Ausgabe 
29.9.1909
 
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Mittwoch den 29. September

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Rheinlandstöchter.

Roman von Clara Biebig.

(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)

Frau Elisabeth Xylander war sehr vergnügt, sie ging so gern auf den Ball, trotz ihrer fünfe. Mit sorgloser Fröhs- lichkeit, wie eine Siebzehnjährige, gab sie sich dem Wiegen des Tanzes hin. Heute war's freilich ein heißer Tag ge­wesen große Wäsche, selbst Buschmann mußte dabei Helsen Frau Hauptmann hatte allein die Kinder zu hüten, das Essen zu kochen, und wie immer alles im un­geeignetsten Moment kommt, so war es auch heute ge­wesen. Wilhelm kehrte mit einer Beule aus der Schule zurück, dick wie ein Hühnerei; Lollo und Bicky zankten, gingen mit Stöcken aufeinander los und zerschlugen den Spiegel über der "Kommode. Während die Mutter auf der Diele kniete und die Trümmer zusammen las, kam Karl angekrochen und zerschnitt sich an einem1 Scherben das Jingerchen. Große Heulszene mit Rutenstreichen und so weiter. Heiß und abgehetzt war Frau Elisabeth im letzten Augenblick in den Ballstaat geschlüpft. Der war schon geraume Zeit immer der gleiche, ein weißseidenes Kleid, je nach Bedürfnis zurecht gemacht; allzuviel hatte sie ja überhaupt nicht dem Vergnügen des Tanzes huldigen können, von wegen der fünfe.

Nun stand sie aber, freundlich wie ein Sonnentag, im hell erleuchteten Ballsaal. Die rundlichen Schultern sahen weiß und appetitlich aus dem Festgewand, an der Brust trug sie ein Sträußchen roter Winterbeeren und ein paar Epheublätter die Kinder hatten's im Garten zusammen- gelesen. , ,

Gut, daß du kommst, Paul," rief sie lachend, noch atemlos von der letzten Tour, ihrem Mann entgegen,und wie fchön, daß du Fräulein Nelda mitbringst!" Herzlich streckte sie dem- jungen Mädchen die Hand entgegen.Hier, Ramer ist wieder in seiner schwärzesten Laune, es will Mir nicht gelingen, ihn aufzüheitern. Vielleicht glückt's unferm losen Züngelchen da besser!"

Sie griff scherzend nach Neldäs Ohrläppchen und zwickte es.

Kommen Sie, Kind, lassen Sie sich mit einander be­kannt machen. Paul, stelle mal vor!"

Gestatten Sie Premierleutnant Ferdinand von Ramer, mein langjähriger Freund und jüngerer Kamerad vom' Kadettenhäus her, hetzt zu Meiner großen Freude hier­her versetzt Fräulein Nelda Dallmer, unsre Nachbarin auf der Chaussee!"

Neida verneigte sich; sie sah, wie die Augen des fremden Offiziers gleichgültig aufblickten und sich sofort wieder zu Moden senkten. Auf einmal schoß es ihr durch den Kopf r- Ramer, Ramer> wo hatte sre den Namen doch schon gehört? Richtig, vor drei- vier Jahren hatte er in sämt­

lichen Zeitungen gestanden, da regte dieser abscheuliche Spielerprozeß alle Gemüter auf. War das etwa der Sohn von jenem berüchtigten Ramer oder sonst ein Verwandter? Sie sah den Fremden mit einem gewissen Interesse an. Er hatte sich halb abgewendet und ließ Frau Elisabeth aus sich einreden; er sah nicht mehr jugendlich genug für einen Premier aus, obgleich sein Gesicht hübsch war und seine Haltung eine tadellose.

Xylander trat dicht an Nelda heran und flüsterte, seinen Schnurrbart drehend, hinter der vorgehaltenen Hand:Sie kennen doch die böse Geschichte? Habe ihn heute zuw erstenmal herausgelotst armer Kerl, famoser Menschi seien Sie ein bißchen nett zu ihm) Fräulein Nelda, er hat'» nötig!" Laut setzte er hinzu:Empfehle mich den Herr­schaften. Du verplauderst wohl den nächsten Tanz mit Fräulein Nelda, Lifadeth? Habe selbst noch eine Pflicht­tour abzumachen o je!" Und init einem komischen Seufzer chassierte der lange Hauptmann durch den Saal auf ein verblühtes ältliches Mädchen zu, das ihm aus­leuchtenden Blicks entgegen sah.

Die drei schauten ihm nach.Wie gut Paul ist," sagte der Fremde plötzlich,noch immer der alte liebenswürdige Mensch!"

Ja, das ist er," nickte Frau Elisabeth stolz, doch mischte sich ein Teilchen Unzufriedenheit in ihren Ton. Wenn er nur nicht immer so unpraktisch wäre! Selbst mit dem Tanzen ist es so, an die Schönen, und Begehrten macht er sich nicht, immer nur, was da so herum sitzt." Sie bewegte die Hand bezeichnend nach der verblühten Dame hin.Ich predige ihm oft, aber er nimmt immer das, was kein anderer mag!"

Ja, mit mir hat er auä) getanzt. Sehen Sie, Fran Hauptmann, und noch hinter zwei Tänzen steht sein Name!" Nelda hielt der Verblüfften ruhig ihre Tanzkarte hin.

Aber aber Kind Sie wie können Sie nur denken?!" stammelte Fran Elisabeth in tödlicher Ver­legenheit.

O, das macht gar nichts," lachte Nelda,ich nehme es nicht übel. Wenn ich einen so netten Mann hätte wie Sie, wäre mir auch das Allerbeste nur gerade gut genug für ihn. Aber es geht ja im Leben nicht immer nach Wunsch. Ich wäre auch lieber wo anders, als hier!" Ueberrascht fah der Fremde auf, sie merkte es nicht.Finden wir uns beide drein und nichts, für ungut!" Sie hielt der Ber« legenen die Hand hin.

Frau Elisabeth wär es ganz heiß geworden; ein Glück, daß jetzt ein Herr vom Regiment auf sie zukam und uw den nächsten Walzer bat.

Ich wollte ich solltemein Mann wünschte5 nein, nein, ich danke!"

Aber, gnädige Frau, Sie, als vorzüglichste Walzer- iänzerin, werden doch nicht pausieren? Ich bitte, ich bitte dringend!" ,

Die junge Fran schwankte == Mn hob feejß MpM>