Ausgabe 
29.5.1909
 
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Zamstag den 29. Mai

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Pfingsten.

Ströme der Liebe mit flammenden Zangen Künden frohlockend den mächtigen Geist l Haben zum Lichte empor gerungen.

Was im Herzen längstens vereist.

Ströme der Liebe! Hört ihr sie branden lieber den blühenden Landen?

Seht ihr das Wunder? In heiligen Weihen Saugt es die dürstende Erde voll Kraft;

Schmückt sich wieder mit Blumen und Maien, Sprengt des Grabes drückende Haft!

Wunder der Liebe! Es grüßen die Toten Euch, ihr ewigen Boten!

Kommet, es harret die erste Gemeinde!

Schönheit und Friede ist Zeichen und Band. Komm, du göttlicher Geist, der sie einte, Wieder herab auf das sehnende Land!

Komme und führ' uns zu reineren Sphären!

Schenk uns zur Ernte die vollen Aehrenl Friedrich Natteroth.

Spätinghof.

Roman von K. v. d- Eide ft:

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Acht Tage 'blieb Janne Thomson auf Harbekhof und rührte die flinken Finger. Die Maschine rasselte so teilt, daß sie mitunter das Sprechen übertönte. Während der acht Tage hatte Mars' Harbek .Halsschmerzen und mußte tu der Stube bleiben. In diesen acht Tagen zeigte Mars Harbek ein auffallendes Interesse und Verständnis für die Garderobe seiner Mutter. Die Maschine rasselte. Sie rasselte am lautesten, wenn Frau Harbek in der Küche war.

An dem Tage, an dem Niels Janne wieder nach Hanse fuhr, ging Mars zum erstenmal ins Freie. Wieder stand er am Heck der Fohlenkoppel und wartete.

Mit einem Satze war er oben und hatte die Zügel er­griffen. Niels sah dem davonfahrenden Wagen nach. Wenn das mau gut geht, dachte er.

Mars und Janne saßen dicht nebeneinander.

Mars seufzte.Deern, Janne," sagte er,wie soll ich

es nun ohne dich aushalten? Harbekshof wird mir ganz einsam und leer Vorkommen."

Du wirst dich daran gewöhnen."

Er schüttelte den Kopf. Nein, ich weiß nicht mehr, wie das Leben ohne dich werden soll. Sag Jamie, willst du meine Braut sein, bis ich dich als Bäuerin aus Harbekshof führen kann? Willst du mir treu bieibeit?"-

Ja, Mars," entgegnete sie,wenn ich dir nicht zu gering)biM st hübscheste und gescheiteste Mädchen, das ich kenne. Freilich einen Kampf wird es geben."

Deine Mutter," flüsterte das Mädchen zaghaft,ich glaube, sie ist sehr stolz."

Nein, stolz gerade nicht. Sie kann sich nur nicht von der alten Sitte trennen; sie denkt, ein Bauernsohn mutz notwendig eine Bauerntochter freien."

Wir müssen uns hinter Mele stecken. Er muß uns helfen."

Niele, der Knecht, was soll der dabei tun?"

Mele gilt viel bei der Mutter; die tut nichts ohne seinen Rat. Niele ist ja so viel wie mein zweiter Batev.«

Ah, ist er schon lange bei euch?" ,

lieber zwanzig Jahre. Er war schon bet uns zu meines Vaters Zetten und hat mich schon als Junge Hucke­pack auf seinem Micken reiten lassen, all wie sauer es ihm wurde. Ich will dir erzählen, wie es gekommen, daß Niele Mutters Beirat geworden ist."

Ja, erzähle r o .

Es sind wohl fünfzehn Jahre her, da gab es im Winter das erste Glatteis. Mein Vater wollte am Sonn­abend zum Wochenmarkt nach Heide fahren, und'Niele riet tf,iH ist Glatteis, Bauer," sagte er,die PferLeZind nicht scharf; wir wollen lieber erst nach dem Schmied gehen." , ,

Mein Vater lachte.Wenn ich selber fahre, dann nnrhs Wohl gehen." . ....

Da ist Niels zu der Mutter hereingekommen.Haltet ihn zurück, Frau," hat er gesagt,es gibt ein Unglück!"

Als die Mutter, die schon damals viel ans Nietes Worte gab, herauskam, hatte der Vater schon angespannt und fuhr davon. Einige Stunden später brachten ihn ein paar Arbeiter von der Nachbarschaft. Auf dem Wege von Dörpelshöhe hinab waren die Pferde zu Fall gekommen, der Vater war aus dem Wagen geschleudert und hatte eine schwere Wunde am Kopf bekommen.

Er starb nach wenigen Stunden; aber vor seinem Tode kehrte die Besinnung noch einmal zurück.

Niele, verlaß die Frau nicht. Frau, halte dich an 'Miete. Mars, hör auf ihn." Das sind seine letzten Worte gewesen....

'Aber Janne, Liebchen, du weinst ja!"

Janne trocknete ihre Tränen.Erzähl weiter!" bat sie. Ja, seit der Zeit ist Mele auf unserem Hofe mehr