Ausgabe 
28.8.1909
 
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Samstag den 28. August

Peter Nockler.

föte Geschichte eines Schneiders von Wilhelm Holz am er.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Im Geschäfte ging's dem Peter gut. Er saß ja in gemachten Nest". Die Kunden boirt alten Michel vr1n,^C1?fptoare,< ^rcu geblieben, die Mainzer Kunden

1 t Utt^ Empfehlung waren auch noch neue 0ef°wmen. Denn gar bieten, auchbesseren Leuten", waren doch dre Mainzer Preise zu hoch.

WrStt? ¥et?r Nockler schaffte fleißig. Er hatte einen sS^"ben und einen Gesellen, und er hatte sogar schon zu wenn's so weiter gehe und wenn er weiter

er H Zum Frühjahr, zu. Ostern etwa, einen weiteren Gesellen nehmen. Und als der erste Dermin zu be- za,sten war, da ging er leicht und freudig die Treppe hinauf

8 lIte J?ejn a^en Meister die blanken Gulden- und Zehnguldenstucke und harten Taler hin. Es war ihm nicht scywer gefallen, das Geld zusammenzubringen.

Der alte Sieben lächelte.

uehm dir das Geld nit gern ab, Peter," sagte er. ,,^ch weiß mt, es geniert mich ein bißchen. Aber ich hab! gesehen, es geht bei dir, es kann dir mt schwer fallen, Termin zu bezahlen. Das ist mir eine Freud. Ich hab wirklich meinen Spaß an euch zwei mein rechte Spaß in meine alte Tag." .

Sie tranken einen Schoppen zusammen.

^^ivnßt gar nit, wie er danken sollt, sagte der Peter. Er dacht, es gab sich Wal eine rechte Gelegenheit dazu.

Das tat dem Alten wohl.

, er nur sein lassen. Recht Geld verdienen und

das Geschäft gut führen und schöne Arbeit liefern so einiges mach er ja anders, als er's gemacht habe, aber das geh so mit der Zeit, und er wollt ja nichts sagen dagegen, es geh nun nit mehr an ein'm, wenn man alt wär aber sonst, da hab er jeden Tag seinen allerbesten Dank, wenn er sehe, wie's immer vorwärts ginge.

Zug ^tat mut bent PiUer wohl, und er tat einen tiefen

brrex Wachen, am Sonntag, brachte die Elise einen kleinen Buben zur Welt Einen gar kleinen, schwachen Kerl.

1 Schneiderbub," scherzte die Amme.

., alte Frau Lieben kam nun fast den ganzen Taa k-niiw Wöchnerin. Sie besorgte das Kind,

er Elise Zwiebelsuppe und machte ihr Weckschnitten

?)s b.!x'3 Kind hatte sie so lieb, als

ob v ihr leiblich Enkelkind Ware. Ganznärrisch" war sie mit ihm. Und auch der alte Michel Sieben war e i n Glück und eine Närrischkeit. u

"Unser Buwelche," sagten die beiden Alten.

- Uljdiyca, waä macht dann unser Buwelche?" fragte der Michel sieben feine Frau, wenn sie von drunten kam.

Es war ja ein kleinschminzig" Kerlchen, aber ex gedieh ganz hübsch. '

Auch der Peter war froh.

Allerdings zu allererst, da das Würmchen so quabbelig und garstig vor ihm lag, da zuckte es in ihm. Es war ihm fremd. Aber er fühlte zwei dunkle Augen heiß auf sich ruhen, er sah einen wehglücklichen Schein in diesen Augen, wenn sie das Kind betrachteten er sah die Mutter, die so ^teJ' Jp biel, doppelt und dreifach und zehnfach schon um das Kind gelitten hatte, die's getragen hatte in doppelte,n Weh, und die bei alledem so sorglich und heiter und gütig zu ihm gewesen war, so treu und ergeben, und der er im Grunde immer gut sein mußte, der er immer gut war. e. Nein, sprach's in ihm, nicht sie, nicht das arme, unschul- W Würmchen darf leiden für die Schuld, die längst ge- oußt ist, öie einem andern jetzt nur schwerer aufgetragen ist.

Er war zärtlich zur Mutter und zum Kind. Und nach ein paar Lagen, da es die Amme erlaubte, ließ er sich das Kind in die Arme legen, ging um den warmen Ofen mit ihm herum und sang:

Heio Boppeio, die Nunne,

Sie bringe mei'm Kindelche Mumme,

Cie bringe mei'm Kindelche Rosemerein,

Do schläft jo mein liebgoldig Buwelche ein."

, ,r Da drückte die Elise tief ihren Kopf in die Kissen, Und leise liefen ihr die Tränen. Als ihr der Peter das Kind zuruckgab, strahlten ihre Augen feucht, und sie waren weit offen und sahen ihn an voll tiefer, tiefer Dankbarkeit und Liebe.

*

Der Peter Nockler war ein guter Kerl, und er hatte eine besondere Art, die sich immer mehr ausprägte. Sie war einfach und gut, diese Art. Sie war weiter nichts, als ein mehr nachdenkliches Erleben, n-odnr-.h alles, was dem Peter Nockler begegnete, eine größere Wichtigkeit und Be­deutung bekam, weil der Peter einen Sinn hineinleqtL und Beziehungen fand, die zu ihm führten und zu den übrigen Dingen des Lebens. Er ging nie achtlos an den Dingen vorüber, die an ihm voriibergingen. lieber alles machte er sich seine Gedanken, und so einfach die oft ivaren, so alltäglich und nichtssagend sie sich ansdrücken mochten ihm ivar's doch mehr. Und es lag auch wirklich mehr darin, mehr wie tu all den feinen,studierten" Sachen der gelehrten Leute, weil Leben, weil eben Erleben darin lag.

Demi nur dieses gibt dem Verständnis Weite und leben- blgen SiMi. Und als der Peter Nockler diesmal aus der 'Schlafstube tn seine Werkstatt ging, sagte er sich: Es ist nix für nix auf der Welt. Des Bübche is jetzt da, und 's hat ganz g'wiß auch fein Gutes, daß es komme is. Mau muß nur alles richtig nehme und nit gar so scharf. Es geht alles ems in eins und geht alles zusammen."

Eut zu dem Kind feilt, ihm der Vater fein gut zur Mucker fein und alles vergessen und sich nichts.Liebes