 1 fl. bezahlt. Mehr Kosten verursachte die Repara- | im Jahre 1650, also unmittelbar nach dem Kriege, da für I Dachdeckerarbeiten Folgendes verausgabt wurde: „dem Stein- S decker 9 fl. 3 alb., für Nägel zum Dach (allein) 5 ft. 13 alb, W Schiefer stein 2 ft. 24 alb., einem geben müssen, so nach Gladenbach gangen (8 stündiger Marsch), die schieferstein zu Kausfen 20 alb., einem hotten geben, so die Nägel zu Eichelsdorf abgeholt 10 alb., dem Stcindecker fchloswein (wohl vom Schisscuberg) I 12 alb., zu Gladenbach einem man Setzerlohn 2 alb 2 Psg die I Schiefer zu laden 1 alb. 4 Psg." Das Anfahren werden wohl I Ortsbürger umsonst besorgt haben. 1664 erhielt die Steinbacher I Krcche einen Turm. Es heißt: „2 fl. 1 alb. dem Steindecker, I fo uewe arbeit an der Kirch und den Dorn gemacht. 10 alb' I 4 Pfg. vor dichte, so an den Kirchtorn gebraucht."
Sehr streng wurde auf diq Sonntagsheiligüng und den Besuch des Gottesdienstes und der Bettage gehalten. Arbeiten am Sonn- ! tag, Versäumnis des GotteAdienstes, Fluchen' am Sonntag wurden I mit Geldbuß strafen belegt, die unter der Rubrik: „Zunahme von I Buß" hier und da mrfgesührt werden. So: 1624: „wegen I Fluchens am Sonntag Mich. Habel 4 alb., Heinr. Habel 4 atb, | H.^ Scherff 4 alb., Joh. Rischen 4 alb." „20 alb. Buß solcher, I daß sie die Predigt an Sonn- und> bettagen versäumt." , Vom ^ar 1627 bißero wegen Versäumnis des' Gottesdienstes Sontags arberten Und fahrten gestrafset haben müssen mit 4 fl. 21 alb." 1625: „Buß solcher so diß Jar die predigt des Son und bettags versäumt und gestraffet waren 2 fl. 20 alb." 1627, den 13. Fchr.;
Nachbarn den bettag versäumt haben, müssen zahlen 18 alb." ,'Soh. ENler war am abent von Sich kommen voll die Soldaten Nnd Reuter agirt und geflücht ist gestraft worden 5 alb."
Diese Bußgelder treten nur periodisch auf; später werden fiel gar nicht mehr aufgeführt. Jedenfalls ist diese Strafe mit
Homonym.
Hauptwort trägt besond're Kleider Und spricht fremd int deutschen Lande. Seitwort sehen wir beim Schneider m getragenen Gewände.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Magischen Quadrats in voriger Nummer
Redaktion: I. B.: E. Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen'Universttäts-Buch. und Steindruckerei, R. Lange. Gießern
G
0
L
F
0
B
0
E
L
0
R
D
F
E
D
I


