Kpeishaüptmältn Äon Karlsbad ivtiutret. Es war eine Zeit, trt der das Papiergeld sehr niedrig stand und eine allgemeine Unsicherheit des Geldwertes eingetreten war. Da forderte ihm der Wirt zum „Roten Ochsen" in Schlaggenwald für ein „bloßes Mittagessen, wobei weder Frühstück noch Wein noch Kaffee genossen worden", für vier Personen 76 Gulden ab. „Es ist in diesen Tagen," so motiviert Goethe seinen Einspruch, „schon öfters zur Sprache gekommen, daß Gesellschaften, welche durch die fdjöneit Wege, die herrlichen Naturgegenstände und das gute Wetter auswärts gelockt worden, mit Verdruß über das ganz .unerwartete Zechen nach Hause gekehrt, und ihre gehoffte und genossene Freude vergällt worden"; er macht nur den „it'nmafr geblichen Vorschlag", daß feste Preise in den Gasthäusern eingeführt werden sollten. Goethe hatte die Genugtuung, daß. die Zeche auf 41 Gulden 20 Kreuzer herabgesetzt und der Wirt zu 10 Gulden Strafe verurteilt wurde. Geprellt wurde Goethe auch bei seinen Einkäufen in Karlsbad, wobei aber seine Sammler- leidcnschaft häufig über den Aerger siegte. So klagt er über die „unverschämten Preise", da er für vier Majolikateller elf Louisdor zahlen muß! Dr. P. L.
Allerhand Vetroachtmge öwer die mue Zeire.
„Ich sein auch niet off de Kopps gefälln, daß ich niet weßt, woas im mich erint viergieht. Von de naue Steuern ganz se geschweie, dar warn aach niet so ausgefalln, wann mr doas nun Putschfönerzeng niet krieht harre. On den ahle Schweafelspien vu freuer, harre se sich goar niet vergrieffe — doas Zeug harr ent se viel gestunke. Es kimmt awer devvn, weil se etzt se faul sein, die Peif met Zonner non Fauerstan onsestecke — läiwer stecke se sich etz e Schoachtel Putschfeuerzeug iens Leibchesäckelche non wann dr ganz Gealdbeul dobei die Krenk krieht. Meint- tvege könn se d's Feuerzeug noach hieher versteuern, ich raache etz goar naut intet), vo haut oab wird geschort — ivsf d's Speuze warn se ahm do ach ka Steuer lege. Wann mr so ahlt ies, wär ich etz sein, sollt mr sich üwer so Krem goar niet mieh ofrege, awer es sein noach ganz annern Sache do, däi ahm ärgern, wann mr nur dron denkt,
Schun ieu der Schul lern se alleweil so viel fremd Gezeug, doaß mer mahnt, so wollte all Professer Wern, non für teurer viernehm Geschwätz verlern se inet dr Zeit Noach ihr Mottersproch. S gieht do demet, wäi met dr Troacht — do kimmt aach a Steck noch dem annern zoum ahle Eise.
Wann so a Maadche nur drei Toag als Loarejonfer awer aach als Maahd teit Gäiße wo ar, ien dann wirrer Ham kimmt, dann traan se die Noas schn, Goatt waaß, wäi huch, lease d's Maul ien Fahle non wann se d's Bräumaul öffduhn — wuppch, do hun mersch — .ärweldeck kimmt dann doach dr Bauer eraus. Dehre se schwätze, wäi en de Schnawel gewöase ies, dann seh mir haut niet so viele met ihre Protekollschnud erimlaafe.
Jonsern derf mr se goar niet mieh Haase, mr soll Fräulein sahn, soft mache se Gesichter wäi e Deppe voll Deuwel. Jedweder Bvrsch will „Herr" titeliert sein, ien jedweder Kneecht krieht off ent Bräib aach sein „Herr" für de Nome gefaßt, non wann he se schleecht ies, deß he goar kahn Herr mieh wert ies.
Suost, wann mr wn hin soahrn deht, dann hott mr sich a Gebond Struh off de Waan (Wagen) gelegt; do saß mr auch waach — awer etz foahrn se ieu Scheeßerche uon ien Galesche groad wäi die grüße Herrn. Wann mr haut ahn haoße deht amol miet em Schippkärrn noch Gäiße se foahrn, läiwer spreng he ien Born.
Soft, wanns Kirmes teilt Doarf woar, uon mr wollt amol danze, dann saht mr: „Lisbeth henk ien, mr wolln amol an schawe!" Alleweil mache se awer en steife Knix wäi 'wann se a Backgeschirr verschluckt härre uon sahn dobei: „Fräulein gestatten!"
Wu hat mr freuer so a Bilderwerk ient Haus henke wüt aweil. Wanns'gout geng, sah mr on dr Wahnd a paar Konfirmierschein ien a Poträt von de heilige Genoveva henke, doas woar alles. Alleweil sein se kaum aus dr Schul, dann lasse se sich schun phottegraphiern, uon jeder glaubt, he müßt sein Fratz aach ohu die Wahnd henke.
Däi naumorische Sache awer komme all vom viele Bücherlese non von all dem viernehme Gedöts. Mr met hingucke, wu mr hin will, die Zeire hun sich veränert, se sein naut mieh wäi freuer.
Wann ich amol iens Wirtshaus komme uon seh se do Kpate spien, do möcht mr groad die Krammenut kriehe,
woas für Wärter se do tem Maul führn. Wäi ich noach a Bosch war, do hun mr ganz annersch off de Desch geschlan, tomtit mr die Hänn voll Trump harre. Die Kreuz-Dam ient Solo nenne se etz d's „Mädche"; mir hün se d's „Mensch" ge- haaße, uon die „Aß" woar bei uns immer die „Sau". Doas woaru doach noch Nome vorn goure deutsche Klang, do woar noach kan Wort Französisch dobei. jlon wann ich so woas hieru uon sehn muß, dann giehn ich läiwer wirrer gleich Ham, leg mich hinneru Owe uon daun die Aage zou, daß ich vo bere naumorische Welt ka Riwelche mich seh." -o-
veVmlschtss.
* Ein Schauspieler als Heiliger. Verschiedene Stände und Gewerbe haben ihren besonderen Heiligen, dessen Beziehungen zu den einzelnen Berufen freilich oft weit genug her? geholt sind. So sieht zum Beispiel die Artillerie in der heiligen "Barbara ihre Schutzheilige, und in verschiedenen Artillerie-Garnisonen werden ihr am Barbara-Tage Feste bereitet, obwohl zu Lebzeiten der frommen Frau — int 3. Jahrhundert — von einer Artillerie noch nicht gut die Rede sein konnte. Ihr Patronat Wer die Artillerie dankt die Heilige ihrem eigenartigen Tod durch einen Blitzstrahl. Aus einem viel näherliegenden Grunde könnten sich die Schauspieler einen Heiligen zu ihrem Schutzpatron wählen, den heiligen Genesius nämlich, der selbst ein Schauspieler war. Es ist bekannt, wie die älteste christliche Kirche die , Schaubühne mit ihrem .hasse verfolgte; alle Kirchenväter eiferten gegen das Theater, und damals sicherlich nicht mit Unrecht, denn die pantomimischen Darstellungen jener Zeit waren von einer Zuchtlosigkeit, die die streitgste Bekämpfung am Platze erscheinen ließ. Zur Zeit der diokletiauischeu Christenverfolgung sollte nun der als Virtuos gefeierte Komiker Genesius in einem Possenspiel, das die Verhöhnung der Christen zum Zwecke hatte, einen Katechumenen darstellen, der noch auf seinem Totenbette die Taufe begehrte. Ein anderer Schauspieler erteilte ihm die Taufe, ein dritter machte den Exorzisten. Da aber geschah ein Wunder: die Taufe, die nur eine Bühnentaufe fein sollte, hatte die Wirkung einer eigentlichen Taufe. Von der Bühne herab zeugte.der getaufte Genesius mit so wunderbarer Beredsamkeit für die Wahrheit des Christentums, daß alle Zuschauer in seinem Banne saßen und viele, von seinem Feuer ergriffen, die Taufe begehrten. Noch wußte man nicht, ob die Geschicklichkeit des Schauspielers wirkte oder die heilige Begeisterung des überzeugten Ehristen; man führte ihn vor den Kaiser, der den Mimen lobte, weil er so gut den christlichen Fanatiker gespielt habe. Da aber erklärte Genesius offen und kühn, daß es ihm mit dem Christeni- tum Ernst sei. So wandelte sich die beabsichtigte Komödie in eine Tragödie; mau peitschte den Unglücklichen, man wollte ihn auf der Folter zwingen, zu widerrufen; er aber blieb beharrlich bei seinem Bekenntnis und wurde als ein Opfer dieses Bekenntnisses enthauptet. Die Kirche aber, die sonst die Schauspieler verfolgte und mit dem Bann belegte, hat diesen Mimen, der von der Bühne herab für die Kirche gezeugt, heilig gesprochen; fein Andenken wird am 25. August gefeiert. — Die Legende ist übrigens später selbst dramatisch behandelt worden. Rotrou, ein Freund und Zeitgenosse Corneilles, hat den Stoff auf die Bühne gebracht („Saint - Genest, comsdien pai'en, reprssentant le martyre d'Adrien"), und in unseren Tagen hat Felix Weingartner den Helden der Legende in seinem Musikdrama „Genesius" künstlerisch verherrlicht.
, * In der Sommerfrische. Mutter (die mit mehreren
heiratsfähigen Töchtern gesegnet ist): „Es ist rein zum Verzweifeln ! Hier hält nichts an, nur der Regen!"
Rösselsprung.
Auflösung in nächster Nummer:
schwei
ist
dich
je
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schäf
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Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer: Der Geist i st willig, aber das Fleisch i st schwach.
Redaktion: I. V.: E. Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Sleiudruckerei, R. Lauge, Gießen.


