*' Eine Anekdote aus des KaisersJugendzeit wird in den Erinnerungen des Malers Ziem erzählt, die letzt ut Cassels Magazine veröffentlicht werden. Der Künstler berichtet, tote er im Jahre 1864 vom Hofe ausgefordert wurde, nach Berlin zu tommeu. Der Kronprinz und die Prinzesiin Viktoria be>- suchteil ihn oft in seinem Atelier, wo er mit der Fertig,tettung von Aufträgen, die der König von Preußen ihm erteilt hatte, beschäs- tiqt war. Der kleine Prinz Wilhelm faßte eine lebhafte Zuneigung für den französischen Künstler, der oft mrt dem kleinen Prinzen Soldat spielte und ihm zeigte, wie inan die kleinen Ssuelkanoneni abieuerte, die seiir königlicher Großvater ihm geschenkt hatte. Prinz Wilhelm ivar damals ein sehr liebenswürdiges ftohftclM Kiiid, aber bisweilen überkamen ihn phantastische Launem Manch- mal belustigte er sich damit, die Wände nut Ziems Farben M beschmieren oder er ging mit den Pusteln des Malerv aus die Fliegeniagd. „Eines Tages," so erzählt Ziem inseinenMemoiren, ,war ich in meinem Atelier, als die königliche Prinzessin sich auf einige Augenblicke entfernte und mich mit ihrem Sohne allein ließ. Ich 'arbeitete an entern großen Bilde, das der König bestellt hatte. Alles ivar still, mr Atelier herrschte die größte Ruhe, aber ich spürte wohl, daß diese vollkommene Stille nicht lange dauern würde und fragte mich nicht ohne tiorge, welchen Streich der steine Prinz mir Wohl spielen wurde. Plötzlich höre ich ein Geräusch 'wie von berstender Leinwand. Mitten durch die Nase einer Göttin, an der ich gerade nut großem Eifer arbeitete, erschien ein kleiner Finger uild winkte mir sreund- schaftlich zu. „Hihihi, Herr Franzo e," riet vergnügt eine klars Kinderstimme, „Wilhelm will Sie besuchen!" Die Kronprinzessin wurde von der Missetat ihres Sohnes verständigt und der über- mittige kleine Prinz empfing durch die Hand ferner Mutter eure sehr tatkräftige Aufklärung über das Tadelnswerte feines Be-
Das wollen wir den jungen Leuten überlasten — nicht ivahr, lieber Herr Doktor? — Ich denke, wir beiden Alten warten hier, bis fie wieder herunter kommen.' -
Der Oberlehrer fdjnitt ein etwas säuerliches Gesicht, aber daun schien ihm ein Gedanke zu kommen, der ihn wieder nut dem Vorschlag der Matrone aussöhnte, denn er Dimmte mit fast befremdlicher Lebhaftigkeit zu und wollte Fräulein Evas schuch- terne Einwendungen durchaus nicht gelten lassen.
Nein, nein, Sie müssen hinaus, erklärte er. „.xUjie per ehrte" Frau Mutter und ich —- wir werden uns inzwischen hier unten schon die Zeit vertreiben." „• hprs,
Da entschloß sie sich denn wirklich zu gehen. Mit nieder oekckiiaaenen Anaen schritt sie an der Seite des Kandidaten dem schmalen Gipfelpfade zu und war den Blicken der Nachschauenden bald zwischen den Stämmen des Hochwaldes entschwunden. ,
Zwischen dem Oberlehrer und der Fran Laiidgerichtsratin aber entspann sich nach einigem diplomatstchen Vorgeplankel eme sehr ernsthafte Unterhaltung. Mit einem Kompliment über Fraulein Evas gutes Aussehen und ihre vortrefsliche Erziehung stng es an tun allgemach auf den Segen eines traulichen Heims und aus das bedauerliche Schicksal eines vereinsamten Junggesellen über- zugehen. Auch von der Unzuverlässigkeit der jungen Manner von beützntage war des längeren die Reoe und-davon, bafj ein zarti» weibliches Wesen am besten unter dem Schutze eines ernsten, gereiften Mannes aufgehoben sei. Und nachdem so ein das . nnbere gegeben hatte, ereignete sich wirklich und wahrhaftig da^ I , Psiiiastwunder, auf das der Oberlehrer seinen Neffen vorbereitet hatte, und Herr Dr. Theodor Kästner hielt bei ihrer Mutter ui aller Form um Fräulein Evas reizendes Händchen an. Vielleicht hatte die Frau Landgerichtsrätin nach der ^e^iitigeiiCm- leituiig etwas anderes erwartet. Da aber der Herr Oberlehrer immerhin noch ein Mann in den besten Jahren war, auch einige Andeutungen bezüglich seines recht beträchtlichen Vermögens ge- macht hatte und sich bei aller Welt des denkbar besten Rusev erfreute, sagte sie nicht nein, sondern erklärte mit einem kleinen Anflug von mütterlicher Rührung, daß sie nichts anderes wolle als das Glück ihres geliebten Kindes und daß sie dem Herrn Doktor von Herzen ihren Segen geben würde, ivenn es rhnl gelange, Evas ^'"Darüber ivar aftglmach mehr als eine ©tobe vergangen und in immer kürzeren Zwischenräumen blickte Dr. Kastner auf seine Uhr
Fch weiß nicht — meinte er. „Von hier bis auf oen Gipse? sind es doch nicht mehr als zehn Minuten. Sie mußten eigentlich schon längst toieber ba sein. Es wird sich doch Nicht !Om Jim des Himmels willen!" rief die etwas zartnervige Ratin. „Eva ist zu unvorsichtig. Wenn sie nahe an den Abhang getreten luäre! Tun Sie nur die einzige Liebe, Herr Doktor, und sehen Sie nach ’ben beiden. Ich würde sonst bor Angst hier ver-
„Na, habt ihr ba droben etwas vom Pstngstzauber verspürt?" fragte mit neckischem Augenzwinkern der Oberlehrer. Und als sich Fräulein Evas liebliches Antlitz daraufhin mit dunkler Röte färbte, nahm er mit väterlicher Zärtlichkeit ihre beißen Hände und küßte die Erglühte auf die Stirn.
Den beiden Verliebten aber war es, wie wenn der SUaug von tausend fernen Kirchenglocken durch die Lüfte zitterte. Die Blumen blühten, die kleinen Vögel sangen — und sie waren jung.
Da mußte ihnen fteilich wohl das Verständnis dafür uus- gehen, daß das Fest der Pfingsten noch heute das Fest der wonnevollen Wunder ist.
vermischter.
* Volksmedizin. Ein Mitarbeiter der Zeitschrift „Ros Lectures" gibt eilte amüsante Uebersicht über die „HeilnnWt 5 die die französischen Bauern gegen die am häufigsten vorkom . menden Krankheiten anwenden. Zahnschmerzen kuriert mau auf ttcbcn." I eine böcßft cinfctc()c : ntnn nut etncit _ L..«»
' Dem Oberlehrer war der Auftrag ersichtlich nicht unwill- I e-n£ Mauer zu schlagen, und das Zahnweh hört von iE auf. kommen und mit langen Schritten eilte er ut derselben Richtung I mehreren Dörfern ist man jedoch von der Wirkung oiffes davon in der die jungen Leute vorhin verschwunden waren. I nicht ganz fest überzeugt, man behandelt daher den kranken
Der Weg war steil nub er merkte bald, daß ein jugendlich flotter ZZ^ls nichts ganzen uv^ J roten Ochset,. Gegen
Anzug und ein bißchen Bartfarbe doch noch nicht ausreickfenb sind, I gibt es nur ein sicheres Mittel: man gehe tu cinuS
aus einem Zweiuttbft'tnfzigjährigen einen Dreißiger zu machen. I sich einen fest gewurzelten .Dornstrauch aus und
Aber er gönnte sich keine Rast und war völlig außer Atem, I ^che darunter hindurch: man tue das drei ^age hintereiitaubev als das kleine Gipfe'lplateau vor ihm anfmuchte. I gOnnenawfgang, aber .ohne daß es jentanb sieht, sonst ut Die
’ Da konnte er sich dann freilich ;U,^ner Beruhigung mit Kur verlorene Mühe. Witt man lentanb von Letbschmerzeii
einem einzigen Blick überzeugen, daß kein Unfall passurt ivar. I j)ec(:e|en >0 nehme man vor Sonnenaufgang einen ZirgilstcM Denn er sah die beiden, die er suchte, heil und ^fud vor sich, ° k Kirchenmauer und lege ihn auf den Unterleib besPatn-ut-u. so voll Gesundheit und Lebensfülle, wie es zwei lugenbliche R e{lt<,8 Sonnenstichs schafft man aus der Welt, wem
Menschenkinder in den glücklichsten Augenblicken ihres Lebens nur I Mittagszeit in freier Lust ein großes Gla^ mit
immer sein können. Schars hoben sich ihre schlattken, blühenden I » gßaffer aus den Kopf des „von der Sonne Gestochenen Gestalten gegen den lichtblauen Frühlings hmiinel ab, vom gol- ^eI(t ^as Wasser beginnt sofort zu kochen, und der Kranke ist bigett Sonnenschein umslosfeu und Nichts konnte besser ut bi I gesund. Handschweiß beseitigt man, tubem man tu der lachende Herrlichkeit dieses Psingstmorgens hm em basten aG das I t , ten einen kleinen Frosch erwürgt. Sehr groß ist die Bild des anmutigen Paares, das sich m seliger Bergesseiiheft I □ ,.( Mfttel, die gegen Fieber empfohlen werden. Am be
umschlungen hielt und der gesprochenen Worte nicht bedurfte, ! ^e£)tertert unt) Dekokte von Schlangenhaut, die als wirksames Um sich tausend köstliche Dinge zu sagen. Sie hatten sich ohue ^^„,^tel für Chinin geltem Bon unfehlbarer Wirkung fmb jedes Aufgebot von Gelehrsamkeit verstanden und der Ka dlbat ft^ei Handvoll Gras, die man sich am Vorabend des mo- kam sich gar nicht mehr unwissend und unbedeutend vor, sondern I r.nnn^taqefl nu§ dem Straßengraben holt, ferner 3nfuitonet. alS der stolzeste, reichste und glücklichste Mensch unter der■ ^tnute. Misteln, die mit Gräberstaub bedeckt sind. Eines der besten
Der Oberlehrer aber, von dessen Annäherung sie Nichts wahr- I a^er c{n ltm den Magen gebundenes Säckchen, dao eu genommen hatten, drückte ein paar Mnulten lang die HEcinf g Papier mit den geheimnisvollen Worten: „Abraca sein nicht bloß von der Anstrengung des feigem- stürmisch gnritoge, eglatns, agfa, abra, bra" enthalt,
floppendes Herz. Dann wandte er fiel) gaitg MUe wleoer v.igau i ------------
Cyä Ynrrr 4fim mit einenunal LUM goto Hinten, van I . f <
freilich wohl noch immer an einem schönen Pfingstmorgen Wunder Geographlfch-s Berfchtebtatfel.
geschehen mögen, daß es aber im Grunde immer nur dasselbe I Nanking, Ktao-Tschou, Heriugsdors, Nordsee, Spanten, Wunder ist wie in der lenzlichen Natur, wo sich in stürmischem I Amerika, Havaua, Newhork, Nymphcuburg. ,
Drange. Jugend mit Jugend paart, damit die lachende, prangende I Vorstehende Namen sollen Derart untereinander gen) Welt aufs neue ersteht. , . ... , m ' P I werben, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gei I »
Unb Dr. Theodor Kästner war trotz seines gefärbten hartes 1 ^en ^a]nen ejneg beliebten Seebades ergibt.'
ein verständiger Mann. Die durch die Besorgnis um Eva unter- I Auslösnttg in nächster Rümmer.
brocbene ernste Iluterhaltung mit der Landgerichtsratin sand eine I --
nicht minder ernsthafte Fortsetzung, unb als eine Viertelstunde I Auftöftma bes Bilderrätsels in voriger Nummer: später hie beiden jungen Leute etwas verwirrt und echauffiert > Austoftmg >°es ttocrivnie 1» .j
auf der Bildfläche erfchienen, trafen sie auf gütig lächelnde Gesichter, i Wo Worte feiten, haben sie ^eiuiin . Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitüts.Buch- und Steinbruckerei, R. Lange, Gießen-


